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Die Geschichtsdarstellung im Annolied

Title: Die Geschichtsdarstellung im Annolied

Term Paper , 2008 , 16 Pages , Grade: 2,7

Autor:in: Bachelor of Arts Alexa Hof (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

„Man hat der Historie das Amt, die Vergangenheit zu richten, die Mitwelt zum Nutzen zukünftiger Jahre zu belehren, beigemessen: so hoher Ämter unterwindet sich gegenwärtiger Versuch nicht: er will bloß sagen, wie es eigentlich gewesen.“
Dieses Zitat von Leopold von Ranke, einem preußischen Historiker, deutet schon an, womit sich diese Arbeit beschäftigen wird, zu sagen „wie es eigentlich gewesen“. Darüber hinaus aber soll hier die Art und Weise, in der Geschichte im Mittelalter aufgefasst und aufgeschrieben wurde, Schwerpunkt sein - die Funktion und die Rezeption der Geschichte.
Ich werde versuchen darzustellen, wie sich das Verhältnis zur eigenen Geschichte und das Verlangen nach einer grundlegenden Ordnung der Dinge durch und in der Geschichtsschreibung widerspiegelt. Gerade in Zeiten von Kriegen, Revolutionen oder Epidemien suchen Menschen nach einem grundlegenden Sinn, nach einer ordnenden Instanz. Daraus entwickelte sich eine Geschichtsschreibung, die eben diese Funktion inne hat: Sie legt verbindliche Ordnungsprinzipien an. Wo vorher Verwirrniss herrschte, schafft sie Ordnung. Die zu stellende Frage ist, wodurch schafft es die Geschichtsschreibung, dass sich die Menschen nicht mehr ‚hoffnungslos’ verloren in der eigenen Zeit fühlen? Dies werde ich am Beispiel des Annolieds und der Konzeption der Anno- Biographie dokumentieren.
Was die Geschichte mitunter so faszinierend macht, ist ihre jeweilige Auslegung und auch die resultierende Zweckentfremdung von Geschichtsschreibung. Dieses Mittel der subjektiven, ‚zielorientierten’ Geschichtsauffassung und –darstellung zeigt sich schon im frühesten Mittelalter. Die Ereignisse und Taten der Vergangenheit zu rechtfertigen oder im Nachhinein zu verstehen, ist geprägt vom betrachtenden Menschen und seiner Einstellung.
Ob nun Herrschaftshäuser ihre Legitimation anhand der Geschichte zu untermauern suchten, oder die Existenz fiktiver Heldenfiguren durch diese begründet werden sollte, die Geschichtsdarstellung wird zum Mittel der Legitimation. Im Annolied wird diese Legitimation durch konkrete Bezüge zur Heilsgeschichte, Wundern und Heiligen, sowie zur Antike begriffen.
Dies legt ein Verständnis von Geschichte zugrunde, welches auch Schwerpunkt dieser Arbeit sein wird. Anhand der Konzeption der Anno- Biographie und der Zahlensymbolik im Annolied werde ich darstellen, wie Geschichte genutzt werden kann, um bestimmte Verfasserintentionen aufzuzeigen und Werbung für deren Ziele zu machen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Überlieferung, Literatur- und gattungsgeschichtliche Einordnung

2. Geschichtsdarstellung im frühen Mittelalter

2.1 Die Sechs- Weltalter- Lehre

2.2 Das Buch Daniel und die Vier – Reiche – Lehre

3. Zahlensymbolik im Annolied

4. Die Konzeption des Annolieds und der Anno- Biographie

5. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktion und Rezeption von Geschichtsdarstellung im mittelalterlichen "Annolied". Ziel ist es, aufzuzeigen, wie historische Ereignisse durch subjektive, zielorientierte Geschichtsauffassungen und durch den Einsatz von Zahlensymbolik umgedeutet werden, um die Heiligsprechung des Erzbischofs Anno II. von Köln zu legitimieren und als Vorbild für die imitatio Christi zu etablieren.

