Unterrichtskonzept zum Thema Comics im DaF-Unterricht

Flucht aus der DDR


Unterrichtsentwurf, 2013
22 Seiten, Note: 15 Punkte

Leseprobe

Inhalt

1. Bemerkungen zur Lernergruppe

2. Didaktische Überlegungen

3. Methodische Überlegungen
3.1 Zum Lehrmaterial
3.2 Vorgehensweise und Methoden bei der Aufgabenbearbeitung

4. Die Lernziele

5. Quellenangaben

6. Lehrmaterialien und Lösungen

7. Stundenverlaufstabelle

1. Bemerkungen zur Lernergruppe

Bei der zu unterrichtenden Gruppe soll es sich um einen Kurs mit etwa 15 multikulturellen Lernern1 handeln, die alle das Ziel haben, die deutsche Sprache zu erlernen. Es handelt sich um fortgeschrittene Lerner mit dem Niveau B1 bis B2 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Zum Alter der Lernenden ist anzumerken, dass es sich um Jugendliche bzw. junge Erwachsene handelt.

Die Lerner besitzen in etwa den gleichen Kenntnisstand, was die deutsche Sprache und was das landeskundliche Vorwissen angeht. Insbesondere das Wissen um die deutsche Geschichte ist wichtig für dieses Unterrichtskonzept, denn es soll davon ausgegangen werden, dass in der Unterrichtseinheit davor die Thematik DDR behandelt wurde. So setze ich voraus, dass die Lerner um die Gründung der DDR, den Bau der Mauer mit den daraus folgenden Konsequenzen und den Niedergang der DDR in Grundzügen wissen. Explizit behandelt wurde in der vorhergehenden Unterrichtseinheit auch die Lebenssituation der Menschen in der ehemaligen DDR, sodass es die Lerner nicht vor ein Rätsel stellt, wenn das Thema der hier beschriebenen Unterrichtseinheit Flucht aus der DDR heißt.

Die Lernatmosphäre innerhalb der Gruppe soll entspannt sein. Mit den verschiedenen Sozialformen, wie z.B. Partner-, Einzel- oder Gruppenarbeit sind die Lerner vertraut. Methodenwechsel sind also ohne Probleme möglich.

In dieser Unterrichtseinheit soll es nicht um die Vermittlung eines bestimmten grammatischen Phänomens gehen, sondern um die Festigung und Erweiterung des landeskundlichen Wissens bezogen auf Deutschland vor 1990. Dieses Wissen soll anhand von Übungen zum Leseverstehen und durch Plot-Rekonstruktion anhand eines Comics geschehen. Außerdem soll durch vermehrte Gruppenarbeit die natürliche Kommunikation unter den Lernern gefördert werden.

Im Raum, in dem der Unterricht stattfindet, stehen eine Tafel, ein Overheadprojektor sowie ein Laptop mit Internet- und Audiozugang zur Verfügung. Des Weiteren bietet die Räumlichkeit genügend Platz für Gruppenarbeit und kreatives Arbeiten.

2. Didaktische Überlegungen

Wie erwähnt, ist es das Ziel, den Lernern landeskundliches Wissen zu vermitteln. Da dies nicht ausschließlich mit längeren Abhandlungen über die Geschichte der DDR erfolgen soll, werden hier zur Thematik Fluchtversuche aus der DDR ein Zeitungartikel aus der Bild am Sonntag vom 1. August 1965, ein Comic mit dem Titel Mit der Seilbahnüber die Mauer sowie drei kurze Ausschnitte aus einem längeren Artikel im Spiegel vom 11. August 1965 dienen. Insbesondere mit der Einbindung des Comics in den DaF-Unterricht soll erreicht werden, dass der Lerner Visuelles und landeskundliche Informationen verknüpft. Der Artikel aus der Bild am Sonntag dient den Lernern als Grundlage, um den Comic selbst zusammen zu puzzeln. Dafür wurden 19 Panels aus dem Original-Comic ausgewählt, ausgeschnitten und gemischt. Sowohl der Comic als auch der Zeitungsartikel befassen sich mit der Flucht der Familie Holzapfel mittels Seilbahn von Ost- nach West-Berlin.

Des Weiteren sollen die Lerner kontrastiv die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Zeitungsartikel und der künstlerischen Umsetzung dessen, dem Comic, erarbeiten. Auch eine ästhetische Analyse des Comics soll Aufgabe der Lerner sein. Dies dient wiederum u.a. als Basis für die abschließende Gruppenarbeit, in der die Lerner andere authentische Fluchtversuche anhand kleinerer Ausschnitte aus einem Artikel des Magazins Spiegel visuell in Form eines Comics darstellen sollen.

Da bei der Vermittlung von landeskundlichem Wissen im DaF-Unterricht oftmals lediglich auf geschichtliche Texte oder Zeitzeugenberichte zurückgegriffen wird, bietet ein Comic den Lernern Abwechslung und zeigt ihnen das Verhältnis von Text und Bild bzw. das Zusammenwirken dieser beiden sonst oft getrennt auftretenden Medien. Mit einem Comic besteht durchaus die Möglichkeit, bestimmte Themen so aufzubereiten, dass sie für Lerner interessanter oder einfacher wirken.

