Die Entstehung der Target-Salden im Euroraum


Seminararbeit, 2013

26 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

TABELLENVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

FORMELVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 DAS TARGET-SYSTEM IM EURORAUM
2.1 Entstehungsgeschichte der Target Salden
2.2 Funktionsweise Target2

3 ZAHLUNGSBILANZFINANZIERUNG SÜDLICHER LÄNDER
3.1 Zahlungsbilanz
3.1.1 Definition Leistungsbilanz
3.1.2 Definition Kapitalbilanz
3.2 Zahlungsbilanzfinanzierung durch das Eurosystem
3.2.1 Erhöhung der Target2-Salden durch Interbankenkrise
3.2.2 Erhöhung der Target2-Salden durch Kapitalflucht

4 GEFAHR UND PROBLEMATIK DER TARGET SALDEN
4.1 Verwischung Kapital- und Geldmarkt
4.2 Fälligkeit und Haftung

5 FAZIT

LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Entwicklung der Target Salden im Euro Raum Quelle: Euro Crisis Monitor der Universität Osnabrück Fehler! Textmarke nicht definiert

Abbildung 2 Target- Schulden und kumuliertes Leistungsbilanzdefizit Quelle: Vgl. Sinn und Wollmershäuser (2011), Abbildung 12, zitiert durch Sinn (2012b), S. 17

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Buchung der Target-Salden eigene Darstellung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Formelverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

„If something cannot go on forever, it will stop“ Zitat Herbert Stein Die Geschichte der Weltwirtschaft ist von vielen Staatskrisen geprägt. Diese Krisen spiegelten sich in der Vergangenheit in zahlreichen Wäh- rungskrisen und Inflationen wider. Kernursache war oftmals die Fähigkeit der Zentralbanken zur Schaffung von Geld. Diese wurde in einigen Fällen fehlgenutzt und zur Finanzierung von Gütern genutzt. Die natürliche Selbstregulierung der Kapitalmärkte wurde außer Kraft gesetzt. Aus Kri- sen lernte die Ökonomie und vergab den Zentralbanken ein eng gefasstes Aufgabenfeld. Dieses besteht darin, ein wertstabiles Zahlungsmittel be- reitzustellen.1

In jüngster Zeit kam es im Eurosystem zu einer Staatsschuldenkrise. Be- troffene Staaten in Europa wurden in dieser Zeit durch die Geldpolitik der EZB unterstützt. Da die EZB noch sehr jung ist, ist ihre Entwicklung noch nicht abgeschlossen. Es treten an vielen Stellen Verbesserungsvorschlä- ge auf.2 So weisen einige Ökonomen, unter anderem der Präsident des Münchener ifo-Instituts Hans-Werner Sinn, in zahlreichen Schriften auf einen Posten in der Bundesbankbilanz hin, der in der Höhe eigentlich gar nicht vorkommen sollte: den Target2-Saldo. Dieser Saldo ist das Ergebnis einer Verrechnungsweise bei grenzüberschreitenden Zahlungen im Euro- system.3

Diese Seminararbeit befasst sich mit dem Zustandekommen der Target2 - Salden im Euroraum. In einem ersten Schritt soll in Kapitel 2 mit dem geschichtliche Hintergrund der Entstehung der Target2-Salden sowie deren Funktionsweise ein grundlegendes Verständnis zu diesem Thema vermittelt werden. Kapitel 3 befasst sich zunächst mit der Begriffserklä- rung der Zahlungsbilanzen. Im Weiteren werden Leistungsbilanzdefizite in Bezug zu Target2-Salden gesetzt. Die Wirkung einer Kapitalflucht wird ebenfalls in Bezug zu den Salden gesetzt. Im vierten Kapitel werden mög- liche Probleme und Risiken dieser Salden auf die Staaten im Euroraum aufgezeigt.

