Die Welt dreht sich. Gesellschaft und Technik drehen sich mit ihr. Eine der modernen Erscheinungsformen, welche ebenso im Jahr 2012 in den Medien für viel Gesprächsstoff sorgte, war das Soziale Netzwerk Facebook. Wie steht es in Anbetracht dieses wachsenden Formats der Kommunikation um die Möglichkeiten politischer Partizipation auf Facebook? Zur Beantwortung dieser Frage wurden die Facebook-Seiten der beiden Volksparteien CDU und SPD in den Fokus genommen und die dort stattfindenden Diskussionen der Facebook-Community untersucht. Hierbei geht es überwiegend darum, wie die Redaktionen der Parteien-Seiten einen Rahmen gestalten, in welchem die Bürger ihre Meinungen äußern und miteinander kommunizieren können. Weiterhin war es uns ein Anliegen zu erörtern, wie die Producer der Seiten mit dem Input auf ihrer Facebook-Seite verfahren. Mithilfe der Theorie zur „deliberativen Politik“ von Habermas konnten Instrumente zur Analyse der Plattform erarbeitet werden. Im Laufe der Arbeite konnte ein Einblick in die Eigenart der politischen Kommunikation auf Facebook gewonnen werden. Nachfolgend werden die Ergebnisse unserer Beobachtungen dargestellt. Allem voran werden wichtige Begrifflichkeiten der Mediendemokratie, Digitalisierung und der Volksparteienkrise erörtert.
The world is changing. And society and technology change with it. One modern manifestation, which gaves rise for conversation in 2012 as well, is the Social Network named "Facebook". But what`s about the feasibility of political participation on facebook in consideration of this rising format of communication? To give a reply on the previous question, the two facebook-pages CDU and SPD were focused and the discussions takes place on stated pages, were investigated. Here it is mostly about how producer of party-pages create a frame, in which citizens could express their opinion and communicate with each other. Furthermore, our matter of concern was to discuss how producer handle with the given input on their facebook-page. By dint of the theory of Habermas´ “deliberative politics”, instruments for our analysis could be elaborate. In the course of our work we could gain insights into the special character of political communication within facebook. Hereinafter, the results of our study will be represented. Previously important terms of media democracy, digitalization and crisis of national parties will be elaborated.
Inhaltsverzeichnis
1 Zukunftsvision Facebook? – Das wachsende (politische) Potential eines sozialen Netzwerks
2 Krise der Volksparteien in Deutschland? – Wählerbindungen, Repräsentation und Partizipation im 21. Jahrhundert
3 Neue Medien als Chance zur Förderung der Partizipation? Die Politik im Spiegel des Wandels der Medien
3.1 Deutschland als Mediendemokratie? Die Aufgaben und Machtpotentiale der Medien
3.2 Die Medien als Vierte Gewalt im politischen System? - Zwei theoretische Ansätze
3.3 Stetige Entwicklungslinien des Wechselspiels zwischen Medien und Politik? Von der Radiopropaganda bis zur digitalen Demokratie
4 Gute Kommunikation als Teil der Partizipation in einer deliberativen Politik?
4.1 Computervermittelte Kommunikation als Bestandteil unseres sozialen Alltags
4.2 Kommunikatives Handeln und der Wert einer guten Diskussion
4.3 Ein Theorieansatz nach Jürgen Habermas – Voraussetzungen und Inhalte einer deliberativen Politik
4.3.1 Diskurstheorie und ideale Sprechsituation
4.3.2 Die Rolle der Öffentlichkeit in einer deliberativen Politik
4.3.3 Zwei Formen der Öffentlichkeit:
4.4 Fazit:
5 Das Internet und seine Entwicklung – Vom Lese-Netz zum Mitmach-Netz
5.1 Wie das Internet die Politik verändert – Zwei Stellungnahmen
6 CDU und SPD auf dem Prüfstand – Eine Analyse der Facebook-Seiten der Volksparteien
6.1 Die CDU Facebook-Seite
6.2 Die SPD Facebook-Seite
7 Illusion oder Chance einer Partizipation? – Auswertung der Analyse anhand Habermas Theorie
8 Welche Zukunft bietet Facebook? – Ein Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht das Potential des sozialen Netzwerks Facebook für die politische Partizipation von Bürgern. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob Facebook einen Raum bietet, in dem politische Meinungen ausreichend artikuliert und von den politisch Verantwortlichen registriert werden können, wobei die Facebook-Seiten der Volksparteien CDU und SPD analysiert werden.
