Wegbereiter der englischen Frauenbewegung im Vergleich

Mary Wollstonecraft und John Stuart Mill/ Harriet Taylor Mill


Hausarbeit, 2013

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurze theoretische Grundlage zum eigenen Verständnis von „sex“ und „gender“

3. Entwicklung der Frauenbewegung in England im 18. und 19. Jahrhundert

4. Wegbereiter der englischen Frauenbewegung im Vergleich
4.1 Mary Wollstonecraft
4.1.1 Rollenbrecherin und Vordenkerin
4.1.2 Ein Plädoyer für die Rechte der Frauen (1792)
4.2 John Stuart Mill / Harriet Taylor Mill
4.2.1 Eine gleichberechtigte Partnerschaft
4.2.2 Die Hörigkeit der Frauen (1869)

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die weltweiten Frauenbewegungen, welche unter anderem die Gleichstellung gegenüber den Männern zum Ziel hatten, gehören zu den wichtigsten und erfolgreichsten sozialen Bewegungen der Vergangenheit. Egal ob in Amerika, Frankreich, Deutschland oder England – seit Jahrhunderten kämpfen Frauen für die Anerkennung und Verwirklichung ihrer Rechte. Manche sehen die Entstehung des feministischen Bewusstseins „in den Arbeiten von Schriftstellerinnen im England des 17. Jahrhunderts“, andere gehen sogar bis ins 15. Jahrhundert zurück und sehen den Anfang „bei der französischen Autorin Christine de Pizan[1].“[2]

In England sowie in anderen europäischen Staaten begann die Frauenbewegung mehrheitlich im 18. Jahrhundert. Einzelne Männer und Frauen, beflügelt durch die Aufklärung und die Verkündung der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte im Jahr 1789, forderten nun vermehrt die Gleichstellung der Frau gegenüber dem Mann. Drei Autoren[3], welche die Geschichte der englischen Frauenbewegung maßgeblich mitbestimmt haben, waren Mary Wollstonecraft sowie John Stuart Mill und seine Frau Harriet Taylor Mill. Von französischen Frauen wie Olympe de Gouges inspiriert, eröffnete Mary Wollstonecraft mit ihrer Schrift „Ein Plädoyer für die Rechte der Frauen“ (A Vindication of the Rights of Woman) im Jahr 1792 die politische Diskussion um die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Ihr ging es in ihrer Schrift nicht darum, die bestehende Ordnung der Geschlechter umzudrehen, sondern vielmehr tritt sie dafür ein, dass Frauen die gleichen Bildungschancen wie Männer erhalten sollten. Zudem fordert sie „die Teilhabe der Frau am gesellschaftlichen Leben, mehr noch: ihre Verantwortung dafür, denn die Frauen wurden bisher „kaum als Menschen“ betrachtet.[4]

Genau 77 Jahre später griff einer der bekanntesten und einflussreichsten Denker seiner Zeit die Forderungen von Mary Wollstonecraft wieder auf. 1869 veröffentlichte John Stuart Mill in Zusammenarbeit mit seiner Frau, Harriet Taylor Mill, das Werk „Die Hörigkeit der Frauen“ (On the Subjection of Woman). Beide widerlegen in ihrer Schrift die Annahme, „dass die untergeordnete Stellung der Frau mit ihrer ‚Natur‘ begründet und legitimiert werden könne.“[5] Wie bei Mary Wollstonecraft kommt der Erziehung und Bildung, welche die Voraussetzungen für die untergeordnete Stellung der Frauen schaffen, eine wichtige Rolle zu.

Ziel dieser Arbeit ist es, die wesentlichen Argumente und Sichtweisen der drei Autoren zur Stellung der Frau in der Gesellschaft ihrer Zeit herauszufiltern. Dazu werden jeweils die ersten drei Kapitel der Texte analysiert. Am Ende der Arbeit sollen die wichtigsten Forderungen, welche die Autoren an die Leser ihrer Zeit hatten, klar erkennbar sein.

2. Kurze theoretische Grundlage zum eigenen Verständnis von „sex“ und „gender“

Sind das „Weibliche“ und das „Männliche“ natürlich gegeben? Wird der „natürliche“ Körper von der Gesellschaft konstruiert?

