Die päpstliche Gewalt und ihre Legitimation im Mittelalter


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Macht des Papstes im Mittelalter
2.1 Macht des Papstes vor der Kirchenreform
2.2 Die Kirchenreform im 11. Jahrhundert
2.3 Selbstverständnis des Papstes:Dictatus papae

3. Päpstliche Gewalt und Reaktionen darauf
3.1 Vor dem Reformpapsttum
3.2 Die ersten Reformpäpste
3.3 Gregor VII. und sein weltlicher Machtkampf
3.4 Der erste Kreuzzug: von Gregor VII. bis zur Ausführung unter Urban II

4. Die Legitimation der Gewalt
4.1 Gregor VII
4.2 Urban II

5. Fazit

6. Quelle

7. Literatur

8. Bibelstellen aus der Luther-Bibel (LUT)

1. Einleitung

Spätestens seit dem 11. September 2001 ist das Thema „Religion“ in allen Medien präsent. Es wird diskutiert, wie gewaltverherrlichend die verschiedenen Weltreligionen seien und das Christentum wird an blutige Kapitel in seiner Geschichte erinnert. Wenn man an die christliche bzw. katholische Kirche im Zusammenhang mit Gewalt denkt, kommen einem automatisch die Kreuzzüge und die Hexenverfolgung in den Sinn. Sie sind Teile des kriegerischen Handelns, die im Mittelalter im Namen des christlichen Glaubens verübt wurden und bis heute in den Köpfen der Menschen verankert sind.

Es stellt sich die Frage wie eine Religion, die von ihrem Gründer als Religion des Friedens propagiert wurde, Kriege und Brutalität legitimieren kann.

In der folgenden Hausarbeit soll untersucht werden, wie sich die Stellung der Kirche zurGewalt unter den Päpsten des 11. Jahrhunderts verändert hat und wie sie gerechtfertigt wurde.Gregor VII. und Urban II. werden dabei als exemplarische Reformpäpste untersucht. DerMitstreiter um das Investiturrecht hat dabei augenscheinlich mit dem Heraufbeschwörer desersten Kreuzzuges nicht viel gemein, doch Tatsache ist, dass die beiden sehr viel miteinanderverbindet.

Es wird herausgearbeitet, auf welcher gemeinsamen Basis die Päpste agieren und welche Veränderung die beiden für das Papsttum durchsetzen. Hierfür werden die Gewalttaten untersucht, die unter ihrem Pontifikat verübt wurden und die Argumentation, mit der beide Päpste ihre Handlungen und Befehle auf biblischer Basis legitimierten.

Zudem wird eine Quelle untersucht: DerDictatus papae, ein aus 27 Leitsätzen bestehendes Diktat des Papstes Gregor VII. Er soll helfen, die wichtigen Veränderungen herauszuarbeiten, die während der Kirchenreform stattgefunden haben und zu verdeutlichen, welche Auswirkungen sie auf das Handeln der Päpste hatten.

2. Die Macht des Papstes im Mittelalter

2.1 Macht des Papstes vor der Kirchenreform

Vor der Reformation im 11. Jahrhundert stehen die Päpste unter der Macht der Könige und Kaiser und werden von ihnen eingesetzt. „Aus der Tradition heraus […] waren WeltlichPolitisches und Religiöses in der Christenheit aneinander gekettet. Innerhalb der […] christlichen Gesellschaft ließ sich dieses Band lockern, aber nicht lösen, es ließ sich anders legen, aber nicht durchschneiden.“1

Kurz vor der Reform, die mit Clemens II. als ersten Reformpapst eingeläutet wird2, verdeutlichen einige Ereignisse die bestehenden Verhältnisse sehr gut:

Das deutlichste Ereignis, welches vielfach als ein traumatisches Erlebnis beschrieben wird, ist die Absetzung der drei parallel regierenden Päpste auf der Synode von Sutri im Jahr 1046 durch Kaiser Heinrich III. Auf der Synode werden aber nicht nur drei Päpste abgesetzt, sondern auch ohne Mitbestimmungsrecht des römischen Klerus, ein neuer eingesetzt - ein deutscher Reichsbischof. Dieses Eingreifen des Königs gräbt „sich tief und traumatisch ins Bewusstsein der Reformer und allen voran Gregors VII.“3 Die Synode ist einer der Hauptgründe, warum die folgenden Apostel Petri eine Umstrukturierung der Ordnung zum Ziel haben und eine andere Machtstellung des Pontifikats initiierten.

