Das Böse und die Wiedergutmachungs- oder Strafgerechtigkeit in der „Confessio Philosophi“ und der „Theodizee“ von Leibniz


Seminararbeit, 2012

20 Seiten, Note: 5,5 (CH)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Fragestellung

Thesen

Einleitung

Methoden von Leibniz

Die „Confessio Philosophi“
Das Böse und die Verdammung
Der Ursprung des Bösen und die Begründung seiner Nichtnotwendigkeit
Das Böse und die Gerechtigkeit
Freier Wille und Sünde
Berechtigte Rechtfertigung der Verdammten oder nicht
Das Bild des Bösen und die Freiheit

„Theodizee“
Das Böse
Gibt es mehr böse vernunftbegabte Kreaturen als gute?
Strafgerechtigkeit in der “Theodizee”

Gott als Utilitarist oder als Meritokrator?

Fazit

Literaturverzeichnis

Fragestellung

Wie verhält sich das Böse zur Strafgerechtigkeit und dem freien Willen in Bezug auf die beiden Werke, dem frühen “Confessio Philosophi” von 1673 und dem späten “Die Theodizee” von 1710 von Gottfried Wilhelm Leibniz.

Thesen

Leibniz spricht das Problem des Bösen in den beiden Werken direkt an. Dieses verhält sich zur Strafgerechtigkeit in Abhängigkeit zur Güte und Vollkommenheit Gottes. Gottes Vollkommenheit wird durch die Strafgerechtigkeit nicht geschmälert. Sie beruht auf der Weltharmonie, in der es Gutes und Böses gibt. In beiden Werken weicht Leibniz von diesem Kurs nicht ab, wobei er aber in der „Theodizee“ weniger vertieft und konkret argumentiert.

Das Gottesbild von Leibniz scheint entweder ein Verteiler von Verdiensten zu sein, der vor allem den bestmöglichen Nutzen beabsichtigt oder ein Meritokrator, der nur Verdienste verteilt und Gleichheit für alle anstrebt.

Diese Thesen werde ich in der vorliegenden Arbeit darlegen und untersuchen.

Einleitung

Leibniz versucht in den beiden Werken darzustellen, dass unsere Welt trotz aller Übel die beste aller Welten ist. Gott ist nicht Urheber des Bösen, sondern er lässt dieses nur zu. Ich gebrauche die drei Begriffe Übel, Böses und Schlechtes in meiner Arbeit synonym.

Nach Leibniz rechtfertigt sich das durch den Menschen verursachte Böse dadurch, dass Gott die Menschen selbstverantwortlich und –bestimmt handeln lässt. Leibniz zeigt, dass die menschliche Freiheit auch die Möglichkeit zum Sündigen und zum sich Schuldigmachen beinhaltet und dass daraus Strafe und Verdammung folgen kann. Leibniz verwirft den Fatalismus und hält die Prädestination aufrecht.

Wille hat immer einen Grund und Gottes Wille ist immer vernünftig. Beim Menschen ist der Wille entweder durch Vernunft, Meinung oder Leidenschaft gelenkt. Der Wille ist nie grundlos. Leibniz wendet diesen Satz vom Grund sowohl auf den Menschen wie auch auf Gott selbst an. Das “Prinzipium rationis” hilft im Dialog „Confessio Philosophi“ die zentralen Fragen der Gerechtigkeit Gottes und der harmonischen Ordnung der Welt zu lösen; ebenso auch das rechte Verhalten des Menschen, das idealerweise im vollen Vertrauen auf die kosmische Weltordnung Gottes vernünftig sein soll.

Methoden von Leibniz

Die vernunftgebundene Wissenschaftlichkeit der Werke zeigt sich besonders am Anfang in den genauen Begriffsbestimmungen.

Leibniz verwendet in den rationalen Methoden neben dem Satz vom Grund, das Gesetz der Kontinuität und den Satz der Äquipollenz von Ursache und Wirkung sowie das Prinzip des Besten. Zum Schluss geht er auch auf die Individuation ein und damit auch die Einheit in der Vielheit. Damit will er den wichtigen Grundsatz der Harmonie begründen. Die Einzeldinge sind in einer höheren Ordnung enthalten. Trotz der Auseinandersetzung mit dem Calvinismus bleibt Leibniz Absicht stets ökumenisch und beinhaltet nie eine missionierende Absicht.

