Eine Definition von Glück im Symposion und im Theiatetos von Platon


Seminararbeit, 2012

7 Seiten


Leseprobe

1. Teil Ausschnitt aus dem Symposion

Einleitung zum Symposion

In Platon „Symposion (gemeinsames, geselliges Trinken)“ halten einige Männer, vor allem die Dichter Agathon und Aristophanes und Sokrates, aus der Athener Oberschicht Reden auf den Eros. Die Rede des Sokrates, welche die Rede der Priesterin Diotima wiedergibt, bildet dabei zunächst den Schluss. Doch dann kommt der betrunkene Alkibiades mit anderen Zechgenossen und Flötenmädchen herein und lobt Sokrates in einer Rede. Die zentrale Stelle ist die Lobrede Sokrates auf Eros.

Diotima ist die einzige weibliche Figur, die in einem platonischen Dialog zu Wort kommt. Sie tritt aber nicht direkt auf, denn an dem Symposion, nimmt sie nicht teil. Sokrates berichtet von einem Gespräch, in dem ihn Diotima über den Eros belehrt und ihn von ihrer Sichtweise überzeugt. Sie war eine grosse Seherin und er hatte sie besucht, um ihre Weisheit zu empfangen, als sie sich eine Weile in Athen aufhielt. Im Symposion rühmt er ihre Weisheit. Er gibt ihre Äusserungen in direkter Rede wieder und identifiziert sich mit dem Inhalt, statt eine eigene Theorie vorzutragen. Die Diotima-Rede bildet den philosophischen Höhepunkt des Gastmahls.

In seiner Wiedergabe des Gesprächs mit Diotima (Symposion 201d-212c) schildert Sokrates zuerst das Wesen des Eros, dann sein Wirken. Dabei tritt er ihr gegenüber als Schüler auf. Indem sie Fragen stellt, die ihm zu Erkenntnissen verhelfen sollen, übernimmt sie die maieutische Rolle, die er sonst selbst in Platons Dialogen gegenüber seinen Gesprächspartnern spielt. Wo er zugeben muss, keine Antwort zu wissen, enthüllt sie ihm die Wahrheit.

[204ε]

ἀλλ᾽, ἔφη, ὥσπερ ἂν εἴ τις μεταβαλὼν ἀντὶ τοῦ καλοῦ τῷἀγαθῷ χρώμενος πυνθάνοιτο: φέρε, ὦ Σώκ ρατες, ἐρᾷ ὁἐρῶν τῶν ἀγαθῶν: τί ἐρᾷ; γενέσθαι, ἦν δ᾽ ἐγώ, αὑτῷ. καὶ τί ἔσται ἐκείνῳ ᾧ ἂν γένηται τἀγαθά; τοῦτ᾽ εὐπορώτερον, ἦν δ᾽ ἐγώ, ἔχω ἀποκρίνασθαι, ὅτι εὐδαίμων ἔσται.

[205α]

κτήσει γάρ, ἔφη, ἀγαθῶν οἱ εὐδαίμονες εὐδαίμονες, καὶοὐκέτι προσδεῖ ἐρέσθαι ἵνα τί δὲ βούλεται εὐ δαίμων εἶναι ὁβουλόμενος; ἀλλὰ τέλος δοκεῖ ἔχειν ἡ ἀπόκρισις. ἀληθῆ λέγεις, εἶπον ἐγώ.ταύτην δὴ τὴν βούλησιν καὶ τὸν ἔρωτα τοῦτον πότερακοινὸν οἴει εἶναι πάντων ἀνθρώπων, καὶ πάντας τἀγαθὰ βούλεσθαι αὑτοῖς εἶναι ἀεί, ἢ πῶς λέγεις; οὕτως, ἦν δ᾽ ἐγώ: κοινὸν εἶναι πάντων. τί δὴ οὖν, ἔφη, ὦ Σώκρατες, οὐ πάντας ἐρᾶν φαμεν,

Übersetzung

Plat. Smp. 204e-205a

…„nun“ fuhr sie (Diotima) fort, so wie wenn irgendetwas schnell vom Schönen zum Guten sich verwandeln würde und dich fragte: „Komm, Sokrates, was liebt derjenige, der die Liebe zum Guten liebt?“ „Dass es ihm selbst zuteil wird“, sagte ich (Sokrates). - D.: "Und was wird mit jenem sein, dem die Güter zuteilwerden?" - S.: "Das kann ich", sagte ich, "viel leichter (εὐπορώτερον) beantworten, dass er glücklich (εὐδαίμων) sein wird." - D.: "Denn indem du das Gute besitzen wirst, sind die Glücklichen glücklich und man darf nicht mehr zusätzlich noch fragen. 'Wozu will jeder Beliebige glücklich sein?'. Vielmehr scheint die Antwort am Ziel zu sein."

