„Geschichte zerfällt in Bilder, nicht in Geschichten.“ Dieses Zitat von Benjamin Walter
bringt ein wichtiges Thema der Geschichtswissenschaften auf den Punkt. Seit Beginn des 20.
Jahrhunderts werden historische Ereignisse oder Personen visualisiert und für die Leinwand
oder den Fernseher produziert. Vorreiter waren dabei Anfang des 20. Jahrhunderts
Frankreich, Italien und Amerika.
Bezüglich ihrer Historizität, sowie ihrer Authentizität haben sich im Verlauf der über hundert
Jahre Filmgeschichte zwei antagonistisch gegenüberstehende Argumentationslinien
herauskristallisiert. Dabei werden den bewegten Bildern in den Medienwissenschaften zum
einen die Funktion einer exakten Wirklichkeitsabbildung zugeschrieben, was den Film als
Beweismittel wirken lässt. Zum anderen wird der Film als eine Quelle für
mentalitätsgeschichtliche Aspekte verstanden. Aus dieser Sichtweise dient er als Auskunft des
kulturellen Selbstverständnisses einer Gesellschaft zu einer bestimmten Zeit.
Genau an diesem Punkt soll die vorliegende Arbeit anknüpfen. Als Basis dient diesbezüglich
Roland Emmerichs Film „The Patriot“ (2000). Folgende Fragen sollen dabei leitend sein: Wie
werden historische Deutungsweisen transportiert? Besonders vor dem filmografischen Hintergrund
Roland Emmerichs, welcher eher im Genre des Katastrophenfilms heimisch ist, ist es interessant sich
die Frage nach der Authentizität der Ereignisse zu stellen. Wurden Quellen zugunsten der
Massentauglichkeit und damit einhergehend aus ökonomischen Gründen gebrochen?
Da sich die interdisziplinären Wissenschaften erst seit jüngster Zeit mit dieser Thematik
auseinandersetzen, ist es nur wenig verwunderlich, dass noch kein Werk zu diesem Film
vorliegt, welches die Authentizität des Films kritisch analysiert.
Für einen kurzen Einblick in den Film dient sowohl eine Filmografie, als auch eine kurze
Inhaltsangabe. Mit dem Ziel die nachfolgende Analyse bezüglich Historizität des Films sinnvoll zu
untermauern, werden anschließend filmwissenschaftliche Aspekte beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Filmografie
2.1. Kurze Inhaltsangabe
3. Die Dramaturgie des Films
4. Der Historienfilm im wissenschaftlichen Diskurs
5. Quellenlage des Films „The Patriot“
5.1. Die Darstellung der Figuren
5.1.1. Francis Marion
5.1.2. Andrew Pickens
5.1.3. Thomas Sumter
5.1.4. Daniel Morgan
5.1.5. Charles Cornwallis
5.1.6. Banastre Tarleton
6. Analyse bezüglich des Umgangs mit den Quellen
6.1. Die Personen
6.2. Die Schlachten
7. Abschlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Authentizität und den Umgang mit Quellen im Historienfilm „The Patriot“ (2000) unter der Regie von Roland Emmerich. Ziel ist es zu analysieren, inwiefern historische Fakten zugunsten einer dramaturgischen Inszenierung und massentauglicher Erzählstrukturen verändert, ergänzt oder weggelassen wurden.
- Analyse der filmischen Dramaturgie nach Syd Field im Kontext historischer Stoffe.
- Biografische Gegenüberstellung der historischen Persönlichkeiten mit ihren filmischen Charakteren (u.a. Benjamin Martin, Cornwallis, Tarleton).
- Untersuchung der Darstellung historischer Schlachten und deren Quellenfundierung.
- Reflektion über das Spannungsfeld zwischen ökonomischen Zielen (Unterhaltung) und historischer Korrektheit im Historienfilm.
Auszug aus dem Buch
Die Darstellung der Figuren
Der Brigadengeneral Francis Marion wurde am 25.2.1732 in Georgetown als einer von sechs Söhnen geboren. Seine Eltern Gabriel Marion und Esther Cordes Marion waren Plantagenbesitzer in Georgetown. Nachdem sich Francis Marion kurze Zeit der Seefahrt verschrieb, widmete er sein Leben dem Militär. Kurz vor seinem 25. Lebensjahr ließ er sich für den Siebenjährigen Krieg rekrutieren. Knapp 20 Jahre später, kämpfte er während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges im Süd - Carolina-Regiment gegen die Briten und versuchte Charleston vor ihrer Übernahme zu bewahren. Als Charleston jedoch vor der britischen Übermacht kapitulieren musste, errichtete Marion eine eigene Miliz um die britische Armee dennoch vernichtend schlagen zu können.
