Die Bedeutung der Arbeit für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen


Hausarbeit, 1999

26 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 IDENTITÄTSBILDUNG DES MENSCHEN
2.1 Zur Persönlichkeitsentwicklung
2.2 Arbeit und Persönlichkeit
2.3 Berufliche Sozialisation

3 THEORIEN DER ARBEITSLOSENFORSCHUNG
3.1 Folgen der Arbeitslosigkeit
3.1.1 Psychische Folgen von Arbeitslosigkeit
3.1.2 Körperliche Reaktionen
3.1.3 Alkoholismus und Kriminalität
3.2 Belastung der sozialen Umwelt
3.2.1 Arbeitslosigkeit und Familie
3.2.2 Freizeitverhalten
3.3 Zusammenfassung und Fazit
3.4 Die Arbeitslosenforschung gestern und heute
3.4.1 Die Marienthal-Studie
3.4.2 Veränderung der Arbeitslosenforschung seit „Marienthal“

DISKUSSION

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Arbeit begleitet einem Menschen fast sein ganzes Leben lang. Schon durch seine Eltern wird ein Kind mit der Arbeitswelt in Berührung gebracht und die familiäre Situation, vor allem die soziale Schicht in der es aufwächst, haben einen entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit. Die Wahl der Schulform bzw. des angestrebten Schulabschlusses und die Entscheidung für einen Beruf konfrontieren den jungen Menschen schon früh mit dem Thema „Arbeit“ und obwohl der Aspekt des Geldverdienens auch eine Rolle spielt, sind doch andere Werte in den Vordergrund getreten. Durch die Art seiner Arbeit entscheidet sich die soziale Rolle eines Menschen, indem sich das Individuum innerhalb der Gesellschaft einordnen kann und auch von anderen in dieser Rolle gesehen wird. Arbeit erfüllt also auch eine identitätsbildende Funktion, daher hängen Werte wie soziale Anerkennung , Kompetenz und Selbstwertgefühl eng mit der Bedeutung von Arbeit zusammen.

Inwieweit Arbeit einen Einfluß auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit hat, zeigt sich besonders am Problem der Arbeitslosigkeit, das aufgrund der heutigen Wirtschaftslage einen traurigen Rekord erreicht hat.

Die neuere Arbeitslosenforschung konnte mehrfach belegen, daß der Verlust des Arbeitsplatzes und besonders der Zustand der Langzeitarbeitslosigkeit zu gravierenden psychischen Belastungen führen kann. Die Folgen für die Betroffenen konnten anhand verschiedener Studien ermittelt werden, wobei sich allerdings gezeigt hat, daß der Umgang des Einzelnen mit seiner Arbeitslosigkeit auch von seiner Persönlichkeitsstruktur abhängt.

2 Identitätsbildung des Menschen

Zur Persönlichkeit eines Menschen gehören nicht nur Eigenschaften und Merkmale, die äußerlich sichtbar sind, sondern es kommen auch Faktoren wie Gefühle, Einstellungen oder bestimmte Werthaltungen zum Tragen, die dem Individuum durch Einflüsse und Erfahrungen seiner sozialen Umwelt vermittelt werden. Der Sozialisationsprozeß beginnt bereits während der Kindheit und führt den Men-schen durch die Übernahme bestimmter Werte und Normen der Gesellschaft, in der die Person lebt, in eine bestimmte soziale Rolle.

Geulen und Hurrelmann (1980,S.51, zitiert nach Popp & Tillmann 1997,) definieren den Begriff „Sozialisation" als „Prozeß der Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten und materiellen Umwelt."

Peter Groskurth (1979, S. 7) unterscheidet zwischen „familialer Sozialisation“, in der sich das Kind die Normen seiner Familie aneignet und „seinen Platz“ in ihr findet, und der „beruflichen Sozialisation“, in der die Person in die Berufswelt integriert wird.

In diesem Sinne hat die Berufswahl und die damit verbundene Schichtzugehörigkeit einen bedeutenden Einfluß auf das Individuum.