Comics bieten den Vorteil, dass neben den textlichen Aussagen - oft in Sprechblasen oder Blockkommentaren verfasst - Bilder diese untermauern, vervollständigen oder erklären. So lassen sich Verständnisschwierigkeiten, was Vokabeln oder Inhaltliches angeht, über die Betrachtung der Bilder aus dem Weg räumen. Auch ist es möglich, dass durch die Verknüpfung von Text und Bild das Gelernte eher im Gedächtnis bleibt, da mehrere Sinne des Lerners angesprochen werden.

3. Methodische Überlegungen

3.1 Zum Lehrmaterial

Als Einstieg in das Unterrichtsthema soll eine Karikatur zur Massenflucht aus der DDR in den Westen dienen (siehe Bild).2 Für das Unterrichtskonzept wurden insgesamt sieben Arbeitsblätter konzipiert, die sich folgendermaßen beschreiben lassen: auf einem Arbeitsblatt befindet sich der Artikel zur Flucht der Familie Holzapfel aus der Bild am Sonntag (AB 1); dazu gehört ein weiteres Aufgabenblatt mit einer Vokabelübung zum Text (AB 2); Arbeitsblatt 3 enthält kontrastive Fragen zum Zeitungsartikel und zum Comic sowie eine Frage zur visuellen Gestaltung des Comics (AB 3a); beim vierten Arbeitsblatt handelt es sich um eine Hilfestellung, um den Lernern bei der Frage nach der visuellen Gestaltung des Comics zu helfen (AB 3b); die Arbeitsblätter 4a, 4b und 4c enthalten jeweils eine Gruppenaufgabe, in der drei verschiedene Fluchtgeschichten kurz beschrieben sind, die dann von den Lernern in Form eines Comics rekonstruiert und vorgestellt werden sollen.

Der Zeitungsartikel aus der Bild am Sonntag war leider nicht als Original auffindbar, allerdings gibt es einen Abdruck dessen in Berlin. Geteilte Stadt von Susanne Buddenberg und Thomas Henseler (S. 55), aus dem auch der Comic Mit der Seilbahnüber die Mauer (S. 40-54) stammt. Für das Arbeitsblatt wurde der Text aus dem Original noch einmal transkribiert. Der Original Artikel steht als Bild zur Verfügung, sodass die Lerner auch die Fotos des 1965 veröffentlichten Artikels sehen können. Der Text wurde fast komplett übernommen; er wurde lediglich an die neue deutsche Rechtschreibung angepasst (muss statt muß oder dass statt daß). Des Weiteren wurde darauf geachtet, dass die Zeilen nummeriert sind, sodass Lerner bei eventuellen Fragen direkt eine Zeilenangabe mitliefern können, damit sowohl Lehrender als auch Lerner den Gegenstand der Frage sogleich auffinden können. Außerdem wurden einige Wörter mit Fußnoten versehen, die die Lerner nicht unbedingt in ihren Wortschatz übernehmen müssen, die aber wichtig für das Verständnis des Textes sind: z.B. Todesstreifen, Vopo oder das SED- Zentralkomitee. Zusätzlich befinden sich dick gedruckte Wörter im Text. Dabei handelt es sich um Wörter oder Wortgruppen, deren Bedeutung auf Arbeitsblatt 2 in einer Vokabelübung herausgefunden werden sollen: u.a. das Stipendium, das / ein Risiko eingehen, das Patent (patentieren) oder die Mauerkrone.

Auf Arbeitsblatt 2 befindet sich die Vokabelübung zum Text auf Arbeitsblatt 1. Anhand des Textes sollen die Lerner die Bedeutung der neuen Wörter selbst erschließen und den Bedeutungsdefinitionen in der Tabelle zuordnen. Es wurde darauf geachtet, dass die Artikel bei den Nomen mit angegeben werden, damit die Lerner beides im Blick haben und beides zusammen lernen können. Für einen Großteil der Wörter wurden lediglich verbale Definitionen geliefert, nur bei den Vokabeln der Fallschirmspringer und das Gewehr kommen zusätzlich Bilder zum Einsatz, um das Verständnis zu erleichtern.

Arbeitsblatt 3a soll nach dem Panel-Puzzle bearbeitet werden. Hierbei handelt es sich um drei Fragen, die sowohl den Comic Mit der Seilbahnüber die Mauer als auch den Zeitungsartikel (AB 1) betreffen. Zur Beantwortung der ersten Frage auf Arbeitsblatt 3a wurde eigens Arbeitsblatt 3b konzipiert, auf dem die wichtigsten ästhetischen Merkmale von Comics zusammengestellt sind, wie z.B. Panel, Split-Panel, Splash-Panel, Onomatopöie, speed lines, Perspektiven oder Lettering. Aber auch für die abschließende Gruppenarbeit kann dieses Arbeitsblatt erneut genutzt werden.

Die Arbeitsblätter 4a bis 4c beinhalten jeweils eine Gruppenaufgabe mit einer Anleitung für die Aufgabe sowie einen kurzen Text, der eine besondere Art der Flucht aus der DDR erzählt. Diese drei unterschiedlichen Texte wurden einem Artikel aus dem Magazin Spiegel entnommen, der am 11. August 1965 unter dem Titel Vom Friedhof in die Freiheit. Bravour und Bluff bei der Flucht durch die Mauer erschienen ist (Kopie des Artikels siehe Anhang dieser Verschriftlichung). Die Texte wurden allesamt vereinfacht, da sich der Schreibstil des Artikels als recht kompliziert mit vielen Fremdwörtern herausgestellt hat, sodass selbst einige Muttersprachler damit ihre Schwierigkeiten haben dürften. Die Vereinfachung betrifft die Satzstellung und das Weglassen oder Ersetzen einiger Fremd- oder Fachwörter. Des Weiteren werden zu den Texten in Fußnoten eventuelle Unklarheiten beseitigt und schwierige Wörter erklärt, wie z.B. Ulbrichts Mauer, der Interzonenhandel oder der Kontrabassist. Zusätzlich wurden einige Vokabeln mithilfe von Bildern erklärt.

