Elisabeth und Ungarn


Seminararbeit, 2003
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Erste Annäherung mit Ungarn

3. Graf Andrássy

4. Krieg mit Preußen

5. Der Ausgleich

6. Die Krönung

7. Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Sehen Sie, wenn des Kaisers Angelegenheiten in Italien schlecht gehen, so schmerzt es mich; wenn aber das gleiche in Ungarn der Fall ist, so tötet mich das.“[1]

Diese Worte, die Elisabeth, Kaiserin von Österreich, an den Grafen Gyula Andrássy gerichtet haben soll, zeigen wie verbunden Sie sich mit Ungarn fühlte.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis der Kaiserin Elisabeth von Österreich mit Ungarn. Es soll dabei geklärt werden, wieweit die einzige politische Interaktion Elisabeths zur Entstehung des Doppelstaates Österreich-Ungarn 1867 beigetragen hat.

Die am 24.12.1837 in München geborene bayrische Prinzessin mit dem Spitznamen Sisi, heiratete am 24.4.1854 in Wien den Kaiser Franz Joseph von Österreich. Seit ihrem Einzug in die Wiener Hofburg bereitete ihr die Rolle als Repräsentantin des Kaiserhauses Probleme. Sie galt als Scheu und versuchte den öffentlichen Auftritten zu entfliehen. Für die Politik interessierte sie sich nie. Sie verbrachte die meiste Zeit mit Reisen um der Wiener Hofgesellschaft zu entkommen und ging in ihrem Schönheitskult auf. Sie gebar dem Kaiser insgesamt vier Kinder, drei Töchter und den Thronfolger Rudolf. Während der Kaiser seine Frau bis zum Ende ihres Lebens vorbehaltlos liebte, stand für Elisabeth ihre eigene Freiheit immer an erster Stelle.

Nachdem Sie ihr Ziel für Ungarn erreicht hatte, zog sie sich immer weiter von dem Kaiser und dem Wiener Hofleben zurück und beschäftigte sich mit ihrer Schönheitspflege, dem Turnen, Reisen und schrieb Gedichte.

Am 10.9.1898 wurde Elisabeth von dem italienischen Anarchisten Luigi Lucheni mit einer Feile erstochen. Der Einsatz für Ungarn war ihre einziges Eingreifen in die Politik.

Warum also stellte sie ihre Kraft in den Dienst der „ungarischen Sache“?

Diese Frage soll in der Schlussbetrachtung an Hand der dargestellten Ereignisse geklärt werden.

2. Erste Annäherungen mit Ungarn

Die Sympathie für Ungarn entwickelte sich bei Elisabeth wahrscheinlich aus der Opposition gegen die verhasste Wiener Hofgesellschaft und ihrer Fürsprecherin Erzherzogin Sophie, der Schwiegermutter der Kaiserin. Der Wiener Hof bestand zum großen Teil aus böhmischen Familien, welche eine große Ablehnung gegen die „aufrührerischen“ Ungarn hegten. Der Großteil der ungarischen Aristokratie war an der Revolution 1848/49 beteiligt gewesen und hatte somit gegen die kaiserlichen Truppen gekämpft. Nach der Revolution war Ungarn gleichgeschaltet und wurde zentral von Wien aus regiert und verwaltet.

Die Ungarn forderten jedoch die Krönung Franz Josephs zum König von Ungarn. Eine ungeheuerliche Forderung in den Augen Wiens, da dafür zunächst die alte ungarische Verfassung wieder in Kraft gesetzt werden müsste.

Nachdem 1859 die Lombardei für Österreich verloren ging und Venetien unhaltbar wurde, fiel Ungarn wieder mehr Bedeutung zu. Es konnte, bei dem drohenden Konflikt mit Preußen eine wichtige Rolle spielen.

Elisabeth hat zunächst nur mit wenigen Ungarn Kontakt. Eine ihrer engen Vertauten, Lily Hunyády war Ungarin, ihr Bruder Imre war einst auf Madeira ihr Verehrer gewesen und Rudolf hatte eine ungarische Amme.

Nach ihrer Rückkehr aus Korfu, im Februar 1863 setzt die Kaiserin ihren Willen durch und erhielt regelmäßigen Unterricht in Ungarisch. Ihr Lerneifer bei dieser Sprache überraschte den Hof, da sie bis dahin keine große Sprachbegabung zeigte.

