Unterrichtsstunde "Das Gleichnis vom verlorenen Sohn" (Religion Klasse 5)

Unterrichtsentwurf zum 2. Staatsexamen "Gleichnisse und ihre Bedeutung für uns"


Unterrichtsentwurf, 2012
37 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Analyse der Lerngruppe und der Lernsituation
1.1 Institutionelle Bedingungen
1.1.1 Zur Schule
1.1.2 Die Religionsgruppe
1.1.3 Regeln und Rituale
1.2 Anthropologische Bedingungen
1.3 Leistungsstand
1.4 Meine fachdidaktische Positionierung

2 Analyse der Sache: Exegese zu Lukas 15,11-
2.1 Lukas 15,11-32
2.2 Hintergrundinformationen
2.2.1 Politische Situation
2.2.2 Vater
2.2.3 Sohn
2.3 Sprachwissenschaft
2.3.1 Textgestalt
2.3.2 Textzusammenhang
2.3.3 Textgattung
2.4 Hermeneutik
2.4.1 Glaubensaussagen
2.4.2 Kirchlicher Bezug
2.5 Zusammenfassung

3 Analyse fachspezifischer Aspekte
3.1 Bezug zum Bildungsplan
3.2 Bildungsbedeutsamkeit
3.3 Elementarisierung
3.3.1 Elementare Struktur des Textes
3.3.2 Elementare Erfahrungen
3.3.3 Elementare Zugänge
3.3.4 Elementare Wahrheiten

4 Einordnung der Unterrichtssequenz in die Unterrichtseinheit

5 Kompetenzen – Kriterien – kompetenzorientiertes Lernziel – Indikatoren

6 Lernszenario vordenken
6.1 Begrüßung
6.2 Einstiegsritual
6.3 Erarbeitung
6.4 Vertiefung
6.5 Puffer
6.6 Pause
6.7 Festigung
6.8 Transfer
6.9 Abschluss

7 Verlaufsplanung in Stichworten

8 Literaturverzeichnis

9 Anhang

1 Analyse der Lerngruppe und der Lernsituation

1.1 Institutionelle Bedingungen

1.1.1 Zur Schule

Die Schule in F. ist eine Grund- und Werkrealschule, welche sowohl im Grundschulbereich als auch im Hauptschulbereich jeweils zweizügig ist. Zurzeit besuchen insgesamt knapp 400 Schüler[1] die Schule, davon 160 die Grundschule und 240 die Werkrealschule. Der Anteil der Schüler mit Migrationshintergrund liegt bei etwa 25%.

Der Schulalltag ist gegliedert in Unterrichtsstunden á 45 Minuten, die im Doppelstundenmodell durchgeführt werden. Die erste Stunde beginnt um 7.30 Uhr, um 9.05 Uhr ist die 1. große Pause a 20 Minuten. Daran schließen sich die 3. und 4. Stunde an. Um 11.00 Uhr folgt die 15-minütige 2. große Pause. Es folgen weitere 2 Stunden ohne 5-Minuten-Pause. Die 6. Stunde endet um 12.45 Uhr. Der Gong als akustisches Signal ertönt zu den großen Pausen und wieder kurz bevor diese enden. Die kleinen 5-Minuten-Pausen zwischen den Stunden können, wenn kein Fachlehrer betroffen ist, individuell gelegt werden.

Mein Lehrauftrag umfasst 2 Stunden evangelische Religion für die Klassen 5a und 5b. Der Religionsunterricht in Klasse 5 vereint den katholischen und evangelischen Religionsunterricht, wobei die katholische Schüler Gaststatus besitzen und somit im Gegensatz zum konfessionell-kooperativen Religionsunterricht keine Kooperation mit katholischen Lehrkräften erfolgen muss. Die Inhalte aus dem Bildungsplan für den katholischen Religionsunterricht sind somit nicht maßgebend. Dennoch möchte ich auch Inhalte des Schulcurriculums für katholische Religion in Klasse 5 aufgreifen.

