Die Transfiguration wird als Raffaels letztes Werk angesehen und wurde vor allem nach dem Tod des Künstlers als etwas ganz Besonderes und Außergewöhnliches bezeichnet. Man erzählte sich damals, Raffael sei mit dem Pinsel an der Leinwand dieses Gemäldes gestorben. „An einem Karfreitag des Jahres 1483 soll Raffael geboren worden sein, am Karfreitag, dem 6. April 1520, starb er in Rom über der Vollendung des Werkes, das unter seiner Hand zu einer der lebendigsten Verkörperungen christlicher Heilsgewissheit geworden war.“ Raffael umgab ein Mythos, der sich besonders an dieses Bild heftet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
I.1. Auftraggeber
I.2. Bestimmungsort
II. Beschreibung
II.1. Bibelstelle
II.2. Kompositorische Umsetzung
III. Werkgenese
III.1. Modello aus der Albertina in Wien
III.2. Modello aus dem Louvre
III.3. Endfassung
IV. Ikonographie
IV.1. Traditionelle Ikonographie
IV.2. Raffaels Neuerungen
IV.3. Mögliche Gründe für den Bruch mit ursprünglichen Bildtraditionen
IV.3.1. Wettbewerb mit Sebastiano del Piombo
IV.3.2. Mediceische Deutung
IV.3.3. Künstlerische Entwicklung
V. Schluss
VI. Anhang
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Raffaels letztes Werk, die „Transfiguration“, um zu klären, inwiefern das Gemälde als Schlüsselwerk und Wendepunkt im Schaffen des Künstlers angesehen werden kann und ob es einen bewussten Bruch mit der traditionellen Ikonographie vollzieht.
- Analyse der kompositorischen Neuerungen Raffaels im Vergleich zu früheren Darstellungen.
- Untersuchung des künstlerischen Wettbewerbs mit Sebastiano del Piombo und Michelangelo.
- Betrachtung der „mediceischen Deutung“ und der Einbettung in den Auftragskontext.
- Nachzeichnung der Werkgenese anhand erhaltene Modelli aus Wien und dem Louvre.
- Diskussion über die Verbindung von himmlischer und irdischer Sphäre innerhalb eines Bildraumes.
Auszug aus dem Buch
III.2. Modello aus dem Louvre
Der entscheidende Schritt für die Besonderheit dieses Werkes wird in dem Modello aus dem Louvre (Abb. 4) gemacht. Raffael entwickelt hier die grundlegenden Ideen für die spätere Umsetzung des Auftrags. Wie schon erwähnt, streicht er das Programm der oberen Bildhälfte des ersten Modello und ersetzt es durch ein anderes, jedoch irdisches Szenario. Wie schon anhand der Bibelstelle gezeigt wurde, gestaltet der Künstler die untere Bildhälfte mir der Besessenenszene eines Jungen, dessen Eltern von den Aposteln vergeblich Heilung erhoffen.
Die Verklärung wird in den oberen Bildteil gerückt. Einige Elemente und Personen, die auch später in dem endgültigen Gemälde zu finden sind, kann man schon in dieser Zeichnung sehen. Die antik anmutende Frau im Vordergrund, vielleicht hier noch als Mutter des Jungen gedacht und die beiden etwas rätselhaften Personen am linken Bildrand, später auch als Justus und Pasteur gedeutet, werden schon in dieser Fassung von Raffael als festes Bildpersonal eingeführt. Auch die gesamte Gestaltung des Bildraumes wird in der Endfassung sehr ähnlich sein.