Obwohl er sich mit seiner Miliz General Horatio Gates anschließen wollte, überließ dieser ihm, aufgrund seines Misstrauens, das Kommando über die Williamsburger Miliz Pee Dee, welche sich in der nordöstlichen Region Süd - Carolina befand. Eine seiner wichtigsten Schlachten, die er zu kämpfen hatte, war die Schlacht um Camden, welche am 16. August 1780 stattfand. Obwohl die britischen Truppen unter Lieutenant-General Charles Cornwallis über eine zahlenmäßig überlegene amerikanische Armee unter Major-General Horatio Gates triumphieren konnten, war Francis Marion eine der Hauptfiguren, welche den britischen Truppen ihren Sieg erschwerten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Historizität und Authentizität im Spielfilm ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Quellenarbeit in Roland Emmerichs „The Patriot“.
2. Filmografie: Dieses Kapitel liefert die filmischen Rahmendaten und eine Inhaltsangabe des Films sowie eine Vorstellung des Stabs und der Besetzung.
3. Die Dramaturgie des Films: Die Dramaturgie wird als Grundgerüst untersucht, wobei Syd Fields „Drei-Akt-Struktur“ auf ihre Anwendbarkeit auf „The Patriot“ geprüft wird.
4. Der Historienfilm im wissenschaftlichen Diskurs: Hier werden theoretische Ansätze zum Historienfilm, wie die Konzepte von Rosenstone und White, diskutiert und die gesellschaftliche Funktion des Genres beleuchtet.
5. Quellenlage des Films „The Patriot“: Dieses Kapitel bildet den Kern der Quellenanalyse, indem die historischen Biografien der Figuren (Marion, Pickens, Sumter, Morgan, Cornwallis, Tarleton) erarbeitet werden.
6. Analyse bezüglich des Umgangs mit den Quellen: Die Analyse zeigt konkret auf, an welchen Stellen der Film zugunsten von Spannungsaufbau und Zuschaueridentifikation von den historischen Quellen abweicht.
7. Abschlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die historische Kulisse der Dramaturgie untergeordnet wird und der Film primär als ökonomisches Gut zu verstehen ist.
Schlüsselwörter
The Patriot, Roland Emmerich, Historienfilm, Authentizität, Historizität, Quellenanalyse, Dramaturgie, Drei-Akt-Struktur, Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg, Francis Marion, Charles Cornwallis, Banastre Tarleton, Geschichtsvermittlung, Filmanalyse, Historiophoty.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Seminararbeit untersucht, wie der Historienfilm „The Patriot“ mit historischen Fakten und Quellen umgeht, um eine dramaturgisch ansprechende Geschichte für ein Massenpublikum zu erzählen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung des Historienfilms, die biografische Gegenüberstellung realer historischer Vorbilder mit den Filmfiguren sowie die dramaturgische Strukturierung des Handlungsverlaufs.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die leitende Forschungsfrage ist, inwiefern historische Deutungsweisen transportiert werden und ob Quellen zugunsten der Massentauglichkeit und ökonomischer Interessen modifiziert wurden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Analyse, indem sie filmische Sequenzen und Figurendarstellungen mit historischen Quellen und Fachliteratur kontrastiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die detaillierte biografische Untersuchung der Figuren (wie Francis Marion oder Charles Cornwallis) und eine Analyse der Schlachten im Film.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben Filmtiteln und historischen Ereignissen sind „Historiophoty“, „Authentizität“ und „Dramaturgie“ essenzielle Begriffe, um die wissenschaftliche Auseinandersetzung zu beschreiben.
Warum wird Benjamin Martin als idealtypische Figur analysiert?
Er dient als Beispiel, da die Filmfigur eine Kombination aus mehreren historischen Vorbildern darstellt, wobei seine Charakterzüge zugunsten der Zuschaueridentifikation idealisiert wurden.
Welche Rolle spielen die im Anhang enthaltenen Sequenzübersichten?
Die Tabellen im Anhang dienen der präzisen filmwissenschaftlichen Analyse der auditiven und visuellen Mittel, um die dramaturgischen Entscheidungen hinter den jeweiligen Filmszenen nachvollziehbar zu machen.
- Citation du texte
- Judith Teßmann (Auteur), 2013, Historienfilm. Unterhaltungsmedium oder Vermittler historischer Fakten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269346