  • Die Funktion und Rezeption von Geschichte im Mittelalter.
  • Die Anwendung der Sechs-Weltalter-Lehre und der Vier-Reiche-Lehre zur Legitimationserzeugung.
  • Die Bedeutung der Zahlensymbolik als ordnendes und legitimierendes Instrument im Annolied.
  • Die poetische Überformung und Stilisierung der Anno-Biographie.
  • Die Darstellung des Erzbischofs Anno als Heiliger im Kontext zeitgenössischer politischer und religiöser Interessen.

Auszug aus dem Buch

Die Konzeption des Annolieds und der Anno- Biographie

Das AL ist eine in 49 Abschnitte gegliederte Versdichtung, wobei man diese Abschnitte in drei große Teile und den Prolog unterteilt. Insgesamt umfasst das Gedicht 878 Verse. Der Prolog, die erste Strophe, stellt die (mündliche) Tradition weltlicher Heldendichtung der Jenseitsorientierten Heilsgeschichte gegenüber. Allerdings wird dabei die weltliche Heldendichtung nicht negativ dargestellt, nur der geistlichen Literatur unterlegen. Der erste Teil umfasst Strophen zwei bis sieben und thematisiert die Heilsgeschichte, von Schöpfung und Sündenfall über die Erlösung durch das Opfer Christi und der darauf folgenden Missionierung durch die von Gott gesandten Aposteln bis zu Anno, dem Bischof von Köln. Hier findet sich die Sechs- Weltalter- Lehre in gekürzter Form. Die ersten fünf Weltalter fahren zur Hölle, bis im sechsten Weltalter die Erlösung durch Jesus Christus folgt - sô vurter cir hellin die vunf werlt alle, vnze got gesante sînin sun.

Der zweite Teil umfasst mit den Strophen acht bis 33 thematisch die Profangeschichte in starker Anlehnung an die Vier- Reiche- Lehre.

AL 8, 5: Nînus hîz der êristi man, (...) Der Beginn ist also die Gründung der Stadt Ninive durch Ninus. Hier findet man große Gemeinsamkeiten auch zu Pompeius Trogus. Ninus wird allerdings als grimmin heidinscapht, als wilder Heide, bezeichnet. Auch ist er nicht der Gründer des babylonischen Reiches. Erst die Frau des Ninus, Semîramis (AL 9, 10), gründete die Stadt Babylon und somit das erste große Reich. Erst hier wird deutlich gemacht, dass die Menschen gottesfürchtig waren, daz si widir godis vortin einen turm worthin van erdin ûf ce himele. Auch wird der Grund für den Untergang des Reiches genannt: Entgegen aller Gottesfurcht bauen die Menschen einen Turm, der bis in den Himmel reichen soll. Gott zerstört allerdings diesen Turm und straft die Menschen, indem er sie viele verschiedene Sprachen sprechen lässt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der mittelalterlichen Geschichtsschreibung ein und formuliert die Forschungsfrage, wie Geschichte zur Legitimation im Annolied genutzt wird.

1.1 Überlieferung, Literatur- und gattungsgeschichtliche Einordnung: Hier werden die Überlieferungsgeschichte des Annolieds, seine Datierung sowie seine Einordnung in die Gattung der Geschichtsdichtung beschrieben.

2. Geschichtsdarstellung im frühen Mittelalter: Das Kapitel erläutert das christlich geprägte Geschichtsverständnis des Mittelalters, in dem heilsgeschichtliche Deutungen der Weltordnung Vorrang vor faktischer Wiedergabe haben.

2.1 Die Sechs- Weltalter- Lehre: Dieses Unterkapitel beschreibt das Modell von Augustinus, das die Weltgeschichte typologisch in sechs, den Schöpfungstagen entsprechende, Epochen unterteilt.

2.2 Das Buch Daniel und die Vier – Reiche – Lehre: Hier wird das biblische Modell der vier Weltreiche als Schema zur Strukturierung und Deutung politischer Geschichte im Annolied analysiert.