2 Das Target-System im Euroraum

Target2 ist das Zahlungsverkehrssystem innerhalb des Europäischen Systems der Zentralbanken (ESZB)4. Die Abkürzung Target2 steht für „Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer system“ in der zweiten Version.5

Zahlungsverkehrssysteme spielen in Volkswirtschaften eine wichtige Rolle. Zum einen handeln die verschiedenen Staaten mit Gütern, Dienst- leistungen und Finanzprodukten, dessen Zahlungsströme durch ein Zah- lungsverkehrssystem sicher und fehlerfrei übertragen werden sollten. Auf der anderen Seite werden Zahlungsverkehrssysteme zur Durchführung geldpolitischer Entscheidungen genutzt. Ändert sich die Summe des Zent- ralbankgeldes, hat dies Auswirkungen auf die „Zinssätze und andere Fi- nanzmarktpreise“. Vor allem Transaktionen auf dem Interbankenmarkt sind hiervon betroffen, da sie hauptsächlich über Zahlungsverkehrssys- teme abgewickelt werden.6

2.1Entstehungsgeschichte der Target Salden

Durch die Entstehung der Europäischen Wirtschafts- und Währungs- union (EWU) am 01. Januar 1999 und der Einführung der Euro Banknoten und Münzen am 01. Januar 2002, gewann gleichzeitig die Implementie- rung eines gemeinsamen Zahlungsverkehrssystems an Bedeutung.7 Ziele dieses Systems sollten die Einführung einer gemeinsamen Geldpolitik, die Risikominimierung innerhalb des neuen Währungssystems und auf Seiten der Banken, die Liquiditätssicherung auf nationaler und grenzüberschrei- tender Ebene sein.8 Somit wurde das erste gemeinsame Zahlungsver- kehrssystem Target am 04. Januar 1999 vom ESZB implementiert.9

Bis zu diesem Zeitpunkt verfügte jede nationale Zentralbank über ein eigenes Zahlungsverkehrssystem, auch RTGS (Real-time Gross Settle- ment)10 genannt. Durch das Target System wurden die unterschiedlichen RTGS Systeme der 17 nationalen Notenbanken inklusive EZB in einem Verbund zusammengeschlossen.11 Durch diesen Verbund wurden die einzelnen RTGS Systeme miteinander vernetzt und der grenzüberschrei- tende Zahlungsverkehr innerhalb der EWU vereinfacht.12 Obwohl das ursprüngliche Target System seine Ziele erreichte, stieß es im Laufe der Jahre an seine Grenzen. Dies spiegelte sich in einem hohen Wartungs- und Kostenaufwand aufgrund einer dezentralen Organisation mit jeweils individuellen Systemen wieder. Die steigende Anzahl der Mitgliedsstaaten der EU (Europäische Union) intensivierte dieses Problem zusätzlich.13

2.2Funktionsweise Target2

Nach einer Migrationsphase wurde Target2 am 19.05.2008 eingeführt. In dem neuen System fungiert die EZB als Clearingstelle in Form eines RTGS Systems auf einer Single-Shared Platform (SSP) für kurzfristig auftretende Salden im EWU. Diese SSP wird durch die Deutsche Bun- desbank, die Banca d’Italia und die Banque de France betrieben und ge- wartet. Somit ist Target2 das Datenübertragungsnetz aller Zahlungsströ- me im Eurosystem.14 Die Salden werden täglich fortgeschrieben ohne Verrechnung auf die jeweiligen Konten.15 Target2 ist das Kernsystem des Liquiditätsmanagements der Banken, da es in Zentralbankgeld abgewi- ckelt wird. So können Banken Kredite der Zentralbank in Anspruch neh- men und dieses Geld weiternutzen. Auch wird es für Ausgleichsoperatio- nen von Nebensystemen genutzt. Bspw. Retail Payment, securities clea- ring oder Abwicklungssystemen.16

Um den Ablauf einer Target2 Buchung näher zu erläutern, wird im Fol- genden auf ein praktisches Beispiel ersichtlich aus Tabelle 1 zurückgegrif- fen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 Buchung der Target-Salden eigene Darstellung

