Ästhetische Emotionen. Fiktive Emotionen?

Eine Untersuchung über Funktion und Beschaffenheit von ästhetischen Emotionen mit besonderem Augenmerk auf Literaturrezeption und anderen Erzählsituationen


Hausarbeit, 2013

30 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Was sind Emotionen?
1.1 Kognitivisten und Non-Kognitivisten
1.2 Verkörperte Beurteilung und das assoziative Lernen

2. The Paradox of Fiction
2.1 (fiktive) Erzählsituation

3. Evozieren von Emotionen
3.1 Ästhetische Emotionen am Beispiel der Literatur – Simulation
3.2 Emotionen ohne Handlung?
3.3 ,Normalfallʻ

4. Literatur und ihre Funktion im Hinblick auf ästhetische Emotionen
4.1 Selbstwahrnehmung
4.2 Lernen durch Lesen
4.3 Läuterung, Ventil, Katharsis

5. Fazit

6. Literatur

7. Eigenständigkeitserklärung

Die Frage um das Verhältnis von Emotionen und Ästhetik kann in zwei Richtungen gestellt werden. Zum einen kann man die Frage nach der Beschaffenheit einer ästhetischen Erfahrung bzw. einem ästhetischen Urteil untersuchen und zu der Auffassung kommen, dass eine ästhetische Beurteilung durch Emotionen konstituiert wird. Eine solche These vertreten z.B. Jesse Prinz oder Jenefer Robinson.

Zum anderen kann man die durch Kunstwerke evozierten Emotionen genauer untersuchen, ohne sie generell als Konstituente von ästhetischer Beurteilung zu betrachten: Ist dieses Evozieren eine Funktion von Kunst? Welches Ziel könnte hinter einer solchen Funktion stecken? Sind diese Emotionen erinnerte Emotionen aus realen[1] Lebenssituationen oder haben diese ästhetischen Emotionen einen eigenen, aktualen Charakter? Worin liegt der Unterschied zwischen diesen Formen von Emotionen, wenn ein solcher angenommen werden kann?

Ich werde mich in dieser Arbeit lediglich mit der zweiten Fragestellung beschäftigen. Hierfür ist grundlegend zu klären, welche Emotionstheorie am überzeugendsten und schlussendlich am besten vereinbar ist mit dem Phänomen, dass wir beim Betrachten eines Bildes oder beim Lesen eines Buches eine emotionale Reaktion haben können. Dieses Phänomen lässt sich  besonders im Bereich der Literatur, der für mich die Grundlage dieser Arbeit sein wird, als das Paradoxon der Fiktionalität beschreiben. Einen Ausweg aus diesem vermeintlichem Paradoxon möchte ich mit Hilfe der Theorie mentaler Simulation andeuten und dafür argumentieren, dass Prinz' Emotionstheorie die beste Wahl ist, mit ästhetischen Emotionen[2] umzugehen.

1. Was sind Emotionen?

Um ästhetische Emotionen untersuchen und mit realen Emotionen vergleichen zu können, muss zunächst geklärt werden, was ich unter den realen Emotionen verstehe, also welche Emotionstheorie meinen Ausführungen zugrunde liegt. Auf die Frage nach der Beschaffenheit von Emotionen scheinen sich die Antworten in zwei große Lager aufzuteilen: einige halten kognitive Zustände oder Vorgänge für konstitutiv; andere widersprechen dem und betrachten Kognitionen – wenn überhaupt – als mögliche Zugabe. Das erste, kognitivistische Lager möchte ich im Folgenden anhand von Martha Nussbaums, das andere, non-kognitivistische möchte ich anhand Jesse Prinz' Emotionstheorie kurz darlegen.

