Brinkmanship Strategie: Spieltheorie und Kuba-Krise

Glaubwürdigkeit durch das Spiel mit dem Feuer


Seminararbeit, 2013
21 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Spieltheoretische Interpretation von Konfliktsituationen
2.1 Thomas C. Schelling
2.2 Schellings Nullsummenkritik

3 Strategische Züge
3.1 Bedingungsloser und bedingter Zug
3.2 Drohungen und Versprechen

4 Brinkmanship - Das Spiel mit dem Abgrund
4.1 Einführung in die Problematik durch das sogenannte „Chicken Game“
4.2 Brinkmanship - Die Strategie

5 Anwendungsbeispiel - Kuba Krise
5.1 Historische Einordnung
5.2 Die Kuba Krise als erfolgreiches Beispiel einer Brinkmanship Strategie

6 Brinkmanship - Kritische Auseinandersetzung
6.1 Kritische Aspekte und das zentrale Problem der Glaubwürdigkeit
6.2 Lösungsansatz nach Thomas C. Schelling

7 Fazit

Literaturverzeichnis

Vorwort

„ Die Spieltheorie ist eine mathematische Theorie von Kooperation und Konflikten (...) “ (Reinhard Selten)

Die Konfrontation mit Konflikten jeglicher Art bestimmt einen Großteil des menschlichen Lebens. Dabei kann es sich um einen Streit mit einem Freund, eine politische Debatte oder auch um eine Auseinandersetzung militärischer Art handeln. In allen diesen Situationen ist die Zielfunktion jedoch überwiegend die Gleiche, sie soll zu einer Lösung des jeweiligen Konflikts führen.

Die Spieltheorie liefert mehrere Ansätze, die bei einer Überwindung eines Konflikts helfen sollen. Die Grundlage dieser Ansätze ist in der Regel die Annahme, dass eine gemeinsame Menge von Interessen zwischen den interagierenden Parteien existiert. Der einfachste Weg zur Konfliktlösung ist in diesem Fall eine Kooperation beider Spieler. In der Realität jedoch bildet die Spieltheorie Konflikte vor allem als nicht kooperative Spiele ab. In diesen ist es den Spieler nicht möglich einen Vertrag, der zu einem Strategiewechsel führen könnte, auszuhandeln und es besteht generell keine Möglichkeit zur Kommunikation. Jeder Spieler muss versuchen individuell mittels strategischer Instrumente, wie beispielsweise einer Brinkmanship Strategie, den Konflikt zu lösen.

Die Fragen, die man sich in diesem Zusammenhang jedoch stellen muss, sind: Ist es überhaupt möglich einen Konflikt zu überwinden, wenn es zu keiner Kooperation zwischen den interagierenden Konfliktparteien kommen kann? Und kann ein Instrument, das durch ein hohes Maß an Kompromisslosigkeit geprägt ist, dabei helfen? Genauer gesagt, kann eine Drohung mit einem für beide Parteien eintretenden Desaster zu einer Lösung eines Konflikts führen? Und wenn ja, ist es sinnvoll diese Mittel vor dem Hintergrund aktueller politischer Ereignisse bei jeder Art eines Konfliktes einzusetzen?

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht Strategische Züge

Abbildung 2: Beispielhafte Auszahlungsmatrix eines „Chicken Games“

1 Einleitung

Im Rahmen dieser Seminararbeit soll die sogenannte „Brinkmanship“ Strategie und die damit verbundene Problematik ihrer Glaubwürdigkeit zunächst theoretisch erläutert und anschließend anhand des Beispiels der Kuba Krise anwendungsorientiert analysiert werden. Ziel dieser Arbeit ist es, die Besonderheiten dieser Strategie herauszustellen und im Folgenden eine kritische Bewertung vor allem in Bezug auf ihre Anwendungsmöglichkeiten vorzunehmen.

