Die Entstehung eines Deutschland-Bildes. Betrachtung und Auswertung ausgewählter Schriften Konrad Celtis


Hausarbeit, 2012

14 Seiten, Note: 11


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Konrad Celtis – ein kurzer akademischer Lebenslauf und eine persönliche Darstellung

3. Die Germania illustrata – vom Werden und Wachsen eines (ersten) Deutschland-Bildes

4. Die Beschreibung Deutschlands und der Deutschen in Celtis’ Werken

5. Die Beschreibung Polens und des livländischen Gebietes

6. Fazit

7. Verzeichnis der verwendeten Literatur und Quellen

1. Einleitung

In dem im Wintersemester 2011/2012 an der Justus-Liebig-Universität Gießen von Prof. Dr. Hans-Jürgen Bömelburg angebotenen Seminar „Deutsch-polnische Geschichte. Beziehungen, Verflechtungen, Kulturtransfer in der frühen Neuzeit“ war es zum Scheinerwerb notwendig, eine wissenschaftliche Hausarbeit zu schreiben.

Ein genaues Thema dafür hatte ich zu Beginn des Semesters nicht parat. In einer Sprechstunde bei Prof. Dr. Bömelburg schlug er mir vor, mich mit Konrad Celtis zu beschäftigen. Von Celtis hatte ich bis dahin noch nie gehört und so freute ich mich auf ein mir unbekanntes Themenfeld und entschied, diesem deutschen Humanisten meine Aufmerksamkeit zu widmen.

Die Fragen, die ich an diese Hausarbeit stelle, sind: Welche frühnationalen Entwürfe lassen sich bei Konrad Celtis herausarbeiten und feststellen? Und wie beschreibt er die deutsch-polnische Nachbarschaft oder, besser gesagt, das Volk und dessen Umfeld (Ländereien) östlich der Oder?

Diese wissenschaftliche Hausarbeit basiert auf der These, ob das Deutschland-Bild von Konrad Celtis mehr als 500 Jahre nach seiner Formulierung noch aktuell ist. Dazu beziehe ich mich vor allem auf seine Germania generalis.

Zunächst stelle ich hierfür Konrad Celtis – so knapp dies eben möglich ist – vor, um die Bilder, die er sowohl von Deutschland und Polen hatte, als auch seine Motivation für seine Schriften, deutlich zu machen. Im Anschluss erläutere ich die Entstehung und Geschichte der Germania illustrata. Es folgen die Eindrücke und Bilder, die Celtis von Deutschland und Polen gesammelt hat. Schließlich ende ich mit einem Fazit, das die oben genannte These beantwortet und gezogene Schlussfolgerungen erläutert.

2. Konrad Celtis – ein kurzer akademischer Lebenslauf und eine persönliche Darstellung:

Konrad Celtis wurde am 1. Februar 1459 in Wipfeld bei Schweinfurt als Konrad Bickel geboren. Der Nachname Celtis stellt die lateinisierte Form des Familiennamens Bickel oder auch Pickel dar. Bereits hier zeigt sich schon eine Unstimmigkeit: Celtis betonte ausdrücklich, im gleichen Jahr geboren zu sein wie König Maximillian I., nämlich 1459, da er für den Herrscher viel Sympathie empfand.[1] Dieser Respekt und diese Ehrerbietung wurden von Maximilian I. ebenso zurückgegeben.[2] Es lässt sich jedoch festmachen, dass Konrad Celtis 1489 bei seiner Ankunft in Krakau schrieb, er habe nun die ersten 25 Jahre seines Lebens vollendet.[3] Demnach wäre er 1464 geboren, jedoch fügt Robert (2003, S. 365) hinzu: „Zwischen historischer Authentizität und dichterischer Lebensinszenierung bleibt eine schwer auslotbare Differenz bestehen (…).“

1476 und 1477 studierte Celtis in Köln und schloss dort mit einem Baccalaureus artium ab; das Studium setzte er im Fach Theologie an derselben Universität fort. Dies scheint er jedoch nie beendet zu haben.[4]

Nach seinem Studium hielt er sich kurzfristig an den Universitäten in Heidelberg, Erfurt, Rostock und Leipzig auf, bevor er zwischen 1487 und 1489 nach Italien reiste. Ebenfalls 1489 lebte er in Krakau, von wo aus er sich 1491 über Breslau, Prag und Nürnberg auf den Weg nach Ingolstadt machte. An der dortigen Universität lehrte er bis 1497, lediglich unterbrochen von Aufenthalten an der Domschule zu Regenburg und den Universitäten in Wien und Heidelberg.[5] Gegen Ende des Jahres 1497 nahm er „die ihm von König Maximilian I. angetragene ordentliche Professur für Poetik und Rhetorik an die Wiener Universität“ an, die er bis zu seinem Tod 1508 innehatte.[6]

