Schon 1939 trägt eine russische Offensive den Zweiten Weltkrieg nach Finnland. Das skandinavische Land gerät in eine isolierte und bedrohte Lage zwischen deutschen und sowjetischen Großmachtinteressen.
Dieser Band analysiert Finnlands „Sonderweg“ im Zweiten Weltkrieg und stellt dessen geschichtliche Hintergründe dar. Welchen Handlungsspielraum hatte Finnland tatsächlich im Verlauf des Krieges – und wie konnte es nach Kriegsende seine Unabhängigkeit wahren?
Aus dem Inhalt:
Der Kampf um Karelien
Kriegsverlauf in Finnland: Winterkrieg, Fortsetzungskrieg, Lapplandkrieg
Finnland im Spannungsfeld deutscher und sowjetischer Bestrebungen
Finnische Außen- und Neutralitätspolitik am Vorabend des Zweiten Weltkriegs
Die Finnlandpolitik Hitlers und die deutsch-finnischen Beziehungen
Inhaltsverzeichnis
Harald Freter (2008): Finnland im Zweiten Weltkrieg im Spannungsfeld deutscher und sowjetischer Großmachtinteressen
Einleitung
Interessenlage der beteiligten Mächte bezüglich Finnland
Der Verlauf des Krieges in Finnland 1939 - 1945
Bewertung der finnischen Handlungsmöglichkeiten
Zusammenfassung
Matthias Sühl (2010): Finlands Außenpolitik nach dem ersten Weltkrieg. Vom neuen Staat zum isolierten Land im Winterkrieg und zum Waffenbruder des Dritten Reiches
Einleitung
Finlands Außenpolitik als neuer Staat
Finlands Neutralitätspolitik vor dem Winterkrieg
Der Winterkrieg
Der Fortsetzungskrieg
Fazit
Björn Kohlsdorf (2005): Entstehung und Wandel der militärischen Koalition Deutschland – Finnland in Kohärenz mit dem Kriegsverlauf an der Ostfront
Einleitung
Genese der Koalition
Die militärische Liaison Deutschland - Finnland
Ende der „Waffenbrüderschaft“
Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die komplexen außenpolitischen und militärischen Handlungsspielräume Finnlands während des Zweiten Weltkriegs im Spannungsfeld zwischen nationalen Interessen, dem Druck der Sowjetunion und der strategischen Allianz mit dem nationalsozialistischen Deutschland.
- Analyse der Interessenlagen von Deutschland und der Sowjetunion hinsichtlich Finnlands
- Untersuchung der finnischen Strategien (Neutralität, "Waffenbrüderschaft") im Kriegsverlauf
- Bewertung der historischen "Treibholztheorie" vs. bewusster politischer Entscheidungsfindung
- Untersuchung der Hintergründe für das Ausbleiben einer sowjetischen Besatzung Finnlands nach 1945
Auszug aus dem Buch
Die Zwischenkriegszeit 1940/41
Nach dem Winterkrieg gab es einander widerstreitende Tendenzen in der finnischen Außen- und Militärpolitik (Menger, 1988, S. 75). Einerseits sollte versucht werden, das Land aus neuen kriegerischen Auseinandersetzungen herauszuhalten, indem ein befriedigendes Verhältnis zur Sowjetunion gefunden werden sollte. Andererseits gab es eine immer stärker werdende Tendenz, das Land auf Deutschland zu orientieren und die Schlagkraft der finnischen Streitkräfte zielstrebig auszubauen.
Ab dem Sommer 1940 wurde der finnische Außenhandel hauptsächlich auf Deutschland und dessen Einflussgebiet ausgerichtet (Menger, 1988, S. 74ff.; Jokipii, 1997). So kam es zu umfangreichen Eisen- und Kohlelieferungen Deutschlands an Finnland. Umgekehrt wurden der IG Farben 60 % der Nickelausbeute aus der Petsamoregion zugesichert.
