Steuerhinterziehung als rationelles Kalkulieren

Eine Betrachtung der Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß aus der Perspektive der Rational-Choice-Theorie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2013

23 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Rational Choice Theorie

1. allgemeines Erklärungsmodell

2. „Subjective expected utility“-Theorie

3. Uli Hoeneß

4. Steuerhinterziehung in Deutschland

5. Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß

1. Die Entscheidung zur illegalen Spekulation

2. Die Entscheidung nach der Lehmanpleite

3. Die Entscheidung zur Selbstanzeige

6. Hypothesen im Hinblick auf Makrosoziologische Zusammenhänge

7. Fazit und Schlussbetrachtung

8. Literaturverzeichnis

9. Tabellenverzeichnis

1. Einführung

Uli Hoeneß ist nicht die beliebteste und nicht die schillerndste Persönlichkeit der Bundesliga, aber er kann als die prägendste Figur angesehen werden. Seine Angriffe aus der „Abteilung Attacke“, persönliche Feindschaften, die Kommerzialisierung des Fußballs: Der Manager polarisiert auf vielen Ebenen. Man kann ihm einiges vorwerfen, fehlender Einsatz oder mangelnde Begeisterung für das Spiel gehören aber gewiss nicht dazu. Im Frühjahr 2013 wurde dann bekannt: Der Fußballmanager, der auf sportlicher, wirtschaftlicher und moralischer Ebene ein Vorbild zu sein schien, versteuerte seine Gewinne aus Börsenspekulationen nicht. Von der einst geachteten Persönlichkeit distanzierten sich Politiker. Selbst Bundeskanzlerin und Bundespräsident meldeten sich zu Wort.

In dieser Hausarbeit soll das Handeln von Uli Hoeneß mithilfe der Rational-Choice-Theorie (im Folgenden: RC-Theorie) untersucht werden. Diese Theorie adaptiert das ökonomische Konzept der rationalen Wahl für soziologische Handlungsentscheidungen. Zwei leitende Fragen bilden den Rahmen für die Analyse. Einerseits soll erörtert werden, wie Uli Hoeneß zu dem Handeln gekommen ist, das seinem Ruf und seinem Ansehen schadete. Andererseits stellt sich auf der Metaebene die Frage, ob die RC-Theorie geeignet ist, das Handeln von Hoeneß zu erklären.

In diesem Essay werden zuerst die zentralen Fakten der RC-Theorie erarbeitet. Im Anschluss wird der Fußballer, Manager und Geschäftsmann Uli Hoeneß vorgestellt. Dabei soll ein Einblick in die Denk- und Lebenswelt gegeben werden. Nach der folgenden Betrachtung der Steuerhinterziehung in Deutschland werden die Entscheidungen auf die individuelle Ebene von Hoeneß untersucht. Dies erfolgt auf der Basis eines Interviews, das Hoeneß nach der Veröffentlichung der Steuerhinterziehung gegeben hat. Der letzte Schritt, der der Logik der Aggregation folgt, kann nur in Form von Hypothesen geschehen, da im Rahmen der Hausarbeit nur ein Fallbeispiel betrachtet wird. Eine allgemeingültige Aussage kann dann davon nicht abgeleitet werden.

2. Die Rational-Choice Theorie

Die RC-Theorie nach Hartmut Esser nimmt für sich in Anspruch soziale Phänomene deduktiv-nomologisch zu erklären. Dieser kurze Satz birgt eine Reihe von Diskussionsstoff. Die RC-Theorie wird aus der Wirtschaft entlehnt. Damit verbundene Ideen, wie die perfekte Information für jeden Konsumenten oder eine objektiv beste Wahl, sind für Soziologen zumindest diskussionswürdig. Ein einfaches Übernehmen aus der Wirtschaft und das Anwenden auf soziale Prozesse sind an dieser Stelle nicht möglich, da damit die soziale Wirklichkeit deutlich verfehlt würde. Wie die Adaption der Theorie erfolgte, wird unter 2.2. näher erläutert.

