Andy Warhol's Mona Lisa

Serialität und Reproduktion in der Kunst


Seminararbeit, 2013
16 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Andy Warhol – Eine kurze Biographie

III Thirty Are Better Than One  (1962)
1 Mona Lisa in Amerika
2 Mona Lisa Variationen
3 Warhols neuartige Umsetzung
3.1 Beschreibung und Formale Analyse
3.2 Gestaltungsmittel
3.3 Thematik und Einordnung in das OEuvre Andy Warhols

IV Schlussbemerkung

v Anhang

I. Einleitung

In den 50er Jahren findet sich in England um Richard Hamilton eine Gruppe von Künstlern Designern und Architekten zusammen, die wirtschaftliche Entwicklungen und die Auswirkung der neuen Massenmedien diskutiert. Sie lenken ihren Blick wieder auf die Wahrnehmung der Wirklichkeit und setzen sich mit dieser künstlerisch auseinander.[1]

Nur ein paar Jahre später zeigt sich diese Entwicklung auch in Amerika. Es bildet sich eine völlig neue Kunstrichtung heraus, die sich konsequent von den Abstrakten Expressionisten, die damals den Kunstmarkt dominieren, abgrenzt.

Mit der Vorstellung von einem autonomen Bild, lehnen die Vertreter des abstrakten Expressionismus, jegliche Gegenständlichkeit und Bezüge zur Wirklichkeit ab. Hauptvertreter wie Jackson Pollock, Mark Rothko oder Barnett Newman, in der Tradition der europäischen Expressionisten stehend, thematisieren Emotionen, Gefühle, das Innere, aber auf keinen Fall wirtschaftliche oder gesellschaftliche Entwicklungen.

Mit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts fand in Amerika ein klarer Umschwung statt, der viele gesellschaftliche Aspekte veränderte. Unter Präsident Dwight D. Eisenhower entstand eine Konsumgesellschaft, die durch den wirtschaftlichen Boom der USA nach dem Zweiten Weltkrieg einen damals unvergleichlichen Wohlstand erlebte. „America was the most powerful and also richest country in the world, and everyone knew it. The depression and the war were over.”[2] Der gesellschaftliche Wandel und das neue Lebensgefühl der amerikanischen Bevölkerung veränderten auch die Kunst. Die abstrakten Expressionisten, die bisher international als die bedeutendste Avantgarde verstanden wurden, wurden von einer neuen Generation, den Pop-Art Künstlern, abgelöst. Als deren bekannteste Vertreter können unter anderem Andy Warhol, Roy Lichtenstein oder aber auch Jasper Johns genannt werden.[3]

Im Folgenden werde ich mich auf den Werbegrafiker und Künstler Andy Warhol konzentrieren, in dessen Werk seit den 60er Jahren zwei Aspekte, die mit dieser neuen amerikanischen Massengesellschaft aufkommen, konsequent integriert werden: Reproduktion und Serialität. Für Warhol typische Gestaltungselemente, deren Wirkungsweise und sein überzeugendes bildnerisches Vorgehen sollen an dem Bild Thirty Are Better Than One (Abb.1),  das 1963 entstand, stellvertretend strukturiert herausgearbeitet werden. Ich möchte auf Warhols Bildfindung und dessen Ausarbeitung näher eingehen, auch im Zusammenhang mit der ausschließlichen Verwendung der Siebdrucktechnik, und an Hand dessen zeigen, dass Warhol eine Symbiose zwischen den damaligen gesellschaftlichen Entwicklungen und seiner Kunst geschaffen hat.

Zunächst aber ein kurzer Überblick über Warhols Leben.

II. Andy Warhol – Eine kurze Biographie

Andrew Warhola, wurde am 6. August 1928 als dritter Sohn von Julia und Ondrej Warhola in Pittsburgh geboren. 1913 war sein Vater, der bereits schon einmal in den USA gelebt hatte, wieder nach Amerika zurückgekehrt. Acht Jahre später folgten ihm schließlich auch Frau und Kinder, die ebenfalls aus dem kleinen Ort Miková in der heutigen Slowakei stammte. Mit seiner Familie lebte er zunächst im Pittsburgher Soho in ärmlichen Verhältnissen. Erst 1932 war es ihnen möglich in einen weitaus besseren Stadtteil umzuziehen. Pittsburgh gehörte damals mit circa 600.000 Einwohnern zu einer der größten Städte des Landes und die enorme Kluft zwischen arm und reich sollte Warhol sein ganzes Leben prägen.[4] Wie sein Vater war Andy ein unglaublich ehrgeiziger und fleißiger Mann, der sehr viel Wert auf Anerkennung, Reichtum und Erfolg legte, und in der Verwirklichung dieser Prinzipien äußerst geschickt war.

