Gegenstand der Unternehmensziele öffentlicher Nahverkehrsgesellschaften ist die Erbringung von Dienstleistungen in Form von Beförderung von Personen. Diese entsprechen dem gesetzlich vorgesehenen Zweck kommunaler Unternehmen. Das Regionalisierungsgesetz (RegG) definiert den Öffentlichen Personennahverkehr als öffentliche Aufgabe der Daseinsfürsorge.
Der öffentliche Nahverkehr und dessen Infrastrukturnetz prägten entscheidend das Stadtwachstum in den europäischen Staaten. Vor allem der Schienenver-kehr ermöglichte ein starkes Anwachsen der Städte während der industriellen Urbanisierung. Gegenüber den Motorisierten Individualverkehr (MIV) weist der ÖPNV Vorteile im Bereich der Transportkapazität und der relativen Umweltfreundlichkeit auf.
Als öffentliche Unternehmen gilt für kommunale Verkehrsbetriebe nicht das klassische Prinzip der Gewinnmaximierung wie für privatwirtschaftliche Akteure. An Stelle dessen orientieren sich die Unternehmen in der Regel an dem Prinzip der Zuschussminimierung. Hier gilt es, den öffentlichen Zuschuss zur Deckung des wirtschaftlichen Defizits zu senken. 2010 lag der durchschnittliche Kostendeckungsgrad kommunaler Nahverkehrsbetriebe in Deutschland bei 77%, wobei dieser im Zeitraum seit 1990 gestiegen ist
Die Erbringung der Transportleistung erfolgt in Kommunen in einer vergleichbaren Art. Sichtbare Unterschiede liegen vor allem in der Wahl der Verkehrsmittel. Neben Bussen werden auch Schienenfahrzeuge eingesetzt, als Straßen-, Schnell- oder U-Bahnen. Letztere spielen aufgrund ihrer höheren Kosten nur für größere Städte eine Rolle.
In der vorliegenden Arbeit sollen zunächst Städte ohne Straßenbahn hinsichtlich des Fahrgastaufkommens, der Umsatzerlöse und der Personalaufwände miteinander verglichen werden.
Dieser Vergleich erfolgt anschließend mit einer Gruppe von Städten, welche neben Bussen zusätzlich Schienenfahrzeuge einsetzen.
Durch die Bildung von Durchschnittswerten soll abschließend ein Vergleich zwischen den beiden Städtegruppen erfolgen. Daraus sollen sich Unterschiede und Gemeinsamkeiten ableiten. Des Weiteren wird geklärt, ob die Nutzung von Straßenbahnen das Fahrgastaufkommen erhöht und der Umsatzerlös gesteigert wird. Die Leitfrage ist hierbei die nach der Wirtschaftlichkeit der jeweiligen Betriebsformen. Im Weiteren sollen die IST-Werte untereinander, bzw. mit den daraus gebildeten SOLL-Kennzahlen verglichen werden. So können Aussagen über die Wirtschaftlichkeit der kommunalen Nahverkehrsbetriebe getroffen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Aufgabenstellung und Zielsetzung
1.2 Relevanz des Themas
1.3 Aufbau der Arbeit
2. Thematische Einführung
2.1 Auswahl der Städte
2.2 Bezugsrahmen zur Analyse
2.2.1 Inhaltliche Abgrenzung
2.2.2 Rechtsformen von ÖPNVs
3. Methodik
3.1 Untersuchungsmodell
3.2 Statistische Auswertung
4. Ergebnisse
4.1 Städte ohne Straßenbahn
4.2 Städte mit Straßenbahn
4.3 Vergleich
5. Soll-Kennzahlen
5.1 ohne Straßenbahn
5.2 mit Straßenbahn
6. Diskussion
6.1 Ökonomische Betrachtung
6.2 Zusammenfassung
6.3 Kritische Betrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert und vergleicht die Wirtschaftlichkeit kommunaler Nahverkehrsbetriebe in Deutschland. Hierbei liegt der Fokus auf der Untersuchung von Städten mit und ohne Straßenbahnanbindung, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede sowie Einflüsse auf Kennzahlen wie das Fahrgastaufkommen und die Einnahmensituation zu identifizieren, woraus schließlich Soll-Kennzahlen für eine effizientere Steuerung abgeleitet werden.
- Wirtschaftlichkeitsanalyse kommunaler Nahverkehrsunternehmen
- Einfluss von Straßenbahnsystemen auf den ÖPNV-Erfolg
- Vergleich von IST-Werten und Entwicklung von Soll-Kennzahlen
- Strukturdaten von Verkehrsbetrieben (Umsatz, Personalaufwand, Fahrgäste)
- Evaluierung verkehrspolitischer Zielgrößen
Auszug aus dem Buch
3.1 Untersuchungsmodell
Im Untersuchungsmodell (Abb.: 1.) werden die erhobenen Zahlen in zwei Kategorien eingeteilt. Der Umsatzerlös stellt dabei eine Zielgröße dar, welche durch die beiden Kontextfaktoren Fahrgastaufkommen und Fahrpreis bestimmt wird. Zudem können sich diese beiden Faktoren gegenseitig beeinflussen.
