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Der Fußfall Barbarossas und die Forderung Heinrichs des Löwen nach Goslar in Chiavenna

Von Fiktionen und Handlungsspielräumen

Titel: Der Fußfall Barbarossas und die Forderung Heinrichs des Löwen nach Goslar in Chiavenna

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2011 , 30 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Christoph Heckl (Autor:in)

Geschichte Europas - Mittelalter, Frühe Neuzeit
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Rolle der Begegnung von Heinrich dem Löwen und Friedrich Barbarossa in Chiavenna wird gemeinhin als der Wendepunkt in den Beziehungen zwischen den beiden angesehen. Das Bild, das die Quellen aus der Rückschau über die Vorgänge in Chiavenna zeichnen, ist angetan, den Herzog als überheblich, undankbar, als Rechtsbrecher und Erpresser erscheinen zu lassen. So hat die Forschung ihn denn auch oftmals gesehen. Die Rollen sind klar verteilt: Der Kaiser als der um Hilfe bittende, der dem Herzog in seiner Verzweiflung und um des Reiches willens sogar zu Füßen fällt und andererseits der sture und hartherzige Sachsenherzog, der sich verweigert und seinen Vetter im Stich lässt.
Doch hat es sich so zugetragen? In der älteren Forschung ging man von einer Machtprobe zweier Vertreter einander entgegengesetzter Dynastien aus: einer vermeintlichen Erbfeindschaft zwischen Welfen und Staufern. Diese habe dann letztlich auch zur Entmachtung des Löwen geführt.
In dieser Arbeit soll zunächst gezeigt werden, dass im Gegenteil Heinrich der Löwe und Friedrich Barbarossa ein geradezu symbiotisches Verhältnis pflegten, ja dass Heinrich die „zuverlässigste Stütze Barbarossas“ war und wohl auch eine entscheidende Rolle bei der Königswahl Friedrichs gespielt hat, wie jüngst hervorgehoben wurde . Die Verbindungen der Vettern waren also – dies eine These, die hier aufgestellt werden soll – auch nicht durch einseitige Begünstigung, sondern durch ein Verhältnis nach dem Grundsatz des do ut des charakterisiert. Das rückt auch Heinrichs Rolle in Chiavenna in ein anderes Licht. Leistung verlangte offenbar nach adäquater Gegenleistung: ist der Kaiser von diesem Grundsatz abgerückt, indem er die Belehnung mit Goslar als Kompensation für militärische Hilfe verweigerte und erklärt sich daraus Heinrichs abschlägiges Verhalten?
Und wieso hat Heinrich Goslar zur Bedingung seiner persönlichen Heerfolge gemacht? Während die Handlungsspielräume Barbarossas zur Genüge von der Forschung ausgeleuchtet sind, wurde dies für Heinrich den Löwen eher vernachlässigt. Was aber waren dessen Handlungsspielräume? Inwiefern konnte bzw. wollte er der Aufforderung nach militärischem Zuzug Folge leisten und war er überhaupt rechtlich dazu verpflichtet?
Für die nachfolgende Argumentation kommt dabei der Chronik Arnolds von Lübeck eine besondere Bedeutung zu. Es wird sich zeigen, dass Arnolds Bericht als Quelle für uns durchaus einigen Wert besitzt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Heinrich der Löwe als wichtigster Verbündeter des Kaisers

2. Abkühlung des Verhältnisses zwischen Kaiser und Herzog?

3. Chiavenna und der Fußfall – ‚inversive Implantate‘?

3.1 Chiavenna

3.2 Der Fußfall des Kaisers

3.2 Zum Stellenwert Chiavennas

3.2.1 Die rechtliche Verpflichtung zur Heerfolge Heinrichs des Löwen

3.2.2 Die Glaubwürdigkeit des Berichts Arnolds von Lübeck

3.2.3 Handlungsspielräume Heinrichs des Löwen und Friedrichs I.

Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht kritisch die historische Begegnung zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen in Chiavenna (1176). Ziel ist es, die gängige Forschungsmeinung zu hinterfragen, welche das Treffen als einseitigen Bruch und Beginn der Entmachtung des Herzogs deutet, und stattdessen die politisch-strategischen Handlungsspielräume beider Akteure sowie die Glaubwürdigkeit der Quellen neu zu bewerten.