1.1 Kognitivisten und Non-Kognitivisten

Die kognitivistischen Theorien verstehen Emotionen typischerweise als Ergebnis oder Nebeneffekt von Kognitionen wie Urteilen bzw. Überzeugungen[3]. Die Vertreter unterscheiden sich jedoch im theoretischen Umgang mit der körperlichen Komponente von Emotionen. So postuliert z.B. Solomon klar, dass „eine kognitivistische Theorie Affekte […] mit zu berücksichtigen vermag“[4], während andere emotionstheoretische Kognitivisten den affektiven, phänomenalen Aspekt völlig für vernachlässigbar halten. Die mentale Repräsentation ist für alle Kognitivisten jedoch grundlegend, um von einer Emotion sprechen zu können. Somit sind für jeden Vertreter Gedanken, Einstellungen, Überzeugungen etc. notwendig, für viele weitreichend, für einige hinreichend.

Als eine Vertreterin der kognitivistischen Urteilstheorie möchte ich Martha Nussbaum vorstellen. Sie plädiert in ihrem Aufsatz[5] dafür, dass Emotionen Urteile darüber sind, ob etwas für uns wertvoll und wichtig ist: „[E]motions are forms of judgment.“[6] Sie geben laut Nussbaum Auskunft darüber, was einer Person wichtig ist und gleichzeitig nicht unter ihrer Kontrolle ist, demnach sind sie „acknowledgements of neediness and lack of self-sufficiency.“[7]

Diese Form der Theorie hat den Vorteil, einige wichtige Eigenschaften[8] von Emotionen erklären zu können: So kann eine Emotion, die im Grunde ein Urteil ist, ein formales Objekt haben. Man urteilt, dass der bellende Rottweiler gefährlich ist und dieses Urteilt ist die Emotion.

Nussbaum meint auch erklären zu können, warum Emotionen eine bestimmte Phänomenologie haben: Sie nimmt an, dass das Urteilen ein „dynamic, not static“[9] Prozess sei und diese Dynamik, die Bewegung und Gerichtetheit von Gedanken ende sozusagen in einer Nachahmung durch den Körper: „The recognizing and the upheaval belong to one and the same part of me, the part with which I make sense of the world.“[10] Die Phänomenologie, die Körperlichkeit liegt laut Nussbaum also bereits im Urteil selbst[11], es gibt hier keine Abfolge. Diese Strategie, die – würde sie überzeugen – eine große Lücke in der Erklärung von Emotionen unter kognitivistischen Grundannahmen füllen würde, versucht sie zu untermauern, indem sie behauptet, dass bestimmte körperlichen Veränderungen wie Blutdruck oder Puls, die nicht Teil eines Urteils sind, nicht notwendig zu einer Emotion gehören. Nussbaum erläutert dies am Beispiel der Trauer. Demnach würde man einer Person nicht absprechen, dass sie trauere, wenn ihr bestimmte Veränderungen in körperlichen Funktionen abgingen. Dies soll zeigen, dass eben diese körperlichen Veränderungen für die (Zuschreibung von) Trauer nicht konstitutiv seien.

Ich halte dieses Argument (A1) für fehlgeleitet. Zum einen würde ich einer Person, die keinerlei körperliche Veränderung zeigt, tatsächlich absprechen, eine emotionale Veränderung durchzumachen.[12] Zum anderen gibt sie der Phänomenologie durchaus Platz in ihrer Theorie, wie bereits erwähnt, wo Nussbaum hier allerdings die Grenze der Phänomenologie zieht, ist mir unklar. Sie scheint einerseits anzunehmen, dass der „kinetic and affective aspect“[13] durchaus durch das Urteilen erklärbar ist, da sie meint, „the real, complete, recognition of that terrible event […, den Tod der Mutter, Anm. Atzler] is the upheaval.“[14] Somit sei die Phänomenologie Teil des Urteils. Andererseits nimmt sie jedoch an, dass man bestimmte körperliche Veränderungen nicht generell als Konstituente von Emotionen annehmen würde (s. A1). Es gibt also eine konstituierende körperliche Phänomenologie, die sich jedoch im Begriff des Urteils erschöpft. Andere körperliche Phänomene, die Nussbaum durchaus nicht abstreitet[15], seien jedoch nicht konstitutiv für Emotionen und – gut für ihrer Theorie – auch nicht Teil des Urteils.

