Erschließung der Dramenszene "Die Heilige Familie" aus Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin"


Referat / Aufsatz (Schule), 2014

5 Seiten, Note: 15


Leseprobe

Inhalt

1. Prägende Fragestellungen der Nachkriegsliteratur

2. Erschließung der Szene „Die Heilige Familie“ aus Heiner Müllers Drama „Germania Tod in Berlin“

2.1. Inhalt und Aufbau der Szene „Die Heilige Familie“

2.1.1. Ausgangslage: Übertragung von historischem Stoff auf die Jesusgeburt

2.1.2. Machtsituation Hitlers

2.1.3. Germania: Auftreten sowohl als Hebamme als auch als Hitlers Mutter

2.1.4. Die drei Heiligen und die Geburt

2.1.5. Eskalation: Germanias Tod

2.2. Sprachliche Gestaltung der Szene

2.2.1. Redeanteile ausgeglichen: Hitlers Abdriften in einen Monolog

2.2.2. Metaphern

2.2.2.1. Benzin als Blut der Opfer von Stalingrad

2.2.2.2. Contergan-Wolf als Bundesrepublik Deutschland

2.2.2.3. Kannibalismus als Bild für die zivilisationsferne Realität des Nationalsozialismus

2.3. Heiner Müllers Haltung zum Staat der DDR im Gesamtwerk

2.3.1. Erste Phase: Verfechter der DDR

2.3.2. Zweite Phase: Zweifeln am System

2.3.3. Dritte Phase: Resignation

2.4. Müllers Dramen- und Theaterästhetik in „Germania Tod in Berlin“

2.4.1. Fragmentarische Dialoge zur Bewertung historischer Ereignisse

2.4.2. Verfremdung von Handlung und Charakteren: Möglichkeit zur Abwendung einer folgenschweren Zukunft

3. Literatur als Möglichkeit der Präventio

Der Krieg ist und bleibt natürlich für alle Bevölkerungsschichten ein prägendes und vor allem verlustreiches Ereignis in der Geschichte. Viele haben den Zeitpunkt nach dem Krieg auch als „Stunde Null“ bezeichnet und damit sogleich einen Neuanfang definiert. Doch so einfach ist das alles nicht zu verarbeiten. Mit den Fragestellungen, die Deutschland in der Zeit bewegt, befasst sich auch die Literatur. Dabei geht sie darauf ein, ob und wie diese Erlebnisse zu verarbeiten sind, ob sich Deutschland je wieder von diesem Krieg erholen und ob Deutschland endlich den Schritt zur Demokratie erfolgreich meistern könne. Auf den Krieg folgte im Jahr 1949 die deutsche Spaltung, womit auch die Deutsche Demokratische Republik entstanden ist. Heiner Müller erklärt die Entstehung der beiden deutschen Staaten in seinem Buch „Germania Tod in Berlin“ und bewertet sie.

Heiner Müllers Drama „Germania Tod in Berlin“ ist in viele kurze Szenen unterteilt, die ausschnitthaft die prägendsten Ereignisse der jüngeren deutschen Geschichte verfremdet widergibt. Eine dieser Szenen ist „Die Heilige Familie“, in der auf recht bizarre Weise die biblische Situation der Jesusgeburt auf eine Szene im Führerbunker im Nationalsozialismus übertragen wird. Hier nimmt Adolf Hitler, einstiger „Führer“ im Deutschen Reich, die Rolle des Gottvaters Joseph an, dessen Frau Maria, hier inszeniert durch Joseph Goebbels, ehemaliger Propagandaminister unter Hitler, sich hochschwanger im Führerbunker aufhält.

Die Machtsituation Hitlers wird hier sehr deutlich durch die Unterwerfung des schwangeren und schutzbedürftigen Goebbels, der im Stile einer traditionellen Ehefrau dem Ehemann durch zusprechende, aufmunternde und bekräftigende Worte wie „Du bist der größte. Du bist stärker als alle. Sie können dir nichts tun. Du wirst sie bestrafen.“ (S. 27, Z. 6-8) beisteht. Gleichzeitig untersteht Goebbels aber auch der Befehlsgewalt Hitlers und führt jeden noch so sinnlosen und destruktiven Befehl von seinem „Führer“ aus. Dies wird deutlich, als Goebbels wegen des Wortes „Pimmel“ (S. 27, Z.15), das er nur belehrend erwähnt hat, Hitlers Stiefel ablecken muss, selbst dabei wird Goebbels wieder Opfer der Willkür seines „Führers“, als dieser machtbesessen den schwangeren Goebbels vom linken Stiefel zuerst zum rechten verweist und dieser die Weisung um Gnade bittend blind befolgt (vgl. S. 27, Z. 19-23).

Da die Geburt des „Kindes“ bevorsteht, lässt Hitler die Hebamme Germania kommen, die hier seine Mutter darstellt. Nachdem sie ihren Sohn gemustert hat, indem sie zum Beispiel „an seinen Zähnen [rüttelt]“(S. 28, Z. 27f.), gibt sie ihren Ärger über die „Judengeschichten“  (S. 28, Z. 35) ihres Sohnes kund und bereitet die schwere Geburt vor.

Hinzu kommen noch die alliierten Mächte USA, Frankreich und England, die hier als die Heiligen Drei Könige auftretend dem Nachwuchs Geschenke bereiten und die Bedrohung des Kommunismus ansprechen. Dessen Ablehnung ist höchstwahrscheinlich die einzige Gemeinsamkeit zwischen der Politik Hitlers und der der Alliierten. Zu diesem Zweck suchen sie auch diese Geburt auf. Denn eines der Hauptanliegen der Alliierten um Frankreich und England ist die Eindämmung des Kommunismus, um somit das Fortschreiten in Richtung Westen zu verhindern. Daher ist es essentiell für die Westmächte, eine zusätzliche Barriere in Form von Deutschland zwischen der kommunistischen Sowjetunion und den demokratischen Weststaaten zu erhalten. Die Nachkommenschaft, die in Folge des Nationalsozialismus unter Hitler und Goebbels entsteht, die Bundesrepublik Deutschland, wird von Heiner Müller als „Contergan-Wolf“ (S. 31, Z. 16) bezeichnet. Diese Formulierung entstammt einem Medikament namens Contergan, das man schwangeren Frauen gegen Schwangerschaft-sübelkeit gegeben hat, das aber in vielen Fällen zu unvorhergesehenen schweren Missbildungen des Fötus geführt hat. Damit beschreibt der Autor das Zustandekommen und den Zustand der BRD, womit zugleich das Scheitern dieses Staates vorausgesagt wird, da er sozusagen eine „Brut“ von Joseph Goebbels und  Adolf Hitler persönlich ist.

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Ende der Leseprobe aus 5 Seiten

Details

Titel
Erschließung der Dramenszene "Die Heilige Familie" aus Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin"
Note
15
Autor
Jahr
2014
Seiten
5
Katalognummer
V271113
ISBN (eBook)
9783656631101
Dateigröße
448 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Zusatzmaterial von Roland Clauß
Schlagworte
erschließung, dramenszene, heilige, familie, heiner, müllers, germania, berlin
Arbeit zitieren
Pascal Biersack (Autor), 2014, Erschließung der Dramenszene "Die Heilige Familie" aus Heiner Müllers "Germania Tod in Berlin", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271113

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