Obwohl die neue Eigenkapitalvereinbarung für Banken (Basel III) erst ab 2013 in Kraft treten soll, wird um die Folgen der Regelungen bereits nach ihrer Verabschiedung im Dezember 2010 intensiv diskutiert. Wie wird sich die Umsetzung von Basel III auf die Banken und deren Kreditgeschäft auswirken? Welche Institute sind dabei am stärksten betroffen? Haben diese Veränderungen einen unmittelbaren Einfluss auf Unternehmen, die auf eine Fremdfinanzierung angewiesen sind? Hierzu sind mehrere Untersuchungen veröffentlicht worden. Im Zeitraum von Februar bis April 2010 wurden die Konsultationspapiere des Baseler Ausschusses durch eine umfassende qualitative Auswirkungsstudie der Bank for International Settlements (BIS) begleitet. Parallel zur BIS-Studie wurde vom Committee of European Banking Supervisors (CEBS) ebenfalls eine quantitative Auswirkungsstudie auf der EU-Ebene durchgeführt. Die Ergebnisse prognostizieren spürbare Veränderungen in der Kreditvergabepolitik und der Unternehmensfinanzierung. Es wird davon ausgegangen, dass die Kapitalkosten durch die Verabschiedung von Basel III ansteigen werden, wodurch sich die Kreditvergabe verringern wird.
Die Anhebung der Eigenkapital- und Liquiditätsstandards wird die Banken dazu zwingen ihre Kreditausreichungen noch genauer und risikoorientierter zu steuern. Im Zuge der Basel-III-Veränderungen müssen die bankinternen Ratingsysteme den höheren Anforderungen angepasst werden. Die Kreditentscheidung und die Kreditkonditionen werden nun mehr vom Ratingergebnis des Unternehmens beeinflusst. Dabei entsteht ein erheblicher Handlungsbedarf nicht nur für die Banken, sondern auch für die Unternehmen, die mit verschärften Kreditanforderungen konfrontiert sind.
Zielsetzung dieser Arbeit besteht darin, die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalvereinbarung auf die kreditnehmenden Unternehmen zu untersuchen und die erforderlichen Komponenten für das Unternehmenscontrolling herauszuarbeiten, um den Anforderungen der Ratingprozesse nach Basel III gerecht zu werden. Dadurch sollen Unternehmen nicht nur von günstigeren Kreditkonditionen profitieren, sondern auch mögliche Chancen erkennen, um entscheidende Wettbewerbsvorteile gegenüber der Konkurrenz zu sichern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Neue Richtlinien nach Basel III
2.1 Die Entwicklung des Baseler Eigenkapitalakkords im Überblick
2.2 Schwachstellen von Basel II
2.3 Wesentliche Inhalte des Basel-III-Rahmenwerks
2.3.1 Stärkung der Eigenkapitalbasis
2.3.2 Kapitalerhaltung
2.3.3 Reduzierung der Prozyklizität
2.3.4 Begrenzung des Verschuldungsgrades
2.3.5 Einführung eines globalen Liquiditätsstandards
3. Folgen der Basel-III-Umsetzung für das Kreditgeschäft
3.1 Veränderungen für Kreditinstitute
3.2 Veränderungen für Unternehmen
4. Auswirkungen des Basel-III-Regelwerks auf das Controlling von kreditnehmenden Unternehmen
4.1 Bedeutung des Controllings im Rahmen eines Ratingprozesses
4.2 Wichtige Komponenten eines Basel III konformen Controllings
4.2.1 Ratingorientierte Unternehmenssteuerung
4.2.2 Integriertes Risikomanagementsystem
4.2.3 Verbesserte Informationsversorgung und Kommunikation
5. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie sich die neuen Eigenkapitalvereinbarungen (Basel III) auf kreditnehmende Unternehmen auswirken und welche Anforderungen sich daraus an deren internes Controlling ergeben, um eine nachhaltige Finanzierung und Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
- Grundlagen und Schwachstellen des bisherigen Basel-II-Regelwerks
- Wesentliche Neuerungen und Verschärfungen durch Basel III für Banken
- Auswirkungen der veränderten Kreditvergabepolitik auf Unternehmen
- Bedeutung von Ratingprozessen für die Kreditkonditionen
- Optimierung des Controllings durch Risikomanagement und Kommunikation
Auszug aus dem Buch
4.2.2 Integriertes Risikomanagementsystem
Neben der Darstellung der VFE-Lage und der zukünftigen Erfolgsprognose, benötigten die Kreditinstitute im Zuge ihrer internen Engagementprüfung Informationen über die Risikolage des Unternehmens. Im Zusammenhang mit Basel III spielen insbesondere die Themen der Risikofrüherkennung und Risikoreduzierung eine wesentliche Rolle. Dies bedeutet, dass Unternehmen sich nachhaltig mit ihren Geschäftsrisiken auseinandersetzen müssen, sie zu erkennen, bewertbar und kontrollierbar zu machen sowie regelmäßig zu berichten. In diesem Kontext übernimmt das Controlling die Aufgabe der „Bereitstellung, Ausgestaltung, Pflege und Durchführungsbegleitung des integrierten Risikomanagementsystems, worunter die Gesamtheit aller Instrumente und Maßnahmen zur Erkennung, Analyse, Bewertung, Kommunikation und Überwachung von Risiken und zur Risikohandhabung subsumiert werden kann.“
Das Risikomanagement bildet einen wichtigen Bestandteil der Unternehmensführung und zielt darauf ab, die Risikoposition des Unternehmens kontinuierlich zu verbessern. Den inhaltlichen Kern des Risikomanagementsystems stellt ein sogenannter Risikomanagementprozess dar. Unter dem Begriff Risikomanagementprozess soll „eine systematische und fortlaufende Identifikation, Beurteilung, Steuerung und Überwachung der unternehmerischen Risiken“ verstanden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung ein, wie Basel III die Kreditvergabe beeinflusst und welche strategische Bedeutung ein angepasstes Unternehmenscontrolling in diesem Kontext gewinnt.
