Postmoderne. Ein Paradigmenwechsel der Literatur?


Facharbeit (Schule), 2014
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Einführung in die Postmoderne
1.1. Ausgangspunkt für einen Paradigmenwechsel - Die Moderne
1.2. Die Postmoderne als Antwort auf die Moderne – Der Begriff, dessen Charakteristik und Einordnung
1.3. Die Postmoderne als Zustand der abendländisch Gesellschaft, Kultur und Kunst- Musik, Kunst, Architektur und Politik in der Postmoderne

2. Postmoderne Literatur
2.1. Charakteristische Tendenzen der postmodernen Literatur
2.2. Postmoderne Einflüsse am Beispiel Peter Stamm, Agnes

3. Nachwort

Literaturverzeichnis

4. Anhang

Einleitung

Betrachtet man Musik, Kunst, Literatur, Politik, etc. Ende des 20. und Anfang des 21. Jahrhundert, also der relativen Gegenwart, ist die eindeutige Zuordnung einer Epoche fast unmöglich. Ein Ansatz der Einordnung entsteht, mit dem Begriff der Postmoderne. Doch was beinhaltet die Postmoderne? Den Zustand nach der Moderne. Eine revolutionäre Gegenbewegung zur Moderne, die zur Gründung einer neuen Epoche führt? Einfacher Weise nur eine neue Lebenseinstellung? Oder eine durchdachte Theorie, die sich durch Sprachspiele und Laxheit einer wirklichen Differenzierung entzieht?

In der folgenden Ausarbeitung ist es mein Ziel die Postmoderne mit Hilfe verfügbarer Quellen zu definieren, wobei ich eine Vollständigkeit der Ergebnisse nicht anstreben kann, da keine objektiv, allgemein anerkannten Definitionen bisher veröffentlicht werden konnten.

Mit diesem Wissen werde ich kurz die Einflüsse auf jegliche Lebensbereiche wie Kunst, Musik, Kultur, Politik etc. versuchen anzureißen, um folgend den Schwerpunkt meiner Facharbeit untermauert aufbauen zu können. Dabei wird es um die Entstehung einer postmodernen Literatur gehen, die sehr umstritten in unserem Lebensalltag steht. Am Beispiel von Peter Stamm – Agnes werde ich dann die grobe Charakteristik postmoderner Literatur anhand von Betrachtungen ausgewählter Textstellen versuchen zu belegen.

1. Einführung in die Postmoderne

1.1. Ausgangspunkt für einen Paradigmenwechsel - Die Moderne

Ebenso wie die Postmoderne ist auch die Moderne in der bisherigen Definition noch relativ ungenau und umstritten. Der Begriff Moderne, geht weit über einen Epochenbegriff – wie etwa den des Mittelalters – hinaus. Er bezeichnet einen Umbruch in allen Lebensbereichen gegenüber der Tradition. In der „Querelle des Anciens et des Modernes“ wird der Begriff Moderne noch als Abgrenzung zur Antike verwendet. Erst im 19. Jahrhundert wird die Moderne als neuer epochaler Begriff geprägt, der von da an allgemein die Gegenwart von der Vergangenheit abgrenzt. Jedoch ist ein Beginn der Moderne nicht eindeutig festzulegen. Je nach Blickwinkel sind Daten aus dem 15. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert zu finden. Geistesgeschichtlich geht es dabei bis ins 15. Jahrhundert, mit der Epoche der Renaissance, zurück, ökonomisch zieht die Moderne mit der beginnenden Industrialisierung im 18. Jahrhundert ein, die politische und philosophische Moderne wird ab 1789 mit der Französischen Revolution und mit dem Nationalismus des frühen 19. Jahrhunderts datiert. Die Literatur- und Kunstgeschichte weist erst Ende des 19. Jahrhunderts moderne Tendenzen mit der Ablösung des Naturalismus auf, die er in zahlreichen gegen- bzw. nachnaturalistischen Strömungen bzw. Ismen wie dem Ästhetizismus, Impressionismus, Jugendstil, Symbolismus und Neuromantik fand.[1]