Da es nach Celtis’ Auffassung unumgänglich schien, für ein philosophisches Begreifen der Welt Geographie und Geschichtsforschung studiert zu haben, ist es nur verständlich, dass er sich 1500 an den Druck der Germania des Tacitus heranwagte.[7] Ihr fügte er die Kapitel der Norimberga und Germania generalis später lediglich hinzu, da er die positiven Aspekte Tacitus’ akzentuierte, sie jedoch nicht negligierte.[8] Celtis verstand seine beiden Schriften lediglich als Ergänzungen und „Korrektiv“.[9]

Celtis war darüber hinaus nicht sonderlich gut auf den Papst zu sprechen. Stadtwald (1996, S. 73f.) zitiert Celtis, der eine Audienz beim Papst beschreibt und dabei Unverständnis darüber äußert, dass er dem Pontifex habe die Füße küssen müssen.[10] Reine Spekulation bleibt, ob der Antipapalismus auch daher rührte, dass der Schriftsteller Enea Silvio Piccolomini – der lediglich negativ über Deutschland zu schreiben wusste – zur Zeit von Celtis’ Geburt zum Papst gewählt wurde. Ebenso ist nicht auszuschließen, ob es sich um relativen Antipapalismus handelt und Celtis nur auf einen oder zwei Päpste schlecht zu sprechen war.

3. Die Germania illustrata – vom Werden und Wachsen eines (ersten) Deutschland-Bildes:

Die Italia illustrata von Flavio Biondo war für Celtis ausschlaggebend, ein analoges Werk von Deutschland zu erstellen. Er hat seine Germania illustrata bis auf den 1502 publizierten „Gedichtszyklus“ der Germania generalis nie vollendet, jedoch bereits zwischen 1492 und 1493 mit der Planung dafür begonnen gehabt.[11] Vorbild hierfür war die bereits erwähnte Italia illustrata, mit der Celtis wahrscheinlich zwischen 1491 und 1492 erstmals in Berührung gekommen zu sein scheint.[12] Eine genaue Feststellung ist aufgrund fehlender Quellen und des Ausfalls des Briefwechsels zwischen 1487 und 1491 heute nicht mehr nachzuvollziehen.[13] Diese beschrieb zwar den Deutschen als physisch und moralisch stark, jedoch auch als zivilisationsfern und schlicht.[14] Hier hat Celtis angeknüpft und versucht, dieses Bild zurecht zu rücken.

[...]


[1] Vgl. Stadtwald (1996), S. 72.

[2] Vgl. ebd., S. 77.

[3] Vgl. Robert (2003), S. 365.

[4] Vgl. Machilek (1996), S.143.

[5] Vgl. Schmidt (1978), S. 323.

[6] Vgl. ebd, S. 323; s. auch Machilek (1996), S. 149.

[7] Vgl. Schäfer (1976), S. 8.

[8] Vgl. Krebs (2005), S. 195.

[9] Robert (2003), S. 350.

De situ et moribus Germaniae additiones heißt dieses Kollektiv Celtis’, in dem die beiden genannten Texte zusammengeführt wurden und durch das Wort „additiones“ ausdrücklich als Ergänzung zu Tacitus’ Germania zu sehen sind.

[10] Vgl. Stadtwald (1996), S. 74. „It was becoming a visceral image of the subjugation of the German nation to Rome, and so produced a resonance in Celtis’s readers and students.“

[11] Vgl. Kühlmann (2001), S. 660; s. auch Robert (2003), S. 377.

[12] Vgl. Schäfer (1976), S. 8; s. auch Robert (2003), S. 375.

[13] Vgl. Robert (2003), S. 376.

[14] Vgl. ebd., S. 348.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Entstehung eines Deutschland-Bildes. Betrachtung und Auswertung ausgewählter Schriften Konrad Celtis
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
11
Autor
Jahr
2012
Seiten
14
Katalognummer
V270674
ISBN (eBook)
9783656622031
ISBN (Buch)
9783656621935
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entstehung, deutschland-bildes, betrachtung, auswertung, schriften, konrad, celtis
Arbeit zitieren
Moritz M. Schmidt (Autor), 2012, Die Entstehung eines Deutschland-Bildes. Betrachtung und Auswertung ausgewählter Schriften Konrad Celtis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270674

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