Regionalmacht Türkei. Wirtschaftsentwicklung und Menschenrechte


Hausarbeit, 2014

17 Seiten, Note: 1,4


Leseprobe

2
1. Einleitung
Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit der Türkei als Regionalmacht. Hierfür ist es
von Nöten einen kurzen historischen Überblick zu geben. Gerade anhand der historischen
Daten von der Auflösung des Osmanischen Reiches bis zur heutigen Erdogan Regierung
zeigen auf
1
, welchen Reformationsprozess die Türkei bereits hinter sich gebracht hat. Mustafa
Kemal Atatürk wird eine separate Erwähnung finden, da er für die heutige kemalistische
Regierungsform der Namenspatron war.
2
Im weiteren Verlauf der Arbeit geht es um die Wirtschaftsentwicklung der Türkei der
vergangenen Jahre. Die Türkei, ein Land am Ende Europas, dessen Wirtschaft allein im Jahr
2010 um 11% anstieg muss näher beleuchtet werden.
3
Dabei kann natürlich auch nicht die
Frage zum EU-Beitritt außer Acht gelassen werden. Der Anstrengungsprozess von Seiten der
Türkei wird seit dem Jahr 1959 dargestellt und soll aufzeigen, ob der EU-Beitritt von der
Türkei selbst noch vorangetrieben wird, oder ob sich das Land evtl. neue Alternativen sucht.
Hier kann als Beispiel die Bildung der ,,Union der Nahost-Staaten"
4
angebracht werden. Wer
sind die Gründer der Union und aus welchen Gründen schlossen sich die Länder zusammen?
Auch die Frage was dieses für Europa bedeuten könnte wird thematisiert.
Zum Schluss wird auf die Menschenrechtssituation in der Türkei eingegangen. Denn sie ist
mit der Hauptgrund, warum die EU-Beitrittsverhandlungen bis heute stagnieren. Näher
beleuchtet werden die Minderheiten wie Kurden und Christen, jedoch soll ebenfalls die Rolle
der Frau gezeigt werden. Gerade der Dissens der Frau wird klar herausgestellt. Ist es
tatsächlich eine Errungenschaft, wenn eine Anwältin ihr Kopftuch vor einem türkischen
Gericht wieder tragen darf, oder sollte dieses kritisch betrachtet werden?
5
Natürlich hätte der Verfasser der Arbeit auch auf die Parteienlandschaft des Landes und die
besondere Rolle AKP eingehen können, jedoch hätte das den Rahmen dieser Ausarbeitung
gesprengt. So wird sich im Folgenden ausschließlich auf die Ökonomie und die
Menschenrechte konzentriert und am Ende ein Fazit gegeben, dass es vermutlich genau diese
1
Hibbeler, Stefan: Regionalmacht Türkei? Bestandsaufnahme der außenpolitischen Beziehungen zur Türkei zu
den Staaten des Mittleren/ Nahen Osten und des Maghrebs zu Beginn des Jahres 2006. Istanbul, 2006. S. 10 ff.
2
Mustafa Kemal Atatürk lebte von 1881-1938. Er war der Gründer der neuen Republik Türkei. Kreiser, Klaus:
Atattürk. Eine Biographie. C.H. Beck Verlag. München, 2008. S. 55 ff.
3
Vgl.: Handelsblatt vom 12.12.2010. Vom Entwicklungsland zur Regionalmacht. Die Türkei lässt Europa hinter
sich. 17.09.2013.
4
Vgl.: Höhler, Gerd: In: Türkei auf dem Weg zur Regionalmacht. Frankfurter Rundschau vom 21.10.2010.
5
Vgl.: http://www.heute.de/Missachtete-Menschenrechte-in-der-T%C3%BCrkei-27652692.html. 17.09.2013.

