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Geschichtspolitik in Deutschland und Frankreich

Eine Analyse der wichtigsten gedächtnispolitischen Debatten

Title: Geschichtspolitik in Deutschland und Frankreich

Term Paper (Advanced seminar) , 2012 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: B.A. Mohamet Traore (Author)

World History - General and Comparison
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„Niemals in der Geschichte gab es eine politische Gemeinschaft ohne gemeinsame Erinnerung“. Die Debatten um die Errichtung eines nationalen Deutschen Denkmals oder eines Denkmals für die Vertriebenen, sowie um das umstrittene Armenien-Gesetz in Frankreich zeigen, wie wichtig und aktuell die Geschichtspolitik sowohl in Deutschland als auch in Frankreich ist. Geschichte und Politik waren immer sehr eng miteinander verflochten: die Vergangenheit ist ein wichtiger Aspekt für das gegenwärtige Selbstverständnis und das zukünftige Handeln eines Staates. Sie liefert ihm also gleichzeitig Orientierung, Legitimation und Selbstgewissheit. In der folgenden Arbeit halte ich mich an die kurze und prägnante Definition vom Zeithistoriker Edgar Wolfrum, wonach Geschichtspolitik die von verschiedenen Akteuren getragene und mit unterschiedlichen Interessen befrachtete politische Nutzung von Geschichte in der Öffentlichkeit ist, um mobilisierende, politisierende oder legitimierende Wirkungen in der politischen Auseinandersetzung zu erzielen. Bei den Akteuren handelt es sich im Allgemeinen um Deutungselite und im Besonderen um politische Eliten. Die Bandbreite geschichtspolitischer Aktionen kann dabei sehr groß sein. Es gibt aber verschiedene Möglichkeiten, die Vergangenheit politisch zu deuten: von der bloßen Geschichtsfälschung über den Versuch einer Multiperspektivität bis zum Mythologisieren und Aufklärung. Die bewusste Manipulation von Geschichte ist also nur ein Teilaspekt der Geschichtspolitik. Sie bleibt immer ein Risiko, sollte aber in ihrer Bedeutung nicht überschätzt werden.

Auf deutscher Seite werden der sog. „Historikerstreit“, die Goldhagen-Debatte und die Wehrmachtsausstellung in einem ersten Kapitel behandelt. In einem zweiten Kapitel werden als besonders repräsentative gedächtnispolitische Debatten für Frankreich die Kontroverse um Vichy sowie der Umgang der „Grande Nation“ mit seiner kolonialen Vergangenheit dargestellt. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf dem Algerienkrieg liegen. Dann werde ich in einem dritten und letzten Teil über den Vergleich beider Ländern hinaus versuchen, einige Thesen bezüglich ihres Umgangs mit der Vergangenheit aufzustellen. Als Ausblick werde ich schließlich der Frage nachgehen, ob man in der EU des 21. Jahrhunderts schon von einer europäischen Geschichtspolitik / Erinnerungskultur sprechen kann.

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Deutsche Kontroverse

1.1. Der „Historikerstreit“ – Die Einzigartigkeit des Holocaust

1.2. Die Goldhagen-Debatte – „Hitlers willige Vollstrecker“

1.3. Die Wehrmachtsausstellung – Der Mythos der „sauberen Wehrmacht“

2. Französische Kontroverse

2.1. Das Vichy-Regime und der Gaullismus – Der Topos der Résistance

2.2. Die Koloniale Vergangenheit – Die „zivilisatorische Mission“

2.3. Der Algerienkrieg – Der „vergessene“ Krieg

3. Ländervergleich und Ausblick

3.1. Eine europäische Perspektive?

3.2. Gemeinsamkeiten und Unterschieden – Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit analysiert die geschichtspolitische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in Deutschland und Frankreich. Im Zentrum steht die Untersuchung, wie durch unterschiedliche Deutungseliten und politische Akteure Geschichte genutzt wird, um Identität, Legitimation und Orientierung für das heutige Selbstverständnis beider Nationen zu gewinnen.