Um dies plausibler zu machen, unterscheidet Nussbaum zwei Arten von körperlichen Veränderungen bzw. Gefühlen: „[...F]eelings with a rich intentional content [… and] feelings without rich intentionality or cognitive content“[16], die in der Konsequenz unterschiedlich mit Emotionen zusammenhängen: Gefühle ohne einen hohen intentionalen Inhalt schließt sie als Komponenten aus. Wohingegen sie die kognitionslastigen Gefühle nur als eine „termonological variant“ für Begriffe aus dem kognitiven Bereich wie eben dem Begriff des Urteils versteht. Demnach integriert Nussbaum kognitionslastige Gefühle in den Urteilsbegriff[17] und verwässert ihn m.E. dadurch.

Einen Einwand erhebt auch Roberts[18], indem er Beispiele anführt, in denen die Emotion und das kognitive Urteil divergieren: So kann ich zwar urteilen, dass mein Partner ein Recht darauf hat, eine alte Bekannte zu treffen, aber dennoch wütend oder eifersüchtig sein. Wäre die Emotion das Urteil, dürfte es hier laut Roberts keinen Widerspruch geben. Zudem führt er das Beispiel einer Therapie gegen Höhenangst an, die den Patienten mithilfe eines Simulators Situationen vorspielt, die ihre Angst auslösen. Den Patienten ist dabei klar, dass sie nicht real auf einem hohen Berg oder Turm stehen, sondern dass ihnen dies nur durch den Simulator vorgegaukelt wird, dennoch empfinden sie Angst, die so im Laufe der Therapie nach und nach  abtrainiert wird.

If we assume that the therapy works only if fear is actually induced in the client, and that the clients in the experiment knew perfectly well that they were safely in the therapist's consulting room, we have a clear case of fear without judgment of fear's propositional content.[19]

Diese Argumente werfen den Ball ins Feld der Non-Kognitivisten, da sie die Schwachstellen einer Urteilstheorie ausgleichen könnten: Prinz wendet sich offensiv gegen eine kognitivistische Emotionstheorie, indem er behauptete: „[A]n emotion can occur without a thought“[20]. Er argumentiert dafür, dass ein anderer Prozess die Eigenschaften von Emotionen deutlich besser erklären kann. Nach seiner Theorie ähneln Emotionen demnach viel eher der Wahrnehmung als Gedanken oder Urteilen.[21]

Für die bereits erwähnte Eigenschaft, der Repräsentationskraft von Emotionen, scheint es notwendig, dass Emotionen kognitivistisch verstanden werden[22]. Dem widerspricht Prinz und erläutert die Möglichkeit der Repräsentation über einen anderen Weg: Er vergleicht Emotionen mit Rauchmeldern, deren Alarm deswegen Rauch bzw. Feuer repräsentiert, weil sie genau dafür konstruiert wurden. Und diese Annahme übernimmt Prinz für Emotionen, die er als „perceptions of patterned changes in the body“[23] versteht. Um im Bild zu bleiben: Der Rauchmelder wurde so konstruiert, dass er mit einem bestimmten Signal reagiert; analog verstanden, wurden körperliche Reaktionen so eingeübt, dass sie eine Information und Handlungstendenz bzgl. der Umwelt darstellen. Die Wahrnehmung des Alarmsignals macht uns bewusst, dass es raucht, weil dieses Signal aufgrund seiner Konstruktion den Rauch repräsentiert. Und eben so macht uns auch die Wahrnehmung unserer körperlichen Veränderungen, die uns auf bestimmte Weise zu unserer Umwelt positionieren, bewusst, dass wir diese oder jene Umweltsituation vorfinden. Dies stellt die zentrale Funktion von Emotionen dar: Positionierung des Fühlenden zu seiner Umwelt. Nehme ich z.B. mein schnell schlagendes Herz und einen erhöhten Muskeltonus wahr, repräsentieren diese spezifischen körperlichen Reaktionen Gefahr und die Wahrnehmung dieser körperlichen Reaktionen ist die Emotion, in diesem Falle meine Angst: „A mental state represents danger if (a) it reliably occurs when danger occurs, and (b) it was acquired for that purpose.“[24] Damit wird deutlich, dass Prinz mentale Repräsentation nicht notwendigerweise begrifflich oder bildlich begreift, sondern funktional.