2.1 Zur Persönlichkeitsentwicklung

In der Psychologie sind unterschiedliche Theorien zur „Persönlichkeitsentwicklung“ zu finden. Neben dem tiefenpsychologieschen Ansatz von Sigmund Freud, der die Entwicklungsphasen vom ersten Lebensjahr bis zum Beginn der Pubertät beschreibt, betrachtete z.B. Erikson die Entwicklungsperspektive bis ins hohe Lebensalter. (Becker 1982, S. 65) Erikson sagt aus, daß sich die Indentitätsfindung in dem Zeitraum zwischen dem 12. und dem 20. Lebensjahr abspielt (Erikson 1966, zitiert nach Becker 1982). In dieser Phase, die mit dem Prozeß der sexuellen Reife einhergeht, wird laut Erikson dem Jugendlichen die Identitätsbildung erleichtert, indem die Gesellschaft ihm „eine Art `psychosoziales Moratorium´ einräumt“. Hiermit ist das freie Experimentieren des Jugendlichen mit verschiedenen Rollen und Verhaltensmustern gemeint, bis der Jugendliche seinen Platz innerhalb der Gesellschaft gefunden hat. Eine wichtige Aufgabe des Erziehungssystems besteht nach Erikson darin, dem Jugendlichen Werte und Ziele glaubhaft zu vermitteln und ihm außerdem Anerkennung entgegenzubringen, die nicht nur auf seine Leistung sondern auf seine ganze Person bezogen ist.

Ein nomothetischer Ansatz der Persönlichkeitstheorie ist der Ansatz von Hans Jürgen Eysenck ( zitiert nach Lück, 1996), der in seinem Modell von zwei Hauptdimensionen der Persönlichkeit ausgeht:

1.) Emotionale Stabilität Emotionale Labilität
2.) Extraversion -Intraversion

Auf jeder dieser beiden Dimensionen kann jede Person eingeordnet werden. Nach Eysenck werden diese beiden Dimensionen als unabhängig voneinander verstanden und lassen sich somit als Koordinatensystem (hier stark vereinfacht) darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

„Persönlichkeit“ bezieht sich also

„... auf die einzigartigen psychologischen Merkmale eines Individuums, die eine Vielzahl von charakteristischen konsistenten Verhaltensmustern (offenen und verdeckten) in verschiedenen Situationen und zu verschiedenen Zeitpunkten beeinflussen.“ (Zimbardo, 1995, S. 475)

2.2 Arbeit und Persönlichkeit

Arbeit beansprucht einen großen Anteil im Leben eines Menschen. Neben dem materiellen Aspekt, der Existenzsicherung, wird laut Marie Jahoda der „... Status und die Identität eines Menschen in unserer Gesellschaft vor allem über die Arbeit definiert“,(Jahoda, 1981), das heißt also, daß der Wert eines Menschen in erster Linie von der Art seiner Arbeit abhängig ist. Für die menschliche Persönlichkeit sind Werte wie Anerkennung oder Kompetenz besonders wichtig. Sie tragen zur Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls bei und helfen dem Individuum, seine Rolle innerhalb der Gesellschaft zu finden. Aber auch Faktoren wie soziale, kognitive und emotionale Erfahrungen (Mohr, 1996) wirken maßgeblich bei der Identitätsbildung mit.

Kognitive Fähigkeiten sind, laut Mohr, insofern erforderlich, wenn eine Person, die Arbeitsaufgaben nach bestimmten Vorgaben lösen kann, Entscheidungen über z.B. notwendige Korrekturmaßnahmen treffen muß. Unter emotionalen Erfahrungen versteht Mohr Faktoren wie Erfolg und Mißerfolg, während Arbeit im sozialen Kontext auch soziale bzw. kommunikative Kompetenzen erforderlich macht.

Zur Identitätsbildung gehört demnach auch die Erfahrung im Umgang mit anderen, wozu auch Kontakte gehören, die über den Kreis der Familie hinaus gehen. Laut Marie Jahoda ( 1983, zitiert nach Andrè , 1984) bildet die Möglichkeit, sich an kollektiven Zielen zu beteiligen, und das daraus resultierende soziale Kontaktgefühl die Grundlage für die Entwicklung kooperativer Fähigkeiten.

.Die Identitätsbildung beginnt nach Auffassung von Erik Erikson (1960) mit der Entscheidung für einen bestimmten Berufsweg (Zimbardo, 1995,S.97). Der Jugendliche richtet sich bei seiner Wahl in erster Linie nach seinen eigenen Fähigkeiten und Kenntnissen, aber auch die Werthaltung seiner Eltern und der Gesellschaft können hierbei eine Rolle spielen. Den stärksten Einfluß hat aber nach Auffassung Eriksons der sozioökonomische Status der Familie des Jugendlichen. Je höher dieser ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß eine akademische Laufbahn angestrebt wird.