Mit den deutschen Planungen für einen Angriff auf die Sowjetunion (Weisung Hitlers vom 21.7.1940) wurde Finnland für Deutschland primär als Flankenpartner, Aufmarsch- und Nachschubbasis von Interesse (Menger, 1988, S. 79). Weitere deutsch-finnische Kontakte erfolgten dann auch auf militärischer Ebene. So kam es zu mehreren Vereinbarungen über deutsche Truppen- und Materialtransporte durch Finnland in das besetzte Nordnorwegen und einem Geheimvertrag vom 1.10.1940 über deutsche Waffenlieferungen an Finnland.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel legt den Fokus auf die besondere Lage Finnlands am Ende des Zweiten Weltkriegs, das trotz enger Anbindung an Deutschland weder besetzt noch sowjetisiert wurde, und führt in die wissenschaftliche Fragestellung ein.
Interessenlage der beteiligten Mächte bezüglich Finnland: Hier werden die historischen Ursprünge der finnischen Unabhängigkeit und die daraus resultierenden Spannungen mit der Sowjetunion sowie die frühen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zu Deutschland beleuchtet.
Der Verlauf des Krieges in Finnland 1939 - 1945: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte chronologische Aufarbeitung der drei Konfliktphasen (Winterkrieg, Fortsetzungskrieg, Lapplandkrieg) unter besonderer Berücksichtigung der diplomatischen und militärischen Wendepunkte.
Bewertung der finnischen Handlungsmöglichkeiten: In diesem Teil wird kritisch analysiert, welche realen Optionen der finnischen Führung zur Verfügung standen und inwiefern der Begriff des "Sonderkrieges" historisch haltbar ist.
Zusammenfassung: Das Fazit stellt die kriegsübergreifende Strategie Finnlands dar, den Handlungsspielraum als kleines Land innerhalb der globalen Mächtekonstellation trotz extremer Einschränkungen klug genutzt zu haben.
Schlüsselwörter
Zweiter Weltkrieg, Finnland, Sowjetunion, Deutschland, Winterkrieg, Fortsetzungskrieg, Lapplandkrieg, Waffenbrüderschaft, Mannerheim, Außenpolitik, Neutralität, Geopolitik, Strategie, Militärallianz, Souveränität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die finnische Außen- und Sicherheitspolitik während des Zweiten Weltkriegs und untersucht, wie Finnland es schaffte, im Spannungsfeld der Großmächte seine Souveränität zu bewahren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Interessenanalyse zwischen Deutschland und der Sowjetunion, dem Verlauf der finnischen Kriegsbeteiligung und der historischen Einordnung der finnischen Handlungsspielräume.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, warum Finnland trotz seiner engen militärischen Kooperation mit Deutschland nach dem Krieg weder von der Sowjetunion besetzt noch in einen sowjetischen Satellitenstaat umgewandelt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von deutsch- und englischsprachiger Sekundärliteratur, Dokumentensammlungen sowie Memoiren basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Aufarbeitung der Interessenlagen, der chronologischen Ereignisse der drei Kriege (Winter-, Fortsetzungs- und Lapplandkrieg) sowie eine kritische Bewertung der politisch-militärischen Entscheidungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Waffenbrüderschaft, Neutralität, Geopolitik, Sonderkrieg, Sowjetunion, Deutschland, Mannerheim und Souveränität charakterisieren.
Inwiefern beeinflusste die "Treibholztheorie" die finnische Geschichtsschreibung?
Die Treibholztheorie versuchte lange Zeit, Finnland als passives Opfer der Großmächte darzustellen, was jedoch von neueren Historikern widerlegt wurde, die betonen, dass die finnische Staatsführung bewusst und eigenständig handelte.
Warum lehnte Finnland nach dem Fortsetzungskrieg die sofortige Kapitulation ab?
Finnland war auf die deutsche Unterstützung angewiesen und versuchte, einen Zeitpunkt für den Ausstieg aus dem Krieg zu finden, der sowohl militärisch als auch politisch eine Wahrung der staatlichen Unabhängigkeit ermöglichte.
- Citation du texte
- Harald Freter (Auteur), Matthias Sühl (Auteur), Björn Kohlsdorf (Auteur), 2014, Finnland im Zweiten Weltkrieg: Zwischen Winterkrieg, Waffenbrüderschaft und Neutralität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270938