Musa. Von der römischen Sklavin zur Königin der Parther


Hausarbeit, 2002
14 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung,

I Die Sklavin als Geschenk,
1) Phraates IV,
2) Die römisch-parthischen Beziehungen,
3) Musa,

II Die Königin,
1) Der Hof und das Partherreich,
2) Das Erbe,
3) Die Vergiftung,

III Die Mutterkönigin,
1) Eine Frau an der Macht?,
2) Das gebundene Schicksal von Musa und Phraates V.,
3) Das Treffen,
4) Das Ende,

Schlusswort,

Literatur,

Quelle: Flavius Josephus,

Einführung

In der Antiquität haben wenige Frauen die Gelegenheit gehabt, eine wirkliche politische Macht auszuüben. Diese Feststellung gilt besonders für die römische Gesellschaft, die die Frauen im Status einer ewigen Minderjährigen unter der Autorität ihres Vaters, Ehemanns oder Sohnes verweist. Der Weg an die Macht scheint also für die Frauen geschlossen. Einige Frauen setzen trotzdem ihre ganze Geschicklichkeit daran, sich dem Machtzentrum zu nähern, obwohl sie nicht im eigenen Namen regieren konnten.

Einer außerordentlichen Frau gelingt es aber, sich in dieser männlichen Welt durchzusetzen: Musa, die römische Sklavin, die zur parthischen Königin wird. Die Geschichte von Musa ist sehr dunkel und ein Bisschen märchenhaft, um so mehr, dass sie fast nicht in den Quellen erwähnt wird. Ihre Existenz ist trotzdem von einem jüdischen Historiker des 1. Jahrhunderts, Flavius Josephus, und von parthischen Münzen bescheinigt. Wenn man Flavius Josephus vertraut, scheint ihre Geschichte durch mehrere Aspekte interessant: Auf der individuellen Ebene hat sich diese Frau gleichzeitig aus ihrem Status als Sklavin und aus ihrer Lage als Frau herausziehen können. Das ist eine Frau, die einen großen Einfluss gehabt haben könnte, und vielleicht sogar die Regentschaft über ihren Sohn ausgeübt hat. Aber sie hat wahrscheinlich auch eine Rolle in den dynastischen Schwierigkeiten des

Partherreiches und in den römisch-parthischen Beziehungen gespielt, zwei Bereichen, wo die

Person von Musa eher negativ erscheint.

Diese zwei Sichtweisen, das unglaubliche Gelingen einer Frau und die unheilvolle Rolle der Musa für das Partherreich, werden diese Hausarbeit ausmachen. Die Geschichte von Musa entlang der drei Status, die sie in ihrem Leben durchläuft, wird das Gerüst für diese Hausarbeit bilden: Sie ist zuerst Sklavin, dann Königin und schließlich Mutterkönigin.

I Die Sklavin als Geschenk

Um zu verstehen, in welchem Kontext Musa erscheint und handelt, muss man zuerst den König Phraates IV., und die römisch-parthischen Verhandlungen zwischen 26 und 20 v. Chr. darstellen.

1) Phraates IV., König der Parther. (38- 2 v. Chr.)

Phraates musste nicht herrschen. Er ist einer der zahlreichen Söhne, die der König Orodes I. mit den Frauen seines Harems hatte. Phraates wächst in dieser ziemlich schrecklichen Umgebung, wo die Frauen sich mit Verführungen, Intrigen und Vergiftungen streiten, um die besten Positionen zu erreichen. Darin macht Musa übrigens später auch ihren Weg. Das macht von Phraates einen grausamen, zynischen König, aber einen sehr guten Politiker[1].Der Anfang seiner Herrschaft ist gut von Cassius Dio zusammengefasst:

"Leur roi Orode, fatigué par le deuil de Pakorus, confia de son vivant encore le gouvernement au plus âgé des enfants des femmes qui lui restaient: Phraate. Celui-ci, apres I 'avoir reçu, s 'avéra le plus impie des hommes. I1 assassina traîtreusement ses frères nés de la femme d 'Antiochus, [.jet il tua en outre Orode lui même qui s’indignait de ses crimes. Ensuite il fit périr les plus nobles de son royaume et commis beaucoup d 'autres crimes de sorte que beaucoup de gens parmi les notables I 'abandonnèrent et se retirèrent, les uns ailleurs, les autres auprès d 'Antoine »[2]

Alles ist hier gesagt: Phraates schreckt vor keiner Grausamkeit zurück, solange sie seine Macht verstärkt. Sein Versuch, die Macht zu zentralisieren, ist aber an sich nicht schlechtes für das Partherreich. Denn Dio betont, dass ein Teil der Eliten aus diesem Gebiet in die von Römern regierten flieht. Überhaupt erlebt Phraates während seiner ganzen Herrschaft die Treulosigkeit der Großen des Reiches.

2) Die römisch parthischen Beziehungen...

...in denen Musa berufen ist, eine große Rolle zu spielen.