Bis jetzt wurde das Petrusamt meist vom römischen Stadtadel gewählt und kam aus ihren Reihen.4„Noch die Papstwahlordnung von 1059 geht ganz selbstverständlich davon aus, daß der Kandidat dem römischen Klerus entstammt und läßt nur für den Notfall eine Ausnahme zu.“5Es wird deutlich, wie groß der Einfluss des weltlichen Adels auf das höchte Priesteramt ist und der „rigorose Eingriff Heinrichs III. in den Streit um den päpstlichen Stuhl“ ist ausschlaggebend für das Umdenken und hat „offensichtlich eine große Entschlossenheit der Reformer zum Ergebnis, einen Zustand zu beenden, der die gesamte Kirche zu einem Herrschaftsinstrument der Kaiser und Könige zu machen drohte.“6

Ein weiteres Ereignis sorge für Aufsehen und Empörung: Zwei Jahre nach der Synode von

Sutri stirbt der von Heinrich III. eingesetzte Papst und der Kaiser setzt ohne kanonische Wahl einen neuen ein - wieder einen deutschen Reichsbischof.7

Eine Änderung sollte die Kirchenreform bewirken, die Papst Clemens II. einleitete und die sich bis zu den Kreuzzügen erstreckte.

2.2 Die Kirchenreform im 11. Jahrhundert

Zu Beginn der Kirchenreform steht das von Papst Clemens II. ausgesprochene strenge Verbot von Simonie, also dem Ämterkauf innerhalb der Kirche.8 Je mehr die Reformation voranschreitet, desto mehr Neuerungen und Forderungen seitens der Päpste kommen dazu.

Clemens Nachfolger Papst Leo IX. kommt zwar aus dem deutschen Reich und ist mit Kaiser Heinrich III. eng verbunden, aber schon unter ihm wird deutlich „daß die römische Kirche in Zukunft nicht mehr in der bisherigen kaiserlichen Abhängigkeit verbleiben konnte, wenn sie ihre universale Aufgabe erfüllen wollte.“

Wie bereits umschrieben, ist das Ziel der Reformpäpste letztlich die Befreiung der Kirche „vom Einfluss der Laien“9, also eine Trennung von weltlichen und kirchlichen Angelegenheiten. Dazu gehören aber nicht nur ein neues Wahlmodell für das Pontifikat, sondern auch eine veränderte Stellung des Papstes in der Gesellschaft und unter den
europäischen Herrschern. „Der Ruf nach Freiheit und Unabhängigkeit des Papsttums wurde unüberhörbar.“10

„Die Akzente, die Gregor VII. und die Reformer setzten, waren neu und beinhalteten massive Veränderungen kirchlicher Theorie wie Praxis.“11Gregor VII. ist letztlich der Reformpapst, unter dem die größten Veränderungen stattfanden. Besonders zu berücksichtigen sind hierbei die von ihm verfassten Sätze desDictatus papae,welche seine Selbsteinschätzung zur Stellung des Papstes wiedergeben.

2.3 Selbstverständnis des Papstes: Dictatus papae

Dictatus papae bedeutet übersetzt so viel wie „das Diktat des Papstes“ und besteht aus 27 Sätzen, die allesamt mit „Quod“ anfangen und die Position des Papstes innerhalb der Kirche und gegenüber den weltlichen Herrschern beschreiben. „Sie waren kurz und präzise und hatten es in sich.“12 Das Schriftstück findet sich in dem Briefregister Gregors VII. zwischen Briefen des 3. und 4. März 107513 und es ist bis heute nicht geklärt, welchen Zweck es erfüllte - ob es eine geplante Kirchenrechtsammlung beschreibt14 oder lediglich eine Gedankensammlung Gregors darstellt. Es ist kein Schriftstück, das nur für den Moment angefertigt wurde, denn Gregor greift immer wieder darauf zurück; es ist „immer wieder daran zu erinnern, dass die Briefe Gregors sich ganz in den Gedankenkreisen des Dictatus bewegen.“15