Solche Fragen kommen auf, wenn man sich mit den beiden Begriffen „sex“ und „gender“ beschäftigt. Der Begriff „sex“ meint das biologische, anatomische Geschlecht und „gender“ das soziale Geschlecht, welches die psychologischen und kulturellen Dimensionen der Geschlechterzugehörigkeit umfasst.[6] Die wissenschaftliche sex-gender-Debatte ist seit Jahrzehnten geprägt durch die Auseinandersetzung um die Frage, ob und wenn ja, wie das biologische Geschlecht sozial konstruiert wird.

Wir wachsen in einer Gesellschaft auf, die zweigeschlechtlich strukturiert ist und in der Heterosexualität als soziale Norm gilt. Männlichkeit und Weiblichkeit stehen sich als zwei Pole gegenüber. Unsere Erziehung sowie die Gesellschaft geben uns vor, dass es nur diese zwei Geschlechter gibt. „Die Auftrennung des Geschlechterbegriffs in die Kategorien sex und gender […] erlaubt es, die Konstruiertheit von Geschlecht in kulturellen und historischen Kontexten verstehbar und verhandelbar zu machen und die Festschreibung und Legitimierung von Männlichkeit und Weiblichkeit auf biologischer Grundlage zu hinterfragen.“[7]

Simone de Beauvoir fasst in „Das andere Geschlecht“ die Kritik vom Geschlecht als naturgegeben in einem Satz zusammen: „Man wird nicht als Frau geboren, man wird dazu gemacht.“ Damit greift die Feministin eine Auseinandersetzung auf, die bereits im 18. und 19. Jahrhundert geführt wurde. Man ging von einer „Ordnung der Natur“ aus, in der Frauen zum Dienen und Männer zum Herrschen geboren seien.[8] Diese Natur-Ideologie wurde sowohl von Mary Wollstonecraft als auch von John Stuart Mill und seiner Frau bestritten.

3. Entwicklung der Frauenbewegung in England im 18. und 19. Jahrhundert

Unter dem Begriff „Frauenbewegung“ versteht man im Allgemeinen, eine „organisierte Form des Kampfes um die Gleichberechtigung der Frauen“.[9] Gefordert wird eine wirtschaftliche, politische sowie soziale Gleichstellung der Frau gegenüber dem Mann.

Die Entstehung und Entwicklung einer feministischen Bewegung in England kam erst Ende des 18. Jahrhunderts auf. Vorab wurden vereinzelt Forderungen nach Gleichberechtigung geltend gemacht, welche aber kaum Gehör fanden.

Von der Französischen Revolution inspiriert, veröffentlichte Mary Wollstonecraft 1792 ihre Schrift „Ein Plädoyer für die Rechte der Frauen“. In der „Theoriedebatte um die Stellung der Frau in Gesellschaft und Familie“[10] nimmt die Autorin eine wichtige Stellung ein. In England selbst gab es noch keine organisierten Aktivitäten von Frauen im 18. Jahrhundert. Neben Wollstonecraft veröffentlichten weitere Autorinnen Schriften, die sich des Themas annahmen. Zu nennen ist hier Mary Ann Radcliffe mit ihrer Abhandlung „Der weibliche Anwalt, oder Versuch, die Rechte der Frauen von Männern zurückzuerobern, die sie sich widerrechtlich angeeignet haben.“[11]

Mitte des 18. Jahrhunderts entstanden erste Salons, in denen Frauen ihre Meinung, wenn auch vorsichtig und mit bedacht, „frei“ äußern konnten. Hauptsächlich Frauen aus dem gehobenen Bürgertum und aus dem Adel mischten sich in die Debatten um die Frauenemanzipation mit ein.