Material, das zur Verfügung gestellt werden soll, sind Plakate für die Gruppenarbeit, Kleber und Buntstifte sowie das Panel-Puzzle in dreifacher Ausführung (für drei Gruppen). Das Puzzle besteht aus 19 Teilen. Es handelt sich also nicht um alle im Original-Comic enthaltenen Panels, sondern nur die wichtigsten, die ausreichen, um die Handlung zur rekonstruieren. Ein abwechslungsreicher Einsatz von Medien im Unterricht mit unterschiedlichen Arbeitsformen und Aufgabenstellungen soll bewirken, dass die Lernenden ihr Interesse beibehalten, indem immer wieder neue Reize angeboten werden.

Zusätzlich soll ein Wechsel zwischen Einzelarbeit, Partnerarbeit und Arbeit im Plenum stattfinden. Der Lehrende soll lediglich die Rolle des Moderators einnehmen. Nach jeder Einzel- oder Partnerarbeit findet eine soziale Interaktion statt, in der die Lerner ihre Ergebnisse dem Plenum vorstellen. Auf diese Weise wird gesichert, dass alle am Ende das richtige Ergebnis in ihren Unterlagen stehen haben. Außerdem hat Partner- oder Gruppenarbeit den Vorteil, dass jeder Lernende - auch diejenigen, die sich meistens aus dem Unterrichtsgespräch heraushalten - in der Fremdsprache gesprochen hat.

Vokabel- und Verständnisfragen werden im Laufe des Unterrichts geklärt, damit alle Lerner von Frage und Antwort profitieren können.

3.2 Vorgehensweise und Methoden bei der Aufgabenbearbeitung

Anhand der zuvor in Kapitel 3.1 gezeigten Karikatur soll mittels Beamer oder OverheadProjektor diese für alle Lerner sichtbar gemacht werden. Folgende Fragen zur Karikatur kann man den Lernern stellen: Was seht ihr? Was wird dargestellt? Was könnte das Thema der Stunde sein? An dieser Stelle ist auch sinnvoll an vorhergehende Unterrichtseinheiten und allgemeines Geschichtswissen der Lerner anzuknüpfen. So kann man kurz wie in einer Art Brainstorming zusammentragen lassen, was ihnen aus den Lebensumständen in der ehemaligen DDR bekannt ist, was Gründe für eine Massenflucht sein könnten etc. Auf diese Weise wird das landeskundliche Wissen erweitertet und vielleicht Vergessenes wieder ins Gedächtnis gerufen. Somit ist eine Grundlage für den weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit geschaffen. Auch kann dieses „Vorgespräch“ zur Vokabelentlastung beitragen.

Anschließend können Arbeitsblatt 1 und 2 ausgeteilt werden, denn die Lerner sollen sich zunächst mit dem Text aus der Bild am Sonntag auseinandersetzen (AB 1) bzw. den darin enthaltenen unbekannten Vokabeln (AB 2).

Erst sollen die Lerner in Einzelarbeit nur die Zeilen im Text lesen, in denen sich die neuen Vokabeln befinden (fett gedruckt). Dazu sollen sie die Aufgabe auf dem Arbeitsblatt 2 bearbeiten, und zwar die neuen Wörter den Worterklärungen in der Tabelle zuordnen. Indem die Lerner dort die neue Vokabel noch einmal notieren, prägt sich deren Schreibweise leichter ein. Anschließend werden die Vokabeln mithilfe einer Powerpoint-Präsentation verglichen, indem die Lerner den Satz, in dem das neue Wort vorkommt und die (richtige) Worterklärung vorlesen. So wird auch das Lesen und die Aussprache der neuen Wörter trainiert.

Nun sollen die Lerner noch einmal jeder für sich den Text lesen und nach eventuell weiteren unbekannten Wörtern fragen. Bei einer Vokabelfrage fragt der Lehrende zunächst die anderen Lerner, ob diese die Frage beantworten können. Erst wenn niemand eine Antwort weiß, soll eine Erklärung durch den Lehrenden gegeben werden.

Anschließend wird der gesamte Text noch einmal abwechselnd von den Lernern Satz für Satz laut vorgelesen, um so das Lesen zu üben und Aussprachefehler zu korrigieren. Außerdem besteht die Möglichkeit, dass hier weitere Verständnisschwierigkeiten erörtert werden können. Wenn es keine weiteren Fragen gibt, soll nun das Textverständnis geprüft werden, und zwar geschieht dies hier durch das Ordnen verschiedener Panels eines Comics. Der Comic handelt - wie auch der Zeitungsartikel - von der Familie Holzapfel, die mittels einer selbst gebauten Seilbahn in den Westen flieht. Interessant an Comic und Zeitungsartikel ist, dass beide die inhaltlichen Schwerpunkte anders legen. Der Comic stellt die Flucht und den Verlauf dieser in den Mittelpunkt, während der Zeitungsartikel die Fluchtgründe darlegt, die insbesondere Heinz Holzapfel, der Familienvater, nennt. Nichtsdestotrotz sind genügend Anhaltspunkte gegeben, um den Comic zusammenzustellen zu können.