Gregor VII. macht in dem Dictatus, das ein Jahr vor der ersten Bannung Heinrichs IV. verfasst wird, seine Stellung gegenüber dem König deutlich. So heiß es in Satz VIII: „Daß er allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann.“16 und darauffolgend in Satz IX: „Daß alle Fürsten nur des Papstes Füße küssen.“17 Am deutlichsten wird seine neu gewonnene Position jedoch durch den zwölften Satz: „Daß es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen.“18 Dies war ja bisher genau anders herum der Fall, wie Heinrich III. auf der Synode von Sutri eindrucksvoll bewiesen hatte. Und auch der Satz V hat in der fortlaufenden Entwicklung noch eine große Bedeutung, da er besagt, dass der Papst Abwesende absetzen kann.19 Genau das verwirklicht er wenig später bei der Absetzung Heinrichs VI. als deutschen König.

Auch seine kirchliche Stellung wird beschrieben, auf die er sich später bei seiner Gewalt- Legitimation immer wieder beruft. Im zweiten Satz heißt es: „Daß allein der römische Papst mit Recht ‚universal‘ genannt wird.“20 und im Satz XXII: „Daß die römische Kirche niemals

in Irrtum verfallen ist und nach dem Zeugnis der Schrift niemals irren wird.“21Der wohl

wichtigste Satz für die Begründung seiner späteren Gewaltanwendung ist der vorletzte desDictatus: „Daß nicht für katholisch gilt, wer sich nicht in Übereinstimmung mit der römischen Kirche befindet“22, der an späterer Stelle wieder aufgegriffen werden soll.

Die meisten Sätze haben ihre Wurzeln in der Kirchentradition, wie beispielsweise das Füßeküssen des Papstes. „Aber manches war ohne Vorbild - und zeugt von atemberaubender Kühnheit“23, wie die in Satz XXIII beschriebene Heiligkeit des Papstes: „Dass der römische Bischof, falls er kanonisch eingesetzt ist, durch die Verdienste des heiligen Petrus unzweifelhaft heilig wird […].“24

Insgesamt wirkt das Diktat „wie ein Brennspiegel der stark persönlich begründeten Reformvorstellungen, die Gregor VII. kompromißlos vertrat.“25DerDictatus papaeist die Basis für Gregors weiteres Handeln und sowohl ein Ergebnis der Legitimation seiner Selbstauffassung als auch eine Basis für Legitimation seiner Gewalttaten. Es belegt die Veränderungen der Stellung des Papstes im 11. Jahrhundert, auf die sich auch die folgenden Päpste - wie zum Beispiel Urban II. - stützen.

3. Päpstliche Gewalt und Reaktionen darauf

3.1 Vor dem Reformpapsttum

„Es ist im Grunde widersinnig, sich den Papst als Anreger, Teilnehmer oder gar Anführer eines Krieges vorzustellen“26, wo es doch in der Bibel eindeutig heißt: „Stecke dein Schwert an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt, der soll durchs Schwert umkommen.“27

Diese und viele weitere Bibelstellen begründen, dass vor dem 11. Jahrhundert dem Klerus das Waffentragen und der aktive Kriegsdienst grundsätzlich verboten sind.28 Die biblischen Belege stammen dafür meist aus dem neuen Testament und propagieren allesamt die Nächsten- und Feindesliebe29; das Verbot des Waffentragens wird durch sie immer wieder bestärkt und untermauert.

Doch das Problem ist, je „mehr die Bischöfe und Äbte als Lehnsherren und Lehnsträger auftraten und über eigene Gebiete zu verfügen hatten, desto schwerer wurde es ihnen, sich von einer Berührung mit dem Kriegswesen freizuhalten.“30Es werden also mit der Zeit erste Bündnisse zwischen Klerikern und weltlichen Herrschern geschlossen, die aber ein aktives Eingreifen der Geistlichen aufgrund des Kriegsdienstverbots immer noch ausschließen. Im Mittelpunkt des Krieges stehen nach wie vor die staatlichen Machtkämpfe und die Religion tritt lediglich als „Attribut des Staates“ in Erscheinung.31

Im 9. und 10. Jahrhundert verändert sich das Bild der Kirche und es wird allmählich die Selbstverteidigung bei einem Angriff gebilligt und erstmals geschieht es, dass Päpste und Kleriker von Zeit zu Zeit und in kleinem Maße Seelenheil versprechen für diejenigen, die im Kampf zum Schutz der Kirche sterben.32„Der Schlachtenausgang sollte also gleichsam dem Erweis der Glaubenswahrheit dienen“ und erstmals wird Krieg als etwas potentiell Religiöses wahrgenommen.33Aber dennoch sind diese religiösen Eingriffe eher die Ausnahme und noch nicht im allgemeinen Denken verankert.

