Im Jahr 2009 konnte das 2000-jährige Jubiläum der Varusschlacht begangen werden. Eine Fülle von Publikationen setzte sich in diesem Zusammenhang mit den historischen Ereignissen rund um die militärische Auseinandersetzung zwischen den römischen Legionen und den germanischen Stämmen auseinander. Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Publizisten den beiden sich gegenüberstehenden Feldherren Varus und Arminius. Doch nicht nur die Geschichte der beiden Personen, ihr Leben, Handeln und Wirken, ist bemerkenswert, sondern auch die Heroisierung des siegreichen Arminius – vor allem in den letzten beiden Jahrhunderten – ist vielschichtig und wird von nur wenigen wissenschaftlichen Schriften näher beleuchtet.
In der vorliegenden Arbeit soll der Glorifizierung und Mystifizierung des Arminius durch die Nationalsozialisten am Beispiel des Autors Hjalmar Kutzleb und seinen Schriften nachgegangen werden. Die zentrale Frage dabei lautet: In welcher Art und Weise wurde Arminius respektive die Varusschlacht von diesem Publizisten glorifiziert und welche Ziele verband er damit? Dabei wird versucht, eine Kontinuitätslinie von den ersten Hermann-Rezeptionen bis zur Zeit der nationalsozialistischen Diktatur zu ziehen.
Um dieser Frage nachzugehen, wird zu Beginn der Arbeit die Literatur und Quellenlage zur Entstehung der Germanenideologie und darauf folgend die Literaturlage über Arminius und den sogenannten Hermannmythos zur Zeit des Dritten Reiches wiedergegeben.
Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich intensiv mit den beiden Werken Kutzlebs zu Arminius, in denen der Cheruskerführer als Sinnbild der Germanenideologie propagiert wurde.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Forschungsstand
2. Quellen zur Germanenideologie und Arminiusmythus im Überblick
3. Arminius als Held der nationalsozialistischen Literatur am Beispiel des Autors Hjalmar Kutzleb
3.1 Biographische Daten zu Hjalmar Kutzleb
3.2 Kutzlebs Werk „Der erste Deutsche“
3.3 Rezeption des Kutzleb-Romans in der Zeitschrift „Deutsches Volkstum“
3.4 Kutzlebs „Arminius – Held der Teutoburger Schlacht“
Schlussbetrachtung
Anhang
Anlage 1
Anlage 2
Anlage 3
Anlage 4
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Instrumentalisierung des Arminius-Mythos und die Radikalisierung der Germanenideologie im Nationalsozialismus am Beispiel des Autors Hjalmar Kutzleb, um eine Kontinuitätslinie der nationalsozialistischen Propaganda von der germanischen Frühgeschichte bis zur Diktatur aufzuzeigen.
- Entstehung und Radikalisierung der Germanenideologie im 18. und 19. Jahrhundert.
- Die Rolle von Arminius als nationalsozialistische Projektionsfläche und "Führer"-Symbol.
- Analyse der Werke von Hjalmar Kutzleb in Bezug auf antisemitische und rassistische Propaganda.
- Untersuchung der nationalsozialistischen Rezeption von Kutzlebs literarischem Schaffen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Biographische Daten zu Hjalmar Kutzleb
Hjalmar Kutzleb war ein deutscher Schriftsteller und Pädagoge, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben zahlreichen Essays und pseudowissenschaftlichen Arbeiten über 60 Romane und Novellen veröffentlichte. Kutzleb wurde am 23. Dezember 1885 in Siebenleben bei Gotha geboren. Nach dem Abschluss des Abiturs 1905 studierte er Deutsch, Geschichte und Erdkunde auf Lehramt an den Universitäten Leipzig und Marburg. Nach dem Staatsexamen war er an mehreren Schulen als Lehramtskandidat tätig. Nach dreijährigem Dienst als Frontsoldat auf dem Balkan und in Frankreich während des Ersten Weltkriegs fand er 1919 eine Anstellung als Studienrat am Mindener Lyzeum. 1935 wurde er Dozent für Geschichte an der Hochschule für Lehrbildung in Weilburg, wo er ohne Promotion eine Professur erlangte. Diese Tätigkeit vollzog Kutzleb bis er 1949 in den Ruhestand trat. 1955 bis 1957 unterrichtete er aufgrund von Lehrermangel Religion und Deutsch an verschiedenen Gymnasien. Er verstarb am 15. April 1959 in Celle.
