Kein anderes Genussmittel ist heute so umstritten wie die Zigarette. Deutschland argumentiert zwischen Selbstbestimmungsrecht und Nichtraucherschutz hin und her, zwischen harmloser Alltagsdroge und tödlicher Sucht. Doch wo liegen die Ursachen für den Imagewandel des einst so coolen Rauchens?
Dieses Buch beleuchtet die bisweilen hochemotional geführte Raucher-Nichtraucher-Diskussion unter verschiedenen Aspekten: Von der Geschichte des Tabakkonsums über die Rechtsgeschichte seiner Regulierung hin zum Umgang von Gesellschaft und Medien mit der Zigarette.
Aus dem Inhalt:
Tabakkonsum im Wandel der Zeit
Geschichte der Tabakregulierung
Pro und Kontra des Nichtraucherschutzes
Gerechtigkeit im Gesundheitswesen
Anti-Raucher-Kampagnen in der Werbung
Inhaltsverzeichnis
Tabak – Der Konsum im Wandel der Zeit und gesellschaftlichen Veränderungen (Schwerpunkt Europa). Der sich verändernde Umgang mit dem Tabakkonsum von Cornelia Tillmann-Rogowski
Einleitung
Tabak
Tabak – Konsum, Missbrauch, Abhängigkeit
Tabakkonsum im Wandel der Zeit und der gesellschaftlichen Veränderungen
Der sich verändernde Umgang mit dem Tabakkonsum
Schlussbemerkung
Nationale und Internationale Geschichte der Tabakregulierung von Tobias Wagner
Einleitung
Historische Entwicklung von Rauchverbot und Tabakbesteuerung in der Neuzeit
Maßnahmen im Europa der frühen Neuzeit
Europäische Tabakregulierung in der Napoleonischen Periode bis Mitte des 19. Jh.
Entwicklung der Tabak- und Zigarettenbesteuerung im Deutschen Reich und der Weimarer Republik
Tabakregulierung in Deutschland zur Zeit des Nationalsozialismus
Tabakregulierung in den Vereinigten Staaten bis Mitte des 20. Jh.
Die Entwicklung der Tabakregulierung seit 1945
Schlussbemerkung und Ausblick
Streit um den Nichtraucherschutz. Ein Dialog aus konstruktivistischer Sichtweise von Daniela Manske
Dialog zweier Fremder
„…Und wenn ich kurz vorm Herzinfarkt bin, werden mir die Ärzte schon helfen…“ Über Gerechtigkeit im Gesundheitswesen bei Menschen mit riskantem Gesundheitsverhalten am Beispiel des Rauchens von Christian Matysik
Essay
Der Kampf gegen den blauen Dunst. PR-Kampagnen im Gesundheitssektor am Beispiel der europäischen Anti-Raucher-Kampagne „HELP“ von Marina Deck
Einleitung
Theoretische Grundlagen
Der Kampf gegen den Tabakkonsum in der EU
„HELP – Für ein rauchfreies Leben“
Schlussbetrachtung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Das vorliegende E-Book bietet eine multiperspektivische Analyse des Tabakkonsums, wobei der Bogen von der historischen Entwicklung und Regulierung über philosophisch-konstruktivistische Dialoge bis hin zu ethischen Fragen der Gerechtigkeit im Gesundheitswesen und der Wirksamkeit europäischer Anti-Raucher-PR-Kampagnen gespannt wird.
- Historische und soziokulturelle Genese des Tabakkonsums in Europa.
- Entwicklung nationaler und internationaler Tabakregulierungs- und Besteuerungsmodelle.
- Konstruktivistische Perspektiven auf den gesellschaftlichen Konflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern.
- Ethische Debatte über die Eigenverantwortung bei riskantem Gesundheitsverhalten.
- Evaluation von EU-weiten Public-Relations-Kampagnen zur Gesundheitsförderung.
Auszug aus dem Buch
Die Genese der Tabakpolitik frühneuzeitlicher Europäischer Obrigkeiten am Beispiel des Kantons Bern, 1659–1739
Die Prohibitionspolitik blieb ganz überwiegend erfolglos. Inwiefern die Gesetzgeber auf die Tatsache reagierten, dass Rauchverbote faktisch auch unter Androhung empfindlicher Strafen nicht durchzusetzen waren, lässt sich exemplarisch am Beispiel des Kantons Bern zeigen: Die Berner Regierung verhängte 1659 ein Verbot des Verkaufs von Tabak zu Genusszwecken. Als Gründe wurden angeführt, dass das Tabakrauchen von einem anfänglich vernünftigen Gebrauch in der breiten Bevölkerung zu einer missbräuchlichen Intensität angestiegen sei, die von schädlicher Wirkung für die Konsumenten sei. Drittens wohne dem Rauchen eine immense Brandgefahr inne, weil etwa auch Dienstpersonal in Ställen und Scheunen rauche, außerdem verlasse durch das Rauchen zu viel Geld das Land in Richtung tabakexportierender Länder.
Nachdem einige Verschärfungen bis 1697 keine Verbesserung zeigten, ruderte die Berner Regierung zurück und erlaubte gegen die Entrichtung einer Kopfsteuer den nichtöffentlichen Konsum von Tabak, bestraft wurde nur noch das Rauchen an Orten mit erhöhter Brandgefahr.