Die phänomenale Eigenschaft liegt bereits in der Definition von Emotion als Wahrnehmung von spezifischen, auf Handlungen ausgerichteten körperlichen Reaktionen: „Emotions are fleeting perceptions of involuntary, patterned bodily changes designed to prepare an organism for adaptive behavioral responses“.[25] Und dass sich körperliche Veränderungen auf bestimmte Art und Weise anfühlen, ist verständlich.

Schwierig zu erklären bleibt die Tatsache, dass Emotionen durch komplexe Kognitionen ausgelöst werden können, die nicht in der Umwelt zu finden sind. Solche Kognitionen liegen Emotionen wie Zukunftsangst zugrunde, aber auch irrationalen Ängste – mit denen bereits die Urteilstheorie Nussbaums zu kämpfen hatte -, denn diese sind durch die Angst vor ungefährlichen Dingen, Situationen etc. gekennzeichnet, die für Gewöhnlich nicht die körperlichen Reaktionen und das Schutzverhalten auslösen. Prinz hat hier mit Rückgriff auf ein lerntheoretisches Konzept eine mögliche Erklärung.

1.2 Verkörperte Beurteilung und das assoziative Lernen

Wie funktioniert es, dass verschiedenste Objekte und Situationen wie z.B. Prüfungen, Spinnen, Enge, bellende Hunde etc. die gleiche Emotion auslösen[26]?

Prinz gesteht ein, dass Emotionen entstehen können, ohne dass in der Umwelt auslösende Faktoren erkennbar sind.[27] Ich möchte dies an einem Beispiel erklären und hierfür eine imaginäre Bekannte mit einer Fischphobie ausstatten: Ihre Angst wird ausgelöst durch Baden im Meer, Essen von Fisch und hat am Ende bereits durch das bloße Denken an Fisch.

Generell kann man in einem Restaurant, indem Fisch serviert wird, nicht sagen, dass die Umwelt (der Esstisch, das Geschirr und Besteck, der zubereitete Fisch auf dem Teller etc.) gefährlich ist, also dass Angst eine natürliche Reaktion wäre. Ein Restaurant ist im besten Falle ein Ort der Ruhe und des Genusses, an dem man sich mit Menschen zusammenfindet, die man schätzt und mit denen man seine Zeit verbringen möchte. Woher kommt dann aber die Angst meiner Bekannten, wenn am Nebentisch Fisch serviert wird? Prinz legt nahe, dass dies nicht über den direkten Weg seiner Theorie erklärbar wäre, denn solche Emotionen entstehen eben auch „in situations that lack the physical features that are predisposed to upset us as a function of our biology.“[28] Somit kann der Teller mit dem zubereiteten Fisch zwar nicht real zu einer Gefahr werden, dennoch findet hier eine starke körperliche Reaktion statt, die in ihrer Wahrnehmung eine Emotion ist. Prinz erklärt diese körperliche Reaktion mit dem assoziativen Lernen: Man nehme an, dass meine Bekannte vor vielen Jahren als kleines Mädchen mit ansehen musste wie ihr Onkel bei einem Angelunfall ums Leben gekommen ist. Die in dieser Situation zweifellos nachvollziehbaren Gefühle der Angst und der Hilflosigkeit könnten aufgrund der gleichzeitigen Darbietung mit der Thematik ,Fischʻ auf diese übertragen worden sein. Die Angst davor, ihrem Onkel nicht helfen zu können und ihn zu verlieren, wurde assoziiert mit ,Fischʻ. „There is nothing intrisically scary looking about an exam book, a gun“[29] oder einem Fisch, aber die mit diesem Objekt assoziierten Emotionen – die ursprünglich aus einer die Emotion auslösenden Situation entsprangen – sind dennoch wirksam.[30]

[...]