Soziale Phänomene deduktiv-nomologisch zu erklären, verweist auf eine Diskussion im Rahmen der soziologischen Theorie. Im Kern geht es dabei um die Frage, ob das „von Hempel und Oppenheim für die Erklärung naturwissenschaftlicher Phänomene entwickelte[...] Konzept der deduktiv-nomologischen Erklärung“ (Kron 2010: 53) auch in der Soziologie anwendbar ist. Demnach müssten soziale Phänomene mithilfe von allgemeinen Gesetzen erläutert werden können. Dafür muss gezeigt werden, dass enthaltene Randbedingungen auch in Wirklichkeit zutreffen. Insbesondere die Existenz allgemeiner Gesetze wird diskutiert. „Man hat die (unverzichtbaren) >allgemeinen< Zusammenhänge auf der Makroebene sozialer Prozesse bis heute nicht finden können“ (Esser 1991: 40). Andere Soziologen lehnen es ab nach allgemeinen Gesetzen zu suchen. Diese beschränken sich auf „die Aufgabe der Beschreibung (und >Interpretation<) der alltäglichen Lebenswelten von Akteuren.“ (Esser 1991: 41).

Ein weiteres Problem der deduktiv-nomologischen Erklärung stellt sich mit der Heterogenität der soziologischen Variablen. Um ein soziales Phänomen zu erklären, müssten die im allgemeinen Gesetz angegebenen Randbedingungen zutreffen. Allerdings sind einige Variablen, die auf das Handeln einwirken, kaum beobachtbar. Andererseits müssten dann immer mehr Randbedingungen in das allgemeine Gesetz, das ja noch nicht gefunden wurde, aufgenommen werden. Unter diesen Voraussetzungen ist es nachvollziehbar, dass der deduktiv-nomologische Ansatz nicht von allen Soziologen geteilt wird. Die RC-Theorie allerdings nimmt für sich in Anspruch, die genannten Schwierigkeiten gelöst zu haben. Mit einem Zwischenschritt wird versucht das Problem der Unvollständigkeit der Variablen zu lösen. Es existiert zwar „eine extrem hohe Variabilität und Instabilität in der Art der Regelung sozialer Beziehungen [...], mit denen Menschen Probleme lösen“ (Esser 1991: 41); die Regeln für das Problemlösungsverhalten der Menschen sind aber deutlich weniger. (Vgl. Esser 1991: 41) Um es mit anderen Worten zu sagen: Die von Menschen gelösten Probleme besitzen mehr Variablen, als empirisch erfassbar wären. Das Vorgehen bei der Lösung kann aber hinreichend geklärt werden. Soziologen sind nun allerdings nicht direkt an den Regeln des Problemlösens interessiert, sondern sie richten ihre Aufmerksamkeit auf das Problemlösen in Abhängigkeit von sozialen Bedingungen. Um eine bestimmte soziale Situation mit den allgemeinen Gesetzen des Problemlöseverhaltens zu verknüpfen, werden Brückenhypothesen formuliert und evaluiert. Diese „sind Zusatzhypothesen, die die jeweiligen speziellen Umstände und Bedingungen eines Handelns mit der allgemeinen Handlungstheorie verbinden“ (Haller 2003: 284). Für sie trifft das Problem der Unvollständigkeit nicht zu. Außerdem wird eine allgemeine Erklärung geliefert, denn „ Immer, wenn die unter den Brückenhypothesen angegebenen Bedingungen erfüllt sind, ist der entsprechende Prozess zu erwarten.“ (Esser 1991: 43).

2.1. Allgemeines Erklärungsmodell

Das allgemeine Gesetz des Problemlösungsverhaltens ist nicht auf der makrosoziologischen Ebene, sondern bei dem einzelnen soziologischen Akteur gelagert. Der nomologische Kern des Ansatzes befindet sich somit auf der Mikroebene. „Die RC-Theoretiker sind also explizite Vertreter der Position des methodologischen Individualismus“ (Haller 2003: 284). Die RC-Theorie unternimmt damit den Versuch kollektive Phänomene auf der Basis von individuellen Entscheidungen zu erklären.

In Form der Coleman´schen Badewanne werden die Makro- und Mikroebene der Gesellschaft verknüpft. Für eine vollständige Beschreibung sind drei Aspekte notwendig: die Logik der Situation, die Logik der Selektion und die Logik der Aggregation. Diese drei Logiken stellen dabei einerseits Schritte dar, die der Akteur in der entsprechenden Situation bewusst oder unbewusst geht bzw. die sich nach dem Handeln mehrerer Akteure in der Aggregation ergeben. Andererseits kann mit den Logiken der Weg einer Handlung nachvollzogen und erklärt werden.
Der erste Schritt stellt die Logik der Situation dar. Der Akteur wählt den Rahmen (Frame) seiner Situation aus. Als Beispiel bietet sich eine Frau an, die eine Bäckerei betritt und lächelt. Sie hat zu dem Zeitpunkt schon die Handlung durchgeführt, indem sie lächelte. Aber in welchen Rahmen hat sie dies getan?