1.1.2 Die Religionsgruppe

Die Religionsgruppe setzt sich aus 15 Schülern aus beiden Fünferklassen zusammen, 8 Schüler aus der Klasse 5a und 7 Schüler aus der Klasse 5b. Mit 3 Mädchen und 12 Jungen ist das Geschlechterverhältnis relativ einseitig, was nicht immer einfach zu handhaben ist, gerade, wenn es beispielsweise um das Thema Singen im Einstiegsritual geht. Die konfessionelle Zusammensetzung besteht aus 7 evangelischen, 3 katholischen und 5 Schülern ohne Konfession.

Allgemein ist zur Gruppe zu sagen, dass sie sich eigentlich von Anfang an mit wenigen Ausnahmen recht gut zusammengefunden haben, obwohl sie aus zwei verschiedenen Klassen stammen. Allerdings distanzieren sich die Mädchen und die Jungen vor allem im Stuhlkreis deutlich voneinander. Dies ließ sich bisher auch nicht durch eingeteilte Gruppen oder durch Partnerarbeit ändern. Das Lern- und Arbeitsverhalten ist von Stunde zu Stunde und auch je nach Schüler sehr verschieden. Es gibt einige Schüler, die sehr gut mitarbeiten können, wenn sie das Thema interessiert, die andererseits jedoch oft auch den Unterricht stören. Manchmal sind die Schüler sehr motiviert, ein anderes Mal ist die Doppelstunde sehr schleppend. Dadurch, dass die Religionsstunden in den ersten beiden Unterrichtsstunden stattfinden, sind viele Schüler noch etwas verschlafen und brauchen etwas Zeit zum Ankommen. Das Einstiegsritual, welches eine zentrale Bedeutung für das Ankommen im Religionsunterricht hat, besteht aus dem Aufbauen der Mitte, dem Anschlagen der Klangschale, einem Lied, der Herz-Runde und einem Gebet. Das Ritual basiert auf Antworten aus den Fragebögen aus der ersten Stunde im Schuljahr, in denen die Schüler schreiben sollten, was für sie zum Religionsunterricht dazugehört bzw. wie der Anfang einer Stunde aussehen könnte. Aus diesen Antworten, wie z.B. Lieder, Gebet, ruhig sein, habe ich das Ritual entwickelt und im Laufe der Zeit mit den Schülern gemeinsam modifiziert bzw. die Schüler mehr in die Verantwortung dafür genommen. Das Ritual findet im Stuhlkreis statt. Das Klassenzimmer der 5a ist groß genug, um im hinteren Teil des Raumes einen Stuhlkreis zu machen. Da die 5. Klassen mit 16 bzw. 17 Schülern recht klein sind, stehen uns keine Tische im Weg, sodass ein Sozialformwechsel recht schnell und ohne Umbau gelingt. In der Regel sitzen die Schüler in Reihen, so wie der Klassenlehrer die Tische gestellt hat. Ihre Plätze durften die Schüler selbst wählen, ich wechsle jedoch gelegentlich durch und behalte mir vor, sie bei Störungen umzusetzen.

1.1.3  Regeln und Rituale

An der Schule wird mit einem Verhaltensampelsystem gearbeitet, an welches ich mich als Fachlehrer auch halte, um für Transparenz zu sorgen. Zu Beginn des Tages sitzen alle Schüler auf grün. Bei einem Fehlverhalten wird der Schüler auf gelb gesetzt und bekommt vom Klassenlehrer eine Strafarbeit mit Elternbrief. Landet ein Schüler auf dem roten Feld, so muss er eine Stunde bzw. gegebenenfalls zwei Stunden Nachsitzen. Dies koordiniert die Schule zu einheitlichen Terminen und informiert die Eltern. Ich habe mich dazu entschlossen, dass ein Schüler verwarnt wird, bevor er auf das gelbe Feld rutscht. Hierbei schreibe ich den Namen an die Tafel. Mache ich einen Strich dahinter, wir der Schüler umgesetzt. Wenn der zweite Strich dazukommt, rutscht der Schüler auf Gelb, bei weiterem Fehlverhalten direkt auf Rot. Zudem arbeite ich mit dem Klangstab, welcher in Arbeitsphasen als Signal eingesetzt wird. Beim ersten Anschlagen gebe ich den Schülern eine Zeitangabe, wie viel Zeit ihnen noch zur Verfügung steht, beim zweiten Anschlagen ist die Arbeitsphase beendet. Dieses Zeichen habe ich nachträglich eingeführt, da es mir oft zu lange dauerte, bis es leise wurde.

