Die Académie francaise

Eine Institution, die Orthographiereformen in Frankreich vorantreibt?


Hausarbeit, 2010

19 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Académie française
2.1. Entstehungsgeschichte und Gründung
2.2. Mitglieder
2.3. Aufgaben
2.4.Heutiger Status

3. Orthografiediskussionen in Frankreich
3.1. Das Konzept der Orthographie
3.2. Geschichte der Orthographiereformversuche in Frankreich
3.2.1. Die Renaissance
3.2.2. Das 17. Jahrhundert
3.2.3. Das 18. Jahrhundert
3.3 Reformprobleme

4. Fazit

5. Quellenverzeichnis
5.1. Literatur
5.2. Internet

1. Einleitung

Wer kennt sie nicht? - Die sagenumwobene Académie française und ihre vierzig Unsterblichen jeder Epoche, die über Jahrhunderte hinweg einen besonderen Status in der französischen Gesellschaft haben. Zunächst soll in dieser Arbeit eine ausführliche Charakterisierung der Académie erfolgen. Es wird einerseits die Gründung und Entstehung der Académie beschrieben. Andererseits wird die Mitgliedschaft zur Académie erklärt. Des Weiteren werden die Aufgaben dieser Institution von der Vergangenheit bis in die Gegenwart berücksichtigt. Die Erläuterung des heutigen Status der Académie française soll den Abschluss des ersten Teils der Arbeit bilden. Der historische Kontext soll aber stets Beachtung in den Ausführungen finden.

Im zweiten Hauptteil der Arbeit wird dann ein Aspekt besonders betrachtet: Orthographiediskussionen in Frankreich. Schon bei der Schreibung des Wortes Orthographie fällt dem germanophonen Schreiber auf, dass es hier Varianten des f-Graphems gibt. Aber erst seit der Orthographiereform der 1990er Jahre ist es für uns möglich, Orthographie mit einem einfachen f zu schreiben. In Deutschland hat man also die Rechtschreibung reformiert. Doch wie steht es um derartige Reformierungen in Frankreich? Nach einer allgemeinen Erklärung zum Konzept der Orthographie soll die Geschichte der Orthographiereformversuche in Frankreich untersucht werden. Beginnend mit der Renaissance werden bis in die Gegenwart hinein Reformversuche und Diskussionsansätze herausgegriffen und dargelegt. Wichtig in diesen Ausführungen wird stets die Rolle der Académie sein. Welchen Standpunkt hat sie gegenüber den Reformversuchen? Stößt sie selbst Reformen an, treibt sie Reformen voran oder stoppt sie diese? Inwieweit hat die Académie überhaupt Einfluss auf die Rechtschreibung? Kann eine Institution dieser Art in der jetzigen Zeit an sich noch etwas im Sprachgebrauch ausrichten? All diese Fragen sollen in dieser Arbeit Antwort finden.

2. Die Académie française

2.1. Entstehungsgeschichte und Gründung

Die Entstehungsgeschichte der Académie française ist im Zeitalter der Renaissance vom 14. bis zum 17. Jahrhundert anzusiedeln. Der Buchdruck, erfunden durch Johannes Gutenberg im 15. Jahrhundert, und die damit verbundene Entstehung von immer mehr Druckereien in Europa löste die Forderung nach einer einheitlichen öffentlichen Sprache aus. Im 16. Jahrhundert bildet sich in Frankreich auch die Pléiade heraus. Dies ist ein Verbund von sieben Gelehrten, der sich zur Aufgabe gemacht hatte, den Gebrauch der bisher verwendeten Sprache zu kritisieren, und nach dem Vorbild der antiken Sprachen Latein und Altgriechisch ein diesen ebenbürtiges Französisch zu erschaffen. Dieses Französisch sollte nun standardisiert werden. Vorstellungen darüber finden sich in Joachim du Bellays „La Deffence et illustration de la langue francoyse“, eine Art Manifest der Pléiade. Gefördert wurde die Pléiade von François I. Ihm ist auch eine weitere Erneuerung zu verdanken: Das Edikt von Villers-Cotterêts, l’Ordonnance de Villers-Cotterêts, vom 15. August 1539. Mit diesem Edikt führte der König eine umfangreiche Reform von Justiz und Verwaltung durch. In Artikel 111 beispielsweise wird die französische Sprache zur alleinigen Urkunden- und Verwaltungssprache in Frankreich erhoben. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Verwendung desLateins in Rechtsangelegenheiten üblich.[1]

Doch nicht nur in Frankreich entwickelt sich zu dieser Zeit ein neues Sprachbewusstsein, sondern in ganz Europa, was nicht zuletzt zur Herausbildung von Akademien führte. Die erste französische Akademie, die Académie de Poésie et de Musique, wurde bereits 1570 gegründet.

