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Was heilen wir?

Konzeptionen von Krankheit und deren Auswirkungen auf den Bereich der Psychotherapie

Título: Was heilen wir?

Trabajo Escrito , 2013 , 23 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Lisa Atzler (Autor)

Filosofía - Práctica (etica, estética, cultura, naturaleza, derecho, etc.)
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Wenn ich mit einer Körpertemperatur von 41°C im Bett liege, ist es naheliegend diesen Zustand als ,krankʻ zu bezeichnen. Wenn meine Schilddrüse nachweislich zu wenig Hormon produziert, wird mir wahrscheinlich eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert, die mich als ,krankʻ ausweist.
Sitz mir in der Bahn ein Mann gegenüber, der einen Dialog mit einem imaginären Gesprächspartner in seinen Bart nuschelt, denke ich wahrscheinlich etwas wie: „Der spinnt doch“ oder „der ist sicher psychisch krank“. Doch was, wenn ich weiß, dass dieser Mann ein erfolgreicher Autor ist, der seine fiktiven Briefromane zunächst verbal für sich artikulieren muss, um diese anschließend kunstvoll zu Papier bringen zu können? Denke ich dann anders über diesen Mann? Wenn ja, was macht diesen Sinneswandel aus? Welche Umstände lassen einen Menschen als Genie erscheinen, welche als Wahnsinnigen? Ab wann ist die Abweichung meines Cholesterinspiegels krankhaft – und wovon wird da abgewichen?

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Rechtfertigung eines Begriffs: „krank“

2. Kranke Seele, kranke Psyche?

2.1 Die biologische Norm

2.2 Geisteskrankheit als Mythos

2.3 ,wahnsinnigʻ als Urteil

2.4 Wie wird der Begriff heute verwendet?

3. Vom Konzept zur Therapie

3.1 Der Krankheitsbegriff in der Psychopharmakotherapie

3.2 Der Krankheitsbegriff in der Psychoanalyse

3.3 Der Krankheitsbegriff in der Verhaltenstherapie

4. Das biopsychosoziale Modell von Gesundheit und Krankheit

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die philosophische und wissenschaftliche Fundierung des Krankheitsbegriffs und dessen Auswirkungen auf das therapeutische Handeln. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche Konzeptionen von Gesundheit und Krankheit die Diagnose und Behandlung psychischer Störungen maßgeblich beeinflussen.

  • Kritische Reflexion des Begriffs „krank“ im gesellschaftlichen und historischen Kontext.
  • Analyse unterschiedlicher Krankheitsmodelle (biomedizinisch, psychoanalytisch, verhaltenstherapeutisch).
  • Untersuchung der psychologischen Krankheitsdiagnose als normativer Akt.
  • Vorstellung des biopsychosozialen Modells als integrativer Ansatz in der Psychotherapie.

Auszug aus dem Buch

2.2 Geisteskrankheit als Mythos

Thomas Szaz hat in seinem Aufsatz The myth of mental illness die These vertreten, dass es psychische Krankheiten nicht gibt und dass der Begriff nicht mehr dienlich sei.

Er argumentiert hierfür auf zwei Ebenen. Zum einen stellt er die Annahme infrage, dass „seelische Krankheiten […] durch einen Defekt oder eine Erkrankung des Zentralen Nervensystems erklärt werden“9 können. Zum anderen widerspricht er dem Dualismus von psychischen und körperlichen Symptomen und sagt, dieser würde „nur in der Sprache“10 existieren.

Als Beispiel kann die Äußerung „Ich bin Napoleon“ verwendet werden. Man sucht die Grundlage für diesen Satz vergeblich im Bereich des Zentralen Nervensystems. Zudem wird deutlich, dass man in Aussagen solcher Art „nur dann psychische Symptome sehen [würde], falls der Beobachter glaubt, daß der Patient nicht Napoleon ist […] Der Begriff des psychischen Symptoms ist deshalb unlösbar mit dem sozialen (einschl. ethischen) Kontext verbunden, in dem er geschaffen wurde.“11

Szaz hält ,psychische Krankheitʻ u.ä.12 für fehlgeleitete Begriffe. Entweder man möchte damit körperliche Krankheiten (z.B. des Gehirns) ansprechen – was man der Klarheit wegen dann besser direkt tun sollte – oder man verschleiert mit dieser Redeweise das dahinterliegende Phänomen sozialer Probleme. Auf den zweiten Aspekt möchte ich nun näher eingehen.