Hierzu sollen drei Gruppen mit jeweils fünf Lernern gebildet werden. Die Auswahl und Zusammenstellung der Gruppen könnte so erfolgen, dass jeweils fünf Bonbons mit drei verschiedenen Farben der Reihe nach ausgeteilt werden. Somit ist die Gruppenzusammenstellung dem Zufall überlassen. Dies hat den Vorteil, dass nicht immer dieselben zusammenarbeiten, die eh schon nebeneinander sitzen, und dass die Lerner sich nicht bevormundet fühlen, wenn der Lehrende entscheidet, wer mit wem zusammenarbeiten muss. Für die Gruppenarbeit bekommt jede Gruppe Klebestreifen, sodass die Panels in der richtigen Reihenfolge zusammengeklebt werden können. Alternativ bestünde hier die Möglichkeit, die Panels mithilfe von Magneten an die Tafel zu heften. Bevor die Bonbons und Plakate verteilt werden, werden Vokabeln erläutert und die Modalitäten der Gruppenaufgaben erklärt. Auf diese Weise ist die Aufmerksamkeit der Lerner erst einmal für die Aufgabenstellung gegeben. Der Lehrende sollte vor dem Puzzeln schwierige, im Comic vorkommende Wörter noch einmal klären bzw. wiederholen, damit nicht zu viele Fragen aufkommen, wenn die Zeit für die Gruppenarbeit läuft. Solche Vokabeln sind beispielsweise derüberraschungseffekt oder das Verschlusseisen. Viele der Wörter, wie z.B. der Hammerwurf oder die Dachkante, lassen sich allerdings mit Betrachtung der Bilder leicht erschließen.

Die Lerner haben 15 Minuten Zeit, um die Panels in die richtige Reihenfolge zu bringen. Anschließend werden die zusammengeklebten Panels an die Wand geheftet und es wird verglichen, ob alle das gleiche Ergebnis haben − wobei etwas abweichende Ergebnisse auch möglich sein dürften. Nun können auch noch einmal Vokabel- und Verständnisfragen geklärt werden. Ratsam wäre vielleicht auch, wenn ein oder zwei Lerner die Handlung des Comics kurz zusammenfassen könnten, zumal dort ja einige Aspekte vorkommen, die im Zeitungsartikel keine Erwähnung gefunden haben.

Mit den Arbeitsblättern 3a und 3b haben die Lerner die Möglichkeit, sich näher mit dem Comic und dem Zeitungsartikel auseinanderzusetzen. Auf Arbeitsblatt 3a befinden sich drei Fragen, wobei sich zwei lediglich auf den Comic beziehen und eine Frage Comic und Zeitungsartikel kontrastiv betrachtet.

Arbeitsblatt 3b hat die Funktion, die Lerner insbesondere bei der Beantwortung der ersten Frage auf Arbeitsblatt 3a zu unterstützen und später auch bei der abschließenden Gruppenarbeit. Auf 3b sind diverse Grundbegriffe zur ästhetischen Betrachtung eines Comics angegeben, die helfen können, die folgende Frage zu beantworten: Wie wird die Geschichte der Flucht im Comic visuell dargestellt? Achtet auf das Layout, den Zeichenstil, die Farben, die Perspektive usw. (Nehmt das Arbeitsblatt zur Ä sthetik des Comics zu Hilfe.) Je nach zu unterrichtender Gruppe, könnte man hier auch überlegen, ob man die Lerner wirklich mit dem Arbeitsblatt 3b alleine lässt oder das Ganze in Form eines kurzen Lehrervortrags noch einmal mit einer Power-Point-Präsentation ausführlicher erläutert.

Frage 2 des Arbeitsblattes stellt einen Zusammenhang zwischen dem eingangs gelesenen Zeitungsartikel aus der Bild am Sonntag und dem zusammengepuzzelten Comic her: Wenn Ihr den Comic mit dem Zeitungsartikelüber die Familie Holzapfel aus der Bild am Sonntag vom 1. August 1965 vergleicht, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten fallen Euch auf? Hier könnten die Lerner schreiben, dass - wie schon erwähnt - der Comic sich fast ausschließlich mit der Flucht an sich beschäftigt, während der Zeitungsartikel auch das Leben Heinz Holzapfels und seine Beweggründe für die Flucht beleuchtet. Auf visueller Ebene ließen sich die Fotos der Familienmitglieder aus dem Artikel mit den Comic-Zeichnungen vergleichen. Dort lassen sich durchaus Ähnlichkeiten (Frisuren etc.) feststellen. Unterschiede sind z.B., dass im Zeitungsartikel bspw. nicht erwähnt wird, dass die Familie auf dem Weg in den Westen ihre Tasche mit den wichtigen Dokumenten verloren hat oder was sich schwierig gestaltete bei der Flucht und durch Lockerung des Seils über der Dachkante besser wurde. Und als Gemeinsamkeiten ließen sich etwa nennen: die Reihenfolge, wie die Familienmitglieder flüchteten oder dass sie sich auf einer Toilette versteckt hielten.

Frage 3 des Arbeitsblattes 3a fragt nach der Meinung der Lerner: Haltet Ihr die Umsetzung der Geschichte der Familie Holzapfel im Comic für gelungen? Begründet Eure Meinung. Hier sind die Antworten weitgehend offen. Wichtig ist, dass der Lerner die Original-Geschichte mit der Darstellung im Comic verknüpft und daraus Konsequenzen zieht. Außerdem bringt diese Frage in Erfahrung, was Lerner von der Comic-Umsetzung landeskundlicher Themen halten.

