Arbeit begleitet einem Menschen fast sein ganzes Leben lang. Schon durch seine
Eltern wird ein Kind mit der Arbeitswelt in Berührung gebracht und die familiäre
Situation, vor allem die soziale Schicht in der es aufwächst, haben einen
entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit. Die Wahl der
Schulform bzw. des angestrebten Schulabschlusses und die Entscheidung für
einen Beruf konfrontieren den jungen Menschen schon früh mit dem Thema
„Arbeit“ und obwohl der Aspekt des Geldverdienens auch eine Rolle spielt, sind
doch andere Werte in den Vordergrund getreten. Durch die Art seiner Arbeit
entscheidet sich die soziale Rolle eines Menschen, indem sich das Individuum
innerhalb der Gesellschaft einordnen kann und auch von anderen in dieser Rolle
gesehen wird. Arbeit erfüllt also auch eine identitätsbildende Funktion, daher
hängen Werte wie soziale Anerkennung , Kompetenz und Selbstwertgefühl eng
mit der Bedeutung von Arbeit zusammen.
Inwieweit Arbeit einen Einfluß auf die Entwicklung der menschlichen
Persönlichkeit hat, zeigt sich besonders am Problem der Arbeitslosigkeit, das
aufgrund der heutigen Wirtschaftslage einen traurigen Rekord erreicht hat.
Die neuere Arbeitslosenforschung konnte mehrfach belegen, daß der Verlust des
Arbeitsplatzes und besonders der Zustand der Langzeitarbeitslosigkeit zu
gravierenden psychischen Belastungen führen kann. Die Folgen für die
Betroffenen konnten anhand verschiedener Studien ermittelt werden, wobei sich
allerdings gezeigt hat, daß der Umgang des Einzelnen mit seiner Arbeitslosigkeit
auch von seiner Persönlichkeitsstruktur abhängt.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 IDENTITÄTSBILDUNG DES MENSCHEN
2.1 Zur Persönlichkeitsentwicklung
2.2 Arbeit und Persönlichkeit
2.3 Berufliche Sozialisation
3 THEORIEN DER ARBEITSLOSENFORSCHUNG
3.1 Folgen der Arbeitslosigkeit
3.1.1 Psychische Folgen von Arbeitslosigkeit
3.1.2 Körperliche Reaktionen
3.1.3 Alkoholismus und Kriminalität
3.2 Belastung der sozialen Umwelt
3.2.1 Arbeitslosigkeit und Familie
3.2.2 Freizeitverhalten
3.3 Zusammenfassung und Fazit
3.4 Die Arbeitslosenforschung gestern und heute
3.4.1 Die Marienthal-Studie
3.4.2 Veränderung der Arbeitslosenforschung seit „Marienthal“
DISKUSSION
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Bedeutung der Arbeit für die menschliche Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung. Dabei wird insbesondere analysiert, wie sich der Verlust des Arbeitsplatzes und die damit verbundenen psychischen sowie sozialen Belastungen auf das Individuum auswirken.
- Wechselwirkung zwischen Erwerbstätigkeit und Identitätskonstruktion
- Sozialisation durch Arbeit und Beruf
- Psychologische Auswirkungen von Arbeitslosigkeit auf das Individuum
- Belastungsfaktoren für das soziale Umfeld und die Familie
- Historische und aktuelle Erkenntnisse der Arbeitslosenforschung
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Psychische Folgen von Arbeitslosigkeit
Die psychische Belastung der Arbeitslosen kann sich auf verschiedene Weise ausdrücken. In einer Querschnittuntersuchung von Kirchler & Kirchler (1989) wurden 124 arbeitslose Männer hinsichtlich ihrer individuellen Reaktionen mit der Arbeitslosigkeit befragt. Die Autoren kamen zu dem Ergebnis, daß das psychische Befinden in erster Linie von der Persönlichkeit der Einzelnen abhängt. Maßgebliche Faktoren für die Reaktionen auf Arbeitslosigkeit sind dabei vor allem „das Alter der Betroffenen, die Dauer der Arbeitslosigkeit den finanziellen Schwierigkeiten, der Persönlichkeitsstruktur und dem kognitiven Verarbeitungsstil (Kirchler & Kirchler , 1989). Sie stellten weiterhin fest, daß die Grundhaltung der Arbeitslosen um so „fatalistischer“ ist, je länger die Arbeitslosigkeit dauert und je größer die damit verbundenen finanziellen Schwierigkeiten sind.