  • Analyse zentraler deutscher Kontroversen wie des Historikerstreits und der Goldhagen-Debatte.
  • Untersuchung französischer Erinnerungskulturen, insbesondere der Vichy-Zeit und des Algerienkriegs.
  • Vergleichende Betrachtung der geschichtspolitischen Akteure und Mechanismen.
  • Reflektion über die Möglichkeiten und Herausforderungen einer europäischen Erinnerungskultur.
  • Untersuchung des Verhältnisses von wissenschaftlicher Forschung und öffentlicher Wahrnehmung.

Auszug aus dem Buch

1.2. Die Goldhagen-Debatte – „Hitlers willige Vollstrecker“

Die nächste Kontroverse begann mit der Veröffentlichung eines Sachbuches vom amerikanischen Politologen Daniel Jonah Goldhagen, dessen Vater ehemaliger KZ-Häftling und Historiker war, im Frühling 1996. Goldhagens Anspruch war sehr hoch. Er wollte mit seinem Buch „Hitler’s willing Executioners“ („Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust“) nicht weniger als einen Erklärungsversuch des Holocausts geben. Zusammenfassend sah er in der Shoa den Höhepunkt eines schon im 19. Jahrhunderts in der deutschen Bevölkerung fest verankerten „eliminatorischen“ Antisemitismus. Dieser, so seine Vermutung, hätte auf die vollständige Auslöschung der jüdischen Kultur und Bevölkerung gezielt und wäre ein „nationales Projekt“ der Deutschen gewesen. Der Massenmord wurde nur durch die Komplizenschaft der Gesamtbevölkerung möglich. Am Beispiel der Zusammensetzung des Polizeibataillons 101, stellte Goldhagen fest, dass „die meisten Deutschen hätten werden können, was eine ungeheure Zahl ganz gewöhnlicher Deutscher tatsächlich wurde: Hitlers willige Vollstrecker“.

In seiner Studie stehen die Täter (und ihre Gefühle) im Vordergrund. Es war also ein moralisches Werk, das sich trotz wissenschaftlichem Anspruch vor keiner Emotionalisierung scheute.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in das Thema Geschichtspolitik und Definition der zentralen Begriffe, wobei das Untersuchungsfeld auf Deutschland und Frankreich eingegrenzt wird.

1. Deutsche Kontroverse: Analyse der prägenden geschichtspolitischen Debatten in Deutschland, die das nationale Selbstverständnis nach dem Zweiten Weltkrieg beeinflussten.

1.1. Der „Historikerstreit“ – Die Einzigartigkeit des Holocaust: Untersuchung des Historikerstreits und der Debatte über die Singularität des Holocausts sowie deren Bedeutung für das Selbstbild der Bundesrepublik.

1.2. Die Goldhagen-Debatte – „Hitlers willige Vollstrecker“: Analyse der Debatte um das Buch von Daniel Jonah Goldhagen und die Frage nach der Beteiligung der „gewöhnlichen“ deutschen Bevölkerung am Holocaust.

1.3. Die Wehrmachtsausstellung – Der Mythos der „sauberen Wehrmacht“: Auseinandersetzung mit der Wanderausstellung zu den Verbrechen der Wehrmacht und dem Bruch mit dem Mythos einer sauberen Institution.

2. Französische Kontroverse: Untersuchung der französischen Erinnerungskultur und der schwierigen Aufarbeitung der Besatzungszeit sowie der kolonialen Geschichte.

2.1. Das Vichy-Regime und der Gaullismus – Der Topos der Résistance: Analyse der Erinnerung an das Vichy-Regime und der Etablierung des Mythos des Widerstands (Résistance).

2.2. Die Koloniale Vergangenheit – Die „zivilisatorische Mission“: Untersuchung der kolonialen Vergangenheit Frankreichs und des Spannungsfeldes zwischen zivilisatorischem Anspruch und der Realität des Unterdrückungssystems.

2.3. Der Algerienkrieg – Der „vergessene“ Krieg: Betrachtung der Erinnerungsarbeit zum Algerienkrieg und der schrittweisen Aufarbeitung von Menschenrechtsverletzungen und Folter.