Die Lerner sollen in Partnerarbeit diese drei Fragen beantworten und etwa 20 Minuten Zeit dafür bekommen. Anschließend sollen einige Antworten vorgelesen werden, während andere Lerner noch weitere Aspekte ergänzen. Auf diese Weise werden das Schreiben, sich Ausdrücken, das Lesen und das freie Äußern geübt.

Als letzte Aufgabe in dieser Unterrichtseinheit sollen sich die Gruppen, die schon beim Puzzeln ausgelost wurden, wieder zusammenfinden. Für die Gruppenarbeit gibt es für jede der Gruppen ein anderes Arbeitsblatt (4a, 4b, 4c). Bevor die Aufgabenblätter ausgehändigt werden, werden die Modalitäten der Gruppenarbeit vom Lehrenden erläutert. Für die Gruppenarbeit sind etwa 25 Minuten angesetzt. Auf den drei Gruppenarbeitsblättern wird jeweils eine kurze Fluchtgeschichte - ähnlich die der Familie Holzapfel - beschrieben. Diese drei Geschichten beruhen ebenfalls auf wahren Begebenheiten und sind einem Artikel aus dem Spiegel von 1965 entnommen (siehe Anhang). Gruppe 1 befasst sich mit einer Geschichte, die den Titel Tunnel zum Friedhof trägt. Hierbei geht es um drei Männer und zwei Frauen, die mithilfe eines Tunnels, der unter einem Friedhof bis in den Westen gegraben wurde, fliehen. Gruppe 2 bekommt die Geschichte Kinder im Kühlwagen, bei der in einem Kühlwagen neben 170 Schweinehälften, 2 Frauen und 11 Kinder vom Osten in den Westen Berlins geschmuggelt werden. Der Texttitel der 3. Gruppe lautet Frau am Auspuffrohr, wo es darum geht, dass ein West-Berliner Musiker seine Frau, die in Ost-Berlin lebt, heimlich in den Westen bringt, indem sie sich unter dem Fahrgestell seines Autos am Auspuffrohr versteckt hält.

Die Lernenden sollen die jeweiligen Texte zunächst lesen und sich dann den Inhalt gegenseitig erzählen. Auf diese Weise soll erreicht werden, dass innerhalb der Gruppe kommuniziert wird und dass der Inhalt für jeden klar wird. Anschließend soll ein Comic gezeichnet werden, indem die Geschichte dargestellt und eventuell auch weiter ausgeschmückt wird. Dieser soll aus mindestens drei Panels bestehen und wenn möglich auch ästhetische Stilmittel (speed lines, Lettering, Sprechblasen, Blockkommentare) eines Comics enthalten. Auf den Arbeitsblättern befindet sich auch noch einmal ein Hinweise auf das Arbeitsblatt 3b, was die Grundbegriffe der Ästhetik des Comics behandelt. Um den Comic malen zu können, erhält jede Gruppe Plakate und Stifte.

Wenn die Comics fertig gemalt sind, stellt jede Gruppe ihren Comic vor. Sie sollen den anderen Lernern die Handlung erläutern und ggf. vorlesen, was in den Sprechblasen und Blockkommentaren steht. Die anderen Lerner können Fragen dazu stellen. Diese letzte Aufgabe dient dazu, noch einmal landeskundliches Wissen und die Kunstform Comic zusammenzubringen.

4. Die Lernziele

Nach dieser Unterrichtseinheit sollen die Lernenden ihre kommunikativen Möglichkeiten weiterentwickelt haben. Das freie Sprechen soll trainiert werden sowie auch das Niederschreiben eigener Gedanken und Ideen. Durch das Vorlesen diverser Aufgaben und Übungen wird auch das Lesen geübt. Das Leseverständnis der Lerner wird trainiert, indem sie zum Text über die Flucht der Familie Holzapfel ein Comic puzzeln und Fragen zu Zeitungsartikel und Comic beantworten. Auch über das Medium Comic sollen die Lerner mehr erfahren. Nach dieser Unterrichtseinheit sollten sie in der Lage sein, einige ästhetische Stilmittel des Comics zu benennen.

Der Methodenwechsel von Einzel- zu Partner- und Gruppenarbeit sowie das Vorstellen von Gedanken im Plenum sorgen dafür, dass alle Lerner die Möglichkeit haben, sich mündlich zu äußern. Sowohl das Erstellen der Plakate, das Panel-Puzzle als auch das Vorlesen des Textes gewährleisten, dass jeder Lerner sich äußert.

Bei der Unterrichtsplanung wurde darauf geachtet, dass die Lernenden auf der einen Seite viel selbst erarbeiten können, aber auf der anderen Seite auch einen gewissen Halt durch den Bild am Sonntag-Artikel und den Comic bekommen, indem dort ihr Leseverständnis geprüft und ihre selbst gewonnenen Erkenntnisse untermauert werden.

Weil ein alleiniger langer Text zu einem landeskundlichen Thema ermüdend sein kann wurden visuelle Hilfsmittel mit einbezogen, wie z.B. die Karikatur zu Beginn der Stunde, der Comic und das Selbstzeichnen eines Comics. Durch Bilder ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass etwas im Gedächtnis haften bleibt.