Erste Änderungen in dieser engen Sichtweise ergeben sich erst Anfang des 11. Jahrhunderts. Mittlerweile sind selbst die Päpste „meist Teilnehmer an Bündnissen mit weltlichen Staaten und in der Regel auch die Geldgeber in diesen Bündnissen; wiederholt kam es aber auch vor, daß die Bündnispartner sie im Stich ließen und sie den Krieg auf eigene Faust weiterführten, meist mit desaströsem Ergebnis.“34

Das hat unweigerlich Kritik an der Lebensweise des Papstes zur Folge, was wiederum ein Zeichen dafür ist, dass die Autorität des Amtes nicht mehr anerkannt wird und sein Ansehen gesunken ist.35 Es ist „ein Zeichen der Krise“36 des Pontifikats, die schon vor der Jahrtausendwende begonnen hat und durch die Reformpäpste überwunden werden soll.

3.2 Die ersten Reformpäpste

„Etwa seit der Jahrhundertwende hat sich in der Stellung der Kirche zum Kriegerstande ein bedeutsamer Wandel vollzogen“.37Bereits die ersten Reformpäpste Clemens II., Leo IX. und Alexander II. nutzen die neu errungenen Freiheiten aus. So ist Leo IX. der erste Papst, der aktiv an einem Feldzug teilnahm und in einer Schlacht kämpfte.38Doch sein Verhalten wird von der Gesellschaft nicht gebilligt; Bischof Hermann von Reichenau beispielsweise erklärt „Leos Niederlage als göttliche Strafe dafür, daß er für zeitliche Dinge Krieg geführt und sich mit Übeltätern umgeben hätte“.39Leo IX. muss sich dem gegenüber in seiner Position als Kirchenoberhaupt und Vorbild für alle Christen rechtfertigen und erklärt, dass er nicht aktiv Krieg führen wollte, „sondern die Normannen nur durch seine militärische Begleitung zum Guten schrecken wollte.“40Papst Leo IX. versucht, jedes Problem zunächst friedlich zu lösen und lässt das militärische Eingreifen als Notlösung gelten.

Unter seinem Nachfolger Papst Alexander II ist das gesellschaftliche Denken schon so weit verändert, dass dieser ohne große Widerrede in der staatlichen Kriegspolitik mitwirken kann. Immer häufiger wird Kriegern die Petrus-Fahne gesendet unter der sie kämpfen sollen, denn der Papst erklärt: „Christus werde sein Abzeichen, mit dem sie alle bezeichnet seien, nicht verlassen“41und gibt damit dem weltlichen Krieg eine religiöse Note. „[W]ie früher schon der Herrscherberuf, so wurde jetzt der Kriegerberuf christianisiert.“42

3.3 Gregor VII. und sein weltlicher Machtkampf

Gregor VII. ist wohl der bekannteste Reformpapst und auch der entschlossenste in der Durchsetzung seiner Reformen. Seine Gewalttheorie ist die Legitimations-Basis für die kirchliche Gewalt in den darauffolgenden Jahrhunderten, da sie „sehr allgemein angelegt war und grundsätzlich gegen alle gerichtet werden konnte, die sich Ungehorsam […] zuschulden kommen ließen.“43

Hier wird bereits deutlich, gegen wen Gregor Gewalt ausübt: gegen Ungehorsame.

Grundsätzlich äußert sich Gregor oft positiv gegenüber von Gewalt und benutzt sehr oft Vergleiche, die er aus dem Kriegshandwerk nimmt, denn „er war Kriegsmann ebensosehr wie Priester und Politiker“44. Auch gewalttätige Stellen in der Bibel sind ihm durchaus geläufig und werden von ihm oft wiedergegeben, wie zum Beispiel: „verflucht sei, der sein Schwert aufhält, daß es nicht Blut vergieße!“45Er fordert damit in erster Linie die Herzöge auf, für die Kirche zu kämpfen; es sollen also kirchliche Kriege durch weltliche Herrscher ausgeführt werden. Er vertritt aber auch die Auffassung, dass Priester im Auftrag von Gott Gewalt anwenden dürfen46, was den bisherigen Gewohnheiten widerspricht.