3. Ländervergleich und Ausblick: Zusammenführung der Erkenntnisse und Reflektion über das Potenzial eines gemeinsamen europäischen Gedächtnisses.

3.1. Eine europäische Perspektive?: Erörterung der Entwicklung eines europäischen Gedächtnisses, insbesondere durch die institutionelle Verankerung der Holocaust-Erinnerung.

3.2. Gemeinsamkeiten und Unterschieden – Fazit: Zusammenfassender Vergleich der geschichtspolitischen Entwicklungen in Deutschland und Frankreich und Fazit zur Pluralität der Erinnerung in demokratischen Gesellschaften.

Schlüsselwörter

Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, Historikerstreit, Holocaust, Deutschland, Frankreich, Vichy-Regime, Kolonialismus, Algerienkrieg, Wehrmachtsausstellung, Gedenken, Identität, Nationale Erzählung, Aufarbeitung, Europäisches Gedächtnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der politischen Nutzung von Geschichte, der sogenannten Geschichtspolitik, in Deutschland und Frankreich anhand bedeutender Debatten nach 1961.

Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?

Die Schwerpunkte liegen auf der deutschen NS-Vergangenheit, dem französischen Umgang mit dem Vichy-Regime und der kolonialen Vergangenheit inklusive des Algerienkrieges.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu analysieren, wie Deutungseliten Geschichte nutzen, um Identität und politische Legitimation zu schaffen, und wie sich diese Prozesse im deutsch-französischen Vergleich unterscheiden.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Der Autor wählt ein vergleichendes und analytisches Vorgehen, wobei er auf umfangreiche Fachliteratur und historische Dokumente beider Länder zurückgreift.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in drei Teile: deutsche Kontroversen (Historikerstreit, Goldhagen, Wehrmachtsausstellung), französische Kontroversen (Vichy, Kolonialgeschichte, Algerienkrieg) und ein vergleichendes Kapitel zu europäischen Perspektiven.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, nationale Identität, Erinnerungsorte und die Differenz zwischen offizieller Gedenkkultur und privater Erinnerung.

Warum wird der Algerienkrieg als „vergessener“ Krieg bezeichnet?

Die Arbeit erläutert, dass der Algerienkrieg in Frankreich lange Zeit verdrängt wurde und der staatliche Diskurs die Unabhängigkeitsbestrebungen nicht in das französische Selbstbild integrieren konnte.

Wie unterscheidet sich die Erinnerung in Deutschland von jener in Frankreich?

Während in Deutschland die NS-Vergangenheit ein zentraler negativer Gründungsmythos ist, ist die französische Erinnerungskultur stärker durch einen zentralistischen Staat und die Auseinandersetzung mit kolonialer Schuld und dem Vichy-Regime geprägt.

Was bedeutet der „Erinnerungsimperativ“ im Kontext der Bundesrepublik?

Er beschreibt die gesellschaftliche und politische Notwendigkeit, sich fortwährend mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und der NS-Zeit auseinanderzusetzen, was die öffentliche Debattenkultur maßgeblich formt.

Welche Rolle spielt die Wissenschaft im öffentlichen Gebrauch der Geschichte?

Der Autor stellt einen „Primat-Verlust“ der Historikerzunft fest, da das öffentliche Interesse an Geschichte inflationär ist und Deutungen zunehmend durch die Öffentlichkeit und Medien geprägt werden.

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Details

Title
Geschichtspolitik in Deutschland und Frankreich
Subtitle
Eine Analyse der wichtigsten gedächtnispolitischen Debatten
Grade
1,0
Author
B.A. Mohamet Traore (Author)
Publication Year
2012
Pages
24
Catalog Number
V271142
ISBN (eBook)
9783656629948
ISBN (Book)
9783656629931
Language
German
Tags
geschichtspolitik deutschland frankreich eine analyse debatten
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
B.A. Mohamet Traore (Author), 2012, Geschichtspolitik in Deutschland und Frankreich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271142
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