Szaz argumentiert also, der Begriff seelische Krankheit diene dazu, „ein Merkmal der sogenannten Persönlichkeit eines Individuums zu identifizieren oder zu beschreiben“13, das in „Stress- und Spannungssituationen, die der soziale Umgang zwischen komplexen menschlichen Persönlichkeiten mit sich bringt“14, zutage tritt. Die Entscheidung, welches Verhalten bzw. welches Merkmal der Persönlichkeit als psychisch krank bezeichnet werde, wird anhand von „psychosozialen, ethischen und gesetzlichen“ 15 Normen getroffen. So können Betroffene, aber auch Außenstehende, entscheiden, ob sie von einer angenommenen Norm abweichen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Rechtfertigung eines Begriffs: „krank“: Dieses Kapitel erläutert, dass der Krankheitsbegriff kein rein objektiver Maßstab ist, sondern einem gesellschaftlichen Wertewandel und sozialen Normen unterliegt.

2. Kranke Seele, kranke Psyche?: Hier wird die Problematik der Diagnose psychischer Auffälligkeiten diskutiert, wobei insbesondere Positionen wie die von Szaz und Foucault beleuchtet werden, die Krankheitskonzepte als soziale Konstrukte hinterfragen.

3. Vom Konzept zur Therapie: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Ansätze der Psychopharmakotherapie, Psychoanalyse und Verhaltenstherapie und zeigt auf, wie deren jeweiliges Verständnis von Krankheit das therapeutische Vorgehen bestimmt.

4. Das biopsychosoziale Modell von Gesundheit und Krankheit: Es wird ein integratives Modell vorgestellt, das den Menschen als komplexes System betrachtet, in dem biologische, psychologische und soziale Faktoren wechselseitig aufeinander einwirken.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Theoriegebundenheit des Krankheitsbegriffs unvermeidlich ist und plädiert für das biopsychosoziale Modell als ganzheitlichste theoretische Perspektive.

Schlüsselwörter

Krankheitsbegriff, Psychotherapie, Biopsychosoziales Modell, Psychopathologie, Normbegriff, Somatische Medizin, Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, Leib-Seele-Debatte, Soziale Norm, Diagnostik, Gesundheit, Psychiatrie, Krankheitsmythos, Psychopharmakotherapie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse des Krankheitsbegriffs in der Medizin und Psychotherapie, insbesondere mit der Frage, wie gesellschaftliche Normen und theoretische Konzeptionen unsere Definition von Krankheit und Normalität formen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen somatischen und psychischen Erkrankungen, die Rolle des Patienten, die Kritik an bestehenden Diagnosepraktiken und die Bedeutung ganzheitlicher Erklärungsmodelle.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass der Begriff „krank“ nicht neutral ist, sondern als Handlungsanweisung fungiert, und die Vorteile eines biopsychosozialen Modells gegenüber reduktionistischen Ansätzen darzulegen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit ist als theoretische Analyse konzipiert, die auf einer Literaturrecherche zu fachwissenschaftlichen Diskursen, historischen Entwicklungen und philosophischen Grundlagen der Psychiatrie basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert, wie das Verständnis von „psychisch krank“ in verschiedenen Therapierichtungen (Medizin, Psychoanalyse, Verhaltenstherapie) die Behandlung beeinflusst und stellt das biopsychosoziale Modell als integratives Konzept vor.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Krankheitsbegriff, Psychotherapie, biopsychosoziales Modell, soziale Norm, Psychiatrie und die Leib-Seele-Debatte.

Warum wird die „kognitive Wende“ in der Verhaltenstherapie erwähnt?

Die Erwähnung dient dazu, den Paradigmenwechsel innerhalb der Verhaltenstherapie zu illustrieren, bei dem der Fokus von reinem Reiz-Reaktions-Lernen hin zu komplexeren kognitiven Prozessen verschoben wurde.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Krankheit in der Psychoanalyse vom medizinischen Modell?

Während das medizinische Modell meist nach organischen Ursachen sucht, betrachtet die Psychoanalyse psychische Symptome als Ausdruck tieferliegender, oft unbewusster Konflikte oder Kindheitswünsche, ohne diese qualitativ vom Normalzustand zu trennen.

Was ist das „erweiterte biopsychosoziale Modell“ nach Egger?

Es handelt sich um eine Modellvariante, die durch die Einführung des „Mesokosmos“ die Perspektivität betont, um die Schwierigkeiten bei der Verbindung von objektiven Beobachtungsdaten und subjektivem Erleben zu adressieren.

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Detalles

Título
Was heilen wir?
Subtítulo
Konzeptionen von Krankheit und deren Auswirkungen auf den Bereich der Psychotherapie
Universidad
University of Stuttgart
Calificación
1,0
Autor
Lisa Atzler (Autor)
Año de publicación
2013
Páginas
23
No. de catálogo
V271107
ISBN (Ebook)
9783656635888
ISBN (Libro)
9783656635871
Idioma
Alemán
Etiqueta
konzeptionen krankheit auswirkungen bereich psychotherapie
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Lisa Atzler (Autor), 2013, Was heilen wir?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271107
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