Angenommen ein griechisches Unternehmen (GU) importiert ein Fahr- zeug im Wert von 100 GE (Geldeinheiten) von einem deutschen Automo- bilhersteller (D). Das Geschäftsbankkonto der griechischen Bank (GBG) wird mit 100 GE belastet. Aus Deutschland wird dann ein S.W.I.F.T (So- ciety for Worldwide Interbank Financial Telecommunication)17 Zahlungs- avis von der griechischen Geschäftsbank an die deutsche Geschäftsbank übermittelt. Die GBG verbucht im ersten Schritt auf der Passivseite ihrer Bilanz einen Wertabfluss von 100 GE aus dem Konto von GU. Demge- genüber entsteht auf der Aktivseite der GBG ein Rückgang der Einlagen der griechischen Zentralbank (ZBG). Auch die ZBG verbucht in ihrer Bilanz auf der Passivseite einen Abfluss vom Einlagenkonto der GBG (Schritt 2). Die ZBG ruft in Schritt 3 den Betrag von ihren Guthaben bei der Europäi- schen Zentralbank (EZB) ab. Es kommt bei der ZBG zu einer Bilanzver- kürzung.

Im Einlagenkonto der ZBG bei der EZB verringern sich die Verbindlichkeiten von ZBG um den entsprechenden Betrag. Dieser Buchungsvorgang spiegelt die Target2-Salden wieder.

Zusätzlich zu einer Target2-Forderung der EZB gegenüber ZBG ent- steht in Schritt 4 eine Target2-Verbindlichkeit der EZB gegenüber der Deutschen Zentralbank (ZBD). Auch dieser Vorgang spiegelt sich in der Bilanz der ZBD wieder. In der Bilanz der ZBD erhöhen sich auf der Aktiv- seite die Forderungen in Form von Target2 gegenüber der EZB. Das Ein- lagenkonto der GBD erhöht sich um den Betrag (Schritt 5). Ebenso wird dem Einlagenkonto der ZBD auf der Aktivseite der Bilanz der GB dieser Betrag gutgeschrieben. Im sechsten Schritt wird dem Konto von D bei seiner Geschäftsbank der entsprechende Betrag gutgeschrieben.18

Jeden Tag werden in der Bilanz der EZB die Target2-Forderungen und -Verbindlichkeiten saldiert. Die EZB trägt das Risiko für diese auftreten- den Salden. Schuldnerländer zahlen für ihre Verbindlichkeit Zinsen zum Refinanzierungssatz. Dieser liegt derzeit bei 0,50 Prozent (Stand Mai 2013)19. Im Gegensatz hierzu erhalten Gläubiger-Länder für ihre Forde- rungen Zinszahlungen. Ein Limit für Verbindlichkeiten existiert nicht. Auch die Laufzeit ist unbegrenzt.20

An diesem Buchungssystem nahmen im Jahr 2012 999 Teilnehmer di- rekt und 3.386 Teilnehmer indirekt teil. Pro Tag wurden rund 354.185 Zahlungen abgewickelt. Der tägliche Wert dieser Zahlungen betrug ca. 2.477 Milliarden Euro, wobei eine einzelne Transaktion im Durchschnitt einen Wert von 7,1 Millionen Euro aufwies. Rund zwei Drittel aller Tar- get2-Transaktionen wurden mit einem Wert, der unter 50.000 Euro auf- wies, durchgeführt. Elf Prozent dieser Transaktionen bezifferten einen Wert von über einer Millionen Euro. Die SSP war zu 100 Prozent zuver- lässig und gewährleistete in 99,98 Prozent der Fälle eine Abwicklung in weniger als fünf Minuten.21

Abbildung 1 zeigt einen Anstieg der Target2-Salden im Euroraum im zeitlichen Ablauf. Dabei ist erkennbar, dass sich der Euroraum in zwei divergierende Bereiche aufteilt. Zum einen hat sich der Wert der Target2- Forderungen in DNLF-Ländern (Deutschland, Niederlande, Luxemburg und Frankreich) seit 2007 deutlich erhöht, während sich auf Seiten der GIIPS-Länder (Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien) der Bedarf an Zentralbankgeld in Form von Verbindlichkeiten gegenläufig erhöht hat.