Nach Heinrichs zweiter Bannung fordert er sogar in einem Gebet ein Urteil von den Aposteln, das den König in Form von physischer Gewalt empfangen sollte. „Mehr als irgendein Führer hat er die Hemmungen überwunden, die die Kirche […] von kriegerischer Predigt und kriegerischem Auftreten zurückgehalten hatten.“47 Auch die Anwendung von physischem Zwang zur Durchsetzung seiner Pläne ist für Gregor VII. „eine durchaus präsente Option.“48

Bis jetzt ist es meist der Kaiser gewesen, der in die kirchliche Politik eingriff, doch Gregor VII. wartet nach seiner Wahl zum Papst nicht lange, bevor er sich auch der weltlichen Politik zuwendet. In demDictatus papaewird deutlich, warum er sich dazu berechtig sieht: Er fordert die universale Macht ein, mit der er auch über den weltlichen Herrschern steht.49
„Diese universale Papsthoheit griff sofort über den geistlichen Bereich hinaus, denn nicht mehr der Palatin der Kaiser, sondern der Lateran der Päpste soll künftig Gravitationszentrum der politischen Ordnung des Abendlandes sein“50. Und in diese Ordnung mischt er sich aktiv ein. In seinem ersten Amtsjahr 1073 plant er erstmals in einem Normannenfeldzug selber mitzukämpfen. Der Feldzug wird zwar letztlich nicht durchgeführt, aber dennoch ist der alleinige Wille des aktiven Kämpfens für einen Papst bis dahin undenkbar gewesen oder zumindest mit erheblicher Kritik einhergegangen, wie bereits bei Papst Leo IX. zu sehen war.51 Ironischerweise wird in der Zeit, in der der Papst auf dem Weg zu jenem Feldzug ist, König Heinrich IV. die Obhut über die römische Kirche übertragen.52 Gerade jenem König an dem Gregor VII. einige Jahre später der ganzen Welt die neue Macht des Papstes durch Bannung des Königs demonstriert und mit dem er sein ganzes Leben lang einen erbitterten Machtkampf führt. „Wüßten wir das nicht alles aus Gregors eigenen Briefen, so würden wir es vielleicht für den schlechten Witz eines boshaften Gegners halten.“53

Erst ein paar Jahre später, auf der Fastensynode 1078, plant Gregor den nächsten Kriegszug.54 In der Zwischenzeit hat er Heinrich IV. gebannt und einen deutschen Gegenkönig - Richard von Rheinfelden - ernannt.55 Mit diesem plant er nun einen Kriegszug gegen Heinrich IV. und beschließt außerdem, diesen zu gewinnen: „Die Synode […] gebietet über das Schlachtenglück und beschließt, daß Widerspenstige in Zukunft nicht mehr siegen dürfen!“56 Das teilt er Heinrich IV. auch in mehreren Briefen mit und ist überzeugt, seit dem auf der Synode getroffenen Beschluss, selbst über Sieg und Niederlage bestimmen zu können.57

1080 bannt er Heinrich zum zweiten Mal und gewährt den Anhängern Richards Absolution von all ihren Sünden, was zu Kritik von mehreren Seiten führt.58

[...]


1Heike Johanna Mierau: Kaiser und Papst im Mittelalter, Köln 2010, 10.

2Vgl. August Franzen, Remigius Bäumer: Papstgeschichte. Das Petrusamt in seiner Idee und seiner geschichtlichen Verwirklichung in der Kirche, Freiburg 1974, 146.

3 Vgl. Gerd Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“. Päpste und Gewalt im Hochmittelalter, Darmstadt
2013, 42f.

4Vgl. Franzen, Bäumer: Papstgeschichte, 50.

5Thomas Frenz: Das Papsttum im Mittelalter, Köln 2010, 193.

6Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“, 226.

7Vgl. Franzen, Bäumer: Papstgeschichte, 46.

8Vgl. ebd., 146.

9Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“, 43.

10Franzen, Bäumer: Papstgeschichte, 147.

11Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“, 219.

12Stefan Weinfurter: Canossa. Die Entzauberung der Welt, München 2006, 106.

13Vgl. Samuel Löwenfeld: Der „Dictatus papae“ Gregors VII, und eine Überarbeitung desselben im XII. Jahrhundert, Hannover 1891, 196.

