Auch heutzutage beschenken wir unsere Mütter am zweiten Sonntag im Mai mit Blumen, ohne uns über den Ursprung dieser Tradition im Klaren zu sein. Welche Ziele die Muttertagspropaganda in der Weimarer Republik verfolgte und welches Frauenbild sich daraus ableiten lässt, möchte ich mit meiner Hausarbeit am Beispiel der Quelle „Kampagne zur Begehung des Muttertages 1929“ aufzeigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Inhaltsangabe der Quelle
2.2 Historischer Kontext
2.3 Die Ziele und das Frauenbild der Muttertagspropaganda
3. Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Muttertagspropaganda in der Weimarer Republik am Beispiel des Aufrufs „Kampagne zur Begehung des Muttertages“ aus dem Jahr 1929. Ziel ist es, die ideologischen Hintergründe der Kampagne aufzudecken, die damit verfolgten politischen Ziele zu identifizieren und das daraus abgeleitete, konservative Frauenbild kritisch zu analysieren.
- Analyse der Muttertagspropaganda in der Weimarer Republik
- Untersuchung von Zielsetzungen des „Vorbereitenden Ausschusses“
- Reflexion über das vermittelte Idealbild von „Hausfrau und Mutter“
- Deutung der Instrumentalisierung von Mutterschaft für politische Zwecke
- Einordnung der Quelle in den historischen Kontext der Nachkriegszeit
Auszug aus dem Buch
2.3 Die Ziele und das Frauenbild der Muttertagspropaganda
Gleich in den ersten Sätzen des Aufrufes stellt der Ausschuß sein zentrales Ziel heraus: Der Muttertag mit seiner „starke[n] aufbauenden Kraft“ soll den „mannigfachen Verfallserscheinungen der Gegenwart“ entgegenwirken (S.226). In dieser „suchenden und irrenden Zeit“ sei insbesondere das „Schwinden der Ehrfurcht“ und die „Geringschätzung“ gegenüber der „Hausfrau und Mutter“ ein ernstzunehmendes Problem (S.226). Ich nehme an, dass der Ausschuß in der „starken aufbauenden Kraft“ des Muttertags eine vorwiegend symbolische Kraft sieht: Durch die Ehrung der Frauen soll die in der Öffentlichkeit bereits vorhandene „Bereitschaft zur Betonung der Mütterlichkeit und Mutterehrung“ stilisiert und ritualisiert werden. Es ist allerdings nicht der Muttertag an sich, sondern die Mutter selber, von der sich der Ausschuss eine Lösung der gesellschaftlichen Probleme verspricht: Die Mutter als „Seele des Hauses“ beeinflusse mit ihrer „Grundeinstellung“ die Familie und könne ihre Kinder zu „starken[n] Charaktere[n]“ erziehen, die „dienstwillig“ und ehrfürchtig seien (S.226). Die Mutter wird hier als „Hüterin des Familienlebens“ dargestellt, die durch ihre Erziehung die heranwachsende Generation und somit die Gesellschaft beeinflusst.
Einen unerwarteten „Gedankensprung“ nimmt die Quelle, wenn der Ausschuß den Muttertag mit der Parteienzersplitterung der Weimarer Republik in Bezug setzt: Deutlich wird der „Verfall [der] Volksgemeinschaft in einzelne Parteien“ und der „Haß […] im traurigen Bruderkampf“ beklagt, dem der Muttertag als „überparteiliche“ und „neutrale Gedankenmacht“ entgegenwirken soll (S.226).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Muttertagsfeiern in der Weimarer Republik ein und formuliert die Fragestellung nach den Zielen der damaligen Propaganda und dem daraus resultierenden Frauenbild.
2. Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine inhaltliche Erschließung der Quelle, die Einbettung in den historischen Kontext der Krisenjahre und eine detaillierte Analyse der rhetorischen Strategien und Ziele der Kampagne.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und verdeutlicht, wie der Muttertag als konservatives Instrument zur Eindämmung gesellschaftlicher Emanzipationsbewegungen und zur Etablierung eines idealisierten Frauenbildes genutzt wurde.
Schlüsselwörter
Muttertag, Weimarer Republik, Frauenbild, Propaganda, Familienleben, Mutterkult, Volksgesundung, Geschlechterordnung, Hausfrau, Erziehung, Geschlechterrolle, Tradition, politische Instrumentalisierung, Emanzipation, Mutterschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Quelle „Kampagne zur Begehung des Muttertages“ von 1929 und untersucht die Hintergründe der Muttertagspropaganda in der Weimarer Republik.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Einordnung des Muttertages, der Analyse des Frauenbildes der 1920er Jahre und der Instrumentalisierung von Mutterschaft für konservative gesellschaftspolitische Zwecke.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Es soll aufgezeigt werden, welche spezifischen Ziele die Initiatoren der Muttertagskampagne verfolgten und wie sie versuchten, die Rolle der Frau in einer krisengeprägten Zeit durch die Stilisierung zur „Erlöserfigur“ neu zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der Quelleninterpretation, wobei der Quellentext systematisch in Abschnitte gegliedert und durch den historischen Kontext sowie aktuelle Forschungsliteratur analysiert wird.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Inhaltsangabe der Quelle, die historische Einbettung der Muttertagsbewegung, die Untersuchung der propagandistischen Zielsetzungen sowie die kritische Reflexion des propagierten Frauenbildes.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Muttertag, Weimarer Republik, konservative Geschlechterordnung, Frauenbild, Propaganda und soziale Stabilität beschreiben.
Warum wurde der Muttertag als politisches Instrument in der Weimarer Republik genutzt?
Der Muttertag wurde als unpolitische „Gedankenmacht“ inszeniert, um die stark fragmentierte Gesellschaft der Weimarer Republik zu einen und einem Sittenverfall durch Rückbesinnung auf traditionelle Familienwerte entgegenzuwirken.
Welches Frauenbild transportierte die Kampagne?
Die Kampagne förderte ein konservatives Ideal, in dem die Frau als selbstlose „Hüterin des Familienlebens“ und „Seele des Hauses“ gesehen wurde, deren vornehmliche Aufgabe die Erziehung der Kinder und die Sicherung der Volksgesundheit war.
Wie reagierte der Ausschuss auf das Phänomen der „Neuen Frau“?
Der Ausschuss lehnte das durch die „Neue Frau“ geprägte Streben nach Selbstverwirklichung und Berufstätigkeit ab und interpretierte dieses als Eitelkeit oder Selbstsucht, da es der propagierten „Opferrolle“ der Mutter widersprach.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin über die Entwicklung des Mutterkultes?
Die Arbeit schlussfolgert, dass die in der Weimarer Republik begonnene Verehrung der „Mutterfigur“ den Grundstein für einen Kult legte, der im späteren Nationalsozialismus seinen extremen Höhepunkt fand.
- Quote paper
- Julia Reymers (Author), 2009, Quelleninterpretation: Kampagne zum Muttertag, 1929, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269461