Eine Definition von Glück im Symposion und im Theiatetos von Platon von Adrian Baumgartner

- S.: "Du sprichst die Wahrheit", sagte ich. - D.: "Diesen Willen und dieses Begehren, meinst du, dass sie allen Menschen gemeinsam sind und dass alle wollen, dass ihnen immer Güter zuteilwerden, oder wie meinst du?" - S.: "Genauso meine ich es", sagte ich, "dass sie allen gemeinsam sind."

Grammatik- und Worterklärungen

μεταβαλὼν: part sg fut act masc nom, Rolle eines Adverbs.

ἐρᾷ: Ist eigentlich überflüssig, aber es kommt in bekannten Dialogen vor. Πυνθάνοιτο: 3rd sg pres opt.

Χρώμενος: part sg präs von χράομαι oder χράω. εὐπορώτερον: adj sg neut oder adv.

ἀποκρίνασθαι: aor inf.

τέλος ... ἔχειν: Weil es erkannt wird, dass εὐδαιμονία selbst das ethische τέλος oder das "summum bonum" ist.

Hier geht ἀεί mit βούλεσθαι, nicht mit αὑτοῖς εἶναι.

Τί δὴ οὖν κτλ: einen scheinbaren Widerspruch zum vorherigen Abschluss (κοινὸν πάντων).

Die Mehrdeutigkeit des Begriffs ἔρως (ἐρᾶν), die beide in einem allgemeinen und in einem spezifischen Sinne verwendet werden.

Persönliche Interpretation

Kernaussagen von Platon Symposion 204e-205a:

- Jeder Mensch strebt immer nach einem (für ihn) Guten. Die Liebe bleibt das Verlangen und die Sehnsucht nach dem Schönen und Guten. Sie zielt (τέλος) auf seelische Balance, Harmonie, Lebensfreude und Glück.
- Das Gute ist somit Handlungsprinzip.
- Die Güter haben ihren Zweck nicht in sich selbst.
- Die Güter werden gewählt, sofern ihr Besitz zum Erwerb eines Gutes dient, das nur um seiner selbst willen gewählt wird und nicht mehr durch anderes begründet werden muss.
- Ein solches Gut nennt man „Glück“. In ihm findet das Streben nach Zielen sein Ende.
- Somit zielt jede menschliche Motivation auf das Glück und das gehört zu allen Menschen.

Aufbau des Abschnitts

Es findet ein Dialog zwischen Sokrates und Diotima statt, der einseitig verläuft, indem ausnahmsweise Sokrates der Fragende und nicht der Antwortende ist. Das typische Frage- und Antwortspiel bleibt aber bestehen. Sokrates schlüpft in die Rolle von Diotima. Sie muss eine grosse Weise gewesen sein.

Was ist die Ursache der Liebe (Eros) zum Guten? Die Liebe zum Guten ist, dass man Glück erfährt. Und das tun ohne Ausnahme alle Menschen.

2. Teil Ausschnitt aus Theiatetos (Ein Exkurs im Dialog)

Platons Dialog ist ein Versuch zu ergründen, was Erkenntnis ist. Zuerst diskutieren sie, ob Wahrnehmung Erkenntnis ist, dann ob eine wahre Meinung Erkenntnis ist und zum Schluss, ob die wahre Meinung mit Erklärung des Logos kombiniert, die Erkenntnis ausmacht. Wie das alles mit den Ideen Platons in Zusammenhang steht, ist in der Forschung umstritten.

[...]

Ende der Leseprobe aus 7 Seiten

Details

Titel
Eine Definition von Glück im Symposion und im Theiatetos von Platon
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Autor
Jahr
2012
Seiten
7
Katalognummer
V269692
ISBN (eBook)
9783656609377
ISBN (Buch)
9783656608646
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, definition, glück, symposion, theiatetos, platon
Arbeit zitieren
Lic. theol. Adrian Baumgartner (Autor), 2012, Eine Definition von Glück im Symposion und im Theiatetos von Platon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269692

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