Die große Wende im Denken vollzog sich erst mit der beginnenden Industrialisierung, dem Ende der Aufklärung und damit mit der Französischen Revolution. Spürbar in der Umsetzung wurde sie erst im Laufe des 19. Jahrhunderts. So entstand zum Beispiel die Säkularisierung in Folge der Aufklärung mit der Hoffnung, an eine Entwicklung von der institutionell etablierten Religion hin zu einer Art Menschheitsreligion. Die Grundlagen dafür waren die Forderungen nach einer allgemein gültigen Autonomie aller Gesellschaftsbereiche wie Ethik, Politik, Religion, Recht und Wirtschaft. Auch das Individuum in einem gesellschaftlichen System sollte von diesem Zeitpunkt an frei und rational handeln können. Die Industrialisierung weckte neue Ideale einer bis dato unfreien und ungebildeten Gesellschaft innerhalb des vorherrschenden feudalen Systems. Dies sollte durch den Kapitalismus und schließlich durch die Demokratie abgelöst werden. Ausschlaggebend für einen derartigen Umsturz waren vor allem der aufkeimende Fortschrittsglaube und letztendlich der Übergang der manuellen handwerklichen Fertigung hin zur maschinellen Massenproduktion.

Schon Goethe bemerkte Ende des 18. Jahrhunderts eine revolutionäre Änderung in Politik und Kriegsführung als er nach der Kanonade von Valmy der antirevolutionären Kampagne in Frankreich sagte:

„Von hier und heute geht eine neue Epoche der Weltgeschichte aus, und ihr könnt sagen, ihr seid dabei gewesen.“[2]

Die Literatur der Moderne entstand, als das traditionelle Weltbild durch wissenschaftliche Erkenntnisse erschüttert wurde: Albert Einstein veröffentlichte seine Relativitätstheorie, Max Planck die Quantentheorie und Sigmund Freud schrieb über das Unbewusste (Traumdeutung). Diese neuen Perspektiven auf die Wirklichkeit, die das Zufällige, Heterogene und Disparate allen Geschehens betonte, brachten die Schriftsteller dazu, eine neue ästhetische Konzeption zu entwickeln. Der Begriff der Literatur der Moderne ist ebenso ein ungenauer. Vermutlich wurde er von Eugen Wolff in Kiel geprägt, und umfasst alle entstandene Literatur von 1870- 1920, die in Abgrenzung zu den traditionellen Gattungen und Schriften der vorangegangenen Zeit steht. Die genannten bahnbrechenden wissenschaftlichen Entdeckungen erschütterten das traditionelle Weltbild der Menschen jener Zeit, und forderten eine neue Auseinandersetzung mit der Wirklichkeit. Das Experimentieren mit neuen literarischen Techniken stand deshalb während der Moderne im Vordergrund. Wichtige Stilmittel moderner Romane sind die freie indirekte Rede, eine fragmentierte Weltsicht, die Relativierung von Ansichten und der Perspektivenwechsel. Ebenso stilistisch durchschlagend wurde die Verflechtung von vielfältigen Bezügen mit dem Ziel bzw. dem Ergebnis der Möglichkeit eines polyperspektivischen Interpretationszuganges. Freuds Psychoanalyse beeinflusste zu dem die neu aufkommende Entwicklung des literarischen Verfahrens des stream of consciousness zur direkt-assoziativen Darstellung psychischer Empfindlichkeiten.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Entwicklung der Moderne war die Sprachkrise der Jahrhundertwende, in welcher die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache diskutiert wurden (z.B. in Ein Brief von Hugo von Hofmannsthal). Dadurch gewann die Sprachlichkeit im Vergleich zum Inhalt immens an Bedeutung und rückte sogar in das Zentrum der Aufmerksamkeit Moderner Literatur. Wichtige Autoren waren unter anderem Thomas Mann, Christian Morgenstern, Hermann Hesse, Stefan Zweig und Rainer Maria Rilke.[3]

1.2. Die Postmoderne als Antwort auf die Moderne – Der Begriff, dessen Charakteristik und Einordnung

Die Postmoderne ist ebenso ein Zustand der Gesellschaft, insbesondere der abendländischen Gesellschaft, Kultur und Kunst, abgrenzend zur Moderne. Die Abgrenzung, die mit der Vorsilbe „Post-“ (lat. hinter, nach) in der Bezeichnung manifestiert wird, ist zum einen eine zeitliche Abgrenzung, die jedoch nur sehr vage zu ziehen ist, und zum anderen eine Inhaltliche Abgrenzung, die als vordergründig zu betrachten ist. Diese politisch- wissenschaftlich- künstlerische Bewegung wendet sich vor allem gegen Institutionen, Methoden, Begriffe und Grundannahmen der Moderne, die sie versucht aufzulösen und zu überwinden.[4]