2. Neue Richtlinien nach Basel III: Hier werden die regulatorischen Neuerungen, insbesondere zur Stärkung der Eigenkapitalbasis, Liquidität und Begrenzung der Verschuldung, im Vergleich zu Basel II detailliert erläutert.
3. Folgen der Basel-III-Umsetzung für das Kreditgeschäft: Dieses Kapitel analysiert, wie sich die veränderten Bankanforderungen auf die Kreditinstitute sowie direkt auf die Finanzierungsmöglichkeiten und Kosten für Unternehmen auswirken.
4. Auswirkungen des Basel-III-Regelwerks auf das Controlling von kreditnehmenden Unternehmen: Das Kernkapitel erarbeitet die notwendigen Komponenten eines Basel-III-konformen Controllings, insbesondere durch Ratingorientierung, Risikomanagement und professionelle Bankkommunikation.
5. Schlussbetrachtung und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe, wie etwa die Entwicklung interner Selbstratingsysteme.
Schlüsselwörter
Basel III, Kreditgeschäft, Unternehmenscontrolling, Ratingprozess, Eigenkapital, Liquiditätsstandards, Risikomanagement, Risikobewertung, Finanzkommunikation, Bonität, Solvabilität, Unternehmenssteuerung, Risikoeinstufung, Kreditkonditionen, Kapitalpuffer.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Konsequenzen der neuen Bankenregulierungen nach Basel III für Unternehmen, die auf Bankkredite angewiesen sind, und leitet daraus konkrete Anforderungen an das Unternehmenscontrolling ab.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die regulatorischen Änderungen durch Basel III, deren Auswirkungen auf die Kreditvergabe, die zunehmende Relevanz von Banken-Ratings und die Anpassung des Controllings zur Risikominimierung und Zinsoptimierung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Unternehmen ihr Controlling gestalten müssen, um den verschärften Ratinganforderungen von Basel III gerecht zu werden und dadurch bessere Kreditkonditionen zu erzielen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse sowie die Auswertung von Auswirkungsstudien des Baseler Ausschusses, der Bank for International Settlements und des Committee of European Banking Supervisors.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Basel-III-Regeln, deren Folgen für die Kreditwirtschaft, die Bedeutung des Ratings sowie die konkrete Ausgestaltung eines Basel-III-konformen Controllings (Ratingorientierung, Risikomanagement, Informationsversorgung).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Basel III, Unternehmenscontrolling, Ratingprozess, Liquidität, Risikomanagement und Finanzkommunikation charakterisiert.
Was genau ist die „Rating-Lücke“ im Kontext dieser Arbeit?
Die Rating-Lücke bezeichnet die Differenz zwischen dem aktuellen Ist-Rating eines Unternehmens und seinem Soll-Rating, das notwendig wäre, um Kapital zu günstigeren Konditionen zu beschaffen.
Warum ist ein integriertes Risikomanagementsystem nach Basel III so wichtig?
Da Banken verstärkt auf interne Ratings setzen, ist ein systematisches Risikomanagement entscheidend, um Risiken frühzeitig zu erkennen, zu bewerten und durch entsprechende Steuerung die Kreditwürdigkeit des Unternehmens zu verbessern.
Was beinhaltet das „Creditor Relations“-Konzept?
Es beschreibt ein professionelles Banken-Reporting, bei dem das Unternehmen durch kontinuierliche und transparente Informationsbereitstellung eine vertrauensvolle Kreditbeziehung pflegt und so einer drohenden Kreditklemme entgegenwirkt.
- Arbeit zitieren
- Olesya Kazantseva (Autor:in), 2012, Basel III und seine Auswirkungen auf das Controlling von kreditnehmenden Unternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269118