Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die kryptographische Cyberwährung Bitcoin ihrem Anspruch gerecht wird, ein glaubwürdiges und dezentrales
Peer-to-Peer Online-Währungssystem zu etablieren, dass sowohl auf eine zentrale Autorität als auch auf Finanzintermediäre verzichtet und sich so vom
im herrschenden Währungssystem benötigten Vertrauen in die Finanzdienstleistungsindustrie und die Zentralbank loszulösen. Hierzu wird unter der Einnahme von Perspektiven sowohl des Keynesianismus als auch der ”Austrian School of Economics” die Konstruktion des Bitcoin-Systems kritisch betrachtet. Es wird deutlich werden, dass das System technisch intelligent umgesetzt
wurde und es gelungen ist, die Vorteile von Bargeldtransaktionen auf OnlineTransaktionen zu übertragen. Der technisch guten Umsetzung stehen aber
ökonomische Fehlauffassungen gegenüber, an denen der Bitcoin letztendlich scheitern wird. Das Bitcoin-System weist die gleichen Konstruktionsfehler auf
wie einst der Goldstandard. Die größte Schwäche ist die endogene Abhängigkeit der Währungsstabilität von einer begrenzten Ressource, was langfristig zu
einer Deflationsspirale führen wird, wodurch der Bitcoin als Währungssystem unkontrollierbar und damit unglaubwürdig wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung: Motivation, Herausforderungen, Ziele
3. Eigenschaften des Bitcoin-Systems
4. Geldtheoretische Betrachtung
5. Vergleich mit dem Goldstandard
6. Haltung der ökonomischen Hauptströmungen zum Bitcoin
6.1 Keynesianismus
6.2 Österreichische Schule
7. Ausblick
8. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Glaubwürdigkeit und Funktionalität von Bitcoin als dezentrales Peer-to-Peer-Währungssystem, indem sie dessen technische Konzeption sowie geldtheoretische Eigenschaften kritisch beleuchtet und mit etablierten ökonomischen Modellen wie dem Goldstandard und den Denkschulen des Keynesianismus und der Österreichischen Schule vergleicht.
- Kritische Analyse der Motivation und Zielsetzung hinter Bitcoin.
- Untersuchung der geldtheoretischen Einordnung und Funktionen von Bitcoin.
- Gegenüberstellung des Bitcoin-Systems mit dem historischen Goldstandard.
- Beleuchtung aus Sicht des Keynesianismus und der Österreichischen Schule.
- Ausblick auf alternative Kryptowährungen und regulatorische Herausforderungen.
Auszug aus dem Buch
Eigenschaften des Bitcoin-Systems
Statt die technische Umsetzung des Bitcoin-Systems im Rahmen der vorliegenden Arbeit umfassend zu beschreiben, soll lediglich auf die aus der technischen Umsetzung resultierenden Eigenschaften eingegangen werden.
Eine prägende Eigenschaft des Bitcoin-Systems ist, dass sowohl die Emission neuer Bitcoins als auch die Abwicklungen von Transaktionen ohne Zentralbank und ohne Intermediäre stattfindet. Durch dieses Fehlen einer Zentralen Instanz oder einer "Oligarchie von Intermediären" (Sorge und Krohn-Grimberghe 2012, S.4) ist sichergestellt, dass Transaktionen zwischen zwei Parteien nicht von einer dritten Partei verhindert werden können, wie es beispielsweise beim Online-Bezahlsystem PayPal Ende 2010 bei Zahlungen an die Enthüllungsplattform "Wikileaks" geschehen ist.
Durch das Fehlen eines zwischengeschalteten Intermediärs entfallen praktisch auch Transaktiongebühren, so dass Bitcoins als Bezahlsystem für Mikropayments attraktiv werden. Die Irreversibilität der Transaktionen im Bitcoin-Netzwerk spricht die Zahlungsempfänger an. Die Tatsache, dass dadurch das Risiko eines Zahlungsausfalls nicht mehr eingepreist werden muss, ist positiv für beide Parteien. Ferner wird es dadurch überflüssig, sich vor dem Vertragsschluss umfassende Informationen über Vertragspartner zu beschaffen, was dem Schutz der Privatsphäre bei Online-Transaktionen entgegenkommt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik des Vertrauensverlusts in Finanzsysteme und Vorstellung des Bitcoin als dezentrale digitale Währung.
