„Man muss nur eine Kleinigkeit ändern: alles!“
sagte der ehemalige UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Bildung Vernor Muñoz Villalobos zur Inklusion. (Muñoz zit. n. Metzger 2011, S. 93)
Muss man wirklich alles ändern?
Das Thema meiner Arbeit beinhaltet die Fragestellung, was Grundschulen fehlt, in denen Inklusion nicht funktioniert.
Unterscheiden sie sich mit ihren Merkmalen von Merkmalen der Schulen, an denen Inklusion scheinbar nicht funktioniert bzw. von vorneherein auf Grund der fehlenden
Rahmenbedingungen abgelehnt wird? Stellt es sich aber nicht eigentlich anders dar?
„Unbekanntes macht Angst. Bekanntes gibt Sicherheit.“ (Eckert u. a. 2010, S. 135)
Liest man dieses Zitat, könnte man dann nicht vermuten, dass die Begründung der fehlenden Rahmenbedingungen nur eine Ausrede ist? Frau Professor Dr. Jutta Schoeler sagte in ihrem Vortrag auf dem landesweiten Integrationstag in Thüringen im März 2012: „Wer das gemeinsame Lernen will, findet Wege und wagt erste Schritte. Wer das gemeinsame Lernen nicht will, findet Gründe, dass es nicht geht.“ (Schoeler 2012)
Könnte diese Aussage wahr sein? Sind dies alles nur vorgeschobene Gründe? Diese Fragestellung will ich in meiner Arbeit klären.
Meine Arbeit beschäftigt sich exemplarisch mit einem kleinen Ausschnitt der Inklusion, der Inklusion von Kindern mit Behinderung, da der von mir gewählte Teil
momentan der am stärksten diskutierte Teil der Inklusion ist. Auf die anderen Beeinträchtigungen (vgl. dazu Kapitel 2.1), die bei der Inklusion auch relevant sind
(vgl. dazu Kapitel 2.6), gehe ich nicht genauer ein, da dies den Umfang der Arbeit sprengen würde.
Um die oben genannte Fragestellung klären zu können, gehe ich folgendermaßen vor: Am Anfang der Arbeit kläre ich in Kapitel 2 wichtige Begriffe, deren Definition
in der Literatur variiert, um ihre Verwendung in dieser Arbeit klarzustellen. Danach zeige ich im dritten Kapitel die Vor- und Nachteile der Inklusion auf. Anschließend
trage ich im vierten Kapitel zusammen, welche Merkmale Grundschulen oder generell Schulen mit funktionierender Inklusion auszeichnen. Dazu stelle ich einige
Schulen und ihre Eigenschaften in einem Kurzporträt vor. Als nächstes fasse ich die Eigenschaften der Schulen zusammen, um sie mit anderen Schulen vergleichen zu
können und daraus die Kriterien einer guten inklusiven Schule herausarbeiten zu können. Eventuelle Besonderheiten von inklusiven Schulen werden abschließend in diesem Kapitel aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsklärung
2.1 Behinderung
2.2 Extinktion
2.3 Exklusion
2.4 Separation
2.5 Integration
2.6 Inklusion
2.7 Vergleich Integration und Inklusion
2.8 Inklusive Schule
2.9 Gute Schule
2.10 Gute inklusive Schule
2.11 Schulhelfer
2.12 Zielgleich
2.13 Zieldifferent
3 Warum überhaupt Inklusion
3.1 Vorteile der Inklusion
3.2 Nachteile oder Probleme der Inklusion
4 Beispiele „funktionierender“ inklusiver Schulen
4.1 Beispiele in Deutschland
4.1.1 Waldschule Flensburg
4.1.2 Saarbrücker Grundschule am Ordensgut
4.1.3 Freie Ganztagsgrundschule SteinMalEins
4.1.4 Regine-Hildebrandt-Schule Birkenwerder
4.1.5 Montessori-Schule Borken
4.1.6 Gemeinschaftsgrundschule Brückenstraße, Eitorf
4.1.7 Gemeinschaftsgrundschule Wolperath-Schönau
4.1.8 Michaeli-Schule Köln (Freie Waldorfschule)
4.1.9 Sophie-Scholl-Schule Gießen
4.1.10 Grundschule Berg Fidel Münster
4.1.11 Clara-Grunwald-Schule Hamburg
4.1.12 Heinrich-Zille-Grundschule Berlin
4.1.13 Montessori-Gesamtschule Potsdam
4.1.14 Integrative Waldorfschule Emmerdingen
4.1.15 Gemeinschaftsgrundschule Pannesheide Herzogenrath
4.2 Zusammenfassung typischer Eigenschaften von inklusiven Schulen
4.3 Besonderheiten inklusiver Schulen
5 Was fehlt Schulen, wo Inklusion nicht funktioniert?
5.1 Was ist die Begründung, dass es nicht funktioniert?
5.2 Was wird für die Inklusion an Schulen gewünscht?
5.3 Kriterien für eine gute inklusive Schule
5.3.1 Schulkultur
5.3.2 Leitung
5.3.3 Strukturen
5.4 Zusammengefasste Kriterien für eine gute inklusive Schule
6 Ausblick
7 Fazit
8 Literatur
8.1 Quellen
8.2 Sonstiges
9 Anhang
9.1 Inklusion kann an meiner Schule nicht funktionieren, weil …
9.2 Wünsche zur Inklusion-Thread
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Fragestellung, was Grundschulen fehlt, in denen Inklusion scheinbar nicht funktioniert oder abgelehnt wird. Ziel ist es, anhand von Praxisbeispielen erfolgreich arbeitender inklusiver Schulen Kriterien für eine gelingende inklusive Schulpraxis zu identifizieren und den Stellenwert von Lehrerhaltung und Rahmenbedingungen zu klären.
