Es ist der 9. April 2013: Das Viertelfinale auf das alle Dortmund-Fans seit Jahren gewartet haben. Die Erwartungen an die Spieler vom Ballsport-Verein Borussia Dortmund sind groß, da die Dortmunder eine Woche zuvor ein 0:0 im Champions League-Hinspiel in Málaga erspielt hatten. Die Fans zeigen ihre Erwartungen in einer beeindruckenden Choreographie vor dem Rückspiel. „Auf den Spuren des verlorenen Henkelpotts“ war da zu lesen, womit natürlich die Siegestrophäe in der Königsklasse des Fußballs gemeint war, den die Borussia erst- und letztmalig 1997 in einem denkwürdigen Spiel gegen Juventus Turin gewinnen konnte. So bestand nun nach dem guten Hinspiel wieder die Möglichkeit zu den besten vier Mannschaften Europas zu gehören. In Málaga hatte es die Borussia versäumt, aus einer Vielzahl exzellenter Möglichkeiten Zählbares auf die Anzeigetafel zu bringen. Der Versuch, es besser zu machen, barg nach Trainer Jürgen Klopps Meinung offenbar die Gefahr, zu früh ungeduldig zu werden. Er hatte daher beim Publikum darum gebeten, nicht gleich beunruhigt zu reagieren, wenn die ersten Chancen ungenutzt bleiben würden. So startet das Spiel vor einer außergewöhnlichen Kulisse, in dem jeder Stadionbesucher, mit Ausnahme der mitgereisten Málaga Fans, den Dortmundern die Daumen drückt. Das Spiel beginnt sehr verhalten und die Dortmunder können ihre eigentliche spielerische Überlegenheit nicht nutzen. So kommt es, dass der FC Málaga in der 25. Spielminute mit 1:0 in Führung geht. Das ist ziemlich genau das, was man sich in Dortmund als ungünstigstes Szenario ausgemalt hat. Es sieht nicht gut aus für die Borussia und das nicht allein wegen des Rückstands. In den Minuten danach wirken die Dortmunder insgesamt angekratzt. Vom Selbstbewusstsein ist nicht mehr viel zu spüren, mehr und mehr werden die Aktionen unpräzise und fahrig. Doch dann: ein genialer Moment, um zurück ins Spiel zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 WAS SIND EMOTIONEN
3 EMOTIONSSOZIOLOGISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE
3.1 Das emotionssoziologische Strukturmodell von Kemper
3.2 Die Erweiterung des emotionssoziologischen Strukturmodells durch Gerhards
3.3 Die Vervollständigung des emotionssoziologischen Strukturmodells durch Riedl
4 DAS PUBLIKUM
4.1 Der Faktor „Emotionserleben“
4.2 Der Faktor Sportliche Attraktion und Unterhaltung
4.3 Der Faktor „Identifikation und Gemeinschaft“
4.4 Zusammenfassung der Motive von Sportzuschauern in Cluster
5 KOLLEKTIVE EMOTIONEN
5.1 Die strukturelle Dimension kollektiver Emotionen
5.2 Die operationale Dimension von kollektiven Emotionen
5.3 Zusammenfassung der Dimensionen des emotionssoziologischen Modells kollektiver Emotionen
6 KOLLEKTIVE EKSTASE
7 FAZIT
8 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die soziologischen Grundlagen und Entstehungsbedingungen von kollektiven Emotionen bei sportlichen Großveranstaltungen, wobei insbesondere das Erleben von Stadionzuschauern und die Dynamik innerhalb solcher Menschenmengen analysiert werden.
- Soziologische Erklärungsmodelle von Emotionen
- Motivstrukturen von Sportzuschauern (Emotionserleben, Identifikation, Unterhaltung)
- Strukturelle und operationale Dimensionen kollektiver Emotionalität
- Phänomenologie kollektiver Ekstase und deren Auslöser
Auszug aus dem Buch
Die strukturelle Dimension kollektiver Emotionen
Als Strukturen sozialer Systeme versteht man im Allgemeinen Erwartungen. Nun gilt es herauszubekommen, welche Erwartungen in sozialen Systemen für Emotionen von Bedeutung sind. Zu nennen sind hier die Emotionsregeln und die Emotionssemantik. Emotionsregeln legen fest wann, welche Emotionen wie gezeigt und gefühlt werden dürfen. Dies ist aber immer nur auf eine Gesellschaft zu übertragen, da, wie oben erwähnt, unterschiedliche Gesellschaften unterschiedliche Ansichten über Emotionsregeln haben können.