1.2 Anthropologische Bedingungen

Das Sozialverhalten der Gruppe war zu Beginn des Schuljahres mit wenigen Ausnahmen positiv. In den letzten Wochen war der Religionsunterricht leider öfter geprägt durch schlechte Stimmung und Streitigkeiten unter den Jungen, die teilweise offen ausgetragen wurden. Da ich selbst nur die zwei Stunden Religion an der Schule unterrichte, bekomme ich vom Ärger und den Streitigkeiten der Schüler untereinander nichts mit und empfinde es daher als sehr belastend für die Religionsgruppe und speziell einzelne Schüler, die unter den Sticheleien oder Beschimpfungen anderer Schüler zu leiden haben. Zudem sind diese Situationen und Probleme für mich in keiner Weise vorhersehbar gewesen und sie stören den Unterrichtsablauf bzw. machen diesen unmöglich. Zunächst führte ich Gespräche mit J. und C. und erfuhr so u.a. von Problemen im familiären Umfeld von C., welche ihn sehr belasten. Mit J. konnte ich kein vernünftiges Gespräch führen, er blockte in diese Richtung alles ab. Nach einer handgreiflichen Auseinandersetzung in der kleinen Pause habe ich mir die Klassenlehrerin der Klasse 5b, aus welcher J. und C. stammen, zur Unterstützung herangezogen. Diese bestätigte mir das auffällige Verhalten beider Schüler auch in ihrem Unterricht und führte mit beiden ein weiteres Mal ein klärendes Gespräch unter Einbezug des Schulsozialarbeiters. Nachdem beide Schüler keine Einsicht zeigten, wurde in einer dafür angesetzten Klassenkonferenz in Absprache mit der Schulleitung beschlossen, dass die Schüler als pädagogische Maßnahme in den nächsten Wochen nicht mehr am Religionsunterricht teilnehmen und in dieser Zeit von der Klassenlehrerin betreut werden, um die Religionsgruppe, die angegriffenen Schüler und mich als Fachlehrerin zu schützen, zu entlasten und zu unterstützen.

Die Motivation zur Mitarbeit im Unterricht ist stark tagesform- und themenabhängig. Bei den Mädchen habe ich oft das Gefühl, dass sie eine Zeit brauchen, um sich einzufinden und daher anfangs in Gesprächsphasen sehr zurückhaltend reagieren. Dies ändert sich aber normalerweise im Laufe der Doppelstunde. Beim Ausfüllen von Arbeitsblättern oder Aufgaben, welche im Heft bearbeitet werden müssen, stehen bei den Mädchen oft die Verschönerungen an erster Stelle und sie müssen gelegentlich an die eigentliche Aufgabe erinnert werden. Hier ist jedoch gerade bei Gruppenarbeiten eine deutliche Verbesserung zu erkennen. Grundsätzlich arbeitet die Lerngruppe bei schriftlichen Arbeiten recht langsam. Die Ergebnisse sind jedoch zufriedenstellend, sodass die Bearbeitungszeit gegeben werden muss.

