„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte.“ Diese häufig zitierte Metapher, behält
zumindest was die schnelle Rezeption von Bildern betrifft, recht. Seiner Untersuchung
zufolge benötigt der Mensch nur 1,8 Sekunden,um es zu betrachten und es später
wiederzuerkennen. Noch bis Mitte der sechziger Jahre war der Geschichtsunterricht
ausschließlicher Gegenstand der Geschichtsdidaktik. Dementsprechend war ihr
Tätigkeitsfeld eng gefasst, so befassten sie sich beispielsweise mit dem Aufbau des
Unterrichts und ihren Inhalten. Das gegenwärtige Selbstverständnis als eigenständige
Disziplin, welche nicht nur als untergeordnete Kategorie der allgemeinen Didaktik zu
sehen ist, konnte sich erst seit den sechziger Jahren festigen.
Dieser Wandel zeigt sich deutlich bei der Betrachtung eines Lehrbuches. Dieser Wandel
ist insbesondere bei der Betrachtung eines Lehrbuches offenkundig. Dort lässt sich ein
starker Trend hin zur verstärkten „Visualisierung“ der Geschichte verzeichnen. Dabei
ist die Definition des Wortes „Bilder“ weitläufig. Es umfasst sowohl Karikaturen,
Plakate, Ereignisbilder als auch Portraits etc. sein. Ihr Nutzen liegt vor allem darin, den
Inhalt im Geschichtsunterricht fassbarer, dinglicher, interessanter und sicherlich auch
plastischer gestalten. Angesichts der Tatsache, dass sich Karikaturen seit der zweiten
Hälfte des 18. Jahrhunderts immer mehr innerhalb ihrer eigenen Grenzen entwickelten,
aggressiver und provokativer wurden, soll sich diese Arbeit besonders mit diesem
Bildmedium auseinandersetzen. Eben dieser Thematik widmen sich vor allem Hans-
Jürgen Pandel und Michael Sauer. Daher wird diese Arbeit vor allem auf ihren
Publikationen zur Bildinterpretation fußen. Einleitend geben Sie sowohl einen
besonders guten Überblick über das Bild als Quelle, als auch über die
Verwendungsmöglichkeiten, die das Bild im Geschichtsunterricht in sich birgt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellungsform: Bild
2.1. Was ist ein Bild?
2.2 Eine spezifische Bildquelle: Die Karikatur
3. Analysemethode nach Pandel
3.1 Analysemethode zur Bildinterpretation
3.2 Ikonographische Beschreibung
3.3 Ikonologische Analyse
4. Thematische Einordnung im Lehrplan
5. Didaktische Nutzung der Karikatur
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Potenzial der Karikatur als bildhaftes Medium im Geschichtsunterricht. Ziel ist es, anhand der Analysemethodik von Hans-Jürgen Pandel sowie des konkreten Beispiels „Dropping the Pilot“ von Sir John Tenniel aufzuzeigen, wie diese Bildgattung methodisch korrekt erschlossen und didaktisch sinnvoll zur Förderung der Urteilskompetenz von Schülerinnen und Schülern eingesetzt werden kann.
- Grundlagen der Bildinterpretation in der Geschichtsdidaktik
- Entwicklung und Merkmale der Karikatur als historische Quelle
- Systematische Anwendung des Pandel-Modells auf die Karikatur
- Historischer Kontext von Bismarcks Rücktritt und Wilhelms II. Herrschaft
- Didaktische Potenziale und Grenzen des Medieneinsatzes im Unterricht
Auszug aus dem Buch
3.2 Ikonographische Beschreibung
Die in dieser Arbeit verwendete Karikatur „Dropping the Pilot“, wurde am 29.03.1890 in der Londoner Satirezeitschrift „The Punch“, welche 1841 gegründet wurde, veröffentlicht. Gezeichnet wurde diese schwarz-weiß Karikatur von Sir John Tenniel, dem „First Cartoonist“ der Satirezeitschrift. Da diese politische Karikatur von der Redaktion als außergewöhnlich betrachtet wurde, wurde ihr eine ganze Doppelseite gewidmet. Dies war nicht die Regel, viel eher eine Ausnahme. Im Deutschen findet sich häufig die Übersetzung „Der Lotse geht von Bord“. Diese Übersetzung trifft nicht ganz den Kern der ursprünglich intendierten Aussage, da „dropping“ eher „auswerfen“ meint, was „von Bord gehen“ nicht gleichkommt.