3
beiden Aspekte sind, die im extremen Gegensatz zueinander stehen. Hierfür benutzt der
Verfasser ausgewählte Literatur, die sich aus Artikeln der aktuellen Presse bis hin zu
gewichtigen Fachbüchern sowie Zeitschriften der Bundeszentrale für politische Bildung
zusammensetzen.
2. Die Türkei ­ Historischer Überblick
Betrachtet man ein Land wie die Türkei, das sich am äußersten Rand von Europa befindet,
kommt man nicht daran vorbei, sich zuvor ein wenig mit den historischen Daten und Fakten
auseinanderzusetzen, denn die Türkei zählte nicht von Beginn an zu den aufstrebenden
Staaten in Nahosteuropa. Das Osmanische Reich, oder wie es auch genannt wird, die
,,Dynastie der Osmanen" bestand von 1299 bis 1923. In jenem Jahr gründete Mustafa Kemal
Atatürk die ,,Republik Türkei" (Türkiye Cumhuriyeti). Der Aufbau der neuen Republik war
eine klare Zäsur der Vergangenheit.
6
Atatürk
7
, der aus einer Untergrundorganisation gegen die im Jahr 1919 umzusetzenden Pläne
einer Aufteilung des Landes unter den Siegermächten des I. Weltkrieges kam, war strikt
gegen eine Spaltung des Landes. Stattdessen strebten seine Mitstreiter und er eine Auflösung
des Osmanischen Reiches an und wollten damit einen klaren Bruch zur Vergangenheit.
8
Da
das Reich während des I. Weltkrieges an der Seite von Deutschland gegen die späteren
Alliierten kämpfte, zählte es ebenso zu den Verlierern dieses Krieges. Somit teilten die
Siegermächte das Land in einzelne Besatzungszonen auf, verzichteten aber auf eine
vollständige Besetzung des Landes. Folglich konnte das Reich auch im Jahr 1920
9
an den
Friedensverhandlungen bei Paris teilnehmen, auf dem der I. Weltkrieg offiziell als beendet
erklärt wurde.
Die Verhandlungen mündeten nach anfänglichem Widerstreben des Osmanischen Reiches in
der Unterzeichnung des Vertrages von Sevres. Bis zur Proklamation des neuen Staates im
Jahr 1923 wurden erhebliche Kämpfe ausgefochten, speziell gegen die Griechen, die von
türkischem Gebiet vertrieben wurden. Anders herum ebenso. Mit der Gründung der Türkei
6
Vgl.: Hibbeler, Stefan: S. 10 ff.
7
Kreiser, Klaus: Atattürk. Eine Biographie. C.H. Beck Verlag. München, 2008. S. 55 ff.
8
Vgl.: Hibbeler, Stefan: S. 3.
9
Baum, Wilhelm: Die christlichen Minderheiten der Türkei in den Pariser Friedensverhandlungen (1919-1923).
Kitab Verlag. Klagenfurt, 2007. S. 115 ff.

4
ging einher, dass der Vertrag von Serves
10
revidiert und somit der Vertrag von Lausanne am
24. Juli 1923
11
in Kraft trat. Dieser legte die bis heute gültigen Grenzen des Landes fest, die
auch völkerrechtlich anerkannt wurden. Was der Vertrag allerdings ebenso legalisierte, war
die vollkommene wechselseitige Vertreibung von Minoritäten. Erst als alle Militärs Anatolien
verlassen hatten, konnte Atatürk am 29. Oktober 1923 die Republik ausrufen. Der
,,Kemalismus"
12
hielt Einzug in die junge Republik. Seine Leitlinien, aus der Türkei einen
,,modernen, säkularen und europäisch orientierten Staat"
13
zu formen haben heute noch
Bedeutung. Gerade der Laizismus ist bis heute ein heiß diskutiertes Thema. Der Politologe
Mehmet Sahin von der Gazi Universität Ankara meint hierzu: ,,Es gebe eben kein anderes
muslimisches Land, das eine demokratische Teilhabe an der Macht mit einer blühenden
Wirtschaft verbinde."
14
Mit der Abschaffung des Sultanats und Kalifats in den Jahren 1922
und 1924 folgten weitere Reformbewegungen. Gerade Atatürk war auf eine pragmatisch
geprägte friedliche Koexistenz mit allen Nachbarländern bedacht.
15
Dieses ist ebenfalls beim
Ausbruch des II. Weltkrieges feststellbar gewesen, in den die Türkei nicht aktiv eintrat.
16
Natürlich müssen bei der Betrachtung einer kurzen Historie des Landes auch andere
Gemeinschaften mit einbezogen werden. So reichen die Wurzeln des Panislamismus ins 19.
Jahrhundert zurück. Unter Sultan Abdul Hamid
17
,,wurde versucht, eine Solidarität der
Muslime den Zerfallstendenzen des Reiches entgegenzusetzen."
18
Letztlich ist das Ziel jedoch
nichts anderes als die Einheit von allen Muslimen in einem islamischen Staat, was sich nur
schwer mit den heutigen Wirtschaftszielen unter Erdogan verbinden lässt. Doch hierauf wird
an anderer Stelle zurückzukommen sein. Und auch die Gemeinschaft der Türken, der
Panturkismus darf bei der Evolution des Landes nicht außer Acht gelassen werden. Die
politische Idee ist, die ethnisch-ideologische Einheit aller turkstämmigen Völker. Eine
10
Vgl.: Friedman, Isaiah: British Miscalculations. The Rise of Muslim Nationalism, 1918-1925. Transaction
Publishers, 2012. S. 217.
11
Vgl.:
Hirschon, Reneé: Crossing the Aegean. The Consequences of the 1923 Greek-Turkish Population
Exchange. An Appraisal of the 1923 Compulsory Population Exchange Between Greece and Turkey (Studies in
Forced Migration). New York, 2004. S. 7.
12
Brackmann, Thomas: Zwischen Kemalismus und Islamisierung: Das Verhältnis von Religion und Staat in der
Türkei. Meidenbauer Verlag. Pieterlen CH, 2007. S. 23 ff.
13
Ebd. S. 46.
14
Seibert, Thomas: Rolle als Regionalmacht. Die Türkei ist kein Vorbild mehr. In:
http://www.tagesspiegel.de/politik/rolle-als-regionalmacht-die-tuerkei-ist-kein-vorbild-mehr/7340100.html.
17.09.20013.
15
Vgl.: Hibbeler, Stefan: S. 12.
16
Ebd. S. 63 ff.
17
Vgl.: Matuz, Josef: Das Osmanische Reich. Grundlinien seiner Geschichte. Darmstadt: Wissenschaftliche
Buchgesellschaft, 1985. 232 ff.
18
Ebenda. S. 2.