Mit dem Begriff Postmoderne versuchten Autoren eine sehr heterogene gesellschaftliche und kulturelle Entwicklung zu fassen und zu beschreiben. Erstmals wurde der Begriff 1870 verwendet, als der englische Salonmaler John Watkins Chapman vorschlug einen postmodernen Malstil zu entwickeln, der moderner sein sollte als der französische Impressionismus. Im Jahre 1917 gebraucht Rudolf Pannwitz den Begriff bereits als philosophisch geprägten „Kulturbegriff“. Pannwitz lehnt sich mit seinen Gedanken zur Postmoderne an Nietzsches Analyse der Moderne mit den prognostizierten Endpunkten der Dekadenz und des Nihilismus an. Die Überwindung der Moderne bringt demnach den neuen „postmodernen Menschen“ hervor, eine Wiederaufnahme des Nietzscheschen „Übermenschen“. Wenige Jahre später, im Jahre 1926, beschreibt der amerikanische Theologe Bernard Iddings Bell eine neue religiöse Spiritualität, die sich im Rahmen des christlichen Bekenntnisses neuen Forschungserkenntnissen öffnen sollte, als „Postmodernismus“. Ausschließlich literarisch nutzt der Literaturwissenschaftler Federico de Onís den Begriff im Jahre 1934. Er bezeichnet als „Postmodernismo“ eine Zwischenperiode der hispanisch-amerikanischen Dichtung in den Jahren zwischen 1905 bis 1914, die geprägt sei von einer kurzzeitigen, rückwärtsgewandten Abwendung von der Moderne als Zwischenphase vor einer erneuten, gesteigerten Hinwendung zur Moderne. 1947 beschreibt Arnold J. Toynbee eine Phase der Kultur als „post-modern“, deren Beginn er 1875 ansetzt: die Postmoderne in diesem Sinne ist durch eine frühe Politik des Denkens in globalen Zusammenhängen gekennzeichnet und unterscheidet sich von dem vorherigen Politikverständnis in der Überwindung der nur nationalen Perspektive. Nach Toynbee wird mit der Postmoderne die Spätphase der abendländischen Kultur eingeleitet. Im nordamerikanischen Literaturdiskurs des Jahres 1959 bezeichnet Irving Howe die Gegenwartsliteratur der Postmoderne als Verfallsphänomen einer Moderne, die durch mangelnden Neuerungswillen geprägt sei. Howe verwendet den Begriff „Postmoderne“ hier erstmals im heutigen Sinne. Die Umwertung erfolgte besonders in den 1960er Jahren durch Irving Howe selbst sowie durch Harry Levin, vor allem aber auch durch Susan Sontag und Leslie Fiedler.

Allen diesen Ansätzen in Kunst, Kulturgeschichte, Philosophie, Theologie und Literatur war gemeinsam, dass sie ein jeweils spezifisches Unbehagen an der Moderne und ihren Entwicklungen formulierten und daraus Konsequenzen entwickelten. Ihren Abschluss fand diese erste Formationsphase mit Howe, dessen Konzeption als grundlegend für die weiteren Entwicklungen gesehen werden kann.

Für die Theoriebildung und Methodenfindung späterer Vertreter der Postmoderne sind Autoren wichtig wie Michel Foucault, Jacques Derrida und Roland Barthes, die mit Dekonstruktivismus, Poststrukturalismus und Diskursanalyse neue analytische Methoden entwickelten, aber auch Luce Irigaray, die auf Basis der Arbeiten des Psychoanalytikers Jacques Lacan die feministische Theoriebildung vorantrieb. Viele dieser Theoretiker stehen jedoch dem Begriff Postmoderne kritisch gegenüber.