Schon während seiner Schulzeit zeigt sich seine Begeisterung für Kunst, die er wahrscheinlich seiner Mutter Julia verdankt. Er besucht bereits mit elf Jahren Kunstkurse, die kostenlos im Carnegie Museum angeboten wurden und hat großes Interesse am Kino. Aus der Zeit an der Schenley High School von 1941 bis 1945 stammen seine ersten Zeichnungen und ab 1945 studiert er „Pictorial Design“ am Carnegie Institute of Technology. Sein Vater war noch vor Beginn des Studiums gestorben, Warhol konnte diesen Verlust nur schwer verkraften. Er war zum ersten Mal mit dem Tod konfrontiert, der später eines der zentralen Themen seiner Kunst wird. Warhol macht während seines Studiums Bekanntschaft mit dem berühmten und erfolgreichen Schriftsteller Truman Capote, der ein guter Freund und gleichzeitig sein Vorbild wurde. Er war „der lebende Beweis dafür, dass das Leben auch ganz anders sein konnte, als es der Arbeitersohn aus Pittsburgh kannte“.[5] 1949 schließt Andy dann sein Studium mit dem „Bachelor of Fine Arts“ ab. Zusammen mit seinem Freund Philip Pearlstein zieht Andy Warhol nach New York, um in der Kunstmetropole Aufträge als Werbegrafiker zu bekommen. Andy Warhol kam in einer Zeit nach New York, in der abstrakte Expressionismus den internationalen Kunstbegriff prägte und den Markt bestimmte. In den 50ern nützte er sein zeichnerisches Talent und machte sich auf dem florierenden Markt der Werbe- und Zeitschriftenbranche einen Namen.[6] Warhol war mittlerweile gut im Geschäft und durchaus jemand, den man kannte.

Allerdings verspürte er den Wunsch sich aus der Werbebranche zurückzuziehen und sich ausschließlich der bildenden Kunst zu widmen immer wieder. Erste Versuche Anfang der 60er mit Themen seiner Kindheit wie Superman, Donald Duck und Batman scheiterten. Seit 1958 standen die Türen für eine neue Kunstrichtung mit neuen Ideen und Thematiken wieder offen. Mit der Ausstellung von Robert Rauschenberg und Jasper Johns in der Leo Castelli Gallery war der Grundstein für die Pop-Art gelegt worden. Die Arbeiten Warhols wurden anfangs abgelehnt, da sie Lichtensteins Werken zu ähnlich waren, die bereits in der Gallerie vertreten waren. Entscheidend war aber seine Bekanntschaft mit Ivan Karp, Assistent von Leo Castelli und mit Henry Geldzahler vom MET, die ihn beide in den folgenden Jahren tatkräftig unterstützten und für die notwendige Aufmerksamkeit der Galeristen und vermögenden Sammlern sorgten.[7] Dennoch konnte sich Warhol erst 1962 mit der Ausstellung „32 Campbell’s Soup Cans“ in der Ferus Gallery in Los Angeles einen Namen machen. Nach diesem Durchbruch entstehen die Gemälde der Coca-Cola-Flaschen, der Dollarscheine und weiteren Campbell’s Soup Bilder. Es folgten im selben Jahr zahlreiche Ausstellungen und sogar der Verkauf eines seiner Bilder an das Museum of Modern Art. Der Erfolg als Künstler beendete zugleich seine Karriere als Werbegrafiker. Ab 1964 verzeichnete er erste Erfolge in Europa. Andy Warhol, wie er sich bereits seit 1949 nannte, hatte es geschafft, er war berühmt und hatte zahlreiche wohlhabende und wichtige Leute um sich gescharrt. Die Factory, die er 1963 ins Leben gerufen hatte, bot einen beliebten Treffpunkt. Sie erwies sich als Institution und als das Markenzeichen Warhols.

Warhols selbst entwickelte sich zur Kultfigur, ja zu einer Art Star, dessen Höhepunkt vielleicht bei seiner Ausstellung 1971 im Whitney-Museum in New York erreicht ist, bei dem sein Erscheinen „die Vernissage zu einem Happening werden“[8] ließ.

Bis zu seinem überraschenden Tod durch Komplikationen bei einer Gallenblasenoperation im Februar 1987 schafft er ein unglaublich umfangreiches OEuvre von zahlreichen Zeichnungen, über Photographien bis hin zu seinen berühmten Druckserien.

III. Thirty Are Better Than One (1962)

Andy Warhols Interesse an Leonardos Porträt der Mona Lisa (Abb.2) im Jahr 1963 ist nicht nur in ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung begründet, sondern eben so sehr im Interesse an dem Kunstwerk der damaligen Gesellschaft, sowohl in kultureller als auch politischer Dimension.

