Das seit 2004 in den Krankenhäusern angewendete Abrechnungssystem "Diagnosis Realted Groups" (DRG), das eine effizientere und wirtschaftliche Medizin – im Sinne von betriebswirtschaftlich orientierten Behandlungen, Operationen und Pflegeleistungen – zur Folge haben sollte, war u.a. die eigentliche Ursache für eine starke Verweildauerreduktion in den stationären Einrichtungen (Krankenhäusern). Die ersten Erfahrungen zeigen auf, dass im Hinblick auf notwendige, auch neue Qualitätsstandards von Seiten des Gesetzgebers und der Kostenträger gehandelt werden musste. Um einer suboptimalen, medizinischen Behandlung, die sich letztlich nur auf die „Rechenbarkeit“ von medizinischen Leistungen reduzierte, vorzubeugen, musste das Qualitätsmanagement mit seinen Aufgabenschwerpunkten der Qualitätssicherung, des Risikomanagements und des Beschwerdemanagements mehr gesetzliches und ethisches Gewicht gegeben werden.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, eine Fehlerkultur in den Gesundheitseinrichtungen zu entwickeln - die auch eine Sicherheitskultur bedeutet - und somit etwaigen Risiken, welche durch allzu wirtschaftliches, aber menschengefährdendes Handeln auftreten, vorbeugt. Daneben wird der Effekt erzielt, hohe Qualitäts-standards bei gleichzeitig hohem wirtschaftlichen Niveau zu entwickeln und/ oder zu erhalten. Die Qualitätssicherung – als eher „technisch“ ausgerichtete Disziplin des Qualitätsmanagements – steht in der vorliegenden Arbeit nicht in der Diskussion, wobei damit nicht bedeutet werden soll, dass sie in der Wichtigkeit nicht denselben Rang wie das Risikomanagement oder das Beschwerdemanagement hätte. Das Beschwerde- und das Risikomanagement richten sich aber eher am menschlichen Fehler und am menschlichen Korrekturbedürfnis aus. Aus dem Grund wurde diesen beiden Aufgabenfeldern des Qualitätsmanagements in Gesundheitseinrichtungen in dieser Schrift der Vorzug gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Einführung und Umsetzung einer Fehlerkultur und Sicherheitskultur im Unternehmen
2.1. Beschwerdemanagement
2.2. Risikomanagement
3. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Notwendigkeit und Implementierung einer aktiven Fehler- und Sicherheitskultur in Krankenhäusern unter Anwendung von Total Quality Management (TQM) Prinzipien, um Patientensicherheit und Behandlungsqualität effizient zu steigern.
- Grundlagen des Total Quality Managements (TQM) in Gesundheitseinrichtungen
- Strukturierung und Nutzen eines professionellen Beschwerdemanagements
- Risikomanagement als zentrales Element der Fehlerprävention
- Methoden der Fehlererfassung und Schnittstellenoptimierung
- Bedeutung von Organisationsstrukturen für den kontinuierlichen Verbesserungsprozess
Auszug aus dem Buch
2.2. Risikomanagement
Um den gesetzlichen Vorgaben einer Fehlervermeidung und Risikominimierung gerecht zu werden, ist im Krankenhaus eine Etablierung eines umfassenden Risikomanagements unabdingbar, das in manchen Unternehmen besonderer Rechtsform wie einer Aktiengesellschaft, sowohl gesetzlicherseits vorgeschrieben als auch durch die "Interne Revision" überprüft wird. Aber nicht nur diese Unternehmen sollten sich mit der Implementierung eines Risikomanagements befassen - es gilt allgemein, dass das Risikomanagement hilfreich ist, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein.