  • Analyse des symbiotischen Verhältnisses zwischen Staufern und Welfen
  • Kritische Prüfung der Historizität des „Fußfalls“ von Chiavenna
  • Bewertung der Glaubwürdigkeit der Chronik Arnolds von Lübeck
  • Untersuchung der Forderung Heinrichs nach der Stadt Goslar als Kompensation
  • Einordnung der Hilfsverweigerung in den Kontext sächsischer Machtverhältnisse

Auszug aus dem Buch

3.1 Chiavenna

Ausgangsfrage und Bezugspunkt langer Forschungskontroversen ist also zunächst, ob die scheinbar so folgenhafte Begegnung zwischen Kaiser und Fürst in Chiavenna tatsächlich stattgefunden hat, oder ob sie nur das Resultat eines findigen Chronisten war, der mit der Erfindung der Episode bestimmte politische Absichten zu realisieren suchte. Die Forschung hat, was die Beantwortung dieser Frage anlangt, so manche Kehrtwendung vollzogen. Dies ist in Anbetracht der vielen Quellen, die in ihrer Darstellung des Geschehnisses deutlich voneinander abweichen, nur zu verständlich. Ferdinand Güterbock, der sich ausführlich mit der Entmachtung Heinrichs und der Gelnhäuser Urkunde beschäftigte, war der wichtigste Vertreter der Ansicht, ,dass ‚Chiavenna‘ ins Reich der Legende zu verweisen sei.76 Güterbocks Ansicht setzte sich jedoch nicht durch. So ging etwa Stefan Weinfurter davon aus, dass aufgrund der vielen Quellen, die unabhängig voneinander von dem Ereignis berichten, ein wahrer Kern bestehen müsse, der dann literarisch ausgestaltet, gleichsam ummantelt worden sei.77 Zu diesem Kern zählt dieser auch den Fußfall, zu dem sich Friedrich vor Heinrich erniedrigt haben soll, um mit seiner Bitte Gehör zu finden. In eine ähnliche Richtung ging Ferdinand Oppl, für den die Begegnung durchaus unzweifelhaft ist.78

Eine Kehrtwende schlug neuerdings Johannes Fried ein, der in seiner historischen Memorik Chiavenna als Beispiel für ein „Implantat in das kulturelle Gedächtnis“ wertete.79 Es handele sich bei der Episode lediglich um eine Fiktion, die zu erinnerter Wirklichkeit geworden sei.80 Nach Fried bestehe zwar kein Zweifel an einer Aufforderung zur Militärhilfe, doch persönliche Begegnung von Lehnsherr und Vasall sowie ein Fußfall seien „weder nachweisbar noch als einstige Wirklichkeit wahrscheinlich zu machen“.81

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die gängige Sicht auf die Begegnung von Chiavenna als Wendepunkt der staufisch-welfischen Beziehungen und führt die methodische Neubewertung der Handlungsspielräume ein.

1. Heinrich der Löwe als wichtigster Verbündeter des Kaisers: Dieses Kapitel arbeitet das langfristige, teils symbiotische Verhältnis zwischen Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen heraus, das vor allem auf machtpolitischen Interessen basierte.

2. Abkühlung des Verhältnisses zwischen Kaiser und Herzog?: Hier wird untersucht, ob es vor 1176 tatsächlich zu einer tiefgreifenden Entfremdung kam oder ob politische Notwendigkeiten das Bild verzerrten.

3. Chiavenna und der Fußfall – ‚inversive Implantate‘?: Das Hauptkapitel analysiert das Treffen in Chiavenna und die Legende um den Fußfall des Kaisers vor dem Herzog.