Es kam zu einer Teilung des Euroraums in zwei Hälften:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Entwicklung der Target Salden im Euro Raum

Quelle: Euro Crisis Monitor der Universität Osnabrück zitiert durch BoysenHofgrefe (2013), S. 273

Zum einen in die nördlichen DNLS-Länder, auch Kernländer genannt, zum anderen in die südlichen GIIPS-Länder, die sogenannten Peripherieländer.22 Die Target-Forderungen der Deutschen Bundesbank beliefen sich im April 2013 auf 607.865,701 Euro. Ihren Höchststand erreichten sie im August 2012 mit 751.449,176 Euro.23

Wie diese Target2-Salden zustande gekommen sind, soll im nächsten Kapitel anhand der Zahlungsbilanz näher erläutert werden. Dabei soll auf Leistungsbilanzdefizite und Kapitalflucht der südlichen Länder in Bezug auf Target2-Salden näher eingegangen werden.

[...]


1 Vgl. Kooths et al. (2012), S. 3

2 Vgl. Scheller (2006), S. 9

3 Vgl. www.spiegel.de (2012)

4 Das ESZB besteht aus der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken der EU-Mitgliedsstaaten. Im ESZB sollen die nationalen Zent- ralbanken gemäß den Leitlinien und Beschlüssen der EZB agieren. Aufgaben des ESZB sind die „Geldpolitik der Gemeinschaft festzulegen und auszufüh- ren“, „Devisengeschäfte (…) durchzuführen“, die offiziellen Währungsreserven der Mitgliedstaaten zu halten und zu verwalten“ und „das reibungslose Funk- tionieren der Zahlungsverkehrssysteme zu fördern“. Vgl. Krumnow (2002), S. 474

5 Vgl. Bundesbank.de (2012a), abgerufen am 27.05.2013

6 Vgl. Jobst, Clemens et al (2012), S. 86-87

7 Vgl. Kokkola, Tom (2010), S. 174

8 Vgl. ecb.europa.eu, (2012) abgerufen am 27.05.2013

9 Vgl. Bundesbank.de (2012a), abgerufen am 27.05.2013

10 RTGS: Echtzeitbruttoclearingsystem: Bedeutet, dass Transaktionen direkt bei Eingang Nacheinander abgewickelt werden. Zunächst wird das Konto des Zah- lungssenders belastet und der Betrag dann auf dem Empfängerkonto gutge- schrieben. Vorteil dieser Abwicklung ist, dass der Empfänger seine Zahlung ohne Vorbehalt und unwiderruflich erhält. Somit werden Liquiditäts- und Kreditrisiken umgangen. Vgl. Kokkola, Tom (2010), S. 43

11 Vgl. Bundesbank.de (2012a), abgerufen am 27.05.2013

12 Vgl. ecb.europa.eu, abgerufen am 27.05.2013

13 Vgl. ecb.europa.eu, abgerufen am 27.05.2013

14 Vgl. Deutsche Bundesbank (2012a) S. 2

15 Vgl. Jobst et al. (2012), S. 87

16 Vgl. Kokkola, Tom (2010), S. 245

17 SWIFT: „Gesellschaft zur Betreibung eines internationalen EDV-Verbundnetzes für einen belegfreien Datenaustausch zwischen Teilnehmern“. In diesem Netz können Nachrichten bspw. Zahlungsanweisungen ausgetauscht werden, wobei jeder Teilnehmer eine eigene Identifikationsnummer bekommt. (Vgl. Krumnow et. al (2002), S. 1243

18 Vgl. Kooths et al (2012), S. 20-21 und vgl. Jobst et al (2012), S. 88-89

19 Vgl. bundesbank.de (2013c), zuletzt geprüft am 09.06.2013

20 Vgl. Garber (2010), S. 2

21 Vgl. www.ecb.europa.eu (2013), zuletzt geprüft am 07.06.2013

22 Vgl. Kooths (2012), S. 13-14

23 Vgl. Bundesbank.de (2013), zuletzt geprüft am 11.06.2013

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung der Target-Salden im Euroraum
Hochschule
Hochschule Aschaffenburg
Veranstaltung
FUP Wirtschaftspolitik
Note
2,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V269548
ISBN (eBook)
9783656606970
ISBN (Buch)
9783656606871
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Euroraum, Zahlungsverkehr, Target, Target2, Wirtschaftskrise, Finanzkrise
Arbeit zitieren
Regina Kroczek (Autor), 2013, Die Entstehung der Target-Salden im Euroraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269548

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