Die Anfänge der Gründung der Académie française finden sich in der Rue St. Martin im Zentrum Paris’.[2] Im Hause Valentin Conrarts, welcher Sekretär Louis XIII. war, fanden sich in Privatzirkeln regelmäßig zehn Gelehrte zusammen. Schon fünf Jahre später trat dieser Zirkel erstmalig unter dem Namen ‚Académie française’ zusammen. Dazu kam es, weil Kardinal Richelieu auf den Kreis aufmerksam geworden war und seinen Vertrauten François Boisrobert, der seinerseits bereits den Treffen der Gelehrten beiwohnte, beauftragte den Zirkel zu institutionalisieren. „Im Sinne der absolutistischen Staatsräson wollte Richelieu ein staatliches Instrument der Sprachlenkung schaffen.“[3] Er selbst bot im Gegenzug seine Protektion an. So wurde also der Advokat Antoine Faret beauftragt, die Vorstellungen des Kreises zusammenzufassen. Es entsteht ein Entwurf, der als Grundlage für die ‚lettres patentes’ gilt und die Vorstellungen über die zukünftigen Aufgaben der Verbindung zusammenträgt. Grundlegende Aussagen Farets sind folgende: Die Académie française solle sich um den Schutz der ‚belles lettres’ kümmern. Unter ‚belles lettres’ versteht man die schöne Sprache und die guten Schriften. Des Weiteren sind die Mitglieder der Académie damit beauftragt, die französische Sprache zu perfektionieren, sodass sie sich von allen anderen lebenden Sprache absetzt, und sie vom Status einer Barbarensprache zu befreien.

Am 27. März 1634 wird der Entwurf schließlich an Richelieu übergeben. Man prüft den Entwurf und so wird im Oktober 1634 aus einem unpolitischen Privatzirkel eine politische Vereinigung. Die offizielle Gründungurkunde ist am 29. Januar 1635 unterzeichnet worden. Anfänglich hatte die Académie zwölf Mitglieder, darunter waren u.a. Richelieu selbst, Faret, Conrart, Vaugelas, Chapelain und Desmaretz. Daraufhin wird diese Urkunde ans Parlament übergeben und rund zweieinhalb Jahre später erfolgt die Eintragung ins Register.

Nach Richelieu wird Kanzler Séguier Schutzherr der Vereinigung. Als dieser jedoch im Jahre 1672 stirbt, nutzt Louis XIV. die Gunst der Stunde und übernimmt diesen Posten. Ihm war nicht nur die Vormachstellung Frankreichs in Europa wichtig, sondern auch das Aufblühen der besonderen französischen Kultur und Kunst. Für die Académie bedeutet ein Patron von jenem hohen Rang in erster Linie positive Veränderungen. Nun finden Sitzungen der Mitglieder im Louvre statt, bei Streitfragen wendet man sich – bis heute! – ans oberste Gericht, den Mitarbeitern war es aber auch möglich den König direkt zu konsultieren. Jean-Baptiste Colbert, Diplomat und Außenminister unter Louis XIV., führte sogar „jetons“ ein. Die Mitglieder erhielten von nun an 30 Sous pro Sitzung. Diese Entlohnung sollte die Arbeitsweise fördern.[4]

Durch das Protektorat Louis’ XIV. genoss die Académie viele Privilegien und gewann auch enorm an Prestige. Schließlich war ihr Schirmherr nun ein absolutistischer Herrscher, der diese alleinige Macht auch in Fragen der Académie ausspielte. So wählt Louis XIV. die Mitglieder selbst aus und man spricht ihm auch alle linguistischen Kompetenzen zu.

2.2. Mitglieder

Die Académie française setzt sich seit Ende des 17. Jahrhundert stets aus 40 Mitgliedern zusammen.[5] Demnach gibt es auch 40 sehr begehrte Sessel (fauteuil) zu besetzen. Natürlich ist die Besetzung der Sessel wechselnd. Seit Gründung der Académie gab es bereits über 700 Mitglieder. Wird also beispielsweise der Sessel mit der Nummer 24 frei, besteht die Möglichkeit sich auf diesen zu bewerben, wobei betont sei, dass die Sesselnummer kein Rangfolgeindiz darstellt. Sie sind Mitglieder auf Lebenszeit und tragen deswegen den Namen „Les Immortels“.

Les académiciens doivent leur surnom d’immortels à la devise «À l’immortalité», qui figure sur le sceau donné à l’Académie par son fondateur, le cardinal de Richelieu.[6]

Unter den bisherigen Mitgliedern waren keinesfalls nur Schriftsteller, sondern auch Staatsmänner, Kirchenvertreter, Wissenschaftler und Philosophen.