[1] Ich werde in dieser Arbeit den Begriff ,realʻ als Gegenbegriff zu ,literarischʻ oder ,simuliertʻ verwenden und beziehe mich damit auf Emotionen, Situationen und Personen, die einem Menschen in seinem Alltag tatsächliche begegnen oder begegnet sind.

[2] So werde ich im Folgenden die Emotionen bezeichnen, die durch Kunst – im Besonderen durch Literatur – hervorgerufen werden. Die Ambiguität diese Formulierung lässt es zu, den Ausdruck als ,schöne Emotionenʻ oder für ,Emotionen, die am ästhetischen Urteil beteiligt sindʻ zu verstehen, was ich hiermit explizit ausschließe.

[3] Es gibt keine Einigkeit darüber, welcher Art von Kognition den Emotionen ähnlich sind, da auch der Begriff der Kognition nicht klar definiert ist. Vgl. hierfür Robert Solomon, Emotionen, Gedanken und Gefühle: Emotionen als Beteiligung an der Welt, in: Sabine Döring (Hg.), Philosophie der Gefühle. Frankfurt am Main 2009, S. 148-168, hier S. 153f.

[4] Robert Solomon, Emotionen, Gedanken und Gefühle: Emotionen als Beteiligung an der Welt, S. 160.

Weiter gesteht er ein, dass er zeitweise körperliche Komponenten und Erfahrungen „als bloße Begleit- oder Sekundäraffekte in die kausalen Randgebiete von Emotionen“ abgedrängt hat. Ebd., S. 163.

[5] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, in: Robert Solomon (Hg.), Thinking about feeling: contemporary philosophers on emotion. Oxford University Press 2004, S. 183-199.

[6] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 185.

[7] Ebd.

[8] Es scheint allgemein anerkannt, dass Emotionen eine bestimmte Phänomenologie und ein formales Objekt haben, dass sie mit Handlungstendenzen und Ausdrucksverhalten verbunden sind. Vgl. Jesse Prinz, Works of Wonder. Unveröffentlichtes Manuskript, Kapitel 1, S. 10ff.

[9] Ebd., S. 194.

[10] Ebd.

[11] „I believe […] that emotions like, other mental processes, are bodily, but that this does not give us reason to reduce their intentional/cognitive components to non intentional bodily movements.“ Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 197, Fußnote 9.

[12] Deutlicher wird die Körperlichkeit als konstitutives Element, wenn man sich Gedanken über den eigenen Zustand macht und sich z.B. von der eigenen Wut die körperlichen Symptome wegdenken soll: Was bleibt von meiner Wut, wenn mein Körper keine Veränderung zeigt? Nach meiner Intuition nicht viel.

[13] Martha Nussbaum, Emotions as Judgments of Value and Importance, S. 194.

[14] Ebd., S. 194.

[15] „There usually will be bodily sensations and changes invoveld in grieving […].“ Ebd., S. 195.

[16] Ebd., S. 195.

[17] Sie begründet dies, indem sie sagt, dass ein Urteil „a sufficient cause of the other elements“, also der Gefühlselemente sei. Ebd., S. 194.

[18] Vgl. Robert Roberts, Emotions as Judgments, in: Philosophy and Phenomenological Research, 1999, 59, S. 793-798.

[19] Vgl. ebd., S. 796. Dieses Szenario der gewusst simulierten Umweltfaktoren, die dennoch Emotionen auslösen, ist dem ,Paradox of Fictionʻ sehr ähnlich, das weiter unten erläutert wird.

[20] Jesse Prinz, Is Emotion a Form of Perception?, in: Canadian Journal of Philosophy, 2006, 36, S. 137-160, hier S. 137.