- Analyse der Rolle neuer Medien in der Mediendemokratie
- Anwendung der Diskurstheorie nach Jürgen Habermas auf soziale Netzwerke
- Untersuchung der Interaktion zwischen Volksparteien und Facebook-Community
- Bewertung von Partizipationsmöglichkeiten im digitalen Raum
- Diskussion der Grenzen und Chancen politischer Online-Partizipation
Auszug aus dem Buch
1 Zukunftsvision Facebook? – Das wachsende (politische) Potential eines sozialen Netzwerks
Mit der Geburtsstunde von Facebook 2004 entstand auch für die Politik eine weitere Alternative, den Raum ihrer Handlungsmöglichkeiten zu vergrößern. Mit der Präsenz verschiedener Parteien innerhalb von Facebook werden neue, zusätzliche Möglichkeiten geschaffen, die den Blick des Bürgers auch im Netz auf die Politik richten. Die politische Aktivität verschiedener Nutzer kann die Aufmerksamkeit anderer Nutzer auf sich ziehen und diese ebenfalls zur politischen Aktivität animieren. Durch „Gefällt mir“-Klicks, geteilte oder kommentierte Beiträge u. ä. können solche Aktivitäten für andere ersichtlich werden. Vor allem bietet Facebook die Möglichkeit, eigene Statements und Kommentare auf politischen Seiten von Parteien innerhalb dieses Sozialen Netzwerkes abzugeben, was dieses in Bezug auf die Politik durchaus interessanter wirken lassen könnte als die reine Informationsflut an politischen Themen durch Zeitung und andere Medien, die der Bürger rezipiert und diese erst einmal hinnehmen muss, ohne augenblicklich einen Einfluss darauf nehmen zu können.
Das abendliche Phänomen so manchen Bürgers beim Verfolgen der Tagesthemen könnte sich vermutlich so vollziehen - und hierbei kann aus Erfahrung gesprochen werden - , dass er sich im Stillen, wohlmöglich auch im weniger Stillen, über die nationale und internationale Politik beschwert, ja sogar wütend wird und dabei an die nächsten Wahlen denkt, die es endlich ermöglichen, die eigene Meinung zur Geltung zu bringen und auf das politische Geschehen aktiv einzuwirken. Würde sich ein Bürger in solch einer Situation nicht wünschen, er könnte sich mit seiner Beschwerde, oder in einigen Fällen auch Lob, direkt an die Politiker dieser Welt richten, um ihnen all das zu sagen, was ihnen über die aktuelle Politik und deren Ereignisse auf dem Herzen liegt?
Ein neumodisches Phänomen solcher Kritikäußerungen bildet der sogenannte „Shitstorm“. Hinter diesem Begriff verbirgt sich ein auf politische Personen gerichteter elektronischer Angriff (meist) anonymer politisch unzufriedener Bürger, welche digitale Medien als Sammelstelle ihrer sachlich undurchdrungenen Meinungen nutzen. Aus Frust gespeiste Äußerungen gegen politische Akteure lassen sich in Internetforen, dem Kleinnachrichtenformat Twitter oder dem sozialen Netzwerk Facebook finden. Im Sinne einer demokratisch freien Meinungsäußerung erweist es sich als schwer, das Medium des Internets mit Zensuren zu zügeln. Politiker werden somit Opfer ordinärer, beleidigender Worte, welche dem Tastendruck wütender Bürger entspringen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zukunftsvision Facebook? – Das wachsende (politische) Potential eines sozialen Netzwerks: Dieses Kapitel führt in die Bedeutung von Facebook als neuen, zusätzlichen Handlungsraum für die Politik ein und beleuchtet das Phänomen des "Shitstorms" als Ausdruck politischer Unzufriedenheit.