Zu Beginn dieser Seminararbeit soll es darum gehen die Frage nach spieltheoretischen Abbildungsmöglichkeiten von Konfliktsituationen zu beantworten. In diesem Abschnitt wird zunächst der amerikanische Ökonom Thomas C. Schelling vorgestellt, um danach auf seine Kritik an der Interpretation von Kriegen als Nullsummenspielen und auf seinen Vorschlag Konflikte als Verhandlungsspiele abzubilden, einzugehen. Anschließend folgt eine kurze Einführung in die Grundlagen des strategischen Denkens, die mit der Definition eines strategischen Zuges endet. In diesem Zusammenhang werden Begriffe wie bedingungsloser und bedingter Zug, sowie Drohung und Versprechen genauer differenziert. Als Einleitung in den ersten Schwerpunkt dieser Seminararbeit, der Herausstellung der Besonderheiten einer Brinkmanship Strategie, wird das sogenannte „Chicken Game“ erläutert, um im nächsten Abschnitt näher auf die eigentliche Strategie und ihre Eigenschaften einzugehen. Im darauf folgenden Abschnitt werden die zuvor beschriebenen theoretischen Grundlagen anhand des Beispiels der Kuba Krise anwendungsorientiert dargelegt. Danach folgt eine Auseinandersetzung mit verschiedenen kritischen Aspekten der Brinkmanship Strategie insbesondere der Problematik der Glaubwürdigkeit, dieser Teil stellt den zweiten Schwerpunkt dieser Seminararbeit dar. In diesem Kontext wird anschließend auf einen Lösungsansatz von Thomas C. Schelling eingegangen, der die Glaubwürdigkeit durch Maßnahmen der Selbstbindung in den Vordergrund stellt. Im Fazit wird der Bezug zum aktuellen politischen Konflikt in Syrien aufgezeigt, um anhand dessen eine persönliche Bewertung vorzunehmen.

2 Spieltheoretische Interpretation von Konfliktsituationen

Die Fragen, die es zu Beginn zu beantworten gilt, sind: Wie können Konfliktsituationen insbesondere Kriege durch die Spieltheorie abgebildet werden, um anschließend zu einer Lösung des Konflikts beizutragen? Handelt es sich dabei immer um Situationen, in denen die Konfliktparteien vollkommen gegensätzliche Interessen haben oder kann es auch eine Schnittmenge an gemeinsamen Interessen geben?

2.1 Thomas C. Schelling

Thomas C. Schelling ist ein amerikanischer Ökonom, der den Begriff Brinkmanship vor allem in seinem Buch „The Strategy of Conflict“ sehr geprägt hat. Für seine Arbeiten über die spieltheoretische Analyse und Interpretation von sozialen Interaktionen als nicht kooperative Spiele erhielt er im Jahr 2005 zusammen mit Robert J. Aumann den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.

2.2 Schellings Nullsummenkritik

In der Spieltheorie stellen Konfliktsituationen in der Regel nicht kooperative Spiele dar, diese beschreiben eine Situation in der zwischen den Konfliktparteien keinerlei Kommunikation herrscht. Außerdem schließen nicht kooperative Spiele nicht generell aus, dass es auch gemeinsame Interessen zwischen den einzelnen Konfliktparteien gibt, jedoch ist das Aushandeln von gemeinsamen Verträgen, die zu einem Strategiewechsel führen könnten, unmöglich. Zudem werden insbesondere militärische Konfliktsituationen in der Literatur häufig als Nullsummenspiele interpretiert, diese setzen voraus, dass ein strikter Interessengegensatz zwischen den Konfliktparteien existiert. Übersetzt bedeutet das, dass der Vorteil des Einen zum Nachteil des Anderen wird. Der amerikanische Ökonom Thomas C. Schelling argumentiert jedoch, dass ein Krieg immer eine Situation darstellt, in der ein Soldat lieber sein eigenes Leben rettet, als den Feind zu töten und es sich deswegen bei einem Krieg nicht um Nullsummenspiel handeln kann1.