Von einer populären und teilweise anerkannten geistig- kulturellen Bewegung ist jedoch nach allen genannten Vorläufern erst nach 1979 zu sprechen, die mit der Veröffentlichung der Schrift Das postmoderne Wissen von Francois Lyotard eingeleitet wurde. In dieser Ausarbeitung legt er die Basis für viele Entwicklungen in Philosophie, Kunst, Kultur, sowie den Gesellschaftswissenschaften mit deiner These über das Ende der großen Erzählungen. Mit dieser These diskreditiert er die Entwicklungen der Moderne, in dem er den großen Meta- Erzählungen der Moderne die Legitimation und die Glaubwürdigkeit aberkennt. Für ihn gibt es davon drei: Die Aufklärung, der Idealismus und der Historismus – also die Emanzipation des Individuums, das Selbstbewusstsein des Geistes und die Idee eines sinnhaften Fortschritts der Geschichte mit dem Ziel einer Utopie. Folglich kann es auch kein Projekt der Moderne mehr geben, keine große Idee von Freiheit und Sozialismus, der allgemeine Geltung zu verschaffen ist und der sich alles gesellschaftliche Handeln unterzuordnen hat. Für Lyotard gibt es in diesem Zustand der Postmoderne keine übergeordnete Sprache mehr, keine allgemein verbindliche Wahrheit, die sich als Dogma einer gesamten Gesellschaft selbst legitimiert. Außerdem gibt es keine Kausalität und keine zwingende Vereinbarkeit mehr zwischen wissenschaftlicher Rationalität, sittlichem Handeln und politischer Gerechtigkeitsvorstellung. Mit Einzug dieser Tatsachen kann sich für Lyotard auch kein Projekt der Moderne verwirklichen - keine große Idee von Freiheit und Sozialismus- der allgemeine Geltung zu verschaffen wäre und der sich alles gesellschaftliche Handeln unterzuordnen hätte.

In der Postmoderne steht nun nicht mehr die Innovation, der Fortschritt und die Neuerung im Vordergrund jeglichen Interesses (kulturell, künstlerisch, gesellschaftlich, politisch) sondern eher die Rekombination oder die neue Anwendung schon vorhandener Ideen. Die Welt wird somit nun als pluralistisch, zufällig und chaotisch betrachtet und in ihren hinfälligen Momenten angesehen. Ebenso wird die menschliche Identität als labil und bereits durch diverse disparate, kulturelle Faktoren und Einflüsse geprägt.

Kurz zusammengefasst sind die Elemente postmodernen Denkens und Urteilens folgende:

- Absage an das seit der Aufklärung betonte Primat der Vernunft (ratio) und an die Zweckrationalität (die bereits in der Moderne erschüttert wurden)
- Verlust des autonomen Subjekts als rational agierende Einheit
- Neue Hinwendung zu Aspekten der menschlichen Affektivität und Emotionalität
- Ablehnung oder kritische Betrachtung eines universalen Wahrheitsanspruchs im Bereich philosophischer und religiöser Auffassungen und Systeme (sog. Metaerzählungen oder Mythen wie Moral – wodurch Postmoderne zum Amoralismus wird – , Geschichte, Gott, Ideologie, Utopie oder Religion, aber auch, insofern sie einen Wahrheits- oder Universalitätsanspruch trägt, Wissenschaft)
- Verlust traditioneller Bindungen, von Solidarität und eines allgemeinen Gemeinschaftsgefühls
- Sektoralisierung des gesellschaftlichen Lebens in eine Vielzahl von Gruppen und Individuen mit einander widersprechenden Denk- und Verhaltensweisen
- Toleranz, Freiheit und radikale Pluralität in Gesellschaft, Kunst und Kultur
- Dekonstruktion, Sampling, Mixing von Codes als (neue) Kulturtechniken
- Zunehmende Zeichenhaftigkeit der Welt (siehe auch Semiotisches Dreieck und Baudrillard)
- Versuche der Abkehr von ethno- und androzentrischen Konzepten

[...]


[1] Vgl. www.literaturwelt.com/epochen/moderne.html#dichtung

[2] Johann Wolfgang von Goethe: Poetische Werke. Band 10. Phaidon, Essen 1999, S. 135-275

[3] http://blog.zeit.de/schueler/2012/02/20/thema-literatur-der-moderne-1890-1920/ ; http://www.kettererkunst.de/lexikon/moderne-literatur.shtml ; http://www.schreiben10.com/referate/Epochen/4/Moderne-Literatur-reon.php

[4] http://www.marxists.org/reference/subject/philosophy/works/fr/lyotard.htm ; Philipp Sonntag , Postmoderne- Geschichte, Theorien, Positionen ; Hermann Kopp und Werner Seppmann, Gescheiterte Moderne? Zur Ideologiekritik des Postmodernismus ; http://www.grin.com/de/e-book/34959/die-postmoderne-versuchte-abstraktion-eines-paradigmenwechsels

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Postmoderne. Ein Paradigmenwechsel der Literatur?
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
15
Katalognummer
V270344
ISBN (eBook)
9783668706637
ISBN (Buch)
9783668706644
Dateigröße
702 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
postmoderne, paradigmenwechsel, literatur
Arbeit zitieren
Janina Gerth (Autor), 2014, Postmoderne. Ein Paradigmenwechsel der Literatur?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270344

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