Des Weiteren bestimmen der Personalaufwand und die Umsatzerlöse die Wirtschaftlichkeit.
Im ersten Schritt werden dafür die IST-Daten mittels der Beteiligungsberichte erhoben. Anschließend werden aus den vorhandenen Daten die SOLL-Werte ermittelt. Daraus ergibt sich wiederum ein SOLL-IST-Vergleich.
Neben den SOLL-IST-Vergleich wird ein IST-IST-Vergleich Informationen zur Wirtschaftlichkeit der Nahverkehrsbetriebe liefern. In der Literatur wird dieser Vergleich vor allem in drei Aspekten verwendet:
• Branchenorientiert (Vergleich unter Unternehmen der gleichen Branche)
• Mitarbeiterbezogen (Vergleich zwischen Mitarbeiter mit einer gleichen oder vergleichbaren Tätigkeit)
• Vergangenheitsorientiert (Vergleich der IST-Werte der Gegenwart und der Vergangenheit).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der kommunalen Nahverkehrsgesellschaften ein und erläutert die Aufgabenstellung, Zielsetzung sowie die Relevanz der Arbeit.
2. Thematische Einführung: Hier wird die Auswahl der untersuchten Städte begründet und ein Bezugsrahmen geschaffen, der inhaltliche Abgrenzungen und die relevanten Rechtsformen von Verkehrsbetrieben umfasst.
3. Methodik: Dieses Kapitel erläutert das Untersuchungsmodell zur Erhebung der Wirtschaftlichkeitsdaten sowie die angewandten statistischen Auswertungsmethoden.
4. Ergebnisse: Die Ergebnisse der Untersuchung werden hier getrennt für Städte mit und ohne Straßenbahn präsentiert und anschließend in einem direkten Vergleich gegenübergestellt.
5. Soll-Kennzahlen: Auf Basis der erhobenen Daten werden in diesem Kapitel Szenarien für Soll-Kennzahlen entwickelt, um Orientierungswerte für eine effizientere Steuerung der Verkehrsbetriebe zu bieten.
6. Diskussion: Das letzte Kapitel bietet eine ökonomische Betrachtung der Ergebnisse, fasst die Erkenntnisse zusammen und schließt mit einer kritischen Reflexion der Untersuchungsmethodik und der Ergebnisse ab.
Schlüsselwörter
Öffentlicher Personennahverkehr, ÖPNV, Wirtschaftlichkeit, Kommunale Verkehrsbetriebe, Straßenbahn, Fahrgastaufkommen, Umsatzerlöse, Personalaufwand, Soll-Kennzahlen, Kostendeckungsgrad, Nahverkehrsinfrastruktur, Stadtverkehr, Tarifpflicht, Beteiligungsberichte, Preiselastizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Bewertung der Wirtschaftlichkeit von kommunalen Nahverkehrsbetrieben in verschiedenen deutschen Städten.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die ökonomische Betrachtung von Verkehrsbetrieben, den Vergleich zwischen Systemen mit und ohne Straßenbahnen sowie die Ableitung von Soll-Kennzahlen zur Steigerung der Effizienz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Straßenbahnen die Wirtschaftlichkeit beeinflussen, Zusammenhänge zwischen Fahrpreisen und Fahrgastaufkommen zu prüfen und Soll-Konzepte für die Unternehmenssteuerung zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden IST-Daten aus Beteiligungsberichten erhoben, statistisch mittels SPSS ausgewertet (u.a. Korrelationsanalysen, Normalverteilungstests) und diese Kennzahlen zu einem SOLL-IST-Vergleich herangezogen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine thematische Einführung, das methodische Vorgehen, die Auswertung der empirischen Ergebnisse für zwei Städtegruppen und die Erarbeitung von Soll-Szenarien.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie ÖPNV-Wirtschaftlichkeit, Fahrgastaufkommen, Straßenbahninfrastruktur und operative Kennzahlen beschreiben.
Welche Rolle spielt die Kaufkraft für die Preissetzung laut der Analyse?
Die Untersuchung widerlegt die Hypothese einer direkten Korrelation, da die Kaufkraft keinen direkten Einfluss auf die Gestaltung der Ticketpreise in den untersuchten Kommunen hat.
Warum schneiden Städte mit Straßenbahnen bei der Wirtschaftlichkeit oft besser ab?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Straßenbahnen trotz höherer technischer Kosten durch größere Transportkapazitäten und eine bessere Anbindung des Umlandes ein höheres Fahrgastaufkommen generieren können.
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- M.A. Martin Kirchner (Author), 2013, Analyse und Bewertung der Wirtschaftlichkeit kommunaler Nahverkehrsbetriebe, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269525