Zeit seines Lebens prägte ihn die Zugehörigkeit zum Wandervogel, zu dem er bereits während seiner Studienzeit in Leipzig kam. Im Zuge dieser Einfüsse entstanden seine ersten lyrischen Werke und ein 1924 veröffentlichter Liederband. Ideologisch war Kutzleb der „Blut und Boden“-Ideologie angehörig, Anhänger des Führerprinzips sowie des Rassenwahns. Darüber hinaus war er ein Anhänger des Euthanasiegedankens, was sich deutlich an dem Werk „Mord an der Zukunft“ zeigt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der Varusschlacht und der historischen Heroisierung des Arminius, mit Fokus auf die nationalsozialistische Instrumentalisierung.
1. Forschungsstand: Überblick über die bestehende wissenschaftliche Literatur zur Germanenideologie und dem Arminius-Mythos, insbesondere im Kontext des Nationalsozialismus.
2. Quellen zur Germanenideologie und Arminiusmythus im Überblick: Analyse der Ursprünge der Germanenideologie seit dem 15. Jahrhundert und deren Radikalisierung in bedeutenden Werken der Literaturgeschichte.
3. Arminius als Held der nationalsozialistischen Literatur am Beispiel des Autors Hjalmar Kutzleb: Untersuchung der propagandistischen Nutzung des Arminius-Stoffes durch Kutzleb sowie dessen ideologische Weltanschauung.
3.1 Biographische Daten zu Hjalmar Kutzleb: Darstellung des Lebens und Werdegangs von Hjalmar Kutzleb sowie dessen ideologische Prägung durch Wandervogel und Nationalsozialismus.
3.2 Kutzlebs Werk „Der erste Deutsche“: Analyse der Inhalte und propagandistischen Motive des Romans "Der erste Deutsche" im Hinblick auf Rassenideologie und Antisemitismus.
3.3 Rezeption des Kutzleb-Romans in der Zeitschrift „Deutsches Volkstum“: Betrachtung der positiven Aufnahme von Kutzlebs Werken durch zeitgenössische völkische Publizisten wie Wilhelm Stapel.
3.4 Kutzlebs „Arminius – Held der Teutoburger Schlacht“: Untersuchung der Publikation und ihrer Funktion als historisch-propagandistische Untermauerung von Kutzlebs Arminius-Bild.
Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Synthese über die Kontinuität der Instrumentalisierung des Arminius-Mythos und die Bedeutung der Werke Kutzlebs innerhalb der NS-Ideologie.
Schlüsselwörter
Arminius, Varusschlacht, Hjalmar Kutzleb, Germanenideologie, Nationalsozialismus, Rassenideologie, Antisemitismus, Blut und Boden, Führerprinzip, Propaganda, Hermann-Mythos, Drittes Reich, Volksgemeinschaft, Geschichtsrevisionismus, Nationaler Heldenkult
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie der Arminius-Mythos über Jahrhunderte konstruiert und schließlich im Nationalsozialismus als rassistische und antisemitische Propagandawaffe missbraucht wurde.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Germanenideologie, der literarischen Stilisierung des Arminius und der spezifischen ideologischen Ausrichtung des Autors Hjalmar Kutzleb.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Kontinuitätslinie zwischen historischer Germanenrezeption und der NS-Diktatur nachzuzeichnen und aufzuzeigen, wie Arminius als Sinnbild für die nationalsozialistische Ideologie diente.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine literaturgeschichtliche und ideologiekritische Analyse durchgeführt, die zentrale Primärtexte und zeitgenössische Rezensionen auswertet.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Mittelpunkt?
Im Hauptteil werden die Biografie von Hjalmar Kutzleb, die Analyse seiner Hauptwerke und deren Rezeption in der Zeitschrift "Deutsches Volkstum" kritisch untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie Germanenideologie, Antisemitismus, "Blut und Boden"-Ideologie und die Instrumentalisierung historischer Mythen definiert.
Welche Rolle spielt der Antisemitismus in Kutzlebs Werk?
Kutzleb nutzt antisemitische Stereotype, wie die Figur des jüdischen Händlers, um Feindbilder zu schaffen und eine klare Trennung zwischen vermeintlich "artrechten" Germanen und deren "Gegnern" zu konstruieren.
Wie wurde Arminius im Nationalsozialismus als "Führer" stilisiert?
Kutzleb interpretierte Arminius als Prototyp eines Führers, der nicht nur militärisch siegreich war, sondern das Volk als Ganzes anführte, womit eine direkte Analogie zu Adolf Hitler gezogen werden sollte.
Inwiefern beeinflussten andere Autoren Kutzlebs Darstellung?
Kutzleb griff auf ältere Traditionen, wie die Heldendichtung von Klopstock oder die Rassenideologien von Gobineau und Chamberlain, zurück und radikalisierte diese im NS-Kontext weiter.
- Arbeit zitieren
- B.A. Mario H. Müller (Autor:in), 2013, Herman der Cherusker unter dem Hakenkreuz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269316