Wer kennt sie nicht? - Die sagenumwobene Académie française und ihre vierzig Unsterblichen jeder Epoche, die über Jahrhunderte hinweg einen besonderen Status in der französischen Gesellschaft haben. Zunächst soll in dieser Arbeit eine ausführliche Charakterisierung der Académie erfolgen. Es wird einerseits die Gründung und Entstehung der Académie beschrieben. Andererseits wird die Mitgliedschaft zur Académie erklärt. Des Weiteren werden die Aufgaben dieser Institution von der Vergangenheit bis in die Gegenwart berücksichtigt. Die Erläuterung des heutigen Status der Académie française soll den Abschluss des ersten Teils der Arbeit bilden. Der historische Kontext soll aber stets Beachtung in den Ausführungen finden.
Im zweiten Hauptteil der Arbeit wird dann ein Aspekt besonders betrachtet: Orthographiediskussionen in Frankreich. Schon bei der Schreibung des Wortes Orthographie fällt dem germanophonen Schreiber auf, dass es hier Varianten des f-Graphems gibt. Aber erst seit der Orthographiereform der 1990er Jahre ist es für uns möglich, Orthographie mit einem einfachen f zu schreiben. In Deutschland hat man also die Rechtschreibung reformiert. Doch wie steht es um derartige Reformierungen in Frankreich? Nach einer allgemeinen Erklärung zum Konzept der Orthographie soll die Geschichte der Orthographiereformversuche in Frankreich untersucht werden. Beginnend mit der Renaissance werden bis in die Gegenwart hinein Reformversuche und Diskussionsansätze herausgegriffen und dargelegt. Wichtig in diesen Ausführungen wird stets die Rolle der Académie sein. Welchen Standpunkt hat sie gegenüber den Reformversuchen? Stößt sie selbst Reformen an, treibt sie Reformen voran oder stoppt sie diese? Inwieweit hat die Académie überhaupt Einfluss auf die Rechtschreibung? Kann eine Institution dieser Art in der jetzigen Zeit an sich noch etwas im Sprachgebrauch ausrichten? All diese Fragen sollen in dieser Arbeit Antwort finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Académie française
2.1. Entstehungsgeschichte und Gründung
2.2. Mitglieder
2.3. Aufgaben
2.4.Heutiger Status
3. Orthografiediskussionen in Frankreich
3.1. Das Konzept der Orthographie
3.2. Geschichte der Orthographiereformversuche in Frankreich
3.2.1. Die Renaissance
3.2.2. Das 17. Jahrhundert
3.2.3. Das 18. Jahrhundert
3.3 Reformprobleme
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Rolle der Académie française als zentrale Instanz für Sprachnormierung und beleuchtet ihr Wirken im Kontext der langanhaltenden Debatten über Rechtschreibreformen in Frankreich. Dabei wird analysiert, inwieweit die Institution Reformversuche beeinflusst oder blockiert hat und welche Faktoren das konservative Festhalten an orthographischen Konventionen erklären.
- Geschichte und Gründung der Académie française
- Struktur, Aufgaben und gesellschaftlicher Status der "Unsterblichen"
- Historische Entwicklung der Orthographiereformversuche in Frankreich
- Theoretische Prinzipien der Rechtschreibung (phonetisch vs. etymologisch)
- Innerlinguistische und soziokulturelle Hindernisse für Sprachreformen
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Die Renaissance
Betrachtet man die Geschichte des Konzepts der Orthographie und der Reformversuche, insbesondere auf Frankreich bezogen, so spielt zunächst die Zeit der Renaissance eine große Rolle.17
Doch warum versuchte man überhaupt Einfluss auf die vorhandenen Schreibgebräuche zu nehmen? Im Interesse aller Beteiligten stand stets der Wunsch nach einer idealen Orthographie. Zumindest aber sollte eine Standardvarietät kodifiziert werden um so einen Multigraphismus zu überwinden und schließlich die Orthographie zu normieren im Sinne der Herausbildung einer Nationalsprache. Gab es im Mittelalter noch einen Diglossiezustand in Frankreich, wobei das Lateinische als Sprache des Wissens sozusagen die high-variety und das Französische als Sprache des Volkes die low-varity bildete, sollte sich dieses einige Jahrhunderte später ändern. Mit Beginn des 16. Jahrhunderts verbreitet sich das Französische18 zunehmend. Allerdings ist in diesem Kontext vorweg zu betonen, dass zu dieser Zeit lediglich 15-20% der Bevölkerung imstande war zu lesen und zu schreiben und alle Diskussionen, die im Weiteren vorgestellt werden sollen, von dieser Elite geführt worden sind. Diese Elite war des Lateinischen zweifelsohne mächtig.19 Nichtsdestotrotz erlangt die französische Sprache einen Prestigezuwachs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung der Académie française dar und definiert die Forschungsfrage bezüglich ihres Einflusses auf orthographische Reformen in Frankreich.
2. Die Académie française: Das Kapitel beschreibt die Entstehung der Institution unter Richelieu, ihre Mitgliederstruktur, ihre offiziellen Aufgaben und ihren Wandel bis zum heutigen Status.
3. Orthografiediskussionen in Frankreich: Dieser Abschnitt analysiert das Konzept der Orthographie und verfolgt chronologisch die verschiedenen Reformversuche seit der Renaissance bis in die Moderne.
4. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Académie als konservative Instanz maßgeblich dazu beitrug, orthographische Veränderungen in Frankreich zu erschweren und das etymologische Prinzip zu bewahren.
Schlüsselwörter
Académie française, Orthographie, Sprachnormierung, Rechtschreibreform, Sprachgeschichte, Phonetisches Prinzip, Etymologisches Prinzip, Les Immortels, Sprachpflege, Sprachpurismus, Klassizismus, Sprachbewusstsein, Reformdiskurs, Dictionnaire, Sprachkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Rolle der Académie française bei der Regulierung der französischen Rechtschreibung und untersucht die historischen Gründe, warum Reformversuche in Frankreich im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern häufig auf Widerstand stießen.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der Académie française, die theoretischen Grundlagen der Orthographie sowie eine detaillierte Analyse der Reformversuche vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, inwieweit die Académie française aktiv Reformen treibt oder blockiert und welche Faktoren – wie das Festhalten am etymologischen Prinzip – ihren Einfluss auf den Sprachgebrauch definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erarbeitung verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer historischen Aufarbeitung von Fachliteratur basiert, um die Entwicklung der Orthographiediskussionen nachzuvollziehen.
Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung der Académie und eine tiefgehende chronologische Analyse der französischen Orthographiegeschichte von der Renaissance bis in die moderne Zeit.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Sprachnormierung, Orthographie, Reformresistenz und die historische Rolle der Académie française definieren.
Warum konnte sich das phonetische Prinzip in der französischen Rechtschreibung kaum durchsetzen?
Das phonetische Prinzip stieß auf Widerstände, da die Académie française und das konservative Bürgertum das etymologische Prinzip als Ausdruck kultureller Identität und sozialer Distinktion bevorzugten.
Welche Bedeutung hat das "etymologische Prinzip" für die Académie?
Die Académie betrachtet die etymologische Schreibung als ein Instrument zur Bewahrung der Klarheit und als Ausweis der Gelehrtheit, wodurch sie die französische Sprache vom Status einer "Barbarensprache" abgrenzen möchte.
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- Michèle Eichberg (Author), 2010, Die Académie francaise, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270585