Wenn Lerner sich selbst Gedanken zu einem Thema machen, selbst Ideen entwickeln und formulieren, manifestieren diese sich eher im Gedächtnis, als würde man sie z.B. in Form eines Lehrervortrages präsentieren. Bei einigen Aufgaben in dieser Unterrichtseinheit müssen die Lerner selbst Ideen entwickeln, z.B. müssen sie äußern, wie sie den Comic zusammenpuzzeln würden oder wie sie bei der letzten Gruppenarbeit den Comic zeichnen würden. Dadurch soll das freie Sprechen gefördert werden. Außerdem soll dies das Vertrauen der Lerner in ihre Fähigkeiten stärken und ihnen zeigen, dass sie in der Lage sind, nicht nur zusammenzufassen und zu wiederholen.

Ein Hauptaspekt, der in als Lernziel in dieser Unterrichtseinheit nicht vergessen werden darf, ist der landeskundliche. Durch das Brainstorming zu Beginn der Stunde soll an vorangegangene Unterrichtseinheiten angeknüpft werden, es sollen Aspekte zur DDR- Geschichte ins Gedächtnis gerufen werden und die Lerner sollen sich Gedanken darüber machen, welche Missstände in der ehemaligen DDR zur Flucht vieler Einwohner geführt haben. Hier könnte man auch einen aktuellen Bezug schaffen, indem man danach fragt, ob es heute auch Länder gibt, aus denen viele Menschen flüchten und welche Gründe es dafür gibt. Weiterhin eignen sich die Lerner in dieser Unterrichtseinheit fachspezifisches Vokabular an (z.B. die Ideologie, der Grenzw ä chter) und wiederholen schon bekannte Wörter. Es ist auch nicht auszuschließen, dass die Lerner sich andere Vokabeln, die nicht unbedingt zum Wortschatz des Zertifikat Deutschs gehören, merken oder spezifisch landeskundliche Begriffe (wie z.B. der Todesstreifen oder der Interzonenhandel) im Gedächtnis haften bleiben.

6. Quellenangaben

Texte & Comic:

- Buddenberg, Susanne/ Henseler, Thomas: Mit der Seilbahnüber die Mauer. In: Berlin - Geteilte Stadt. Berlin 2012. S. 40-55 u. S.95.
- Vom Friedhof in die Freiheit. Bravour und Bluff bei der Flucht durch die Mauer. In: Der Spiegel, Ausgabe 33, 1965, S. 20-25. Bilder:
- Karikatur der Massenflucht: www.stern.de/politik/geschichte/daten-fakten-der-aufstand- in-zahlen-509139.html (Stand: 18.3.2013)
- Bild des Zeitungsartikels aus der Bild am Sonntag (AB 1): Buddenberg, Susanne/ Henseler, Thomas: Mit der Seilbahnüber die Mauer. In: Berlin - Geteilte Stadt. Berlin 2012. S. 55.

7. Lehrmaterialien und Lösungen

a) Arbeitsblatt 1 - Zeitungsartikel aus der Bild am Sonntag
b) Arbeitsblatt 2 - Vokabelübung zum Text + Lösungsblatt
c) Panel-Puzzle (19 Teile)
d) Arbeitsblatt 3a - Fragen zum Zeitungsartikel und zum Comic
e) Arbeitsblatt 3b - Zur Ästhetik des Comics (Hilfestellung für 3a)
f) Arbeitsblatt 4a,b,c - Gruppenarbeit: Einen Comic selbst zeichnen

BILD am SONNTAG, 1. August 1965

Punkt Mitternacht rollte der kleine Günter mutig in einer Seilschlinge auf dem 140 Meter langen Stahlseil in den 25 Meter tiefen Abgrund. Dann folgte die Frau. „Ich sah unter mir den Todesstreifen3. Als ich die Mauer sah, dachte ich: Jetzt bist du gerettet!“ Als letzter rollte der Vater in die Freiheit - mit Rollen, die eine VEB- Schlosserei nach den Plänen Holzapfels angefertigt hatte. In einem Hotel trank man erst mal zur Beruhigung einen Kognak. Dann ging es in die Betten. Übernachtung und Frühstück waren gratis. Die Helfer waren noch kühn genug, das Fluchtseil teilweise zusammenzuwickeln und auf die Mauerkrone zu legen. Erst Stunden später wurde es von der Vopo4 entdeckt.

Heinz Holzapfel vermag kaum auszudrücken, wie glücklich er sich fühlt. „Wenn ich noch daran denke, wie wir im strömenden Regen auf dem Dach langkrochen, aus einer Dachluke drang Licht und Stimmengewirr - offenbar hausten dort Grenzwächter. Aber wir mussten das Risiko eingehen.“ Denn die Leipziger Familie konnte die Zustände in der Zone5 nicht länger ertragen. „Ich musste einsehen, dass die kommunistische Ideologie in den Lehrbüchern ganz anders aufgeht als in der Praxis.“ Das sagt immerhin ein Mann, der jahrelang seinen Kollegen die Beschlüsse des SED-Zentralkomitees 6 erläutern musste. Denn jahrelang galt Heinz Holzapfel als Musterknabe in der Zone: Als gelernter Tischler war er zur kasernierten Volkspolizei gegangen und hatte eine Offiziersschule besucht. Mit Hilfe von Stipendien machte er das Abitur und studierte vier Jahre an der KarlMarx-Universität. „Ich war Überzeugungskommunist!“ gesteht heute der ehemalige SEDFunktionär. Aber seit dem Bau der Sperrmauer bekam er Zweifel, die größer und größer wurden. Bis er sich schließlich zur Flucht entschloss. Heinz Holzapfel blickt hoffnungsvoll in die Zukunft. In Süddeutschland will er eine eigene Existenz aufbauen. Grundlage: zwei Patente, die er schon vor einiger Zeit in West-Berlin anmelden ließ.