Das Risikomanagement beschreibt das grundsätzliche Vermeiden von Fehlern in den verschiedenen Bereichen des Behandlungs- und Funktionsablaufs. Auf die konkrete Behandlung des Patienten bezogen, zielt das Risikomanagement auf die Schadensprävention sowie auf die Vermeidung individueller und organisatorischer Mängel ab, die sich insbesondere im Bereich der Arbeitsteilung, Aufklärung, Dokumentation, Umsetzung gesetzlicher Vorgaben im Bereich der Gerätesicherheit und das richtige Verhalten nach einem Zwischenfall beziehen. Hieraus ergeben sich Aufgaben und Ziele des Risikomanagements:
• vorhandene Schadensquellen als latente Risiken aufzuspüren,
• Ursachen bereits eingetretener Komplikationen und Schadensfälle vorzubeugen,
• die Vermeidung und der Ausschluss von Gefahrenpotenzialen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die zunehmende Bedeutung des Qualitätsmanagements (QM) im Gesundheitswesen durch DRG-Abrechnungssysteme und betont die Notwendigkeit, Fehler als Lernchancen zu begreifen.
2. Einführung und Umsetzung einer Fehlerkultur und Sicherheitskultur im Unternehmen: Hier werden Prozessmanagement, Kundenzentrierung und die organisatorischen Voraussetzungen für eine moderne Fehlerkultur in Krankenhäusern diskutiert.
2.1. Beschwerdemanagement: Dieses Kapitel beschreibt die systematische Erfassung von Patientenkritik als Instrument zur Qualitätssteigerung und zur Identifikation von Verbesserungspotenzialen.
2.2. Risikomanagement: Dieses Kapitel behandelt die strategische Schadensprävention durch Instrumente wie Risiko-Audits und CIRS, um eine lernende Organisation zu etablieren.
3. Schlussbetrachtungen: Eine kritische Würdigung der TQM-Einführung unter Berücksichtigung der Mitarbeiterrollen und der Abgrenzung von rein formalen Zertifizierungsbestrebungen.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Krankenhaus, Fehlerkultur, Sicherheitskultur, Risikomanagement, Beschwerdemanagement, Patientenzufriedenheit, Prozessmanagement, CIRS, Schadensprävention, TQM, Kontinuierlicher Verbesserungsprozess, Patientensicherheit, Behandlungsqualität, Integrierte Versorgung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie Krankenhäuser durch die Etablierung einer konstruktiven Fehler- und Sicherheitskultur sowie durch TQM-Ansätze langfristig die Qualität der Patientenversorgung sichern und gleichzeitig ökonomischen Anforderungen gerecht werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Pfeiler sind die Implementierung eines strukturierten Beschwerdemanagements und eines systematischen Risikomanagements innerhalb der komplexen Organisationsstruktur eines Krankenhauses.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Instrumente des Qualitätsmanagements dazu beitragen können, eine "No-Blame-Culture" zu fördern, um aus Fehlern zu lernen, statt sie primär zu sanktionieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine theoretische Fundierung und praxisorientierte Analyse, die auf bestehenden QM-Referenzmodellen und aktueller Fachliteratur zum Krankenhausmanagement basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodische Einführung von Fehler- und Sicherheitskultur, die detaillierte Ausgestaltung von Beschwerde- sowie Risikomanagementsystemen und deren prozessuale Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über die Begriffe Fehlerkultur, Risikomanagement, Qualitätsmanagement und Patientensicherheit definieren.
Welche Rolle spielt das CIRS in diesem Kontext?
Das Critical Incident Reporting System (CIRS) dient als anonymes Meldesystem, um kritische Ereignisse frühzeitig zu erfassen und zu analysieren, bevor ein tatsächlicher Schaden entsteht.
Warum ist die Unterstützung durch das Top-Management entscheidend?
Ohne das klare Bekenntnis und die aktive Unterstützung durch die Krankenhausleitung können die notwendigen kulturellen Veränderungen und die notwendigen Ressourcen für das Qualitätsmanagement nicht nachhaltig etabliert werden.
- Quote paper
- Dr. Eibe Hinrichs (Author), 2009, Qualitätsmanagement im Krankenhaus: Einführung einer sogenannten Fehlerkultur / Sicherheitskultur unter Berücksichtigung des TQM -Ansatzes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270518