Bestätigt wird dieses Ergebnis unter anderem durch eine Längsschnittuntersuchung von Mohr & Frese (1978 und 1987), die in erster Linie eine Befragung älterer Arbeitsloser durchführten. Dabei handelte es sich ausnahmslos um männliche deutsche Arbeiter, die nicht in Führungspositionen tätig waren. Hier kam es zu dem Ergebnis, daß in der Gruppe derjenigen, die immer noch oder wieder erwerbslos waren, eine Zunahme der Depressionswerte zu verzeichnen war. Darüberhinaus untersuchten Mohr & Frese inwieweit die Erwerbslosen das Gefühl haben, die Kontrolle über ihre Umwelt zu verlieren, also auf die Umwelt gemäß eigener Interessen einwirken zu können. Sie stellten fest, daß auch hier eine Abnahme der Kontrollhoffnung zu verzeichnen war. Inbesondere finanzielle Probleme oder eine Enttäuschung der Kontrollhoffnung beeinträchtigten das psychische Befinden der Erwerbslosen. (Mohr 1996).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Führt in die Bedeutung von Arbeit als identitätsstiftendes Element ein und stellt die Relevanz der Untersuchung angesichts steigender Arbeitslosenzahlen dar.
2 IDENTITÄTSBILDUNG DES MENSCHEN: Erläutert die Grundlagen der Persönlichkeitsentwicklung und wie die berufliche Sozialisation sowie die Wahl eines Berufsweges das Individuum maßgeblich formen.
3 THEORIEN DER ARBEITSLOSENFORSCHUNG: Analysiert die psychischen Folgen von Erwerbslosigkeit, deren Auswirkungen auf das soziale Umfeld und stellt historische sowie aktuelle Forschungsergebnisse gegenüber.
DISKUSSION: Reflektiert die Ergebnisse der Studien kritisch und betont die Notwendigkeit von gesellschaftlichem Verständnis sowie die Bedeutung der Persönlichkeitsstruktur bei der Bewältigung von Arbeitslosigkeit.
Schlüsselwörter
Arbeit, Persönlichkeitsentwicklung, Identitätsbildung, Arbeitslosigkeit, Sozialisation, psychische Belastung, Erwerbsstatus, Marienthal-Studie, Selbstwertgefühl, soziale Isolation, Berufspsychologie, Kontrollerwartung, Depression, Arbeitslosenforschung, Resignation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der zentralen Rolle von Arbeit für die Entwicklung und Aufrechterhaltung der menschlichen Persönlichkeit und untersucht, welche Auswirkungen der Verlust dieser Struktur durch Arbeitslosigkeit hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder umfassen die Identitätsbildung, den Sozialisationsprozess durch berufliche Tätigkeiten sowie die psychischen, somatischen und sozialen Folgen, die mit Erwerbslosigkeit einhergehen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen Arbeitstätigkeit und individueller Persönlichkeitsstruktur darzustellen und aufzuzeigen, warum Arbeit über die reine Existenzsicherung hinaus für den Menschen essenziell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und dem Vergleich verschiedener empirischer Studien zur Arbeitslosenforschung, darunter klassische Längsschnitt- und Querschnittuntersuchungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Identitätsbildung, eine detaillierte Analyse der Folgen von Arbeitslosigkeit (psychisch, körperlich, sozial) und eine historische Einordnung durch die Marienthal-Studie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Arbeit, Identitätsbildung, Sozialisation, Arbeitslosigkeit, psychische Belastung, Selbstwertgefühl und die Marienthal-Studie.
Wie verändert sich nach der Arbeit die Sicht auf arbeitslose Menschen?
Die Autorin argumentiert, dass Arbeitslosigkeit nicht als persönlicher „Makel“ betrachtet werden sollte, da sie oft durch strukturelle wirtschaftliche Faktoren entsteht und die psychische Belastung massiv von der individuellen Persönlichkeitsstruktur abhängt.
Was besagt das in der Arbeit erwähnte Phasenmodell?
Es beschreibt den Verlauf der psychischen Reaktion auf Arbeitslosigkeit: Ausgehend von einem anfänglichen Schock folgen Phasen der Aktivität, des Pessimismus und schließlich der Anpassung an die Erwerbslosigkeit.
- Citar trabajo
- M.A. Petra Schima (Autor), 1999, Die Bedeutung der Arbeit für die Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270212