5
Vereinigung der ,,turanischen Völker"
19
in einem Staat der vom Balkan bis nach Sibieren
(heute China) reichen sollte.
20
Beide Ideen haben sich bis heute jedoch nur in einzelnen Teilen der Gesellschaft durchsetzen
können. Worauf es im Folgenden allerdings ankommen soll, beginnt mit dem wohl
bedeutsamsten Satz von Mustafa Kemal Atatürk: ,,Es gibt nur eine Zivilisation ­ die
westliche".
21
Jener wird in der Gegenwart mehr denn je diskutiert. Welchen Weg nimmt die
eigentlich noch junge Republik Türkei, die zu Zeiten des Kalten Krieges eher Russland denn
Amerika zugewandt war. Um auf die Frage eines Anspruchs auf eine regionale Führungsrolle
der Türkei näher eingehen zu können, werden im Folgenden die ökonomischen und
außenpolitischen Säulen näher beleuchtet. Zu welchen Staaten pflegt die Türkei bspw.
Außenhandelsbeziehungen und wie hat sich dadurch der Lebensstandard sowie auch die
Einstellung zu einem evtl. Beitritt der EU entwickelt.
3. Wirtschaftsentwicklung und EU-Beitrittsgesuch
Schaut man in die heutige Türkei fällt auf, dass sich das Land mehr denn je im Aufbruch
befindet. Beobachtet man weiterhin allein die Wirtschaftsentwicklung von 1998 bis 2012 und
die Veränderungen des Bruttoinlandsprodukts, erkennt man, dass die Türkei im Gegensatz zur
EU ein ständiges Wachstum verzeichnen konnte, auch wenn die Konjunktur letztlich ein
wenig sank.
22
19
Schröder, Katy: Die Türkei im Schatten des Nationalismus. Eine Analyse des politischen Einflusses der
rechten MHP. Klostermann Verlag. Frankfurt am Main, 1964. S. 51 ff., S. 220 ff.
20
Landau, Jacob M.: Pan-Turkism. From Irredentism to Cooperation. Hurst Verlag. London, 1995. S. 33 ff.
21
Vgl.: http://www.welt.de/debatte/kommentare/article9459367/Die-Tuerkei-wird-nie-eine-westliche-
Demokratie.html. 17.09.2013.
22
Vgl.: Frankfurter Rundschau vom 21.09.2011. Eurostaat. Ebenfalls in: Handelsblatt vom 12.12.2010. Vom
Entwicklungsland zur Regionalmacht. Die Türkei lässt Europa hinter sich.

6
Quelle: Frankfurter Rundschau, Ausgabe vom 21. September 2011,
http://www.fr.de/archiv/datum.=21-09-2011/
Mehmet Simsek, der seit Mai 2009 im II. Erdogan Kabinett Finanzminister ist, meinte hierzu:
,,Wir bringen Dynamik in die EU".
23
Dabei ist die Türkei bis heute kein Mitglied der EU.
Wohl bekannt ist, dass das Land seit 1952 in die NATO eingebunden ist, jedoch dem
Beitrittsgesuch in die damalige EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) wurde bis heute
nicht stattgegeben, obwohl der Europäische Rat im Jahr 2004 erneut grünes Licht für die
jetzigen Beitrittsverhandlungen gab. Dabei sprechen weniger die ökonomischen Gründe für
einen EU Beitritt als die der ,,politische[n] Transformation"
24
, so Simsek, denn diese führt zu
einer weiteren Demokratisierung des Landes und die Öffnung der Gesellschaft.
3.1 Der anhaltende Prozess des EU-Beitritts
Bereits im Jahr 1959 meldete die Türkei ihren Wunsch der EWG beizutreten an. Doch zum
Assoziierungsabkommen kam es erst im Jahr 1963. Der damalige deutsche
Kommissionspräsident Walter Hallstein (CDU) merkte damals an: ,,Die Türkei gehört zu
Europa". Doch heute wird davon ausgegangen, dass der frühst mögliche Beitritt der Türkei in
23
Vgl.: Handelsblatt vom 12.12.2010. Vom Entwicklungsland zur Regionalmacht. Die Türkei lässt Europa
hinter sich.
24
Vgl.: http://bti2003.bertelsmann-transformation-index.de/147.0.html. Ländergutachten Türkei. 17.09.2013.
Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Regionalmacht Türkei. Wirtschaftsentwicklung und Menschenrechte
Hochschule
Universität Hamburg  (Department für Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Regionalmächte
Note
1,4
Autor
Jahr
2014
Seiten
17
Katalognummer
V269318
ISBN (eBook)
9783668536470
ISBN (Buch)
9783668536487
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regionalmacht, türkei, wirtschaftsentwicklung, menschenrechte
Arbeit zitieren
Gökcen Medik (Autor), 2014, Regionalmacht Türkei. Wirtschaftsentwicklung und Menschenrechte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269318

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