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Ernst Jünger - Agitator oder 'Seismograph'

Versuch einer Systematisierung der politischen Kurzpublizistik anhand ausgewählter Schriften und thematischer Konstrukte (1919-1933)

Title: Ernst Jünger - Agitator oder 'Seismograph'

Seminar Paper , 2004 , 25 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: M.A. Michael Kunze (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Für die vorliegende Arbeit sind Ernst Jüngers Schriften aus der Zeit zwischen 1919 und 1933 von Relevanz. Sie stellen seinen Beitrag zur Konservativen Revolution dar. Er widmet sich der Erörterung mehrerer schlagwortartiger Konstrukte, die seiner Meinung nach für die Entwicklung eines bestimmten neuen Menschentyps kennzeichnend sind. Besonders häufig greift er Begriffe wie „Blut“, „Frontsoldatentum“, „Nationalismus“, „Rasse“ oder „Technik“ auf und konstruiert, aufbauend auf Nietzsche und Sorel, eine neue, streckenweise noch schärfere Form des sog. heroischen Nihilismus.
Es sind im Besonderen Jüngers „persönlicher Erfolg“ während des Ersten Weltkrieges, „Nationalismus, Heimatgefühle, Patriotismus, religiöse Gefühle“, das „Preußentum“ als Konstrukt ideengeschichtlicher Überlegungen, der „Nietzscheanismus“, das „Gemeinschaftserlebnis“, das Empfinden und Leben des Krieges als „Abenteuer“, eine gewisse, in ihrer Intensität unübersehbare „Jagd-, Sport- und Duellmetaphorik“ sowie der besondere „Realismus“, mit dem er es vermag, seine Erlebnisse an der Front zu schildern, stets mit dem Ziel, eine politische Botschaft – verkleidet in einen eigentümlichen Ästhetizismus.
Ziel der Arbeit soll sein, die politische Kurzpublizistik Jüngers zwischen 1919 und 1933 anhand ausgewählter Beispiele auf drei Kernelemente seiner Schriften zu überprüfen und eventuelle Unterschiede herauszuarbeiten. Es sind dies seine Überlegungen zum sich durch den Ersten Weltkrieg im Entstehen befindenden neuen Typ eines Soldaten, dem Frontsoldaten, sein Konzept eines Neuen Menschchen, das maßgeblich Elemente des Frontsoldaten verarbeitet, sowie seine Interpretation des auf den Geschehnissen des August 1914 aufbauenden neuen Nationalismus. Wie positioniert er sich gegenüber Kaiserreich, Weimarer Republik und Nationalsozialismus, auch wenn dieser noch nicht „verstaatlicht“ ist? Auch der Frage, ob er lediglich „Seismograph“ gesellschaftlicher Zustände oder aber Agitator und Propagandist eines bestimmten Konzeptes eines Neuen Menschen in der Zeit der Weimarer Republik gewesen sei, versucht die Arbeit nachzugehen. War er Ideologiegeber der Nationalsozialisten oder zumindest der Initiator eines neuen und äußerst gefährlichen Lebensgefühls?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

1.2 Aufbau

1.3 Forschungsstand

2 Ernst Jünger zu Krieg und Frieden – Agitator und Apologet oder „Barometer“ und „Seismograph“

2.1 Vom Soldat zum Krieger – Was „Der“ Krieg im Menschen bewirke

2.2 Der Neue Mensch – Symbiose aus Frontsoldat und Arbeiter

2.3 „Nationalismus“ vs. Nationalismus

3 Schlussbetrachtung

4 Bibliographie

4.1 Selbstständig erschienene Literatur

4.2 Unselbstständig erschienene Literatur

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die politische Kurzpublizistik von Ernst Jünger im Zeitraum von 1919 bis 1933, um seine Rolle im Kontext der „Konservativen Revolution“ zu bestimmen. Es wird untersucht, ob Jünger lediglich als „Seismograph“ gesellschaftlicher Zustände fungierte oder als aktiver Agitator für ein radikales Konzept eines „Neuen Menschen“ auftrat.

  • Die Interpretation von Jüngers Kriegs- und Technikverständnis.
  • Die theoretische Konstruktion des „Neuen Menschen“ als Symbiose aus Krieger und Arbeiter.
  • Die Differenzierung zwischen einem traditionellen Patriotismus und dem radikalen neuen Nationalismus.
  • Das Verhältnis Jüngers zum Nationalsozialismus und seine politische Positionierung während der Weimarer Republik.

