Das Thema Kriminalität ist, ob wir es wollen oder nicht, Teil unseres Alltags. Gemessen an dem Stellenwert von Kriminalität in den Medien oder auch in der rein fiktionalen Form der Belletristik, lässt sich formulieren, dass sie gleichsam „Obsession“ der modernen Gesellschaft ist.1 Abgesehen von einer oftmals eher voyeuristischen Perspektive durch die Medien, existiert mit der Kriminologie auch eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Kriminalität der Gegenwart beschäftigt. Doch was kann historische Kriminalitätsforschung leisten? Neben der offensichtlichen Thematisierung der Kriminalität in der Vergangenheit bietet sie darüber hinaus eine hervorragende Gelegenheit, ja geradezu eine einmalige Chance, in einer „history from below“ die Lebenswelten, Wertvorstellungen, Praktiken und Spielräume derjenigen Schichten in der Vergangenheit zu erforschen, die für die bisherige Geschichtsforschung gemeinhin als 'sprachlos' gelten mussten.2 Mit dieser Arbeit soll daher ein Einblick in ein hochinteressantes Forschungsfeld der Geschichtswissenschaft gegeben werden, das sich auch durch eine rasante Entwicklung innerhalb der letzten 20 Jahre hervortun konnte.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Forschungsgeschichte und Forschungsstand
2. Begriffe
3. Gerichtsquellen: Einblicke in die Welt der Kriminalität und darüber hinaus
4. Theoretische Konzepte
4.1 Labeling Approach
4.2 Soziale Kontrolle
4.3 Norm und Praxis
5. Methoden
5.1 Qualitative Zugriffe
5.2 Quantifizierende Zugriffe
Schluss
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Ziel der historischen Kriminalitätsforschung?
Sie möchte über die bloße Tatbeschreibung hinaus Einblicke in die Lebenswelten und Wertvorstellungen historischer Schichten geben, die sonst in der Geschichte oft „sprachlos“ bleiben (History from below).
Welche Quellen nutzt die Kriminalitätsforschung für das Spätmittelalter?
Primär werden Gerichtsquellen analysiert, da diese detaillierte Informationen über soziale Konflikte, Normen und den Alltag der Menschen enthalten.
Was bedeutet der 'Labeling Approach' in der Geschichtswissenschaft?
Dieser theoretische Ansatz untersucht, wie Gesellschaften bestimmte Verhaltensweisen als „kriminell“ definieren und Personen durch soziale Zuschreibung zu Außenseitern machen.
Wie unterscheidet sich soziale Kontrolle von Norm und Praxis?
Soziale Kontrolle beschreibt die Mechanismen zur Einhaltung von Regeln, während das Spannungsfeld zwischen Norm (Gesetz) und Praxis (tatsächliches Handeln) zeigt, wie flexibel Regeln im Alltag angewendet wurden.
Welche Methoden werden in der historischen Kriminalitätsforschung angewandt?
Es kommen sowohl qualitative Zugriffe (Einzelfallanalysen) als auch quantifizierende Zugriffe (statistische Auswertung von Straftaten) zum Einsatz.
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- Christoph Heckl (Author), 2010, Historische Kriminalitätsforschung im Spätmittelalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269060