Am 31.10.1517 schlug Martin Luther die 95 Ablassthesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg. Dies hatte weitreichende Folgen. Es entbrannte ein sich ausbreitender Streit und der Zerfall der Universalkirche begann.
Es kam zu einer Einberufung des Konzils von Trient durch Papst Paul III, mit drei Sitzungsperioden in der Zeit vom 13.12.1554 bis zum 4.12.1563. Das Ziel war die katholische Glaubenslehre neu zu formieren und sie gegen die reformatorische Lehre abzusetzen.
Die wichtigsten, vom Papst verurteilten Positionen Luthers, waren zum einen die Rechtfertigungslehre. Es entstehe Rechtfertigung allein aus dem Glauben und nicht durch die Verdienstlichkeit der Werke. Zum anderen wurde auch die Negierung der Vorstellung vom Fegefeuer, welche biblisch nicht begründet ist, abgelehnt. Außerdem befand er die Mittlerschaft der Heiligen und deren Verehrung unnütz. Das Papsttums beurteilte er als unsinnig, da es nicht auf göttlichem Recht gründete.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Zeitgeschichtlicher Hintergrund – Reformation & Gegenreformation Das Tridentinische Konzil
2. Michelangelos „Jüngstes Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle
3. Kurze Bildbeschreibung
4. Argumentationen ...
4.1 ... für einen ikonoklastischen Akt
- nach Winfried Speitkamp
- nach Leo Steinberg
- nach Lieselotte Bestmann
4.2 ... gegen einen ikonoklastischen Akt
- nach Rolf Quednau
- anhand biografischer Aspekte: Die Freundschaft Danielle da Volterras zu Michelangelo
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische und kunsthistorische Einordnung der Übermalungen an Michelangelos „Jüngstem Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle durch Daniele da Volterra, um die Forschungsfrage zu beantworten, ob dieser Eingriff als ikonoklastischer Akt oder als restaurative Maßnahme zu bewerten ist.
- Historischer Kontext der Reformation, Gegenreformation und des Tridentinischen Konzils
- Detaillierte Analyse und Bildbeschreibung des „Jüngsten Gerichts“
- Diskussion der Argumente für eine ikonoklastische Deutung der Übermalungen
- Gegenüberstellung von Argumenten, die gegen eine Zerstörung und für eine bewahrende Zensur sprechen
- Berücksichtigung biografischer Faktoren wie der Künstlerfreundschaft zwischen Michelangelo und Volterra
Auszug aus dem Buch
2. Michelangelos „Jüngstes Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle
Als die Strapazen an den Fresken der Sixtinischen Decke im September des Jahres 1512 erledigt waren, zog sich Michelangelo als Maler für die angehenden zwanzig Jahre zurück. Seinem Selbstbewusstsein als Bildhauer gemäß, gab sich der Fachmann nach Bewerkstelligung der Sixtinischen Volta besonders den Plastiken hin, übt ebenfalls seine Tätigkeit als Baukünstler aus. Zwischen 1512 und 1533 füllten ihn unter anderem das Juliusgrabmal, die Umkleidung für San Lorenzo und die Anfertigung der Grabmäler für die Medicikapelle aus.
Im Herbst 1533, die Medicibegräbnisstätten sind durchaus nicht fertiggestellt und die Strapazen am Juliusgrabmal werden zur Zeit abermals begonnen, betraut Papst Clemens VII. den schon 58-jährigen Schöpfer beifolgend, die Portal- und die Altarwand der Sixtinischen Kapelle, deren Bedeckung er für Papst Julius II. mit dem Geschehen der Vorväter als auch des Genesiszyklus des Menschen künstlerisch aufgezeichnet hatte, mit dem Fall Luzifers bezüglich mit dem Weltgericht zu verzieren, um präsentieren zu vermögen, „was alles der Kunst der Malerei möglich sei“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Zeitgeschichtlicher Hintergrund – Reformation & Gegenreformation Das Tridentinische Konzil: Dieses Kapitel erläutert die religiösen und politischen Spannungen des 16. Jahrhunderts sowie die Beschlüsse des Konzils von Trient als notwendigen Kontext für die künstlerischen Eingriffe.
2. Michelangelos „Jüngstes Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle: Es wird die Entstehungsgeschichte des Freskos dargestellt, wobei die schwierigen Umstände zwischen päpstlichen Aufträgen und Michelangelos anderen Verpflichtungen beleuchtet werden.
3. Kurze Bildbeschreibung: Hier erfolgt eine formale und inhaltliche Analyse der zentralen Figuren und Strukturen des „Jüngsten Gerichts“, wie Christus als Kraftzentrum und die Rollen der Auferstehenden.
4. Argumentationen ...: In diesem Hauptteil werden gegensätzliche wissenschaftliche Interpretationen dazu debattiert, ob die Übermalungen durch Volterra als Zensur bzw. Bildersturm oder als notwendige Bewahrung des Werks einzustufen sind.
5. Schlusswort: Die Autorin resümiert, dass die Übermalung eher als ein Akt der Rettung denn als ikonoklastischer Akt anzusehen ist, da sie das Werk vor einer möglichen vollständigen Zerstörung bewahrt hat.
Schlüsselwörter
Michelangelo, Jüngstes Gericht, Sixtinische Kapelle, Daniele da Volterra, Ikonoklasmus, Bildersturm, Tridentinisches Konzil, Gegenreformation, Übermalung, Kunstgeschichte, Zensur, Kunsttheorie, Renaissance, Malerei, Kirchengeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Übermalungen an Michelangelos Fresko „Jüngstes Gericht“ und diskutiert, ob diese als bewusster ikonoklastischer Akt oder als schützende Zensurmaßnahme der Kirche zu interpretieren sind.
Welche Themenfelder stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Auswirkungen des Tridentinischen Konzils auf die Kunst, die ikonographische Interpretation des „Jüngsten Gerichts“ sowie die kunstgeschichtliche Debatte über den Umgang mit nackten Darstellungen in religiösen Räumen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die These zu untermauern, dass Daniele da Volterras Übermalungen nicht als ikonoklastischer Akt gewertet werden sollten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die auf Literaturrecherche, der Untersuchung zeitgenössischer Quellen (wie Vasari und Condivi) und dem Vergleich unterschiedlicher wissenschaftlicher Interpretationen (z.B. Quednau, Steinberg, Bestmann) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Bildbeschreibung und eine differenzierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Expertenmeinungen, die entweder pro oder contra die Einordnung als Ikonoklasmus argumentieren.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ikonoklasmus, Gegenreformation, Michelangelos „Jüngstes Gericht“ und die Künstlerbiografie von Daniele da Volterra charakterisieren.
Warum wird die Freundschaft zwischen Michelangelo und Volterra als wichtiges Indiz angeführt?
Die enge persönliche und künstlerische Bindung wird als Beleg dafür verwendet, dass Volterra kaum gegen das explizite Wollen Michelangelos dessen Werk entstellt hätte, was gegen die Annahme eines rein feindseligen Zerstörungsakts spricht.
Wie bewertet die Arbeit das Ergebnis der Übermalungen?
Das Fazit der Autorin ist, dass die Übermalungen als ein Akt der Rettung gelten können, da sie dazu dienten, das Werk den geltenden Moralvorstellungen anzupassen und somit vor einer potenziellen totalen Zerstörung durch die Obrigkeit zu schützen.
- Quote paper
- Ann-Sophie Parker (Author), 2012, Das Tridentinische Konzil und die Folgen für die Kunst: Daniele da Volterras Übermalung von Michelangelos Jüngstem Gericht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270735