Erwartungen sind hier beim Fühlen und beim Ausdruck von Emotionen präsent. Jedes Individuum, das in einer Gesellschaft sozialisiert ist, weiss, wann es welches Gefühl haben kann. Genauso hat es eine genaue Vorstellung, wann und wie man ein Gefühl ausdrückt. Diese Emotionsregeln werden meist erst durch abweichendes Verhalten von der Norm sichtbar. „Erwartungserwartungen“ sind die Konstrukteure sozialer Wirklichkeit. Sie entwickeln die individuelle Realität und die individuellen Emotionen (Riedl, 2008, S. 234f.).
Der Begriff der Emotionsregeln impliziert, dass es sich um festgelegte Strukturen wie Gesetze oder Vorschriften handelt. Hier werden sie aber als Regelmäßigkeit, Muster und Beobachtungs- bzw. Interpretationsschemata gesehen, welche weiteres Operieren organisieren und regulieren. Riedl (2008, S. 235) verweist hier auf Fiehlers (1990) vier Typen von Emotionsregeln: die Emotionsnormen, die Kodifizierungsregeln, die Manifestationsregeln und die Korrespondenzregeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in das Phänomen kollektiver Emotionen anhand eines sportlichen Ereignisses und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2 WAS SIND EMOTIONEN: Allgemeine Definition und theoretische Eingrenzung von Emotionen unter Berücksichtigung psychologischer und soziologischer Perspektiven.
3 EMOTIONSSOZIOLOGISCHE ERKLÄRUNGSANSÄTZE: Überblick über die Modelle von Kemper, Gerhards und Riedl zur Erklärung der sozialen Entstehung von Emotionen.
4 DAS PUBLIKUM: Untersuchung der Motive und der Bedeutung der Zuschauer für sportliche Großveranstaltungen anhand zentraler Faktoren wie Emotionserleben und Identifikation.
5 KOLLEKTIVE EMOTIONEN: Detaillierte Analyse der strukturellen und operationalen Dimensionen kollektiver emotionaler Zustände.
6 KOLLEKTIVE EKSTASE: Erläuterung der extremsten Form kollektiver Emotionen und deren spezifische Voraussetzungen.
7 FAZIT: Zusammenfassung der theoretischen Erkenntnisse und Transfer der Analyse auf das einleitende Fallbeispiel.
8 LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen.
Schlüsselwörter
Kollektive Emotionen, Sportgroßveranstaltung, Emotionssoziologie, Publikum, Stadionatmosphäre, Emotionsregeln, Kollektive Ekstase, Identifikation, Soziale Systeme, Affektlogik, Massenpsychologie, Sportpublikum, Kommunikationsprozesse, Soziologische Erklärungsansätze.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie und unter welchen Bedingungen kollektive Emotionen bei sportlichen Großveranstaltungen entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie der Emotionen, der Motivation von Stadionzuschauern und der systemtheoretischen Analyse kollektiver Dynamiken.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein Verständnis für das Zustandekommen emotionaler Synchronisation in der Masse zu entwickeln und die zugrunde liegenden soziologischen Strukturen offenzulegen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine theoretische Aufarbeitung soziologischer Modelle (insb. Riedl, Kemper, Gerhards) und wendet diese exemplarisch auf die Analyse eines Fußballspiels an.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Emotionsmodelle diskutiert, das Publikum als Akteur betrachtet, die Dimensionen kollektiver Emotionen beschrieben und das Phänomen der kollektiven Ekstase erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kollektive Emotionen, Sportgroßveranstaltung, Soziologische Erklärungsansätze, Zuschaueridentifikation und Emotionale Ansteckung.
Welche Rolle spielt die „Identifikation und Gemeinschaft“ laut der Studie?
Obwohl dieser Faktor statistisch den geringsten Mittelwert aufweist, ist er für die Bildung kollektiver Identitäten und die Bindung der Zuschauer an den Verein essenziell.
Warum unterscheidet der Autor zwischen „struktureller“ und „operationaler“ Dimension?
Die Unterscheidung dient der analytischen Trennung: Während die strukturelle Dimension gesellschaftliche Erwartungen und Regeln umfasst, bezieht sich die operationale Dimension auf aktuelle Kommunikationsprozesse und Ansteckungseffekte.
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- Thomas Mühlbach (Autor), 2013, Zur Entstehung von kollektiven Emotionen bei sportlichen Großveranstaltungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269770