Ab 1719 wurde in Berner Gemeinden Saatgut verteilt nebst Anleitung zum Tabakanbau, ab 1723 war nur noch der Tabakerwerb von heimischen Krämern gestattet, um den Abfluss des Geldes aus dem Land zu stoppen. Die Tabakkommission der Regierung sah 1728 schließlich die heimische Tabakproduktion als etabliert an, so dass schon 1739 der Zehnt auf den Tabak erhoben wurde.
Das Beispiel des Kantons Bern zeigt repräsentativ für andere Obrigkeiten, wie die Einsicht des Gesetzgebers bzgl. seiner faktischen Hilflosigkeit gegenüber der Tabakbegeisterung im Volk zum Versuch führte, finanziell aus dem Laster der Untertanen Profit zu schlagen.
Zusammenfassung der Kapitel
Tabak – Der Konsum im Wandel der Zeit und gesellschaftlichen Veränderungen (Schwerpunkt Europa). Der sich verändernde Umgang mit dem Tabakkonsum: Analysiert den historischen Wandel des Tabaks von der Heilpflanze zum Genussmittel und beleuchtet die soziokulturellen Veränderungen im Konsumverhalten.
Nationale und Internationale Geschichte der Tabakregulierung: Beschreibt chronologisch die obrigkeitlichen Versuche der Tabakregulierung durch Verbote und Besteuerung von der frühen Neuzeit bis zur heutigen Zeit.
Streit um den Nichtraucherschutz. Ein Dialog aus konstruktivistischer Sichtweise: Führt anhand eines fiktiven Dialogs in die konstruktivistische Perspektive auf den Konflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern ein.
„…Und wenn ich kurz vorm Herzinfarkt bin, werden mir die Ärzte schon helfen…“ Über Gerechtigkeit im Gesundheitswesen bei Menschen mit riskantem Gesundheitsverhalten am Beispiel des Rauchens: Diskutiert ethische Fragen zur Eigenverantwortung und Solidarität im deutschen Gesundheitssystem bei selbstgefährdendem Verhalten.
Der Kampf gegen den blauen Dunst. PR-Kampagnen im Gesundheitssektor am Beispiel der europäischen Anti-Raucher-Kampagne „HELP“: Untersucht die Rolle, Strategien und Wirksamkeit europäischer PR-Kampagnen bei der Bekämpfung des Tabakkonsums.
Schlüsselwörter
Tabak, Rauchen, Tabakregulierung, Tabaksteuer, Nichtraucherschutz, Gesundheitswesen, Sucht, Gesundheitsförderung, Prävention, Öffentlichkeitsarbeit, PR-Kampagne, Solidarprinzip, Konstruktivismus, Passivrauchen, Tabakindustrie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem E-Book grundsätzlich?
Das Werk behandelt die Geschichte, die soziokulturelle Bedeutung, die staatliche Regulierung sowie die gesundheitspolitische Bekämpfung des Tabakkonsums in Europa und den USA.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die historische Entwicklung von Rauchverboten und Steuern, die ethische Debatte über Gerechtigkeit im Gesundheitswesen sowie die Wirksamkeit moderner europäischer Anti-Raucher-Kampagnen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein tiefgreifendes Verständnis für den komplexen Wandel des Tabakkonsums von einem kulturell akzeptierten Genussmittel zu einem staatlich regulierten Suchtmittel zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das E-Book nutzt einen interdisziplinären Ansatz, der historische Analysen mit politikwissenschaftlichen Regulierungsstudien, konstruktivistischen philosophischen Dialogen und medienkommunikativer Wirkungsforschung kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historische Entwicklung staatlicher Eingriffe, führt in die konstruktivistische Betrachtungsweise von gesellschaftlichen Konflikten ein, reflektiert ethische Fragen der Gesundheitsverantwortung und evaluiert die europäische „HELP“-Kampagne.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Tabakregulierung, Suchtprävention, Gesundheitsethik und Öffentlichkeitsarbeit charakterisieren.
Welche Rolle spielte der Dreißigjährige Krieg für die Tabakregulierung?
Der Krieg wirkte als Brandbeschleuniger für staatliche Disziplinierungsmaßnahmen, wobei Rauchverbote nicht nur aus Brandschutzgründen, sondern auch zur Durchsetzung einer strengeren Sozialdisziplin erlassen wurden.
Warum wird die „HELP“-Kampagne als erfolgreich oder diskussionswürdig bewertet?
Sie gilt als innovativ durch ihren Verzicht auf einen moralischen Zeigefinger, wird jedoch kritisch hinsichtlich ihrer eingeschränkten Zielgruppenansprache und der begrenzten messbaren Verhaltensänderung bei Erwachsenen diskutiert.
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- Cornelia Tillmann-Rogowski (Author), Tobias Wagner (Author), Daniela Manske (Author), Christian Matysik (Author), Marina Deck (Author), 2014, Raucher gegen Nichtraucher. Geschichte, Ursachen und Argumente für und gegen die Zigarette, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269253