[21] Prinz ist mit seiner Position ein Anhänger der James/Lange-Theorie, die Emotionen als „feelings of bodily changes“ versteht. Mit der Annahme, Emotionen seien Wahrnehmungen von strukturierten körperlichen Veränderungen, präzisiert Prinz die feeling-Theorie von William James, indem er eine Differenzierung vornimmt: Nicht alle Emotionen, also Wahrnehmungen von körperlichen Veränderungen, sind Gefühle, denn solche Wahrnehmungen können auch unbewusst stattfinden wohingegen Gefühle immer bewusst seien. Indem Prinz ,unbewusstʻ in gewissem Sinne mit ,ungefühltʻ gleichsetzt, kommt er zu dem Schluss, dass bewusste Wahrnehmungen von körperlichen Veränderungen bewusste Emotionen sind (→ Emotionen = Gefühle) und dass unbewusste Wahrnehmungen von körperlichen Veränderungen unbewusste Emotionen sind (→ Emotionen ≠ Gefühle). Jesse Prinz, Are Emotions Feelings?, in: Journal of Consciousness Studies, 2005, 12, S. 9-25, hier S. 15.

[22] „Many emotion researchers think that such conclusions about what emotions represent can only be maintained if we define emotions as cognitive. To represent danger, fear must contain the judgment that “I am in danger,” they suppose. I think this is wrongheaded.“ Jesse Prinz, Which Emotions Are Basic?, in: D. Evans and P. Cruse (Hg.), Emotion, Evolution, and Rationality. Oxford University Press 2004, S. 13.

[23] Jesse Prinz, Are Emotions Feelings?, S. 1.

[24] Ebd.

[25] Ebd., S. 6.

[26] „Our mental representations of all these fear elicitors group together into a mental file. When any item in the elicitation file is activated, fear results. Fear represents danger in virtue of the fact that, collectively, the items in the elicitation file calibrate fear to danger, and they have the function of doing so. Danger is what unites all the disparate contents of the elicitation file. Fear represent danger because it has the function of occurring when danger occurs, and it obtains that function via an elicitation file filled with a wide range of perceptions and judgments.“ Ebd., S. 14.

[27] „Emotions can be triggered by cognitive states.“ Jesse Prinz, Gut Reactions. New York, 2004, S. 75 oder später: „I thus concede that emotions are often caused by disembodied judgements.“ Ebd., S. 76.

[28] Ebd., S. 76.

[29] Ebd., S. 76.

[30] Das Problem, das mit der Deutung von Emotionen als Urteilen einhergeht, besteht darin zu erklären, warum zwei sich widersprechende Urteile ,zubereiteter Fisch ist nicht gefährlichʻ und ,zubereiteter Fisch ist gefährlichʻ gleichzeitig bestehen können. Nussbaum erklärt solche Fälle von irrationalen Ängsten mit einer Unterscheidung zweier Arten von kognitiven Bewertungen, „one archaic and left over from childhood and one informed by mature experience“. Robert Solomon, Upheavals of Thought: The Intelligence of Emotions by Martha C. Nussbaum, in: Mind, 2002, 111, S. 897-901, hier S. 898.

Ende der Leseprobe aus 30 Seiten

Details

Titel
Ästhetische Emotionen. Fiktive Emotionen?
Untertitel
Eine Untersuchung über Funktion und Beschaffenheit von ästhetischen Emotionen mit besonderem Augenmerk auf Literaturrezeption und anderen Erzählsituationen
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Autor
Jahr
2013
Seiten
30
Katalognummer
V271104
ISBN (eBook)
9783656625292
ISBN (Buch)
9783656625261
Dateigröße
557 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
ästhetische, emotionen, fiktive, eine, untersuchung, funktion, beschaffenheit, augenmerk, literaturrezeption, erzählsituationen
Arbeit zitieren
Lisa Atzler (Autor:in), 2013, Ästhetische Emotionen. Fiktive Emotionen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271104

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