3. Zahlensymbolik im Annolied: Das Kapitel untersucht, wie Zahlen wie drei, vier, sechs und sieben über ihren mathematischen Wert hinaus als ordnende Metaphern und Mittel zur Legitimierung der dargestellten Geschichte fungieren.

4. Die Konzeption des Annolieds und der Anno- Biographie: Dieser Abschnitt analysiert den in drei Teile gegliederten Aufbau des Werkes und zeigt die Stilisierung des Erzbischofs Anno zur heiligen Figur auf.

5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass das Annolied Geschichte funktionalisiert, um den Anspruch auf die Heiligkeit Annos zu belegen, wobei die faktische Genauigkeit zugunsten einer heilsgeschichtlichen Zielsetzung in den Hintergrund tritt.

Schlüsselwörter

Annolied, Geschichtsdarstellung, Mittelalter, Erzbischof Anno II., Heilsgeschichte, Profangeschichte, Zahlensymbolik, Legitimation, Vier-Reiche-Lehre, Sechs-Weltalter-Lehre, Kanonisierung, imitatio Christi, Historiographie, Anno-Biographie, Mittelalterliche Literatur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der speziellen Art und Weise der Geschichtsdarstellung im Annolied, einem mittelhochdeutschen Werk, und untersucht deren Funktion und Rezeption im Kontext der Bemühungen um die Heiligsprechung des Erzbischofs Anno II. von Köln.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das christliche Geschichtsverständnis des frühen Mittelalters, die Anwendung heilsgeschichtlicher Ordnungsmodelle wie der Vier-Reiche-Lehre sowie die Rolle der Zahlensymbolik bei der Legitimierung von Herrschaft und Heiligkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Annolied Geschichte aktiv "umdeutet" oder instrumentalisiert, um ein idealisiertes Bild des Erzbischofs Anno zu entwerfen und dessen Heiligsprechung zu befürworten.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse des Textes in Verbindung mit einer Einordnung in den historisch-kulturellen Kontext und greift dabei auf einschlägige mediävistische Forschungsliteratur zurück.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Geschichtsdarstellung anhand der Sechs-Weltalter- und Vier-Reiche-Lehre, die Analyse der Zahlensymbolik im Werk sowie eine detaillierte Betrachtung der Konzeption der Anno-Biographie und deren poetische Stilisierung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Schlüsselbegriffe sind Annolied, Geschichtsdarstellung, Legitimation, Heilsgeschichte, Zahlensymbolik, Anno-Biographie und Mittelalter.

Wie spielt die Zahlensymbolik bei der Stilisierung Annos eine Rolle?

Die Zahlensymbolik dient dem Verfasser als Mittel zur Ordnung und Wahrheitssicherung. Durch die Verwendung von Zahlen wie der Drei (göttliches Prinzip) oder der Sieben (Totalität) wird das Werk als in sich schlüssig und gottgewollt konstruiert, was die Heiligkeit Annos untermauern soll.

Welche Bedeutung hat der Traum Annos in der Argumentation des Verfassers?

Der Traum Annos dient als Zukunftsvision, in der ihm die Herrlichkeit der Heiligen offenbart wird. Er fungiert als literarisches Mittel, um Annos Status als zukünftiger Heiliger zu bestätigen, nachdem dieser durch seinen Streit mit den Kölnern (symbolisiert durch einen Fleck auf seiner Brust) zuvor in Frage gestellt worden war.

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Details

Title
Die Geschichtsdarstellung im Annolied
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Grade
2,7
Author
Bachelor of Arts Alexa Hof (Author)
Publication Year
2008
Pages
16
Catalog Number
V269631
ISBN (eBook)
9783656606116
ISBN (Book)
9783656606055
Language
German
Tags
Annolied Geschichtsdarstellung; Buch Daniel Bibel
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts Alexa Hof (Author), 2008, Die Geschichtsdarstellung im Annolied, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269631
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