Der höchste Ehrgeiz eines Politikers, eines Generals, eines Diplomaten, eines großen Advokaten ist in Frankreich nicht, politische, militärische oder diplomatische Erfolge zu gewinnen, sondern literarischen Ruhm zu erwerben und seine Laufbahn im Kreis der „Unsterblichen“ der Academie Française zu beschließen.[7]

2.3. Aufgaben

Schon in den ‚lettres patentes’ schlug der erste Schutzherr Richelieu einige Maßnahmen für die Sprachnormierung vor.[8] Beispielsweise lautet der Artikel 24:

La principale fonction de l’Académie sera de travailler avec tout le soin et toute la diligence possible à donner des règles certaines à notre langue et à la rendre pure, éloquente et capable de traiter les arts et sciences.[9]

Die französische Sprache zu normieren bzw. zu regulieren gilt also als Hauptziel der Académie. Des Weiteren legt Artikel 26 Folgendes zur Normierung fest:

Il sera composé un Dictionnaire, une Grammaire, une Rhétorique et une Poétique sur les observations de l’Académie.[10]

Als Hauptaufgabe sei also die Erstellung eines einsprachigen Wörterbuches herauszustellen. Ebenfalls sei bereits an dieser Stelle erwähnt, dass die Poétique und Rhétorique nie erschienen sind. Das erste Konzept zur Arbeitsweise und zum Inhalt des Dictionnaires legte Jean Chapelain vor. Die Auswahl der Lexik solle sich an Werken berühmter, nicht mehr lebender Autoren, orientieren. Diese Sprache galt als besonders rein. So sammelte man Wörter aus dem Korpus französischer Autoren. Auch Claude Favre de Vaugelas arbeitete maßgeblich an dem Wörterbuch mit. Mit seinen „Remarques sur la langue françoise“ (1647) prägte er die Begriffe ‘bon usage’ und ‘mauvais usage’. Diese Einteilung in guten und schlechten Sprachgebrauch entspricht bis heute dem Sprachverständnis der Académie. Es wurde zudem eine Zweiteilung des Dictionnaires festgelegt. Im ersten Teil, welcher keiner alphabetischen Ordnung folgt, wurden einfache Wörter nach Stämmen sortiert. Für ausländische Benutzer sind Wortbedeutungen in lateinischer Sprache angegeben. „Überflüssiges“ wie beispielsweise Fachtermini wird nicht aufgenommen. Ferner finden sich im ersten Teil Angaben zum Genus der Nomen und zum Stil, d.h. ob ein einzelnes Wort eher dem niedrigen oder gehobenen Stil zuzuordnen ist. Der zweite Teil ist im Gegensatz zum ersten alphabetisch geordnet und enthält Stammlisten von Wörtern, die bei bestimmten Autoren gefunden wurden, auch wenn sie nicht mehr gebräuchlich sind. Dies soll aber helfen, ältere Bücher zu verstehen.

[...]


[1] Huchon, Mireille: Histoire de la langue française. Paris: Librairie Générale Française (2002), S.127ff.

[2] Im Folgenden beziehe ich mich auf: - Frey, Brigitte (2000): Die Académie Française und ihre Stellung zu anderen Sprachpflegeinstitutionen . Bonn : Romanistischer Verlag, S.5ff.

[3] Geckeler, Horst/Dietrich, Wolf: Einführung in die französische Sprachwissenschaft. 2.überarb.Aufl., Berlin: Erich Schmidt Verlag (1997), S.217

[4] http://www.institut-de-france.fr/upload/pdf/en_ligne/bibliotheques/catalogue_24_e_fauteuil.pdf

[5] Vgl. Frey (2000)

[6] http://www.academie-francaise.fr/immortels/index.html

[7] Klaus-Peter Schmidt: Kampf um die Unsterblichkeit – Die Académie française ist mehr als ein Literatentempel. in: Die Zeit (1980) – Link: http://www.zeit.de/1980/11/Kampf-um-die

Unsterblidikeit?page=3

[8] Im Folgenden beziehe ich mich auf: Frey (2000) S.16ff.

[9] Ebd. S.16

[10] Ebd. S.16

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Académie francaise
Untertitel
Eine Institution, die Orthographiereformen in Frankreich vorantreibt?
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Romanistik)
Veranstaltung
Grundlagen des Wissens - Sprachwissenschaft
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V270585
ISBN (eBook)
9783656619239
ISBN (Buch)
9783656619222
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
académie, eine, institution, orthographiereformen, frankreich
Arbeit zitieren
Michèle Eichberg (Autor), 2010, Die Académie francaise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270585

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Académie francaise



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden