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Tötung von Kindern nach der Geburt

Ein soziales Problem und seine rechtliche Würdigung im Lichte unterschiedlicher Reformen

Titel: Tötung von Kindern nach der Geburt

Seminararbeit , 2012 , 24 Seiten , Note: 11 Punkte

Autor:in: Patricia Bernreuther (Autor:in)

Jura - Strafrecht
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Zusammenfassung Leseprobe Details

„Welches sind die besten ausführbaren Mittel, dem Kindermord abzuhelfen, ohne die Unzucht zu begünstigen?“, so lautete eine Aufforderung der Zeitschrift „Rheinische Beiträge zur Gelehrsamkeit“ aus dem Jahre 1780 an ihre Leser sich mit der Thematik der Kindstötung auseinanderzusetzen. Der beste Vorschlag wurde mit einem Preisgeld von 100 Dukaten prämiert. Die Resonanz war mit 400 Zuschriften enorm. Die Thematik der Tötung von Kindern war auch zuvor und in der nachfolgenden häufig Gegenstand kontroverser Diskussionen. Handelte es sich bei den Tötungsopfern doch um Wesen, die mit das schwächste Glied einer Gesellschaft sind, auf deren Schultern aber große Hoffnungen für die Zukunft ruhen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden unterschiedliche Wege beschritten, dem Delikt der Kindstötung Einhalt zu gebieten ohne auf Kosten der sittlichen Werte, die eine Gesellschaft ebenso prägen und zusammenhalten, zu handeln. Grundlage der Überlegungen waren die vermuteten Motive, weshalb eine Tötung von bestimmten Personen begangen wurde. Um die Entwicklung der Gesetzgebung nachvollziehen zu können, müssen auch die Umstände und Beweggründe dieser Tat betrachtet werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung

B. Täterkreis

C. Ausmaß

D. Begehungsweise

E. Motive für die Tötung

I. Ehrennotstand

II. Geschlechtszugehörigkeit

III. Wirtschaftliche Not

IV. Egoistische Gründe

V. Ratlosigkeit

VI. Geburtsaffekt

VII. Negierte Schwangerschaft

F. Historische Entwicklung

I. Römische Antike

II. Germanen

III. Mittelalter

IV. Constitutio Criminalis Carolina

1. Allgemeines

2. Tatbestand

3. Bestrafung

V. Aufklärung

VI. Partikulare Gesetzgebung bis 1871

1. Entwicklung in Preußen bis 1850

2. Entwicklung in anderen Staaten nach 1800

3. Entwicklung in Preußen nach 1850

VII. Reichsstrafgesetzbuch von 1871

VIII. Reformbestrebungen

1. Diskussionsgrundlage

2. Entwürfe

IX. Zeit des Nationalsozialismus

X. Zeit nach 1945

XI. Lage nach dem 6. StrRG

1. § 212 Abs. 1 StGB

2. § 213 Alt. 2 StGB

3. § 211 StGB

a) Habgier

b) Niedrige Beweggründe

c) Heimtücke

d) Grausam

e) Verdeckungsabsicht

f) §§ 20, 21 i. V. m. § 49 StGB

G. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das soziale Problem der Tötung von Kindern nach der Geburt sowie dessen rechtliche Würdigung im historischen Wandel von der Antike bis zum deutschen Strafrecht nach dem 6. Strafrechtsreformgesetz (6. StrRG).

  • Soziologische Analyse der Tätergruppen, Motive und Begehungsweisen.
  • Rechtshistorische Untersuchung der strafrechtlichen Einordnung des Kindsmordes/der Kindstötung.
  • Bewertung von Reformbestrebungen und gesetzgeberischen Entwicklungen in Preußen und Deutschland.
  • Analyse der aktuellen Rechtslage nach Abschaffung des § 217 StGB (Kindstötung).
  • Prüfung der Anwendung allgemeiner Tötungsdelikte (§ 211, § 212 StGB) auf Fälle der Kindstötung.

Auszug aus dem Buch

I. Ehrennotstand

Der Ehrennotstand stellte zumeist in früheren Zeiten das Hauptmotiv dar. Unter Ehrennotstand wird die durch die Geburt eines Kindes, das nicht innerhalb einer Ehe gezeugt wurde, hervorgerufene Angst der Mutter vor Schande oder gesellschaftlicher Ächtung verstanden. Dabei kann die Frau sowohl die Geburt eines unehelichen Kindes vor sich selbst als Schande empfinden, als auch den unwiderruflichen Verfall ihrer Ehre vor anderen fürchten, der ihr eine sorgenfreie Zukunft für sich und ihr Kind fast unmöglich zu machen scheint. Zudem war Unzucht bis 1765 und Ehebruch bis 1969 unter Strafe gestellt, so dass die Frau bei Entdecken des Kindes mit einer empfindlichen Strafe rechnen musste. In der gegenwärtigen Zeit mit der Tendenz zu immer mehr nichtehelichen Lebensgemeinschaften, entspricht die Angst von der Gesellschaft aufgrund eines unehelichen Kindes geächtet zu werden, nicht mehr der sozialen Wirklichkeit.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die langjährige Debatte um den Kindsmord und betont die Notwendigkeit, sowohl soziale Umstände als auch die Entwicklung der Gesetzgebung zu betrachten.