- Vergleich der Begriffe Integration und Inklusion
- Analyse der Vorteile und Probleme bei der Umsetzung von Inklusion
- Kurzporträts funktionsfähiger inklusiver Schulen in Deutschland
- Identifikation von Kriterien für eine gute inklusive Schule
- Erörterung der notwendigen Rahmenbedingungen und Lehrerrollen
Auszug aus dem Buch
2.6 Inklusion
Inklusion kommt aus dem Lateinischen, von includo und heißt einschließen, einsperren und davon abgeleitet, inclusion, was Einschließung, Einsperrung bedeutet, was auf den ersten Blick nicht positiv besetzt klingt. Nach dieser Übersetzung bedeutet aber Inklusion, dass die Gesellschaft aus allen Individuen zusammengesetzt ist und es kein Innen und Außen gibt und somit auch keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. In der Inklusion hat das Kind bzw. der Mensch mit Beeinträchtigungen das Recht auf Selbstbestimmung und Gleichheit. Somit ist die Inklusion im Bildungsbereich der Versuch, alle Barrieren in Bildung und Erziehung für alle Schüler auf ein Minimum zu reduzieren.
Somit geht nach Leiprecht die Inklusion von dem Kind und dessen Bedürfnissen und Besonderheiten aus. Sie ist eine Antwort auf die Vielfalt Aller und lässt keine Aussonderung zu, weshalb sich hier im Gegensatz zu der Integration die Schule am Kind ausrichten muss. Daher ist die Inklusion nach Barkowsky eine individuums- und institutsorientierte Integration, die diese ersetzt und per Konzeption alle Kinder zu Mitgliedern der (Lern-) Gruppe werden lässt.
Bei der Inklusion wird nach Anderlik jedes einzelne Mitglied der Gesellschaft akzeptiert und als gleichwertig anerkannt. Jeder fühlt sich somit selbst als Person verantwortlich und bringt sich nach seinen Möglichkeiten in jeglicher Art ein.
Die Inklusion beginnt also schon im Elternhaus und wird dann in Kindergarten, Schule und Hort fortgeführt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, was Grundschulen fehlt, in denen Inklusion nicht gelingt, und betont die Bedeutung der Lehrerhaltung.
2 Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Begriffe wie Behinderung, Exklusion, Separation, Integration und Inklusion, um ein einheitliches Verständnis für die Arbeit zu schaffen.
3 Warum überhaupt Inklusion: Das Kapitel erörtert die Notwendigkeit von Inklusion auf Basis der UN-Konvention und beleuchtet sowohl die Vorteile als auch die Probleme in der Umsetzung.
4 Beispiele „funktionierender“ inklusiver Schulen: Hier werden verschiedene deutsche Schulen porträtiert, die inklusive Ansätze erfolgreich umsetzen, um daraus typische Merkmale abzuleiten.
5 Was fehlt Schulen, wo Inklusion nicht funktioniert?: Dieses Kapitel analysiert Lehrerstimmen zu Hindernissen bei der Inklusion und entwickelt daraus Kriterien für eine gute inklusive Schule.
6 Ausblick: Der Ausblick zeigt notwendige Veränderungen auf politischer und struktureller Ebene auf, um Inklusion flächendeckend zu ermöglichen.
7 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Inklusion primär eine Frage der Lehrerhaltung ist und auch ohne ideale Rahmenbedingungen durch Freiwilligkeit und Netzwerke beginnen kann.
Schlüsselwörter
Inklusion, Integration, Inklusive Schule, Schulentwicklung, Heterogenität, Grundschulpädagogik, Sonderpädagogik, Teamarbeit, Lehrerhaltung, Barrierefreiheit, Gemeinsames Lernen, Schulkultur, Förderschwerpunkt, Differenzierung, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Masterarbeit untersucht die Kriterien für eine gut funktionierende inklusive Schule im Grundschulbereich und analysiert, warum Inklusion an manchen Schulen scheitert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Themen umfassen die begriffliche Abgrenzung von Inklusion und Integration, die Erhebung von Vorteilen und Problemen sowie die Identifikation von Gelingensbedingungen anhand von Praxisbeispielen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, was Schulen fehlt, an denen Inklusion nicht funktioniert, und welche spezifischen Merkmale inklusive Schulen von anderen unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf eine fundierte Literaturrecherche und die Auswertung von Porträts funktionierender inklusiver Schulen sowie von Lehrerstimmen zu den Herausforderungen der Inklusion.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung, die theoretische Begründung der Inklusion, eine umfangreiche Darstellung von Beispielen inklusiver Schulen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Barrieren und gewünschten Rahmenbedingungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf Begriffe wie Inklusion, Heterogenität, Schulentwicklung, Teamarbeit und die Rolle der Lehrerhaltung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle der Sonderpädagogen?
Die Autorin kritisiert, dass ein Teil der Sonderpädagogen durch das Festhalten an Sonderschulstrukturen eher gegen die Inklusion arbeitet, anstatt den Prozess als Unterstützung in Regelschulen mitzutragen.
Welche Rolle spielt die Schulleitung für den Erfolg der Inklusion?
Eine starke Schulleitung, die sich klar zur Inklusion bekennt und mit positivem Beispiel vorangeht, ist laut der Autorin ein wesentliches Kriterium für den Erfolg der Inklusion.
Ist bauliche Barrierefreiheit die wichtigste Bedingung für Inklusion?
Obwohl bauliche Aspekte oft genannt werden, kommt die Autorin zum Schluss, dass die Einstellung der Lehrer das Haupthindernis ist; bauliche Probleme lassen sich meist kreativ lösen.
- Quote paper
- Susanne Altmann (Author), 2012, Kriterien einer guten inklusiven Schule im Grundschulbereich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271101