Bildunterschrift oben: Diese selbstgemachten „Schleichsocken“ trugen Heinz, Jutta und Sohn Günter Holzapfel, um jedes verdächtige Geräusch auf dem Dach vom „Haus der Ministerien“ zu vermeiden. Sie hatten tatsächlich an alles gedacht.

Bildunterschrift Mitte: Mit diesem Buch über Fallschirmspringer bereitete Vater Holzapfel seinen Sohn auf das gefährliche Unternehmen vor.

Bildunterschrift rechts: Nach geglückter Flucht: Ein Grenzpolizist mit geschultertem Gewehr zieht das Drahtseil über die Mauer nach Osten.

Bildunterschrift unten: Erstes gemeinsames Frühstück auf West-Berliner Gebiet: Jetzt kann Familie Holzapfel Beruhigungspillen und die ganze Aufregung vergessen.

Vokabeln: Zeitungsartikel aus der BILD am SONNTAG, 1. August 1965 Ordne die Erklärungen den Vokabeln zu! Orientiere dich dabei am Text.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vokabeln: Zeitungsartikel aus der BILD am SONNTAG, 1. August 1965 Ordne die Erklärungen den Vokabeln zu! Orientiere dich dabei am Text.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Arbeitsblatt: „Mit der Seilbahn über die Mauer“

(der Comic stammt aus „Berlin. Geteilte Stadt“ von Susanne Buddenberg & Thomas Henseler, 2012, avant-verlag Berlin)

1. Wie wird die Geschichte der Flucht im Comic visuell dargestellt? Achtet auf das

Layout, den Zeichenstil, die Farben, die Perspektive usw. (Nehmt das Arbeitsblatt zur Ästhetik des Comics zur Hilfe.)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Wenn Ihr den Comic mit dem Zeitungsartikel über die Familie Holzapfel aus der Bild am Sonntag vom 1. August 1965 vergleicht, welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten fallen Euch auf?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Haltet Ihr die Umsetzung der Geschichte der Familie Holzapfel im Comic für gelungen? Begründet Eure Meinung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zur Ästhetik des Comics - die wichtigsten Grundbegriffe Ein einzelnes Bild eines Comics wird als Panel bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein Einzelbild einer Sequenz. Ein Comic Strip (oben) ist z.B. eine Sequenz von drei oder vier Panels. Man unterscheidet zwischen

Splash-Panels (ein Panel nimmt eine ganze Seite ein) und Split-Panels (Bild links: ein Panel wird geteilt).

Im Comic findet man verschiedene Perspektiven.

<- Froschperspektive

normale Perspektive ->

Farben: z.B. bunt oder schwarz-weiß

Zeichnung der Figuren: von sehr authentisch / realistisch bis künstlerisch verfremdet und stilisiert

Bewegungslinien (speed lines) und Onomatopöie (lautmalende Wörter):

Die Texte in einem Comic können in

verschiedenartig aussehenden Sprech- oder Gedankenblasen stehen oder als Blockkommentar (Bild rechts) verfasst sein.

Als Lettering bezeichnet man verbal-bildliche Schrift (siehe oben).

Gruppe 1 Aufgabe:

Lest den Text durch und versucht Euch gegenseitig den Inhalt zu erzählen.

Bitte malt anschließend einen eigenen Comic zu dieser Geschichte. Der Comic soll aus mindestens drei Panels bestehen. Wie Ihr den Comic gestaltet, dürft Ihr selbst entscheiden (Farbe, Perspektive, Zeichenstil etc.) und auch ob Ihr weitere Details ergänzt. Nehmt bitte das Arbeitsblatt zur Ästhetik des Comics zur Hilfe.

Ihr habt 30 Minuten Zeit dafür.

Ausschnitt aus dem Zeitungsartikel „Vom Friedhof in die Freiheit. Bravour und Bluff bei der Flucht durch die Mauer“, Der Spiegel, Ausgabe 33, 11. August 1965 (Text leicht verändert)

www.spiegel.de/spiegel/print/d-46273676.html

Tunnel zum Friedhof

An einem Septemberabend 1961 betreten drei Männer mit Zylinder und zwei schwarz gekleidete Frauen den Friedhof an der Fischerstraße in Ost-Berlin:

18.30 Uhr: Die Trauernden legen zwei Kränze auf einem Grab nahe der westlichen Friedhofsmauer nieder.

18.40 Uhr: Aus einem wenige Meter entfernten Grab reckt sich eine Hand empor.

18.42 Uhr: Die Friedhofsbesucher sind verschwunden.

18.50 Uhr: Auf West-Berliner Boden - jenseits von Friedhofsmauer und Ulbrichts Mauer7 - klettert die Trauergemeinde ohne Trauer an die Erdoberfläche.

Zwei West-Berliner Tunnelbauer hatten den 25 Meter langen Tunnel nach Ost-Berlin bis unter das Grab gebaut, um ihre Frauen aus der DDR zu holen.

Gruppe 2 Aufgabe:

Lest den Text durch und versucht Euch gegenseitig den Inhalt zu erzählen.

Bitte malt anschließend einen eigenen Comic zu dieser Geschichte. Der Comic soll aus mindestens drei Panels bestehen. Wie Ihr den Comic gestaltet, dürft Ihr selbst entscheiden (Farbe, Perspektive, Zeichenstil etc.) und auch ob Ihr weitere Details ergänzt. Nehmt bitte das Arbeitsblatt zur Ästhetik des Comics zur Hilfe.

