Im Februar 1959 veröffentlichte Ernesto Guevara de la Serna, kurz genannt „Che“, den Aufsatz „Was ist ein Guerillero?“ in der Zeitschrift „Revolucion“. Dieser Aufsatz war der erste Versuch, eine Theorie des Guerilleros aufzustellen, die er im April 1960 erstmals unter dem Titel „Der Guerillakrieg“ in Kuba veröffentlichte. 1962 erschien das Buch als „der Partisanenkrieg“ im Deutschen Militärverlag.1Im selben Jahr hielt auch Carl Schmitt seine beiden Vorträge über den Partisanen, aus denen er 1963 dann das Werk „Theorie des Partisanen“ schuf.2
Beide Veröffentlichungen sind Theorien über den Partisanen/Guerillero.3 Ihre beiden Erfinder sind dabei sehr verschieden. Als Jurist (Schmitt) und Arzt (Guevara) sind sie beide studierte Leute, jedoch während Schmitt ein reiner Theoretiker war, war Guevara immer ein „praktizierender Theoretiker“. Er hat seine Theorie stets aus selbst erlebten entworfen. Und genau hier entspringt das Interesse, diese beiden Theorien zu vergleichen.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, beide Theorien in bestimmten Punkten zu vergleichen und so ihre Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu eruieren. Dementsprechend gliedert sich die Arbeit wie folgt. Als erstes wird die Ausgangslage beider Theorien betrachtet, um den Rahmen der Theorie darzustellen. Danach wird das Bild, der Charakter, des Partisan/Guerillero erläutert, um daraus dann zu erschließen, wann sich der Partisan/Guerillero erhebt, wie er „zustande kommt“. Anschließend wird sein politischer Charakter betrachtet, um ihn darüber hinaus vom Terroristen abzugrenzen. Im letzten Kapitel wird das Freund-Feindbild von Carl Schmitt erst beschrieben und dann angewandt, um den jeweiligen Typus einem bestimmten Feind zuzuordnen. Dies ist wichtig, um den Partisan von dem Guerillero, also beide Theorien, klar voneinander zu unterscheiden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE AUSGANGSLAGEN DER BEIDEN THEORIEN
3. DER PARTISAN – DER GUERILLERO
3.1. DER PARTISAN NACH SCHMITT
3.2. DER GUERILLERO NACH GUEVARA
3.3. WANN ERHEBT SICH DER PARTISAN, DER GUERILLERO?
3.4. DER POLITISCHE CHARAKTER
3.5. DIE ABGRENZUNG ZUM TERRORISTEN
4. DER WIRKLICHE / DER ABSOLUTE FEIND
4.1 DER WIRKLICHE FEIND
4.2. VOM WIRKLICHEN ZUM ABSOLUTEN FEIND
4.3. DER PARTISAN UND DER WIRKLICHE FEIND
4.4. DER GUERILLERO UND DER ABSOLUTE FEIND
5. ENIGE SCHLUSSBEMERKUNGEN
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit verfolgt das Ziel, die Theorien des Partisanen von Carl Schmitt und des Guerilleros von Ernesto „Che“ Guevara vergleichend gegenüberzustellen, um deren theoretische Gemeinsamkeiten und konzeptionelle Unterschiede zu analysieren.