Auszug aus dem Buch

2.1 Vom Soldat zum Krieger – Was der Krieg im Menschen bewirke

Zweifelsohne nimmt der Erste Weltkrieg im frühen literarischen Wirken Ernst Jüngers eine besondere Rolle ein. Als hoch ausgezeichneter Offizier, als, worauf er Wert legt, da dieser Tätigkeit das Abenteuerliche inhärent sei, Stoßtruppführer, muss seine Beziehung zum Krieg eine andere als die des normalen Soldaten in den Schützengräben gewesen sein. Deshalb sieht er den neuen Soldaten auch nicht im Graben-Krieger, sondern, einem Abenteurer gleich, in denen, die sich auf ein Spähtruppunternehmen bis kurz vor die feindlichen Linien einlassen, zunächst den mit Gestrüpp und mit hohem Gras bewachsenen Landstrich zwischen den sich gegenüberliegenden Armeen – immer auf der Hut – durchquerend, jederzeit damit rechnend, überraschend mit dem Gegner zusammen zu treffen. Bei der Beschreibung solcher „Exkursionen“ merkt man ihm seine fast kindliche Aufgeregtheit an, die meist aber wenig die Akribie seiner Beschreibungen schmälert. Das Führen eines Stoßtrupps im Angriff ist für Jünger „höchste Zusammenfassung erlesener Kräfte, Entfaltung äußerster Energie, das Ideal kriegerischer Tat.“

Klar distanziert sich Jünger wiederholt vom Wilhelminismus der Vorkriegszeit, der auch die Menschen nachträglich geprägt habe. Doch warum diese Distanz zum Wilhelminischen Staat, ist er in diesem doch groß geworden und bewundert er doch dessen technisch-militärische Stärke im Vergleich zu seinen Nachbarn? Der Hauptgrund, weshalb Jünger das alte Kaiserreich ablehnt, liegt in der gesellschaftlichen Struktur dessen, was er als alt, als verbraucht und verausgabt beschreibt, als nicht fähig, einen großen Kampf zu bestehen, da man mental dazu nicht in der Lage sei. Daher ist der Ausgang des Krieges, die Niederlage, für ihn auch kaum verwunderlich.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Definiert das Thema, die Relevanz der Schriften Jüngers zwischen 1919 und 1933 und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie den Forschungsstand.

2 Ernst Jünger zu Krieg und Frieden – Agitator und Apologet oder „Barometer“ und „Seismograph“: Untersucht die Kernbegriffe Jüngers wie Krieg, Technik und den Neuen Menschen sowie dessen Abgrenzung vom klassischen Nationalismus.

3 Schlussbetrachtung: Systematisiert die Ergebnisse und ordnet Jüngers Rolle als Denker zwischen literarischer Analyse und politischer Radikalisierung ein.

4 Bibliographie: Listet die für die Untersuchung herangezogene primäre und sekundäre Literatur auf.

Schlüsselwörter

Ernst Jünger, Konservative Revolution, Weimarer Republik, Nationalismus, Erster Weltkrieg, Frontsoldatentum, Technik, Neuer Mensch, Heroischer Nihilismus, Politische Publizistik, Arbeiter, Krieger, Preußentum, Ideengeschichte, Nationalsozialismus.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die politische Kurzpublizistik von Ernst Jünger in der Zeit zwischen 1919 und 1933, um seine philosophischen und gesellschaftspolitischen Konstrukte zu systematisieren.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören das Bild des Frontsoldaten, der Einfluss der Technik, das Konzept des „Neuen Menschen“ und die spezifische Auslegung des Nationalismus durch Jünger.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es soll geklärt werden, ob Jünger eher ein passiver Beobachter („Seismograph“) der damaligen gesellschaftlichen Umbrüche war oder ein aktiv agierender Propagandist für ein radikales neues Lebensgefühl.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer Analyse der publizistischen Texte Jüngers unter Einbeziehung und kritischer Auseinandersetzung mit der einschlägigen Sekundärliteratur zur Konservativen Revolution.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie Jünger Kriegserlebnisse in politische Ideologien überführt und dabei Begriffe wie „Blut“, „Arbeiter“ und „neuer Nationalismus“ instrumentalisiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind neben dem Namen Ernst Jünger vor allem Konservative Revolution, Frontsoldatentum, Technik, Nationalismus und die Rolle des Intellektuellen in der Weimarer Republik.

Wie unterscheidet Jünger laut der Arbeit zwischen „altem“ und „neuem“ Nationalismus?

Jünger verwirft den alten Nationalismus als bloßen Patriotismus oder „bürgerliche Phraseologie“ und fordert stattdessen einen „Nationalismus der Tat“, der auf einer organischen Verbundenheit mit der Nation gründet.

Welche Rolle spielt die Technik in Jüngers Denken während der Weimarer Zeit?

Technik wird von Jünger als ambivalentes, aber unaufhaltsames Phänomen beschrieben, das alle Lebensbereiche durchdringt und den Menschen sowie den Krieg grundlegend verändert hat.

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Details

Title
Ernst Jünger - Agitator oder 'Seismograph'
Subtitle
Versuch einer Systematisierung der politischen Kurzpublizistik anhand ausgewählter Schriften und thematischer Konstrukte (1919-1933)
College
Technical University of Chemnitz  (Fachgebiet Politikwissenschaft)
Course
Konservative Revolution und Nationalsozialismus
Grade
1,0
Author
M.A. Michael Kunze (Author)
Publication Year
2004
Pages
25
Catalog Number
V27030
ISBN (eBook)
9783638291781
ISBN (Book)
9783638648929
Language
German
Tags
Ernst Jünger Agitator Seismograph Konservative Revolution Nationalsozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
M.A. Michael Kunze (Author), 2004, Ernst Jünger - Agitator oder 'Seismograph', Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/27030
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