Über Wunderkammern existieren verschiedene Auffassungen, so sehen sie die Einen als „skurrile Sammlungen prunksüchtiger Potentaten oder aber als merkwürdige Auswüchse einer primitiv-wundergläubigen Weltsicht“. Andere sehen in ihnen die bedeutenden Frühformen heutiger Museen. Es erweist sich als komplexes Unterfangen, den Begriff sowie den Sinn der Wunderkammern auf einen Nenner zu bringen. Zur zeitlichen Einordnung lässt sich einleitend sagen, dass die Kunst- und Wunderkammern ihre Blütezeit im frühneuzeitlichen Europa hatten. Mit der Aufklärung sind sie dann aus der Mode geraten. Die Neugierde gehört zu einem der Hauptauslöser der Sammelleidenschaft und als Initial für das Phänomen der Wunderkammern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Einordnung der Kunst- und Wunderkammern
3. Historischer Abriss
4. Ursprünge der Wunderkammer in Renaissance und Manierismus
4.1 Studiolo v. Francesco I de Medici.
4.2 Studiolo und Grotta der Isabella d'Este in Mantua
5. Quicchebergs Museumstheorie
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Kunst- und Wunderkammern, um deren Ursprünge zu klären und die Frage zu beantworten, inwiefern diese Sammlungsform dem Manierismus zuzuordnen ist.
- Begriffliche Einordnung der Kunst- und Wunderkammern
- Historische Entwicklung von Studioli zu Wunderkammern
- Analyse der Ursprünge in Renaissance und Manierismus
- Bedeutung der Museumstheorie nach Samuel Quiccheberg
- Das Verhältnis von Mikrokosmos und Makrokosmos in der Sammlung
Auszug aus dem Buch
4. Ursprünge der Wunderkammer in Renaissance und Manierismus
Zur näheren Beleuchtung des Themas der historischen Wunderkammern und ihres Uhrsprunges erweist es sich als essentiell einen Exkurs in die italienische Geistes- und Kulturgeschichte der Hochrenaissance zu unternehmen. Durch den hier vorherrschenden Raumtypen entwickelten sich die existentiellen Voraussetzungen für die Ausformungen der frühneuzeitlichen Wunderkammern.
Es handelte sich hier um Kleinstkammern die mit teilweise illusionistischer, raumerweiternder Malerei und überschaubaren Sammlungsbeständen ausgestattet wurden. Wie bereits erwähnt, existieren keine entsprechenden Nachweise dieser frühen Kunst-und Wunderkammern.
Francesco I. de Medici (1541-1587) inszenierte beispielsweise in seinem studiolo, welches durch einen verborgenen Raum zugänglich war und zwischen 1570-1572 fertig gestellt wurde, einen subtil modulierten Dialog zwischen seinen Gemälden und Bronzen einerseits, sowie der in Marmor und bemaltem Holz ausgeführten Dekoration andererseits. Sie hatte die vier Elemente und die Jahreszeiten zum Thema.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das komplexe Phänomen der Wunderkammern ein, thematisiert das Verhältnis von Mikrokosmos zu Makrokosmos und formuliert die Forschungsfrage bezüglich der Einordnung in den Manierismus.
2. Begriffliche Einordnung der Kunst- und Wunderkammern: Das Kapitel definiert Wunderkammern als abgeschlossene Räume zur Sammlung nach bestimmten Prinzipien und beleuchtet die Entstehung der entsprechenden Fachbegriffe im 16. Jahrhundert.
3. Historischer Abriss: Hier wird der historische Entstehungsprozess der Wunderkammern ausgehend vom Spätmittelalter über die humanistische Bildung bis hin zum Wendepunkt zwischen Manierismus und Barock dargelegt.
4. Ursprünge der Wunderkammer in Renaissance und Manierismus: Dieses Kapitel beleuchtet durch Exkurse in die italienische Geistesgeschichte die Rolle des studiolo als Vorläufer und analysiert spezifische Beispiele wie das von Francesco I. de Medici.
4.1 Studiolo v. Francesco I de Medici.: Eine detaillierte Betrachtung des studiolo im Palazzo Vecchio, das als privater Raum zur Repräsentation einer Schöpfungsordnung diente.
4.2 Studiolo und Grotta der Isabella d'Este in Mantua: Analyse der Bedeutung des studiolo und der Grotta als Bestandteile des privaten appartemento der Marchesa Isabella d'Este.
5. Quicchebergs Museumstheorie: Die Untersuchung der Schrift von Samuel Quiccheberg von 1565, die als erste museologische Arbeit nördlich der Alpen die Ordnungsprinzipien der Wunderkammern systematisierte.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert die Entwicklung der Wunderkammer, bestätigt deren Ursprung im Manierismus und unterstreicht die Bedeutung der Klassifizierung für das Verständnis des Mikrokosmos.
Schlüsselwörter
Wunderkammer, Manierismus, Studiolo, Samuel Quiccheberg, Mikrokosmos, Makrokosmos, Museumstheorie, Sammlungsgeschichte, Renaissance, Curiositas, Kunstkammer, Enzyklopädie, Naturalia, Artificialia, Iconography.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen Einordnung und dem Ursprung der Wunderkammern als frühneuzeitliches Phänomen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die begriffliche Definition von Wunderkammern, deren historische Entwicklung aus dem italienischen studiolo und die museumstheoretischen Ansätze von Samuel Quiccheberg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu klären, inwiefern das Phänomen der Wunderkammer spezifisch dem Manierismus zuzuordnen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kunstgeschichtliche Analyse und historische Quellenarbeit, um die Entwicklung der Sammlungsformen zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der historische Abriss, die italienischen studioli als Vorläufer, die Museumstheorie Quicchebergs und deren Auswirkung auf die Sammlungsgestaltung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Wunderkammer, Manierismus, Studiolo, Museumstheorie und die Klassifizierung der Sammlungsobjekte.
Warum wird das studiolo als Vorgänger der Wunderkammer betrachtet?
Weil das studiolo als privater, intellektuell geprägter Raum für Studien und Aufbewahrung von Gegenständen bereits die strukturellen Ansätze für die späteren, komplexeren Wunderkammern lieferte.
Welche Rolle spielt Samuel Quiccheberg?
Quiccheberg gilt als erster Systematiker und seine Schrift von 1565 stellt den ersten museologischen Idealplan dar, der die Ordnung der Sammlungsobjekte maßgeblich beeinflusste.
Wie verhielten sich Mikrokosmos und Makrokosmos in der Wunderkammer?
Die Wunderkammer sollte als "Welt im Kleinen" (Mikrokosmos) das gesamte Universum (Makrokosmos) enzyklopädisch abbilden und damit die Macht des Besitzers symbolisch manifestieren.
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- Nele Frey (Author), 2013, Die Wunderkammer. Ein Phänomen des Manierismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271143