In seiner Kritik räumt er zwar ein, dass es Nullsummenspiele in militärischen Konfliktsituationen geben kann, dies stellt jedoch immer eine isolierte Betrachtung einer einzelnen Situation dar und bezieht sich nicht auf den Gesamtkontext. Schelling kommt letztendlich zu dem Schluss, dass Kriege nicht als Nullsummenspiel sondern viel mehr als Verhandlungsspiel zu interpretieren sind, in dem es darum geht einen Krieg zu vermeiden.2 Er beschreibt diese Situation wie folgt: „ To study the strategy of conflict situations are essentially bargaining situations. “ 3 Als das entscheidende Instrument bei Verhandlungsspielen beschreibt er den strategischen Zug, durch den ein Konflikt überwunden werden soll.

3 Strategische Züge

Ein Spiel ist eine Situation, in der die Teilnehmer strategische Entscheidungen treffen. Die Wahl einer optimalen Strategie, die zu einer Maximierung der erwarteten Auszahlung führt, beschreibt dabei für jeden Spieler den zentralen Ausgangspunkt. In die Entscheidungsfindung über sein eigenes Handeln muss jeder Spieler die Reaktion des anderen Spielers miteinbeziehen. Maßgeblich dabei ist es, den Standpunkt des Gegners zu verstehen und die Wahrscheinlichkeit seiner Reaktionsmöglichkeiten daraus abzuleiten.

„ A strategic move is one that influences the other ’ s persons choice, in a manner favorable to one ’ s self, by affecting the other person ’ s expectations on how one ’ s selfe will behave. “ 4

Unter einem strategischen Zug versteht man den Versuch eines Spielers durch eine Aktion die Erwartung und das Handeln des Gegenspielers zu verändern, so dass sich daraus ein eigener Vorteil entwickelt.5 Entscheidend dabei ist die absichtliche Einschränkung des eigenen Handelns, welche die Erwartungen des Gegenspielers verändern soll. Im Grunde verändert man die Rahmenbedingungen des Spieles, indem man die eigene Handlung vor dem Zug des Gegenspielers festlegt und wodurch im Optimalfall ein „first-mover“-Vorteil entstehen soll.

Der kritische Punkt in Bezug auf die Wirkung eines strategischen Zuges ist jedoch seine Glaubwürdigkeit. Ist ein strategischer Zug nicht glaubwürdig, so ist er wirkungslos. Deshalb besteht ein strategischer Zug immer aus zwei Elementen: einem Aktionsplan und dem Faktor der Selbstbindung, der diesen glaubwürdig macht.6

[...]


1 Pies, Ingo, 2007, „Theoretische Grundlagen demokratischer Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik - Der Beitrag von Thomas Schelling“, In Thomas Schelling strategischeökonomik, Band 13, Ingo Pies und Martin Leschke, S. 1-39, Tübingen Hrsg., Mohr Siebeck Verlag, S. 5

2 Pies, 2007, S.5

3 Schelling, Thomas C., 1990, The Strategy of Conflict, 6. Auflage, London: Havard University Press. p.5

4 Schelling, 1990, p.160

5 Dixit, Avinash K. and Barry J. Nalebuff, 1991, Thinking Strategially: The Competitive Edge in Business, Politics and Everyday Life, W.W. Norton & Company, New York, p. 120

6 Dixit/Nalebuff, 1991, p.124

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Brinkmanship Strategie: Spieltheorie und Kuba-Krise
Untertitel
Glaubwürdigkeit durch das Spiel mit dem Feuer
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Seminar Intermediate Microeconomics
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
21
Katalognummer
V270164
ISBN (eBook)
9783656615552
ISBN (Buch)
9783656615569
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
brinkmanship, strategie, spieltheorie, kuba-krise, glaubwürdigkeit, spiel, feuer
Arbeit zitieren
Vanessa Fritz (Autor), 2013, Brinkmanship Strategie: Spieltheorie und Kuba-Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270164

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