Betrachtet man den Mittelpunkt des Bildes, so ist eine korpulentere Figur zu sehen, welche dem Betrachter im seitlichen Profil zugewandt ist. Anhand der Kleidung und dem Bart, lässt sich deutlich erkennen, dass es sich bei der dargestellten Person um einen Mann handelt. Sein Gesicht wird von einem markanten Schnauzbart dominiert. Die Gesichtsmimik des Mannes ist recht starr, der Blick geht stur geradeaus und ist in die Ferne gerichtet. Umrahmt wird es von einer Tellermütze, welche längst des Gesichtes durch ein Band befestigt wird. Sein etwas korpulenterer Oberkörper wird von einem zweireihigen Mantel bekleidet, die oben durch den ersten Knopf verschlossen ist. Darunter trägt er eine Hose und Stiefel. Auffällig ist jedoch, dass die Beine im Vergleich zum Oberkörper recht schmal wirken. Die rechte Hand des beleibten Mannes umschlingt das Fallreep einer Treppe, welche er hinab geht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Bedeutungswandel des Bildes im Geschichtsunterricht und führt in die zentrale Fragestellung zur Nutzung von Karikaturen ein.
2. Darstellungsform: Bild: Dieses Kapitel definiert den komplexen Bildbegriff und grenzt die Karikatur als spezifische Bildquelle von anderen Darstellungsformen ab.
3. Analysemethode nach Pandel: Das Kapitel erläutert das vierstufige Modell von Hans-Jürgen Pandel zur Bildinterpretation und wendet dieses beispielhaft auf die Karikatur „Dropping the Pilot“ an.
4. Thematische Einordnung im Lehrplan: Hier wird die Karikatur in den Kontext des Kernlehrplans für das Fach Geschichte in Nordrhein-Westfalen eingeordnet und ihr Potenzial für die Inhaltsfelder des Imperialismus aufgezeigt.
5. Didaktische Nutzung der Karikatur: Das Kapitel reflektiert die Einsatzmöglichkeiten und methodischen Anforderungen an den Umgang mit Karikaturen im Unterricht.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Chancen und Risiken zusammen und betont, dass eine sinnvolle Nutzung der Karikatur eine methodisch saubere und kontextualisierte Analyse erfordert.
Schlüsselwörter
Karikatur, Geschichtsunterricht, Hans-Jürgen Pandel, Bildinterpretation, Dropping the Pilot, Sir John Tenniel, Geschichtsdidaktik, Bildquelle, Bildsemantik, Sozialgeschichtliche Analyse, Historisches Lernen, Otto von Bismarck, Kaiser Wilhelm II., Methodenkompetenz, Urteilskompetenz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Analyse und der didaktischen Nutzbarkeit von Karikaturen als Bildquellen im Geschichtsunterricht.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die bildwissenschaftliche Theorie, die methodische Bildinterpretation nach Pandel und deren praktische Anwendung im schulischen Geschichtsunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrkräfte Karikaturen methodisch korrekt analysieren und im Unterricht einsetzen können, um historische Lernprozesse zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf das vierstufige Analyseschema (Erscheinungssinn, Bedeutungssinn, Dokumentensinn, Zeitsinn) nach Hans-Jürgen Pandel.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung des Bildbegriffs, die Vorstellung der Analysemethode sowie eine detaillierte ikonographische und ikonologische Untersuchung der Karikatur „Dropping the Pilot“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Karikatur, Bildinterpretation, Geschichtsdidaktik, Pandel, Methodenkompetenz und historisches Lernen.
Warum wird speziell die Karikatur „Dropping the Pilot“ als Beispiel gewählt?
Diese Karikatur dient als klassisches Beispiel, um die politische Symbolik des Rücktritts von Otto von Bismarck unter Kaiser Wilhelm II. und die damit verbundenen Herausforderungen der Bildinterpretation zu veranschaulichen.
Inwiefern ist das Modell von Pandel für Schülerinnen und Schüler geeignet?
Pandel bietet ein systematisches Werkzeug, das durch eine klare Schrittfolge den Einstieg in die komplexe Bildanalyse strukturiert und dadurch die methodische Kompetenz der Schülerinnen und Schüler stärkt.
Welchen Bezug stellt die Arbeit zum Lehrplan her?
Die Arbeit verknüpft die Analyse der Karikatur mit den Inhaltsfeldern zum Imperialismus und Ersten Weltkrieg, insbesondere in Bezug auf die Sach- und Urteilskompetenz im Fach Geschichte.
- Citation du texte
- Judith Teßmann (Auteur), 2013, Die Karikatur im Geschichtsunterricht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269347