Es könnte für sie ein ganz normaler Tag sein und sie möchte einfach Brötchen holen. Dann ist für sie die Situation schnell klar und sie kann in Schritt zwei ein vorgefertigtes Skript „beim Bäcker Brötchen holen“ auswählen. In diesem Fall hat sie die Rahmenbedingungen sowie die äußeren und inneren Gegebenheiten der sozialen Situation in kürzester Zeit erfasst. In der Regel hat sie dies unbewusst getan.

Die Frau könnte aber auch vor einem Jahr Opfer eines Überfalls in dieser Bäckerei geworden sein. Nach langer Zeit geht sie das erste Mal wieder zu diesem Bäcker. Sie hat sich in Gedanken vorher bewusst darauf vorbereitet. Obwohl die anderen Kunden in diesem Geschäft nichts von dem Überfall wissen, versucht die Frau sich möglichst „normal“ zu verhalten. Sie betritt also das Geschäft und lächelt. Ihre Situation unterschied sich innerlich stark von der der ersten Frau. Die überfallene Frau hat bewusst das Skript „beim Bäcker Brötchen holen“ ausgewählt.

Die Frau könnte auch die millionste Kundin bei diesem Bäcker sein. Sie betritt das Geschäft, sieht die Blumen, eine Kamera, die auf sie gerichtet ist und einen Mann im Anzug, der ihr die Hand entgegenstreckt. In diesem Fall ist ihr vorher ausgewähltes Skript „beim Bäcker Brötchen holen“ hinfällig. Die äußeren Gegebenheiten weichen in wichtigen Punkten von der erwarteten Situation ab. In Gedanken geht sie dann ihre Handlungsmöglichkeiten und -restriktion durch. Sie könnte das Geschäft einfach wieder verlassen. Sie könnte einen Notfall vortäuschen, um die Situation zu umgehen. Oder sie kann lächeln, freundlich sein und abwarten, was der Mann im Anzug als nächstes tut. Welche Handlungsmöglichkeit sie dann wirklich wählt, gehört zur Logik der Selektion, die im nächsten Kapitel näher erläutert wird.

Die Logik der Situation muss innere und äußere Gegebenheiten der Situation erfassen. Zudem müssen Handlungsmöglichkeiten und -restriktion sowie die Präferenzen des Akteurs erhoben werden. Im Fall von Uli Hoeneß entspricht die Analyse der Biographie der inneren Situation. Die Entwicklung der Steuerhinterziehung in Deutschland kommt der äußeren Situation gleich. Der zweite Schritt, die Logik der Selektion, also die Auswahl der Handlungsmöglichkeiten wird später noch näher erläutert.

Die Logik der Aggregation stellt einen wichtigen Punkt der RC-Theorie dar, da erst dadurch Aussagen über kollektive Phänomene getätigt werden können. Dabei werden die individuellen Selektionen, also die getroffenen Handlungsentscheidungen, in gesellschaftliche Effekte transformiert. Das Problem der Allmende zeigt, dass die Logik der Aggregation notwendig ist, da das Verhalten eines Einzelnen noch nicht Auskunft darüber gibt, was im großen Maßstab geschieht. Mithilfe diesen dritten Schrittes wird die Coleman´sche Badewanne wieder geschlossen und die zuvor getätigten mikrosoziologischen Betrachtungen auf die Makroebene zurückgeführt. Für diese Hausarbeit spielt die Logik der Aggregation eine geringere Rolle, weil nur der Fall Uli Hoeneß betrachtet wird. Für eine vollständige Erklärung im Sinne der RC-Theorie müssten mehr Akteure betrachtet werden, um dann zu makrosoziologische Schlüssen zu kommen.