Ein erster Teilerfolg für die Frauenbewegung in England war die Verbesserung der Bildungschancen. Mit der Gründung von Ausbildungsstätten für Lehrerinnen konnten an den neugegründeten Mädchenschulen die Mädchen von den ausgebildeten Frauen unterrichtet werden. „Der Staat übernahm die Bildungshoheit und ermöglichte nun auch Mädchen aus bildungsfernen Schichten eine gewisse Allgemeinbildung.“[12] Trotz dieser neuen Bildungschancen blieb das Bild der Frau als „Heimchen am Herd“ bestehen, was sich in den Unterrichtsfächern für Mädchen ausdrückte: unter anderem Nähen und Kochen.[13] Nachdem erste Erfolge in der Frauenbildung erzielt werden konnten, „richtete sich der Fokus der Aktivistinnen auf das Frauenstimmrecht.“[14] Bereits in den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts hatten sich erste Vereine gegründet mit dem Ziel, das Wahlrecht für Frauen zu erringen. Zwei Wegbereiter, welche diese Forderung in das Licht der politischen Öffentlichkeit rückten, waren John Stuart Mill sowie seine Frau Harriet Taylor Mill. Als erster Mann, der einen Sitz als Abgeordneter im Unterhaus hatte, unterstützte er mit einer Petition, in der es um die Anerkennung des Wahlrechts für Frauen ging, die feministische Bewegung in England. Zudem hielt er 1867 eine Rede „Über die Zulassung der Frau zum Wahlrecht“. Da die Forderungen aber abgelehnt wurden, konzentrierte sich John Stuart Mill auf die Niederschrift seiner kritischen Gedanken und Argumentationen und die seiner Frau, welche bereits Jahre zuvor gestorben war. Mit dem Werk „Die Hörigkeit der Frau“ veröffentlichte Mill im Jahr 1869 eine Schrift, welche bis heute zu den wichtigsten feministischen Texten gehört. Es entbrannte eine öffentliche Diskussion um die Institution Ehe sowie die Stellung der Frau in der Gesellschaft. Allerdings gewannen die Forderungen der Frauen erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Aufkommen der sogenannten Suffragetten-Bewegung, welche sich zu einer der größten politischen Bewegungen in England vor dem Ersten Weltkrieg entwickelte, einen größeren Einfluss auf die politischen Debatten.

[...]


[1] Christine de Pizan war eine französische Schriftstellerin und Philosophin, die in ihrem Werk „Buch von der Stadt der Frau“ eine utopische Welt entwirft, in der Frauen den Männern gleichgestellt sind.

[2] Sparre, Sulamith (2006): Denken hat kein Geschlecht: Mary Wollstonecraft (1759 - 1797) Menschenrechtlerin. Lich/Hessen: Verl. Ed, S. 8.

[3] Im Verlauf der Arbeit wird nur die männliche Form verwendet, es werden aber beide Geschlechter einbezogen.

[4] Sparre 2006, S. 116.

[5] Gerhard, Ute; Pommerenke, Petra; Wischermann, Ulla (2008): Klassikerinnen feministischer Texte. Grundlagentexte Band 1 (1789 – 1919). Königstein/Taunus: Ulrike Helmer Verlag, S. 105.

[6] Vgl. Bundesamt für Gesundheit (2011): Geschlecht: Sex und Gender. Verfügbar unter: https://www.google.de/#q=bundesamt+f%C3%BCr+gesundheit+sex+und+gender.

[7] Ebd.

[8] Vgl. Schröder, Hannelore (2001): Widerspenstige, Rebellinnen, Suffragetten : feministischer Aufbruch in England und Deutschland. Aachen: ein-Fach-verl, S. 52.

[9] Duden (2013): Frauenbewegung. Verfügbar unter: http://www.duden.de/rechtschreibung/Frauenbewegung.

[10] Karl; Michaela (2011): Die Geschichte der Frauenbewegung. Stuttgart: Reclam, S. 62.

[11] Vgl. Schröder 2001, S. 46.

[12] Karl 2011, S. 63.

[13] Vgl. Ebd., S. 63-64.

[14] Ebd., S. 64.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wegbereiter der englischen Frauenbewegung im Vergleich
Untertitel
Mary Wollstonecraft und John Stuart Mill/ Harriet Taylor Mill
Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V269497
ISBN (eBook)
9783656607472
ISBN (Buch)
9783656607458
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wegbereiter, frauenbewegung, vergleich, mary, wollstonecraft, john, stuart, mill/, harriet, taylor, mill
Arbeit zitieren
Nadine Möller (Autor), 2013, Wegbereiter der englischen Frauenbewegung im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269497

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