Entstehung: Motivation, Herausforderungen, Ziele: Erläuterung der technischen und konzeptionellen Beweggründe von Satoshi Nakamoto für ein vertrauensfreies Online-Zahlungssystem.
Eigenschaften des Bitcoin-Systems: Beschreibung der zentralen Merkmale wie Dezentralität, Mining-Prozess, Blockchain-Technologie und Limitierung der Geldmenge.
Geldtheoretische Betrachtung: Analyse, inwiefern Bitcoin die klassischen Funktionen von Geld als Tauschmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit erfüllt.
Vergleich mit dem Goldstandard: Gegenüberstellung der endogenen Geldmengensteuerung von Bitcoin mit den Mechanismen des historischen Goldstandards.
Haltung der ökonomischen Hauptströmungen zum Bitcoin: Diskussion von Bitcoin aus der Perspektive des Keynesianismus und der Österreichischen Schule.
Ausblick: Kurze Betrachtung von alternativen Entwicklungen wie Litecoin oder Freicoin sowie der regulatorischen Lage.
Schlussbetrachtung: Fazit zu den Stärken und Schwächen von Bitcoin als potenzielles Währungssystem und dessen Zukunftsaussichten.
Schlüsselwörter
Bitcoin, Kryptowährung, Peer-to-Peer, Geldtheorie, Goldstandard, Keynesianismus, Österreichische Schule, Deflation, Dezentralität, Blockchain, Finanzintermediäre, Währungssystem, Geldmenge, Volatilität, Vertrauen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Eignung von Bitcoin als glaubwürdiges, dezentrales Online-Währungssystem, das ohne staatliche Autoritäten und klassische Finanzintermediäre auskommt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die technische Konzeption des Bitcoin, seine geldtheoretische Einordnung, der Vergleich mit dem Goldstandard und die ökonomische Kritik aus verschiedenen Denkschulen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob es Bitcoin gelingt, ein glaubwürdiges Online-Währungssystem zu etablieren, das auf Vertrauen in Dritte verzichtet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine kritische Analyse und ein systematischer Vergleich auf Basis geldtheoretischer Literatur sowie der Denkschulen des Keynesianismus und der Österreichischen Schule.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Funktionsweise, die Eigenschaften, die geldtheoretische Relevanz und der Vergleich zu historischen Währungsmodellen detailliert erarbeitet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Bitcoin, Kryptowährung, Dezentralität, Geldtheorie und ökonomische Denkschulen geprägt.
Warum wird der Goldstandard zum Vergleich herangezogen?
Aufgrund der algorithmisch begrenzten Geldmenge bei Bitcoin bestehen starke strukturelle Parallelen zum historischen Goldstandard, was einen direkten ökonomischen Vergleich sinnvoll macht.
Welche Kritik äußern Keynesianer an Bitcoin?
Keynesianer kritisieren vor allem das deflationäre Design und die Unmöglichkeit geldpolitischer Interventionen durch eine Zentralbank zur Steuerung der Wirtschaft.
Wie steht die Österreichische Schule zu Bitcoin?
Die Österreichische Schule steht Bitcoin grundsätzlich wohlwollend gegenüber, da er das staatliche Geldmonopol untergräbt, kritisiert jedoch das Fehlen eines intrinsischen Warenwerts.
Welches Fazit zieht der Autor zur Zukunft von Bitcoin?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Bitcoin aufgrund seiner Konstruktionsfehler vermutlich kein weit verbreitetes Tauschmittel wird, aber als Nischenlösung oder Spekulationsobjekt bestehen bleiben könnte.
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- Stefan Wissert (Author), 2013, Bitcoin. Geld ohne Vertrauen in Dritte?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269661