2.2. „Subjective expected Utility“

Der zweite Schritt, die Logik der Selektion, wird mithilfe der Subjective-Expected-Utility-Theorie (im Folgenden kurz SEU-Theorie) erklärt. „Diese besagt, daß Menschen aus den verfügbaren Handlungsalternativen jene wählen, die angesichts der situativen Umstände die Erreichung bestimmter Ziele am ehesten versprechen.“ (Haller 2003: 286). Die namensgebende „Rationale Wahl“ einer Handlungsalternative ist der Kern dieser Handlungstheorie.

Zum Verständnis der Theorie ist es unbedingt notwendig den Terminus „Rationale Wahl“ genau zu definieren. Eine „Wahl“ ist das Entscheiden zwischen verschiedenen Handlungsalternativen. Der Mensch steht ständig davor Dinge zu tun oder nicht zu tun. Im Prinzip ist es unmöglich sich nicht zu entscheiden, da auch das Nichtentscheiden eine Wahl ist. Meist wird zuerst die Situation bewertet und dann wird auf eventuelle Routinen zurückgegriffen. Diese Entscheidung findet in der Regel nicht bewusst statt. Vielmehr werden automatisch ganze Folgen von Handlungen abgespielt ohne darüber nachzudenken. Das Beispiel der ersten Frau beim Bäcker verdeutlicht dies. Sie betritt das Geschäft, lächelt, bestellt vier Brötchen und zwei Kaffee, bezahlt, wünscht der Verkäuferin einen schönen Tag und verlässt das Geschäft. Das alles läuft nach einem ungeschriebenen Skript ab, das die Frau verinnerlicht hat. „>Skripte< sind Schemata über Ereignisabläufe“ (Esser 1991: 62). Neben diesen stehen weitere Handlungsmuster im Rahmen der RC-Theorie zur Verfügung. Habits beispielsweise sind „automatische, unreflektierte Reaktionen ohne eigene Ziel-Mittel-Kalkulation“ (Esser 1991: 62). Der automatische Blick aus dem Fenster am frühen Morgen, um das Wetter abzuschätzen, wäre beispielsweise ein Habit. Es wird keine genaue Vorhersage getroffen, sondern der Schirm wird unbewusst (!) eingepackt, wenn sich Wolken am Himmel zeigen.

Die Neubewertung einer Situation stellt aber die eigentliche rationale Wahl dar. Gerade Irritationen, Überraschungen und Unbekanntes durchbrechen die Routine. Ein Skript oder ein Habit kann plötzlich nicht mehr angewandt werden. In diesem Fall findet eine Neubewertung der Situation statt und es wird sich für eine neue Handlung entschieden. Das muss nicht unbedingt Wochen dauern, sondern kann auch in Sekundenbruchteilen passieren. Die millionste Kundin beim Bäcker hat sich beispielsweise in kürzester Zeit von dem Skript „beim Bäcker Brötchen holen“ auf das „Handeln im Scheinwerferlicht“ umgestellt. Sie konnte nicht lange überlegen, was sie macht, sondern hat abgewartet und gelächelt, um dann neu reagieren zu können.

Nach der Einschätzung der Situation werden die Kosten und Nutzen möglicher Handlungsalternativen nach persönlichen Präferenzen abgewägt. In diesem Punkt unterscheiden sich ökonomische und soziologische Theorie. Indem nach der Bewertung die Option ausgewählt wird, die den höchsten Nutzen verspricht, wird eine rationale Wahl getroffen. Dann stimmt die soziologische Theorie mit der ökonomischen Theorie wieder überein.

Ein Blick auf die Menschenbilder verdeutlicht die Unterschiede, die im zweiten Schritt auftreten. In der Ökonomie wird das RPSMM-Modell angewandt. Es beschreibt den „restricted, perfect informed, stable preffering and maximizing man“ (Esser 1991: 53). Für das Maximieren (maximizing) wurde bereits geklärt, dass es sowohl in der ökonomischen, als auch in der soziologischen Theorie Anwendung findet. Dieser Parameter ist entscheidend für eine rationale Wahl. Ebenfalls in beiden Menschenbildern findet sich der Begriff „restricted“ wieder. Der Mensch hat also nur eine begrenzte Zahl an Möglichkeiten und ist somit beschränkt (restricted). Wenn er sich für eine Handlungsalternative entscheidet, dann sind die anderen nicht mehr ausführbar. Zusammengefasst wird dies im Begriff Opportunitätskosten: Wenn ich durch eine Tür gehe, dann kann ich nicht gleichzeitig durch drei weitere gehen.