Ganze Gedankengänge des Werkes von 1673 tauchen dann in späteren Werken wieder auf, besonders in der „Theodizee“. Diese “erste” hat gegenüber der eigentlichen „Theodizee“, die aus der Diskussion mit dem Wörterbuch Bayles hervorgegangen ist, den Vorteil einer stringenten Argumentationsstruktur. Die Dialogform war typisch für Leibniz Zeit. Mit dieser entfaltete er didaktisch geschickt immer die Gedanken, mit dem Ziel des Konsenses, nicht des Widerspruchs.

Der Dialog im Dialog wurde geschickt eingebettet und mit grosser Einfühlsamkeit in den Verdammten geschildert.

Die „Confessio Philosophi“

Die „Confessio Philosophi“ besteht aus einem Dialog zwischen einem Philosophen als Katechumene und einem katechisierenden Theologen. Dieser Dialog ist kein Bekenntnis im strengen religiösen Sinn, sondern mehr ein Bekenntnis einer philosophischen Vertretung der Überzeugungen auf dem Boden der Rationalität. Es beruht auf den Grundlagen der natürlichen Theologie, mit anderen Worten der Theologie des Philosophen. Dies zeigt deutlich das Anliegen von Leibniz, Vernunft und Glauben in Übereinstimmung zu bringen.

Das Böse und die Verdammung

Auf Seite 39 listet Leibniz die Probleme auf, die er lösen will. “Was wird aus dem freien Willen, wenn man die Notwendigkeit zu sündigen annimmt; was aus der Rechtmässigkeit der Strafe, wenn man den freien Willen aufhebt. Was soll man dem Menschen, was den Teufeln zuschreiben, wenn Gott der letzte Grund der Dinge ist?” Wieso sollte Gott die einen lieben und die anderen hassen?

Der Ursprung des Bösen und die Begründung seiner Nichtnotwendigkeit

Der Argumentationsverlauf geht folgendermassen:

Der Beweis, dass Gott alles aus zureichendem Grund getan hat, ist leicht zu ersehen. Wer dies leugnet, leugnet den Unterschied von Sein und Nichtsein. Dies ist nicht ein Beweis, sondern eher eine Auffassung, wie der Theologe Leibniz sagt. Die allgemeinmenschliche Frage nach dem “warum”, nach dem Grund des Bösen, das heisst nach der Wirk- oder Zweckursache, weist auch auf eine pragmatische Anwendung. Der Grundsatz des “Nichts ist ohne Grund” wird sowohl in der Physik, der Ethik wie auch der Philosophie angewandt. (S. 41) Die Existenz Gottes stützt sich auf dieses Prinzip. Als Beispiel für den verdammten Menschen und die Ursache der Verdammnis erklärt Leibniz einfühlsam die Geschichte von Judas (S. 43) Der brennende Hass gegen Gott ist das Wesen der Verzweiflung. Das genügt für die Verdammung. Aus dem Hass gegen Gott folgt das grösste Leid. Im Sterben Gott hassen heisst, verdammt werden, wie Judas das getan haben soll. Seine Annahme, dass Gott ihm schaden wolle, ist die Ursache des Hasses, das heisst ein Irrtum ist die Ursache. (S. 44) Er wusste nicht, wer Gott ist. Er wollte sündigen, weil er von seinem Irrtum überzeugt war. Warum hielt er das für gut, was Böse war? Es gibt zwei Ursachen für diese Annahme: “Die Verfassung des Annehmenden und die Beschaffenheit des Objekts”. (S. 45) Die Sünde geht aus dem Können und Wollen einer Annahme aus subjektiver Veranlagung und Objekt hervor. Beide stammen von Gott, das heisst, alles Erforderliche kommt von Gott. Kommt somit die Verdammung aus Gott? Nach dem Prinzip des zureichenden Grundes scheint diese Konklusion wahr zu sein. Der Philosoph hat einen Einfall: Nun löst die Vernunft das Problem. Die Behauptung folgt, dass die Sünde nicht aus göttlichem Willen hervorgeht, sondern nur aus der Existenz Gottes. Gott ist der Grund, aber nicht der Urheber der Sünde. Kurz gesagt: “Gott verleiht zur Sünde alles ausser dem Willen und daher sündigt er nicht.” Aus der Natur der Dinge entsteht das Böse und nicht aus dem Willen Gottes. Ansonsten hätten wir ein Zweigöttersystem wie die Manichäer nötig. Ein Gott schafft das Böse und einer das Gute, wobei sie dauernd im Widerstreit sind. (S. 49)

Leibniz als Mathematiker nimmt gern Beispiele aus der Mathematik. Ein mathematisches Gesetz ist auch nicht dem Willen, sondern der Existenz Gottes zuzuschreiben. Jegliche Proportionalität sowie Harmonie stammt nicht aus dem Willen, sondern aus der Natur oder Existenz Gottes. Die Universalharmonie ist die Ursache der Sünde, das heisst, die Existenz ist nicht unbedingt der Wille Gottes. (S. 51) Würde man die Sünde aufheben, so würde man den Grund, die Ursache aufheben und somit auch den letzten Grund, Gott selbst. Der logische Beweis der Reihe der Dinge besagt, dass aus A B folgt und im Umkehrschluss aus nicht B nicht A. So beweist Leibniz die Abhängigkeit der Existenz der Sünde von der Existenz aller Dinge, die alle aus Gott kommen.