14 Vgl. Horst Fuhrmann: „Quodcatholicus non habeatur, qui non concordat Romanae ecclesiae“. Randnotizen
zum Dictatus Papae, in: Kurt-Ulrich Jäschke, Reinhard Wenskus [Hrsg.]: Festschrift für Helmut Beumann zum

65. Geburtstag, Sigmaringen 1977, 263.

15Vgl. Löwenfeld: „Dictatus papae“, 195.

16Dictatus Papaein: Rudolf Buchner, Franz-Josef Schmale: Quellen zum Investiturstreit. Erster Teil.

Ausgewählte Briefe Papst Gregors VII., 148 ff.; VIII.Quod solius papae pedes omnes principes deosculentur.

17Ebd., 148 ff.; IX. Quod solius papae pedes omnes principes deosculentur.

18Ebd., 148ff.; XII.Quod illi liceat imperatores deponere.

19Ebd., 148ff.; V.Quod absentes papa possit deponere.

20Ebd., 148ff.; II. Quod solus Romanus pontifex iure dicatur universalis.

21Ebd., 148ff., XXII.Quod Romana ecclesia nunquam erravit nec imperpetuum scriptura testante errabit.

22Ebd., 148ff., XXVI.Quod catholicus non habeatur qui non concordat Romanae ecclesiae.

23Weinfurter: Canossa, 107.

24Dictatus Papaein: Buchner, Schmale: Quellen zum Investiturstreit, 148ff., XXIII.Quod Romanus pontifex, si canonice fuerit ordinatus, meritis beati Petri indubitanter efficitur sanctus testante sancto Ennodio Papiensi episcopo ei multis sanctis patribus faventibus, sicut in decretis beati Symachi pape continetur.

25Weinfurter: Canossa, 106.

26Thomas Franz: Das Papsttum im Mittelalter, Köln 2010, 97.

27LUT Mt 26, 52.

28Vgl. Carl Erdmann: Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, Stuttgart 1935, 21.

29Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung Ausüben“, 224.

30Ebd., 21.

31Vgl. Erdmann: Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, 20.

32Ebd., 21f.

33Ebd., 22.

34Franz: Das Papsttum im Mittelalter, 101.

35Vgl. Wilfried Hartmann, Klaus Herbers (Hrsg.): Die Faszination der Papstgeschichte. Neue Zugänge zum frühen und hohen Mittelalter, Köln 2008, 85.

36Ebd., 85.

37Erdmann: Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, 51.

38Vgl. ebd. 110.

39Ebd., 112.

40Ebd., 112.

41Ebd., 123.

42Ebd., 51.

43Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“, 215f.

44Erdmann: Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, 165.

45LUT Jer 48, 10.

46Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“, 50.

47Erdmann: Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, 165.

48Vgl. Althoff: „Selig sind, die Verfolgung ausüben“, 52.

49Vgl.Dictatus Papaein: Buchner, Schmale: Quellen zum Investiturstreit, 148ff., II. Quod solus Romanus pontifex iure dicatur universalis.

50Rudolf Schieffer: Papst Gregor VII. Kirchenreform und Investiturstreit, München 2010, 202.

51Erdmann: Die Entstehung des Kreuzzugsgedankens, 145f.

52Ebd., 151.

53Ebd., 151.

54Vgl. ebd., 153.

55Vgl. ebd., 156.

56Ebd., 154.

57Vgl. ebd., 154.

58Vgl. ebd., 156ff.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die päpstliche Gewalt und ihre Legitimation im Mittelalter
Hochschule
Universität Bielefeld  (Fachbereich Geschichtswissenschaft)
Veranstaltung
Hauptmodul Vormoderne
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
26
Katalognummer
V270610
ISBN (eBook)
9783656619543
ISBN (Buch)
9783656619536
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Papst, Mittelalter, Gewalt, Kirche, Kreuzzug, Kreuzzüge, Legitimation, Christentum, Religion, Gregor, Urban, Urban II, Vormoderne, Religionskrieg, Dictatus Papae, Investiturstreit, Heinrich, Canossa, Investitur, Heinrich IV, Gregor VII.
Arbeit zitieren
Annika Beermann (Autor), 2013, Die päpstliche Gewalt und ihre Legitimation im Mittelalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270610

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