3.1 Chiavenna: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Historizität der Zusammenkunft im Kontext neuerer Forschungstheorien.

3.2 Der Fußfall des Kaisers: Dieses Kapitel prüft die Plausibilität des Fußfalls und kommt zu dem Schluss, dass dieser eher als spätere Erfindung zur Entlastung des Kaisers zu werten ist.

3.2 Zum Stellenwert Chiavennas: Ein Überblick über die rechtliche und strategische Bedeutung des Treffens.

3.2.1 Die rechtliche Verpflichtung zur Heerfolge Heinrichs des Löwen: Untersuchung der lehnsrechtlichen Aspekte der Hilfsverweigerung des Herzogs.

3.2.2 Die Glaubwürdigkeit des Berichts Arnolds von Lübeck: Analyse der Zuverlässigkeit der zentralen Quelle zur Begegnung.

3.2.3 Handlungsspielräume Heinrichs des Löwen und Friedrichs I.: Darstellung der tatsächlichen Zwänge beider Akteure, insbesondere hinsichtlich der sächsischen Machtverhältnisse und italienischer Italienpolitik.

Resümee: Das Resümee fasst zusammen, dass die Begegnung nicht als bloßer Sündenfall, sondern als kalkuliertes politisches Handeln in einem komplexen Interessenkonflikt zu verstehen ist.

Schlüsselwörter

Heinrich der Löwe, Friedrich Barbarossa, Chiavenna, Staufer, Welfen, Fußfall, Lehnswesen, Goslar, Italienpolitik, Heerfolge, Arnold von Lübeck, Historizität, Machtpolitik, Landfrieden, Memorik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Neubewertung der Begegnung zwischen Kaiser Friedrich Barbarossa und Heinrich dem Löwen in Chiavenna im Jahr 1176.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind das Verhältnis der Dynastien Staufer und Welfen, die Historizität der Überlieferungen, das mittelalterliche Lehnswesen und die politischen Handlungsspielräume der Akteure.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die Darstellung Heinrichs des Löwen als „sturen Verweigerer“ zu widerlegen und aufzuzeigen, dass sein Handeln eine rationale Reaktion auf Machtkonstellationen in Sachsen war.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine quellenkritische Methode, bei der zeitgenössische Berichte wie die Chronik Arnolds von Lübeck gegen die neuere Forschungsliteratur abgewogen werden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Ereignisse in Chiavenna, hinterfragt die Fußfall-Legende und beleuchtet die rechtliche sowie strategische Begründung der Forderung Heinrichs nach Goslar.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind insbesondere: Chiavenna, Heinrich der Löwe, Barbarossa, Staufer, Welfen, Fußfall und Goslar.

Wie bewertet der Autor die Forderung nach der Stadt Goslar?

Die Forderung wird nicht als Erpressung, sondern als legitime Suche nach Kompensation für militärische Verluste und zur Absicherung der Machtposition in Sachsen gedeutet.

Welche Rolle spielt der Fußfall in der Schlussfolgerung?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass der Fußfall historisch höchstwahrscheinlich fiktiv ist und erst in staufischem Umfeld zur Legitimierung des späteren Handelns konstruiert wurde.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Der Fußfall Barbarossas und die Forderung Heinrichs des Löwen nach Goslar in Chiavenna
Untertitel
Von Fiktionen und Handlungsspielräumen
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Friedrich I. Barbarossa
Note
1,0
Autor
Christoph Heckl (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
30
Katalognummer
V269055
ISBN (eBook)
9783656600565
ISBN (Buch)
9783656600626
Sprache
Deutsch
Schlagworte
fußfall barbarossas forderung heinrichs löwen goslar chiavenna fiktionen handlungsspielräumen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Heckl (Autor:in), 2011, Der Fußfall Barbarossas und die Forderung Heinrichs des Löwen nach Goslar in Chiavenna, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269055
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  30  Seiten
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