Während die obere Hälfte nur von den üblichen sechs Personen, die bei der Verklärung anwesend sind, eingenommen wird, finden sich in der Unteren wesentlich mehr Personen, die dicht gedrängt ihre Aufmerksamkeit auf den Jungen richten. Kritisiert wurde an diesem Entwurf die undeutliche Trennung der beiden Ereignisse, die weder zu gleichen Zeit, noch am gleichen Ort stattfanden. Es wurde auch behauptet, dass die Verklärungsszene in den Hintergrund zu treten scheint und die geistige Distanz zwischen den beiden Szenen besser herausgearbeitet sein sollte. Mit der Kombination der Verklärung mit der Besessenenszene macht Raffael auch eine mediceische Deutung des Bildes möglich, die später noch genauer behandelt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Einführung in das Thema der „Transfiguration“ als Raffaels letztes Meisterwerk und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich des ikonographischen Bruchs.
II. Beschreibung: Analyse der Bibelstelle nach Matthäus und deren Übertragung in die kompositorische Struktur des Bildes durch Raffael.
III. Werkgenese: Untersuchung der Entwicklungsstufen des Gemäldes anhand der Modelli aus der Albertina und dem Louvre sowie der finalen Komposition.
IV. Ikonographie: Gegenüberstellung der traditionellen Darstellung der Verklärung Christi mit den spezifischen Neuerungen Raffaels und Analyse der Einflussfaktoren wie Wettbewerb, Mediceische Deutung und künstlerische Reifung.
V. Schluss: Synthese der Ergebnisse, in der die Rolle Raffaels zwischen seinen Konkurrenten Michelangelo und Leonardo sowie die Bedeutung des Werkes als Wendepunkt bewertet wird.
VI. Anhang: Auflistung der verwendeten Literatur und Internetquellen sowie das Abbildungsverzeichnis.
Schlüsselwörter
Raffael, Transfiguration, Verklärung Christi, Ikonographie, Modello, Auftraggeber, Giulio de Medici, Sebastiano del Piombo, Michelangelo, Leonardo da Vinci, Komposition, Besessenenszene, Altarbild, Kunstgeschichte, Bildtradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser kunsthistorischen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert Raffaels letztes Gemälde, die „Transfiguration“, und untersucht, wie der Künstler durch die Zusammenführung zweier biblischer Szenen die traditionelle Ikonographie maßgeblich veränderte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Bildkomposition, der Werkgenese durch vorbereitende Zeichnungen, der historischen Bedeutung des Auftraggebers Giulio de Medici und dem künstlerischen Wettstreit zwischen Raffael, Michelangelo und Sebastiano del Piombo.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu belegen, dass Raffael mit der „Transfiguration“ ein Schlüsselwerk schuf, das einen bewussten Wendepunkt in seinem Schaffen darstellt und tradierte Bildmuster neu definiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt kunsthistorische Bildanalyse, den Vergleich von Vorstudien (Modelli) und die Kontextualisierung durch historische Quellen sowie Sekundärliteratur zu Raffaels Werk.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil beleuchtet die schrittweise Entwicklung des Bildes, die formale und inhaltliche Verknüpfung der „Transfiguration“ mit der Heilung des besessenen Jungen sowie die verschiedenen ästhetischen Einflüsse seiner Zeitgenossen.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation?
Die wesentlichen Begriffe sind Raffael, Transfiguration, Bildtradition, Mediceische Deutung, Wettbewerb und kompositorische Einheit.
Warum wird im Bild die „Besessenenszene“ mit der „Verklärung“ verknüpft?
Raffael kombiniert diese Szenen nicht nur zur kompositorischen Steigerung, sondern auch, um durch die Heilungsthematik eine Verbindung zum Namen des Auftraggebers („Medicus“) herzustellen und eine inhaltliche Einheit zu schaffen.
Welche Rolle spielten Michelangelo und Leonardo da Vinci für Raffaels Gestaltung?
Raffael integriert stilistische Elemente, die an die Skulpturalität Michelangelos und die dichte, dunkle Farbgebung Leonardos erinnern, um seine eigene künstlerische Meisterschaft unter Beweis zu stellen und zu übertreffen.
- Arbeit zitieren
- Sophia Reinhard (Autor:in), 2011, Die Ikonographie in Raffaels Werk "Transfiguration", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270437