2 Krise der Volksparteien in Deutschland? – Wählerbindungen, Repräsentation und Partizipation im 21. Jahrhundert: Hier wird der moderne Krisenbegriff der Volksparteien im Kontext des gesellschaftlichen Wertewandels und der zunehmenden Individualisierung der Wählerschaft erörtert.
3 Neue Medien als Chance zur Förderung der Partizipation? Die Politik im Spiegel des Wandels der Medien: Das Kapitel untersucht die Rolle der Medien als Vierte Gewalt und analysiert theoretische Ansätze der Mediendemokratie sowie deren Bedeutung für das politische System.
4 Gute Kommunikation als Teil der Partizipation in einer deliberativen Politik?: Hier werden die Voraussetzungen einer deliberativen Politik nach Jürgen Habermas dargestellt und auf die Qualität der Online-Kommunikation übertragen.
5 Das Internet und seine Entwicklung – Vom Lese-Netz zum Mitmach-Netz: Es wird der Wandel des Internets von einer reinen Informationsquelle zu einer interaktiven Plattform ("Mitmach-Netz") beschrieben, die neue Formen der politischen Teilhabe ermöglicht.
6 CDU und SPD auf dem Prüfstand – Eine Analyse der Facebook-Seiten der Volksparteien: Dieses zentrale Kapitel analysiert anhand verschiedener empirischer Fälle die Gestaltung, Aktivität und Diskussionskultur auf den offiziellen Facebook-Seiten von CDU und SPD.
7 Illusion oder Chance einer Partizipation? – Auswertung der Analyse anhand Habermas Theorie: Die Ergebnisse der empirischen Analyse werden hier kritisch unter Anwendung der Kriterien von Habermas' Diskurstheorie ausgewertet und bewertet.
8 Welche Zukunft bietet Facebook? – Ein Ausblick: Der abschließende Teil blickt auf die künftige Rolle sozialer Netzwerke im politischen Kontext und zieht Parallelen zu internationalen Bewegungen.
Schlüsselwörter
Facebook, Politische Partizipation, Volksparteien, Mediendemokratie, deliberative Politik, Jürgen Habermas, Online-Kommunikation, Diskurs, Shitstorm, digitale Demokratie, CDU, SPD, Wählerbindung, Netzgemeinschaft, Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, inwieweit das soziale Netzwerk Facebook als Instrument für politische Partizipation dienen kann und ob es den Anforderungen einer deliberativen Politik gerecht wird.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentral sind der Wandel der Medienlandschaft, die Krise der traditionellen Volksparteien sowie die Bedingungen für einen qualitativen politischen Diskurs im Internet.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Facebook-Seiten von politischen Parteien tatsächliche Räume für den Austausch zwischen Bürgern und Entscheidungsträgern bieten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Einführung in die Mediendemokratie mit einer empirischen Analyse von Facebook-Inhalten und der Anwendung der Diskurstheorie von Jürgen Habermas.
Welche Schwerpunkte hat der Hauptteil?
Im Hauptteil werden sowohl theoretische Konzepte (deliberative Politik, Öffentlichkeit) als auch konkrete Fallbeispiele der Facebook-Seiten von CDU und SPD detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Deliberation, Mediendemokratie, politische Partizipation, digitale Demokratie und der Diskursbegriff nach Habermas stehen im Fokus.
Wie unterscheidet sich die Nutzung von Facebook zwischen CDU und SPD in Ihrer Analyse?
Die Analyse zeigt Unterschiede in der redaktionellen Präsenz und dem Umgang mit Nutzerkommentaren, wobei die SPD aktiver auf den Dialog mit Nutzern eingeht als die CDU.
Zu welchem Ergebnis kommt die Arbeit hinsichtlich des partizipativen Potentials?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Facebook zwar gute Rahmenbedingungen für Information und Austausch schafft, das partizipative Potenzial aber bisher nicht völlig ausgeschöpft ist und der tatsächliche Einfluss auf politische Prozesse marginal bleibt.
- Citation du texte
- Jan Wetterauer (Auteur), Anna Neumann (Auteur), 2012, Politische Kommunikation im Web 2.0. Öffentlichkeit, Transparenz und Partizipation durch Facebook, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269308