2.3 Berufliche Sozialisation

Sozialisation beginnt innerhalb der Familie und wird in der Schule fortgesetzt. Durch den Beruf und die Arbeitstätigkeit wird dieser Prozeß maßgeblich ergänzt, indem der junge Arbeitnehmer durch den Umgang mit Kollegen und Vorgesetzten an die gesellschaftlichen Normen herangeführt wird.

Wilpert (1994) nimmt an, daß sich die Bedeutung des Arbeitens während des Heranwachsens auf dreierlei Arten entwickelt:

„...- in der familiären Sozialisation über Bezugspersonen, als erste indirekte Erfahrungen mit der Arbeitswelt

- dann in schulischer und berufsvorbereitender Sozialisation;

- er wird schließlich in der eigenen Arbeitstätigkeit bestätigt und modifiziert und in je gegebenen sozialen Kontakten verfestigt.“

(Ruiz Quintanilla & Wilpert, 1985, zitiert nach Wilpert 1994).

Dagegen stellt Wilpert in Frage, daß die Bedeutung der Arbeit während des ganzen Lebens konstant bleibt, da kritische Phasen wie Arbeitslosigkeit sowie Ereignisse wie Familiengründung oder Berufswechsel zu Veränderungen der Einstellung gegenüber Arbeit führen kann.

Eine Längsschnittstudie von v. Rosenstiel (v.Rosenstiel, Nerdinger & Spieß, 1991, zitiert nach Mohr 1996) konnte zeigen, daß zwischen Arbeit und Persönlichkeitsentwicklung ein deutlicher Zusammenhang besteht.

V.Rosenstiel et al. untersuchten drei Gruppen von Hochschulabgänger, die sie als „Freizeitorientierte“, Karriereorientierte“ und solche mit „alternativen Engagement“ unterschieden. Im Laufe eines Jahres änderten von den Karriereorientierten 18%, von den Freizeitorientierten 23% und von denen mit alternativem Engagement 47 % ihre Orientierung. Dieses Ergebnis zeigt, daß einerseits Persönlichkeitsmerkmale die Wahl des Berufes begünstigen, diese aber wiederum auf die Persönlichkeit wirkt. Das bedeutet also, daß die Arbeits- oder Lebensumwelt so gewählt werden können, daß vorhandene Persönlichkeitsmerkmale weiter verstärkt werden .(Mohr, 1996) „Berufliche Sozialisation“ beschreibt also einen Prozeß, der sich über die gesamte Spanne der Arbeitstätigkeit erstreckt (Groskurth, 1979), sich also nicht nur auf die Zeit des Berufseinstiegs beschränkt.. Groskurth spricht hierbei von einer „Sozia- lisation durch den Beruf“ im Gegensatz zu einer „Sozialisation in den Beruf“.

Die Auseinandersetzung mit den Anforderungen, denen sich der Arbeitnehmer stellen muß, bildet laut Großkurth die Grundlage für die Ausbildung von Persönlichkeits-strukturen, daher kann „berufliche Sozialisation“ als permanenter Prozeß begriffen werden, der einen berufstätigen Menschen begleitet.

Inwieweit die Persönlichkeit des Arbeitenden aber von der Struktur der Arbeitstätigkeit beeinflußt wird, kann, so Großkurth weiter, verschiedene Gründe haben. Die persönliche Frustrationstoleranz spielt hier ebenso eine Rolle wie auch die Arbeitsmotivation oder das subjektive Anspruchsniveau. Das bedeutet demnach, „... die sozialisierende Wirkung von Arbeitstätigkeiten hängt auch ab von den zur Verfügung stehenden Mitteln und Mechanismen zur Verarbeitung beruflicher Erfahrung.“ (Großkurth, 1979, S. 15)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung der Arbeit für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Institut für Psychologie)
Veranstaltung
Arbeits-und Organisationspsychologie
Autor
Jahr
1999
Seiten
26
Katalognummer
V270212
ISBN (eBook)
9783656615729
ISBN (Buch)
9783656615668
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, arbeit, entwicklung, persönlichkeit, menschen
Arbeit zitieren
M.A. Petra Schima (Autor), 1999, Die Bedeutung der Arbeit für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270212

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Bedeutung der Arbeit für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden