Diese Hausarbeit beschäftigt sich hauptsächlich mit der Interpretation von 11 Seiten aus Scheler's Werk "Die Stellung des Menschen im Kosmos" (vgl. Scheler 1986, 79-90).
Scheler behandelt in diesem Abschnitt das Problem der menschlichen Natur und erklärt, wie bereits Kant schon vermutete, dass die physiologischen und psychischen Lebensprozesse ontologisch streng identisch sind. Ferner zeigt Scheler, entgegen Descartes' klassischer Theorie des Menschen, auf, dass diese beiden Prozesse nur zwei Betrachtungsseiten ein und desselben Lebensvorganges sind und das psychophysische Leben folglich eins ist. Der ontische Gegensatz, welcher im Menschen anzutreffen ist, ist also nicht der Gegensatz von Leib und Seele, wie Descartes es vermutet hatte, sondern der Dualismus von Geist und Leben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Kritik an Descartes' Theorie des Menschen
3. Das psychophysische Leben und die Einheit des Lebensvorgangs
4. Der Dualismus von Geist und Leben
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit Max Schelers Werk „Die Stellung des Menschen im Kosmos“ auseinander, insbesondere mit seiner Analyse des Verhältnisses von Geist und Leben sowie der Widerlegung des cartesischen Dualismus von Körper und Seele.
- Kritik an Descartes' mechanistischem Menschenbild
- Die Einheit des psychophysischen Lebensvorgangs
- Die Bedeutung von Trieb- und Affektleben
- Die ontologische Differenz zwischen Geist und Leben
- Das Verhältnis von Mensch und Tier in der Anthropologie
Auszug aus dem Buch
Das psychophysische Leben und die Einheit des Lebensvorgangs
Die Kluft, die durch Descartes‘ Lehre also zwischen Körper und Seele entstanden ist, gilt es für Scheler zu schließen, indem er das Leben als eine Verbindung aus einer physischen und einer psychischen Seite sieht. Scheler macht deutlich, dass der physiologische und der psychologische Lebensprozess keine voneinander abtrennbaren Einzelprozesse sind, sondern diese identisch sind und sich nur phänomenal verschieden manifestieren, obgleich die phänomenologische Struktur wieder bei beiden gleich ist. Beide amechanischen Prozesse sind letztlich nur zwei Seiten ein- und desselben Lebensvollzugs.
Ferner kritisiert Scheler auch, dass Descartes die Selbstständigkeit und Priorität des Trieb- und Affektlebens in Mensch und Tier übersieht, welches für das Verständnis jeder Lebensbewegung und den Inhalten des Bewusstseins von elementarer Bedeutung ist, da die Triebe den Geist und den Körper vereinen und zwischen ihnen vermitteln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit das menschliche Handeln als frei bezeichnet werden kann und skizziert den Fokus der Arbeit auf die ontologische Einheit des Lebens.
2. Kritik an Descartes' Theorie des Menschen: Dieses Kapitel arbeitet Schelers Kritik an Descartes heraus, insbesondere die Ablehnung eines rein mechanistischen Körper-Seele-Dualismus und die Kritik an einer falschen neurophysiologischen Verortung psychischer Prozesse.
3. Das psychophysische Leben und die Einheit des Lebensvorgangs: Hier wird dargelegt, wie Scheler die Einheit von physischen und psychischen Prozessen als identischen Lebensvollzug begreift, der sowohl bei Menschen als auch bei Tieren gleichermaßen gegeben ist.
4. Der Dualismus von Geist und Leben: Dieses Kapitel erläutert den für Scheler zentralen, höherwertigen Gegensatz von Geist und Leben, der das Verhältnis der menschlichen Existenz grundlegend bestimmt.
Schlüsselwörter
Max Scheler, Die Stellung des Menschen im Kosmos, Geist, Leben, Leib-Seele-Problem, Descartes, Anthropologie, Dualismus, psychophysische Einheit, Triebwesen, Phänomenologie, menschliche Natur, Philosophie, Ontologie, Bewusstsein.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Max Schelers philosophische Anthropologie und seine Auseinandersetzung mit dem Problem der menschlichen Natur in seinem Werk „Die Stellung des Menschen im Kosmos“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die Kritik am cartesischen Dualismus, die Untersuchung des psychophysischen Lebens, die Rolle des Trieb- und Affektlebens sowie das Verhältnis von Geist und Leben.
Welches Ziel verfolgt die Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, Schelers Argumentation für eine ontologische Einheit des Lebens zu rekonstruieren und aufzuzeigen, warum der klassische Dualismus von Leib und Seele durch den Dualismus von Geist und Leben ersetzt werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die auf Schelers phänomenologischem Ansatz basiert und diesen systematisch ausarbeitet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Kritik an Descartes, die Analyse von Lebensvorgängen als physiologisch-psychische Einheit sowie die philosophische Differenzierung zwischen der überzeitlichen Geistessphäre und dem zeitlichen Leben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Geist, Leben, psychophysische Einheit, cartesische Lehre, Triebimpuls, Ontologie und die spezifische Sonderstellung des Menschen.
Inwiefern unterscheidet Scheler das Leben des Menschen von dem des Tieres?
Obwohl Scheler eine grundlegende Einheit des psychophysischen Lebens postuliert, betont er die gesteigerte Einheit und Zentralisierung beim Menschen, ohne dabei auf eine separate „Seelensubstanz“ zurückgreifen zu müssen.
Welche Bedeutung hat das „beziehende Denken“ bei Scheler?
Das „beziehende Denken“ stellt eine der höchsten psychischen Funktionen dar, die laut Scheler trotz ihrer geistigen Qualität stets ein physiologisches Parallelglied in der Hirnaktivität besitzt.
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- Lena Groß (Author), 2013, Max Scheler: "Die Stellung des Menschen im Kosmos" - Das Problem der menschlichen Natur, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269059