- Vergleich der theoretischen Ausgangslagen beider Autoren
- Analyse des Charakters und des Erhebungszeitpunkts von Partisan und Guerillero
- Untersuchung des politischen Engagements als Abgrenzungsmerkmal zum Kriminellen
- Abgrenzungsproblematik gegenüber dem Terrorismus
- Erarbeitung der Differenz zwischen dem „wirklichen“ und dem „absoluten“ Feindbild
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Partisan nach Schmitt
Wie schon erwähnt, kämpft der Partisan irregulär. Er unterscheidet sich schon alleine durch seine Kleidung von dem regulären Charakter, nämlich den Soldaten und seine Uniform. Der Partisan kämpft wider alle Konventionen des Kriegsrechts, und sein Töten erfährt nicht die Rechtfertigung, die einem regulären Soldaten zukommt. Außerdem erwartet der moderne Partisan: „vom Feind weder Recht noch Gnade. Er hat sich von der konventionellen Feindschaft des gezähmten und gehegten Krieges abgewandt und in den Bereich einer anderen, der wirklichen Feindschaft begeben, die sich durch Terror und Gegenterror bis zur Vernichtung steigert.“
Er ist, so wie in der Ausgangslage von Schmitt beschrieben, der defensiv autochthone Verteidiger der Heimat, der im Augenblick der Kapitulation des eigenen Landes den Kampf gegen die Okkupatoren führt. Wichtig hierbei ist, dass der Partisan ein intensives politisches Engagement hat. Dieser politische Charakter unterscheidet ihn wesentlich von Räubern und Gewaltverbrechern, die als Motive nur ihre private Bereicherung haben. Hier entspringt auch der Name des Partisan, nämlich Partei, Parteigänger. „Es verweist auf die Bindung an eine irgendwie kämpfende, kriegsführende oder politisch tätige Partei oder Gruppe. Derartige Bindungen an eine Partei werden in revolutionären Zeiten besonders stark.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung legt den Grundstein für den Vergleich zwischen dem theoretischen Ansatz von Carl Schmitt und der praxisorientierten Guerilla-Theorie von Che Guevara.
2. DIE AUSGANGSLAGEN DER BEIDEN THEORIEN: Dieses Kapitel arbeitet heraus, dass Schmitts Theorie auf historischer Analyse (Spanien 1808) basiert, während Guevaras Ansatz aus der direkten Erfahrung der kubanischen Revolution erwuchs.
3. DER PARTISAN – DER GUERILLERO: Hier werden die Kernmerkmale beider Typen – Irregularität, Mobilität und politisches Engagement – detailliert gegenübergestellt und vom Terrorismus abgegrenzt.
4. DER WIRKLICHE / DER ABSOLUTE FEIND: Das Kapitel differenziert zwischen dem defensiven „wirklichen Feind“ des Partisanen und dem ideologisch aufgeladenen „absoluten Feind“ des Guerilleros.
5. EINGE SCHLUSSBEMERKUNGEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass Guerillakrieg und Terrorismus in der Praxis aufgrund zweideutiger Handlungsweisen oft schwer voneinander zu trennen sind.
Schlüsselwörter
Partisan, Guerillero, Carl Schmitt, Che Guevara, Irregularität, politisches Engagement, Freund-Feind-Schema, absoluter Feind, wirklicher Feind, Revolution, Foco Guerillero, Befreiungskrieg, Nationalismus, Sozialismus, Terrorismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht vergleichend die politischen Theorien des Partisanen von Carl Schmitt und des Guerilleros von Ernesto „Che“ Guevara.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Ausgangslagen der Theorien, der politische Charakter der Kämpfer sowie die Konstruktion von Feindbildern im Kontext moderner Konflikte.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Theorien zu erarbeiten und zu zeigen, wie sich das Verständnis von Feindschaft vom „wirklichen“ zum „absoluten“ Feind gewandelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um einen komparativen Theorievergleich, der primär auf der Auswertung der Quellenschriften von Schmitt und Guevara sowie relevanter Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehungsbedingungen der Theorien, die Rolle des Volkes, das Verhältnis zum politischen Feindbild und die schwierige Abgrenzung zum Terrorismus.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Irregularität, tellurischer Charakter, Foco-Strategie, politisches Engagement und die Unterscheidung von wirklicher und absoluter Feindschaft.
Warum spielt der Begriff des „tellurischen Charakters“ bei Schmitt eine so wichtige Rolle?
Er dient als Legitimationsgrundlage des Partisanen, der defensiv seinen heimatlichen Boden verteidigt, und grenzt ihn somit vom global agierenden, ideologisch motivierten Terroristen ab.
Inwiefern unterscheidet sich der Guerillero von Guevara vom Partisanen bei Schmitt?
Während der Partisan bei Schmitt defensiv und raumgebunden agiert, ist der Guerillero bei Guevara ein aktiver, global orientierter „Sozialreformer“, der den absoluten Feind (den Imperialismus) vernichten will.
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- Bachelor of Arts Jesse Bochert (Autor), 2013, Der Partisan – Der Guerillero, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269256