Massenhaft pilgerten die Menschen nach Paris, um im Louvre das Original der Mona Lisa zu sehen, das inzwischen durch die neuen Kommunikationsmedien weltweit bekannt geworden war. Postkarten, Ansichtskarten, die Zeitung und zahlreiche Reproduktionen hatten Leonardos bereits von großem Ruhm gekennzeichnetes Meisterwerk, noch bekannter gemacht. Kunst war jetzt für jeden zugänglich geworden, und in diesem Zeitalter war die Mona Lisa das berühmtes Gemälde der Welt avanciert. Sie war zwar zweifellos für Künstler und das gut gebildete Bürgertum schon immer von unschätzbarer Bedeutung gewesen, allerdings nicht für die breite Masse.

Aber wie bereits erwähnt, stellte die Mona Lisa nicht nur für die Gesellschaft ein Kunstwerk von unglaublicher, fast schon mystischer Anziehungskraft dar, sondern auch die Politik wusste seine Wirkung zu nutzen.

1 Mona Lisa in Amerika

„Im Namen des amerikanischen Volkes möchte ich der französischen Regierung meine Dankbarkeit für ihre Entscheidung ausdrücken, die Mona Lisa von Leonardo da Vinci zu einer Präsentation in die Vereinigten Staaten auszuleihen. Dieses unvergleichliche Meisterwerk…wird in unser Land kommen als Erinnerung an die Freundschaft, die zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten besteht. Es wird ebenfalls kommen als Erinnerung an die universale Natur der Kunst. Mrs. Kennedy und ich möchten insbesondere Präsident de Gaulle für seine großzügige Geste danken, welche diese historische Ausleihe möglich machte, und Mr. André Maraux, dem herausragenden französischen Kulturminister, für seine guten Dienste in der Sache.“[9] (Abb.3) Mit diesen Worten kündigte Kennedy, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, 1962 in einer Pressekonferenz die Ausleihe der Mona Lisa an. Der gesamte Ablauf, von ersten Gesprächen über eine mögliche Leihgabe des berühmten Gemäldes, bis hin zur Übergabe, bei der der französische Präsident de Gaulle das Werk direkt dem amerikanischen Präsidentenpaar aushändigt, ist unvergleichlich und einmalig. Doch was sich hier nach einer guten Freundschaft zweier Länder anhört, die hier durch die Leihgabe des Kunstwerks unterstrichen werden könnte, ist vielmehr ein Versuch diese am Leben zu halten. Denn 1962 ist die Beziehung der beiden Staaten mehr als kritisch. Zur gleichen Zeit, in der erste Gespräche über die Ausleihe geführt werden, beklagt der französische Präsident die Abhängigkeit Europas von den USA: Ihm „erscheint die sicherheitspolitische Abhängigkeit […] von Amerikas Atomwaffen unannehmbar und gefährlich“[10] Kennedy verweist auf dieses Problem, indem er in seiner Pressekonferenz die Ausleihe als eine ‚Erinnerung an die Freundschaft’ bezeichnet.

[...]


[1] U.M. Schneede, Die Geschichte der Kunst im 20. Jahrhundert, vgl. S. 191

[2] N.T, Zahner, Die neuen Regeln der Kunst – Andy Warhol und der Umbau des Kunstbetriebs im 20. Jahrhundert, S. 139

[3] ebd., vgl. S. 138

[4] A. Spohn, Andy Warhol – Leben Werke Wirkung, vgl S. 12f.

[5] ebd., S. 20

[6] A. Spohn, Andy Warhol – Leben Werke Wirkung, vgl. S. 30

[7] N.T, Zahner, Die neuen Regeln der Kunst – Andy Warhol und der Umbau des Kunstbetriebs im 20. Jahrhundert, vgl. S. 148

[8] A. Spohn, Andy Warhol – Leben Werke Wirkung, vgl. S. 57

[9] M. Lüthy, Andy Warhol – Thirty Are Better Than One, S. 13 f.

[10] ebd., S. 19

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Andy Warhol's Mona Lisa
Untertitel
Serialität und Reproduktion in der Kunst
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Institut für Neuere und Neueste Kunstgeschichte)
Veranstaltung
Amerikanische Malerei in den 50er und 60er Jahren
Note
2,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
16
Katalognummer
V270441
ISBN (eBook)
9783656618263
ISBN (Buch)
9783656618232
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
andy, warhol, mona, lisa, serialität, reproduktion, kunst
Arbeit zitieren
Sophia Reinhard (Autor), 2013, Andy Warhol's Mona Lisa, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270441

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