Neben diesen zwei übereinstimmenden Eigenschaften gibt das ökonomische Menschenbild „perfect informed“ und „stable preferring“ als Parameter vor. Die Annahme, dass ein Mensch genau weiß, was er möchte, also stabile Präferenzen hat, erleichtern Berechnungen. Aber beispielsweise die vielfältigen Strategien der Marketingindustrie zeigen, dass die Präferenzen eines Elternteils durch ein geschickt beeinflusstes Kind an der Kasse verändert werden können. Nicht umsonst sind in den Regalen an der Kasse so viele Süßigkeiten gelagert. Es macht für die Makroökonomie keinen Sinn auf die Präferenzen einzelner bis ins Detail acht zu geben. Allerdings ist es für die soziologische Theorie notwendig.

Ähnlich verhält es sich mit dem „perfect informed“. Es ist offensichtlich, dass nicht jeder Marktteilnehmer über das gleiche Wissen verfügt. Aber es war für die Berechnung einfacher Modelle, und um grundlegende Erkenntnisse zu gewinnen, notwendig, dieses Modell einzuschränken. Dies wird nun für die RC-Theorie angepasst. Die zentralen Parameter „beschränkt“ und „maximierend“ werden um „resourceful, expecting, evaluating“ (Esser 1991: 52) ergänzt. Nach diesem RREEMM-Modell hat der Mensch Ressourcen, die er verwenden kann. Dazu gehören neben Geld auch Wissen, Beziehungen und Anderes, das eingesetzt werden kann, um eine Handlungsalternative möglich zu machen. Der große Unterschied liegt in dem „Erwarten“ und „Evaluieren“. Der Mensch wählt die Option für die er den größten Nutzen erwartet. Er entscheidet sich damit nicht zwangsläufig für die Alternative, die tatsächlich den höchsten Nutzen bringt. Dabei können Realität und Einschätzung durchaus divergieren. Da der Mensch eben nicht perfekt informiert ist, muss er die Lücken mit Erwartungen füllen. Zusätzlich bewertet er seine Handlungen und nutzt die gewonnenen Erkenntnisse für spätere Entscheidungen. Der Mensch lernt somit in diesem Modell mit jeder Entscheidung, die er trifft. Neben den reinen Kosten und Nutzen wird die subjektiv empfundene Eintrittswahrscheinlichkeit mit berechnet. Damit ist der große Unterschied zwischen den Menschenbildern genannt. Die Ökonomie geht von einem objektiv rationalen Menschen aus. Die RC-Theorie beruft sich auf eine subjektive Rationalität. Der Mensch trifft demnach seine Entscheidungen so, dass er den höchsten Nutzen daraus zieht. Der höchste Nutzen kann von außen nur im Nachhinein durch Betrachtung der Wahl bestimmt werden. Zusätzlich können einige Handlungsalternativen einfach wegfallen, weil der Mensch nicht an diese gedacht hat, oder andere kommen durch Kreativität und Einfallsreichtum hinzu. Das Menschenbild der RC-Theorie sieht somit einen Menschen vor, der auch stabile Handlungsmuster (Skripts) besitzt, aber in seinen Handlungen insgesamt viel flexibler ist.

Das Beispiel „Lottospielen“ verdeutlicht den zentralen Unterschied. In der ökonomischen Theorie würde es für den Menschen keinen Sinn machen Lotto zu spielen, da er im Endeffekt auf lange Zeit mehr bezahlen würde, als er herausbekommt. Er würde somit mehr Kosten als Nutzen haben und die Handlungsalternative „Kein Lottospielen“ vorziehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Steuerhinterziehung als rationelles Kalkulieren
Untertitel
Eine Betrachtung der Steuerhinterziehung von Uli Hoeneß aus der Perspektive der Rational-Choice-Theorie
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,3
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V270947
ISBN (eBook)
9783668664265
ISBN (Buch)
9783668664272
Dateigröße
615 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Uli Hoeneß;, Uli;, Hoeneß;, Steuerhinterziehung, Rational-Choice-Theorie
Arbeit zitieren
Emanuel Nestler (Autor), 2013, Steuerhinterziehung als rationelles Kalkulieren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/270947

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