1864 kam Ida Ferenczy, ein ungarisches Mädchen vom Land ohne adelige Herkunft, an den Hof und wurde in den folgenden Jahren die engste Vertraute Elisabeths. Wie genau das 23 jährige Landmädchen an den Hof kam ist bis heute nicht geklärt.[2] Jedoch war die Verbindung der Kaiserin mit Ida höchst wahrscheinlich von langer Hand aus Ungarn geplant.

Da Ida von geringer Herkunft war konnte sie nicht Hofdame werden. Nach der Ernennung zur Brünner Stiftsdame, womit sie den Titel „Frau“ erhielt, wurde sie daher offiziell zur „Vorleserin ihrer Majestät“ erklärt.

Ida war eine Vertraute der ungarischen Liberalen und unterhielt freundschaftliche Beziehungen zu deren Anführern Franz Déak und Graf Gyula Andrássy. Idas Bewunderung dieser großen Männer Ungarns färbte auch auf die Kaiserin ab.

Sie setzte sich bei ihrem Mann nun immer wieder für die Ungarn ein.

Im Juni 1865 fuhr Kaiser Franz Joseph dann, nach langen Drängen seiner Frau, nach Budapest und begann Zugeständnisse an die ungarische Nation zu machen. Zunächst hob er die Militärgerichtsbarkeit auf und erließ eine Amnestie für Pressevergehen. Dieses kleine Entgegenkommen seitens Österreichs genügt den Ungarn jedoch nicht. Sie hielten an ihrer Forderung nach der Krönung und der Wiederherstellung der alten Verfassung fest.

3. Graf Andrássy

Graf Gyula Andrássy kehrte 1858, nach der Amnestie seiner Todesstrafe, aus dem Exil nach Ungarn zurück. Er hatte 1849 bei Schwechat gegen die kaiserlichen Truppen in der Honvéd-Armee gekämpft und war in Abwesenheit (er hielt sich in Konstantinopel auf, um die Auslieferung ungarischer Revolutionäre an Österreich zu verhindern) zum Tode verurteilt worden. Sein Name wurde vom Henker an den Galgen genagelt, was ihm in den Pariser Salons den Spitznamen „der schöne Gehenkte“ einbrachte.

Im Exil, zunächst in London, dann in Paris, erging es ihm nicht schlecht. Seine Mutter schickte ihm aus Ungarn Geld, so dass er sich nicht mit Gelegenheitsarbeit finanzieren musste. Die Tatsache, dass er Aristokrat und geistreicher Gesellschafter mit blenden Aussehen war, der perfekt Ungarisch, Deutsch, Französisch und Englisch sprach, verschaffte ihm Zutritt zu den vornehmsten Häusern. In Paris fand er auch seine Frau, Comtesse Katinka Kandeffy, eine Ungarin, mit der er als „umschwärmter Märtyrer der Revolution“[3] nach Budapest zurückkehrte. Hier setzte er sich politisch ohne Anstrengung sehr schnell durch. Da er beste Kenntnisse der diplomatischen Kreise Westeuropas und gute Pressebeziehungen besaß, war er das was die liberale ungarische Partei brauchte. Die Partei war durch Franz Déak beim einfachen Volk gut verankert, brauchte aber ein Bindeglied wie Andrássy, als Kontakt zur Aristokratie und dem Ausland.

[...]


[1] Brigitte Hamann, Elisabeth – Kaisein wider Willen, München 2002, S. 217

[2] Vgl. Hamann, Elisabeth, S. 210

[3] Hamann, Elisabeth, S. 214

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Elisabeth und Ungarn
Hochschule
Universität zu Köln  (Historisches Seminar - Abteilung für Osteuropäische Geschichte)
Veranstaltung
Proseminar "Die Habsburger. Aufstieg und Niedergang eines Herrscherhauses"
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
14
Katalognummer
V27012
ISBN (eBook)
9783638291637
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Elisabeth, Ungarn, Proseminar, Habsburger
Arbeit zitieren
Lena Zobel (Autor), 2003, Elisabeth und Ungarn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27012

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