Von vornherein sind deren Beziehungen unruhig. Seit dem ersten Treffen im Jahre 96 v. Chr. gab es stets Auseinandersetzungen zwischen den beiden Reichen. Alle große Männer von Rom haben daran teilgenommen. Von Sulla bis Augustus über Crassus, Pompeius und Marcus Antonius! Die Römer geben nicht die Idee auf, das Partherreich zu zerstören und sich das reiche Mesopotamien anzueignen, obwohl die Parther trotz scheinbarer Unterlegenheit immer widerstanden haben. Es entsteht dadurch ein militärisches Gleichgewicht. So wird die römische Niederlage von Kahrrae (53 v.Chr) mit dem Tod von dem Kronprinz Pakorus in Gindarus (38 v. Chr.) ausgeglichen. Ein Krieg gegen die Römer ist immer eine große Krise für die Parther. Die Parther verfugen nämlich nicht über die enormen Mittel des römischen Heeres. Außerdem sind sie immer geteilt und die Römer profitieren davon.[3] Aber ein Krieg ist auch eine Gelegenheit für die parthischen Könige, ihre Truppen und die Aristokratie zu versammeln, und sich als unbestrittene Führer durchzusetzen. Phraates hat so seine Legitimität am Anfang seiner Herrschaft eingewurzelt.

Die Parther können nicht wirklich das römische Reich erschüttern. Sie halten aber die natürliche Grenze des Euphrats und bestehen auf Armenien. Armenien ist eigentlich der Zankapfel der römisch-parthischen Beziehungen und der Vorwand aller Konflikte, obwohl das Interesse dieser bergigen Region ziemlich begrenzt ist. Ihre Wichtigkeit liegt höchstens an ihrer strategischen Position gegen die Völker Kaukasiens (Alanen). Aber dessen Besitz ist vor allem ein Symbol für die zwei kriegerischen Reiche.[4]

Der Kontext der Verhandlungen zwischen 26 und 20 v. Chr. hat besondere Merkmale. Weder August, der im Bürgerkrieg triumphiert hat und der das parthische Problem regelt will, noch Phraates wollen einen Krieg. Der armenische Fall wird durch einen philorömischen König ausgelöst. Und Phraates willigt ein, die Standarten und die Gefangenen von Karrhae zurückzugeben. Die beiden sind froh. (Der konfliktlose Frieden dauert 20 Jahre). Zum ersten Mal seit langem kann Phraates den Frieden halten.[5] Und die augustische Propaganda kann diese Einstimmung als einen Sieg vorstellen:

«Parthos trium exercitum Romanorum spolia et signa reddere mihi supplicesque amicitiam populi Romani petere coegi”[6]

3) Musa

In dieser ruhigen Periode von Kompromissen erscheint Musa oder „Thesmusa“ in dem griechischen Text. Ihr Name wird von „Thea Musa“ geändert, wenn sie zur Königin wird, wie die Münzen es zeigen. “P hraates [.] was in love with a young Italian slave girl named Thesmusa, who had been send to him along with other gifts by Julius Caesar".[7] Wir werden noch sehen, dass sie eine Art vergiftetes Geschenk ist, das Augustus ihm geschickt hat. Von da an beginnt der Aufstieg der Musa durch alle Vorstufen des Harems des Phraates: Von einer einfachen Konkubine, wird sie zur Favoritin, und schließlich zur Königin. "At first he treated her as a concubine, [.J he declared this wench to be his wedded wife and held her in honour". Dann"she reached the point where the king concurred in anything that she proposed”.[8]

Dazu stellen sich einige wichtige Fragen: Inwiefern hat Musa einen wirklichen Einfluss auf die parthischen Angelegenheiten ausgeübt? Inwieweit war ihre Tätigkeit verheerend für das parthische Königtum? Man kann in der Tat an der Effektivität ihrer historischen Rolle zweifeln, da sie nur einmal erwähnt wird und weil Flavius Josephus diese Geschichte mit Hintergedanken gegen die Parther erzählt haben könnte. Man kann sich auch tragen, ob Augustus sie vielleicht mit Bewusstsein bei den Parthern eingeschleust hat? Das heißt: War Musa eine Art Geheimagentin des Augustus, wie Herr Verstandig es suggeriert?[9] Oder handelt sie aus Eigennutz und einfach für die Macht, wie es wahrscheinlicher ist?

Auf jeden Fall hat Musa es nun geschafft, eine privilegierte Stellung zu erreichen: Sie ist zur Königin geworden.

[...]


[1] André Verstandig, Histoire de l'empire parthe (-250,227), Nivelles 2001. S. 196

[2] Dio Cass., IL, 23, 3-5

[3] Josef Wolsky, L'empire Arsacide (Acta Iranica, SeriellI. 32), Löwen 1993. S. 122

[4] M-L. Chaumont, L'Armenie entre Rome et l'lran, De l'avenement d'Auguste a l'avenement de Dioc1etien.ANRW 11,9,1.Berlin 1976. S. 71-194.

[5] Verstandig, Histoire, S. 214-216

[6] Res Gest. Div. Aug. 29

[7] Flav. Joseph. Ant. XVIII, 2, 40

[8] Flav. Joseph. Ant. XVIII, 2, 40

[9] Verstandig, Histoire. S. 218

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Musa. Von der römischen Sklavin zur Königin der Parther
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen  (Institut für Alte Geschichte)
Note
2
Autor
Jahr
2002
Seiten
14
Katalognummer
V26979
ISBN (eBook)
9783638291477
ISBN (Buch)
9783638760126
Dateigröße
1025 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die faszinierende Geschichte einer ehrgeizigen Frau, die als (vergiftes) Geschenk dem parthischen König von Augustus gegeben wurde. Sklavin, Königin, Mörderin, Mutterkönigin und schließlich selber ermordert: Sein Leben sieht merkwürdig dem von Aggripinna (der Mutter des Kaisers Nero) ähnlich!
Schlagworte
Musa, Sklavin, Königin, Parther
Arbeit zitieren
MA Johan Thienard (Autor), 2002, Musa. Von der römischen Sklavin zur Königin der Parther, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/26979

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