Hebt man die Sünde auf, so hebt man Gott auf. Der Theologe Leibniz wendet ein, dass alles Gute ebenso der Existenz Gottes und nicht dem Willen Gottes entspringt (S. 55). Der Wille liegt im Wesen Gottes selbst und ist kein Wille im menschlichen Sinn, weil Gott sieht, dass die Harmonie, die er gewählt hat, die Beste ist. Die ganze Reihe der Dinge will Gott, weil er die grösseren Güter beabsichtigt und deshalb auch die Sünden zulässt. Die Universalharmonie bewirkt allein durch die Gesamtheit der Abfolge die Freude Gottes. Der zweite Einwand betrifft die Notwendigkeit der Sünde (S. 57). Aus dem Argument, dass die Reihe notwendig sich abfolgt, könnte man die Zufälligkeit ausschliessen. Es sind verdrehte Wortbedeutungen hinter den umgangssprachlichen Begriffen verborgen. Leibniz bringt ein Beispiel, dass wenn wir keine Begriffe formulieren müssten, alle Probleme ein Ende hätten. (S. 61) Von Notwendigkeit zu sprechen wäre hier nicht richtig formuliert. Notwendigkeit wird von Leibniz nach dem apriori Prinzip des Widerspruchs definiert. (S. 63) Zufall ist aber nicht notwendig und möglich ist, was man erkennen kann. “Zulassen heisst weder wollen, noch nicht wollen”. (S. 65) Er begründet, die Folge aus der Notwendigkeit sei nicht unbedingt notwendig, sondern könne auch zufällig oder hypothetisch notwendig sein. Das Gegenteil des Notwendigen kann nicht begriffen werden, also ist nur das an sich Notwendige (Geometrie) notwendig, was die Existenz in sich trägt. Es ist nicht alles notwendig, was sein wird oder was gewesen ist, weil nicht begriffen werden kann, was nicht sein wird. Und das was nicht geschehen ist, lässt sich begreifen, dass es hätte geschehen können. (S. 67) “So sind also die Sünden, die Verdammungen und die übrige Reihe der zufälligen Dinge nicht notwendig, obwohl sie aus einer notwendigen Ursache, der Existenz Gottes oder der Harmonie der Dinge hervorgehen.” Um zum Beispiel des Judas zurückzukommen, ist es folglich nicht unmöglich, dass Judas errettet wird, obwohl es wahr, vorgesehen und notwendig ist, dass er niemals gerettet werden wird. (S. 69) Ein strenges Gottesbild vertritt hier Leibniz, das nicht einmal einem irrenden Sünder notwendigerweise verzeihen sollte. Die Lösung des faulen Trugschlusses (logos argos), des Fatalismus, dass alles notwendig geschehen muss, das heisst der Faule bekommt vom Himmel dasselbe wie der Fleissige. Leibniz löst auch dieses Problem. Alle Ziele gibt es nicht ohne die Mittel, diese zu erreichen. Gott will die Sünden nicht, weil sie ihn nicht freuen, aber er muss sie notwendigerweise zulassen. Ein neuer Einwand wird vom Theologen in den Dialog gebracht. Doch scheint Gott Sünden zu wollen, weil er die Harmonie der Dinge hervorbringt und alles was existiert, freut Gott. (S. 75) Gott leidet nicht an den Sünden, weil Gott gar nicht leiden kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Das Böse und die Wiedergutmachungs- oder Strafgerechtigkeit in der „Confessio Philosophi“ und der „Theodizee“ von Leibniz
Hochschule
Université de Fribourg - Universität Freiburg (Schweiz)
Note
5,5 (CH)
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V269697
ISBN (eBook)
9783656609339
ISBN (Buch)
9783656608721
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
böse, wiedergutmachungs-, strafgerechtigkeit, confessio, philosophi, theodizee, gottfried, wilhelm, leibniz
Arbeit zitieren
Lic. theol. Adrian Baumgartner (Autor), 2012, Das Böse und die Wiedergutmachungs- oder Strafgerechtigkeit in der „Confessio Philosophi“ und der „Theodizee“ von Leibniz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269697

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