Im Jahre 2012 verhängte der Staat Israel ein Einreiseverbot gegen Günter Grass aufgrund seines israelkritischen Gedichtes "Was gesagt werden muss", in dem er geschrieben hatte, dass die Atommacht Israel den Weltfrieden bedrohe und das iranische Volk mit einem Erstschlag auslöschen könne. Der Schriftsteller hat das gegen ihn verhängte Einreiseverbot als "Zwangsmaßnahme" bezeichnet, die an DDR-Methoden erinnere. "Zuvor sei ihm zweimal die Einreise in ein Land verboten worden, nämlich in die DDR und Ende der 1980er Jahre nach Birma", schreibt er in einem kurzen Text in der Süddeutschen Zeitung mit der Überschrift "Damals wie heute – meine Antwort auf jüngste Beschlüsse". "In beiden Fällen wurde die in Diktaturen übliche Praxis vollzogen", schreibt er weiter und fügt hinzu: "Jetzt ist es der Innenminister einer Demokratie, des Staates Israel, der mich mit einem Einreiseverbot bestraft und dessen Begründung für die von ihm verhängte Zwangsmaßnahme (dem Tonfall nach) an das Verdikt des Ministers Mielke erinnert." Erich Mielke war in der DDR Chef der Staatssicherheit.
Inhaltsverzeichnis
Prolog:
Günter Grass – eine Biographie der Jahre 1946 bis 1966
Günter Grass – seine Beziehung zur DDR
Günter Grass – seine Beziehung zu Willy Brandt
Günter Grass – ein altmodischer Schriftsteller?
„Die Plebejer proben den Aufstand“
Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die ambivalente Beziehung des Schriftstellers Günter Grass zur DDR, beleuchtet seine politische Positionierung im Kontext der deutschen Teilung sowie sein Selbstverständnis als kritischer Zeitgenosse und Handwerker der Literatur.
- Biographische Einordnung von Günter Grass (1946–1966)
- Die kritische Haltung und Interaktion von Grass gegenüber der DDR
- Die langjährige politische Verbindung zu Willy Brandt
- Das Selbstverständnis von Grass als „altmodischer“ Schriftsteller
- Die literarische Verarbeitung politischer Ereignisse am Beispiel von „Die Plebejer proben den Aufstand“
Auszug aus dem Buch
Günter Grass – seine Beziehung zur DDR
Im Jahre 1949, dem Jahr der Gründung der DDR, die sich als „sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern“ verstand, absolvierte Grass gerade das Studium der Bildhauerei und Graphik in Düsseldorf. Im August des Jahres 1961, dem Jahr des Baues der Berliner Mauer, protestierte Grass scharf gegen den Mauerbau und schrieb offene Briefe an die DDR-Schriftstellerin Anna Seghers und an den DDR-Schriftstellerverband. Daraufhin begann die systematische Stasi-Überwachung des Schriftstellers und bis zum Ende der DDR war Grass bei den Oberen nicht gern gesehen. Da er aufrechter Sozialdemokrat blieb, bedeutete das in der DDR, die auf der Ausschaltung aller Sozialdemokratie beruhte, die Einstufung als Staatsfeind. Er propagierte die These von der „Einheit der deutschen Kulturnation“ und setzte sich aktiv für uneingeschränkte Menschenrechte, Meinungs- und Informationsfreiheit ein. Seit 1980 hatte daher Grass Einreiseverbot in die DDR, das aber aus Opportunitätsgründen immer wieder mal aufgehoben wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
Prolog: Der Abschnitt erläutert das Selbstverständnis von Günter Grass als zeitgenössischer Schriftsteller, der sein Ich in der Geschichte verortet.
Günter Grass – eine Biographie der Jahre 1946 bis 1966: Diese Biografie skizziert den Werdegang von Grass nach dem Zweiten Weltkrieg, seine Ausbildung als Bildhauer und den Aufstieg als bedeutender Autor der deutschen Nachkriegsliteratur.
Günter Grass – seine Beziehung zur DDR: Hier wird der kritische Umgang des Autors mit dem DDR-Regime, die Stasi-Überwachung und sein Engagement für Menschenrechte thematisiert.
Günter Grass – seine Beziehung zu Willy Brandt: Dieser Teil beleuchtet die politische Kooperation, Freundschaft und Differenzen zwischen dem Nobelpreisträger und dem Kanzler.
Günter Grass – ein altmodischer Schriftsteller?: Es wird analysiert, warum Grass sich selbst als „altmodisch“ bezeichnete und wie sein handwerklicher Ansatz als Autor zu verstehen ist.
„Die Plebejer proben den Aufstand“: Das Kapitel analysiert die Auseinandersetzung von Grass mit dem Arbeiteraufstand vom 17. Juni 1953 und seine Kritik an der ästhetischen Sichtweise auf politische Kämpfe.
Resümee: Zusammenfassende Reflexion über Grass’ Sichtweise auf die DDR, insbesondere den umstrittenen Begriff der „kommoden Diktatur“.
Schlüsselwörter
Günter Grass, DDR, Willy Brandt, Nachkriegsliteratur, Die Blechtrommel, Die Plebejer proben den Aufstand, Sozialdemokratie, Zeitgenossenschaft, deutsche Teilung, Stasi, Mauerbau, Literaturgeschichte, Politische Literatur, Ein weites Feld, Systemkritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die politische und literarische Laufbahn von Günter Grass, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf seiner komplexen Beziehung zur DDR und dem Politiker Willy Brandt liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Grass' Selbstbild als Schriftsteller, seine Rolle als kritischer Intellektueller, die Auseinandersetzung mit deutscher Zeitgeschichte und sein Wirken während der Teilung Deutschlands.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Bild, das Günter Grass von der DDR hatte, aufzuarbeiten und seinen Einfluss sowie seine politische Positionierung im Kontext der damaligen Zeit darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine biographische und werkanalytische Herangehensweise unter Einbeziehung zeitgenössischer Quellen und Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biographische Etappen, die Analyse der DDR-Beziehung, die Zusammenarbeit mit Willy Brandt sowie die Untersuchung literarischer Werke wie „Die Plebejer proben den Aufstand“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Günter Grass, DDR, Willy Brandt, Sozialdemokratie, politisches Engagement und deutsche Nachkriegsgeschichte.
Wie ist Grass’ ambivalentes Verhältnis zur DDR zu verstehen?
Trotz seines Protests gegen den Mauerbau und die Stasi-Überwachung äußerte er sich später kontrovers über die „kommode Diktatur“, wobei er stets die Menschenrechte betonte.
Was bedeutet der Begriff „altmodischer Schriftsteller“ im Kontext von Grass?
Grass verstand sich als Handwerker, der seine Arbeit als fest in der Literaturgeschichte verankert sah, statt sich als experimenteller Avantgardist von dieser abzukoppeln.
Wie sah die Zusammenarbeit mit Willy Brandt aus?
Die beiden waren eng befreundet, kooperierten in politischen Fragen, vertraten jedoch nach dem Fall der Berliner Mauer konträre Ansichten zur deutschen Vereinigung.
Warum wurde die Nicaragua-Reise von Grass so kontrovers diskutiert?
Grass unterstützte die Sandinisten, was ihm den Vorwurf des „Revolutionstourismus“ einbrachte und international, auch unter Intellektuellen wie Mario Vargas Llosa, heftige Kritik auslöste.
- Citation du texte
- DI MMag Fabian Prilasnig (Auteur), 2013, Das Bild des Günter Grass über die DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269015