Ihr habt 30 Minuten Zeit dafür.

Ausschnitt aus dem Zeitungsartikel „Vom Friedhof in die Freiheit. Bravour und Bluff bei der Flucht durch die Mauer“, Der Spiegel, Ausgabe 33, 11. August 1965 (Text leicht verändert)

www.spiegel.de/spiegel/print/d-46273676.html

Kinder im Kühlwagen

Der Kühlwagen Ost-Berlin, der im Rahmen des Interzonenhandels8 regelmäßig eingefrorene

Schweinehälften9 nach West-Berlin liefert, hält auf der West-Berliner Seite des Grenzübergangs Heinrich-Heine-Straße. Fahrer Erich Ross, 32 Jahre alt, wohnhaft in Karlshorst, SED-Mitglied und Vater von acht Mädchen, beugt sich aus der Kabine und sagt zum West-Berliner Zöllner10:

„Ich habe meine Familie mitgebracht.“

Die Mitteilung ist unvollständig: Hinter 170 Schweinehälften warten auch noch die Frau und die drei Kinder seines Beifahrers Worm.

Lest den Text durch und versucht Euch gegenseitig den Inhalt zu erzählen.

Bitte malt anschließend einen eigenen Comic zu dieser Geschichte. Der Comic soll aus mindestens drei Panels bestehen. Wie Ihr den Comic gestaltet, dürft Ihr selbst entscheiden (Farbe, Perspektive, Zeichenstil etc.) und auch ob Ihr weitere Details ergänzt. Nehmt bitte das Arbeitsblatt zur Ästhetik des Comics zur Hilfe.

Ihr habt 30 Minuten Zeit dafür.

Ausschnitt aus dem Zeitungsartikel „Vom Friedhof in die Freiheit. Bravour und Bluff bei der Flucht durch die Mauer“, Der Spiegel, Ausgabe 33, 11. August 1965 (Text leicht verändert)

www.spiegel.de/spiegel/print/d-46273676.html

Frau am Auspuffrohr

Als Inge Lange, 18 Jahre alt, Ost-Berliner Frau des West-Berliner Musikers Wolfgang Eulitz,

22 Jahre alt, keine Ausreiseerlaubnis erhält, nimmt Gastarbeiter Wolfgang Eulitz Urlaub: der

Kontrabassist11 des Irischen Symphonie-Orchesters in Dublin fliegt im Herbst 1962 nach WestBerlin und fährt in einem Auto mit irischem Nummernschild in die Hauptstadt der DDR.

Mit vier festen Lederriemen12 wird Inge unter das Fahrgestell geschnallt. Ihre Hände klammern sich um das Auspuffrohr13 des Autos.

Die 13 Kilometer bis zum Grenzkontrollpunkt legt Wolfgang Eulitz sehr langsam zurück, denn das Auspuffrohr soll sich nicht zu sehr erhitzen.

Während Inges rotes, langes Haar durch den Straßenschmutz weht, zählt sie die Kontrollpunkte des Grenzüberganges bis sie endlich im Westen angekommen sind: fünf.

Das Ehepaar Eulitz lebt heute in Dublin und hat ein Kind.

[...]


1 Mit dem Begriff „Lerner“ oder „Lernende“ sind sowohl Lerner als auch Lernerinnen in dieser Hausarbeit gemeint, auch wenn die weibliche Form nicht explizit mitgenannt wird.

2 www.stern.de/politik/geschichte/daten-fakten-der-aufstand-in-zahlen-509139.html

3 Unmittelbarer Bereich an der innerdeutschen Grenze (Mauer), in dem Menschen u.a. getötet wurden, wenn sie sich dort unerlaubt aufhielten.

4 Abkürzung für Volkspolizei der DDR

5 Das Gebiet der ehemaligen DDR wurde oftmals auch als „Zone“ bezeichnet.

6 Das SED-Zentralkomitee war zwischen den Parteitagen das höchste Organ der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschland, die „führende Partei“ der DDR) und leitete ihre gesamte politische Tätigkeit.

7 „Ulbrichts Mauer“ ist die Grenze bzw. Mauer zwischen Ost- und West-Berlin.

8 der Austausch von Waren zwischen Ost- und West-Berlin

9 die Hälfte eines geschlachteten Schweins

10 jemand, der an der Grenze für die Zolleinnahmen zuständig ist Gruppe 3 Aufgabe:

11 jemand, der Kontrabass in einem Orchester spielt.

12 langes, schmales Band aus Leder

13 Bauteil am Auto, aus dem die Abgase abgeleitet werden.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Unterrichtskonzept zum Thema Comics im DaF-Unterricht
Untertitel
Flucht aus der DDR
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Germanistik und Kunstwissenschaften)
Veranstaltung
Geschichte mit Comics im DaF-Unterricht
Note
15 Punkte
Autor
Jahr
2013
Seiten
22
Katalognummer
V269898
ISBN (eBook)
9783656611233
ISBN (Buch)
9783656610878
Dateigröße
2017 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
DDR, Flucht, Wende, Ästhetik, Unterrichtskonzept, DaF, Spiegel, Vokabelübung
Arbeit zitieren
M.A. Doreen Fräßdorf (Autor), 2013, Unterrichtskonzept zum Thema Comics im DaF-Unterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/269898

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