B. Täterkreis: Dieses Kapitel erläutert, dass Tötungen von Kindern nach der Geburt mehrheitlich durch die Mutter begangen werden.

C. Ausmaß: Hier wird die Problematik der hohen Dunkelziffer bei Kindstötungen diskutiert und auf die statistische Erfassung in der Kriminalstatistik verwiesen.

D. Begehungsweise: Das Kapitel beschreibt die typischen Methoden der Kindstötung, einschließlich der Tötung durch Unterlassen.

E. Motive für die Tötung: Es werden verschiedene psychologische und soziale Ursachen wie Ehrennotstand, wirtschaftliche Not, Ratlosigkeit und Geburtsaffekt analysiert.

F. Historische Entwicklung: Dieses umfangreiche Kapitel zeichnet den rechtlichen Wandel von der patria potestas in der Antike über die Carolina bis zum RStGB 1871 nach.

G. Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass die Gesetzgebung zur Kindstötung stetig an gesellschaftliche Veränderungen angepasst wurde, wobei die Balance zwischen Einzelfallgerechtigkeit und Prävention weiterhin diskussionswürdig bleibt.

Schlüsselwörter

Kindstötung, Kindsmord, Neonatizid, Strafrecht, Ehrennotstand, Geburtsaffekt, 6. StrRG, Strafrechtsreform, § 217 StGB, Tötungsdelikte, Mord, Totschlag, Rechtsgeschichte, Motivlage, Verdeckungsabsicht

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und dem Umgang der Rechtsordnung mit der Tötung von Kindern durch ihre Mutter unmittelbar nach der Geburt.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Die Schwerpunkte liegen auf den Motiven der Täterinnen, der rechtshistorischen Entwicklung der Strafbarkeit und der aktuellen Einordnung unter die allgemeinen Tötungsdelikte.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die historischen Gründe für die Sonderbehandlung der Kindstötung aufzuzeigen und zu analysieren, wie das Recht heute auf diese Taten reagiert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche und rechtshistorische Analyse der einschlägigen Gesetzestexte sowie der Literatur und Rechtsprechung.

Was wird im Hauptteil detailliert behandelt?

Der Hauptteil analysiert die historischen Etappen (u.a. Carolina, Preußisches Landrecht) und diskutiert die Abschaffung des Sondertatbestandes § 217 StGB sowie dessen Folgen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind Neonatizid, Ehrennotstand, Kindstötung, Strafrechtsreform und die Anwendung der Mordmerkmale.

Warum wurde der alte § 217 StGB aufgehoben?

Der Gesetzgeber sah den Sondertatbestand aufgrund der geringen Fallzahlen und der modernen Auslegung der allgemeinen Tötungsdelikte als nicht mehr zeitgemäß an.

Können Mütter heute für die Tötung ihres Kindes wegen Mordes bestraft werden?

Ja, seit der Aufhebung des § 217 StGB fallen solche Taten unter die allgemeinen Tötungsdelikte, sodass bei Vorliegen entsprechender Mordmerkmale eine Mordanklage möglich ist.

Welche Rolle spielt der sogenannte "Geburtsaffekt"?

Der Geburtsaffekt wurde historisch oft als Privilegierungsgrund angeführt, spielt heute jedoch vor allem im Rahmen der Prüfung eines "minder schweren Falles" nach § 213 StGB eine Rolle.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Tötung von Kindern nach der Geburt
Untertitel
Ein soziales Problem und seine rechtliche Würdigung im Lichte unterschiedlicher Reformen
Hochschule
Universität Bayreuth
Veranstaltung
Seminar: Leben und Sterben im Strafrecht
Note
11 Punkte
Autor
Patricia Bernreuther (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V270053
ISBN (eBook)
9783656614500
ISBN (Buch)
9783656614449
Sprache
Deutsch
Schlagworte
tötung kindern geburt problem würdigung lichte reformen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patricia Bernreuther (Autor:in), 2012, Tötung von Kindern nach der Geburt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270053
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Leseprobe aus  24  Seiten
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