J. , K. und Y. kenne ich vom letzten Schuljahr an meiner Stammschule, dort habe ich sie in der 4.Klasse zeitweise in Mathematik unterrichtet. J. ist meist sehr bemüht, ab und zu etwas unkonzentriert und lässt sich dann leicht durch die Jungen ablenken. K. hat sich in den letzten Wochen mehr zugetraut als zu Beginn des Schuljahres, er beteiligt sich nun öfter an Gesprächen und kann wertvolle Unterrichtsbeiträge bringen. Y. ist gemeinsam mit D. , seinem Nebensitzer, sehr still und beide tragen nur wenig zum Unterricht bei und arbeiten sehr langsam. Da Y. oft Hänseleien ausgesetzt ist und sich hier schon hilfesuchend an mich gewandt hat, möchte ich die beiden eigentlich nicht auseinandersetzen. D. war zu Beginn des Schuljahres einer der Schüler, die sehr stark ihre Grenzen ausgetestet haben, er störte häufig den Unterricht und steckte durch sein Verhalten auch Mitschüler zum Stören an. Seit er jedoch mit M. und K. zusammensitzt und sich hier scheinbar im Laufe des Schuljahres eine Freundschaft entwickelt hat, kann er sich besser auf den Unterricht konzentrieren. Er muss gelegentlich ermahnt werden, kann aber fast in jeder Stunde gut mitdenken und gewinnbringende Beiträge einbringen. T. lässt sich leicht ablenken, gehört meines Erachtens von seiner Auffassungsgabe her aber eher zu den starken Schülern der Klasse und kann sich durchaus positiv einbringen. A. kommt mittlerweile mehr aus sich heraus, er wirkt aber oft unsicher und überspielt dies dann zeitweise mit unangemessenem Verhalten. Er hat Mitte des Schuljahres für einige Wochen gefehlt, da er in Kur war. Bei A. sind die schwierigen familiären Verhältnisse vermutlich ausschlaggebend für die Unsicherheit. Ihn gilt es bei einem guten Beitrag zu bestätigen und ihn zu ermutigen. T. kommt häufig ziemlich gestresst in die Schule. Er wurde erst nach Schulbeginn angemeldet. Den Religionsunterricht sitzt er eigentlich nur ab, er ist sehr still und hat in der Gruppe keine Ansprechpartner. Er arbeitet  meist für sich allein, da die Kommunikation mit einem eingeteilten Partner selten zustande kommt. T. erledigt seine Aufgaben gewissenhaft, in angemessenem Arbeitstempo und bringt sich dann in Unterrichtsgespräche ein.

Entwicklungstheoretisch befinden sich die Schüler nach Fowlers Stufen des Glaubens im Übergang von der zweiten zur dritten Stufe, vom mythisch-wörtlichen zum synthetisch-konventionellen Glauben. Während die Schüler auf der zweiten Stufe die doppelten Wirklichkeitsebenen noch gar nicht oder nur in sehr einfachen Ansätzen verstehen, können sie auf der dritten Stufe dagegen Glaubensinhalte wiedergeben.[2] Die Thematisierung eines Gleichnisses muss daher auf Kernelemente und Grunderfahrungen reduziert werden, damit die Schüler diese erfassen können.

Bei Piagets Entwicklungsmodell, welches die Stadien der kognitiven Entwicklung angibt, befinden sich die Fünftklässler im Übergang vom konkret-operationalen Stadium zum formal-operationalen Stadium. Um diesen Übergang zu unterstützen, ist es notwendig, dass das Lernen an konkrete Operationen gekoppelt wird.[3] Hierfür ist es wichtig, dass die Erzählung des Gleichnisses vom verlorenen Sohn anschaulich wird. Daher ist eine Erzählung mit Bildern geplant, damit diese nicht zu abstrakt wird. So sollen sich die Schüler schneller in die Erzählung hineinversetzen können, um später aus der Sicht des Sohnes oder des Vaters sprechen zu können.

1.3 Leistungsstand

Thematisch wurden bereits das Gebet und der Einstieg in das Thema Bibel, in dem wir uns gerade noch befinden, gemacht. Durch Lernstandserhebungen und Fragebögen während den Unterrichtseinheiten wurde deutlich, dass Religion im Umfeld der Schüler kaum eine bzw. gar keine Rolle spielt. Keiner der Schüler besucht ein Angebot wie eine Jungschar oder ähnliches. Selbst zu Weihnachten besuchten nur vier Schüler einen Gottesdienst, Gebete bzw. das Beten in der Familie z.B. vor dem Einschlafen, kennen nur zwei Schüler, wobei dies auch nicht regelmäßig praktiziert wird. Zu Beginn der Einheit Bibel habe ich drei interessierten Schülern meine Kinderbibeln ausgeliehen, da sie so etwas nicht kannten. Im Fragebogen gab kein einziger Schüler an, eine Bibel zu besitzen, lediglich die Eltern oder Großeltern hätten eine Bibel im Schrank stehen. Eine religiöse Sozialisation ist demnach weitestgehend nicht gegeben.

Das Vorwissen der Schüler besteht zum jetzigen Zeitpunkt darin, dass die Schüler wissen, dass die Bibel aus zwei Teilen, dem AT und dem NT, besteht, dass sie gelernt haben eine Bibelstelle aufzuschlagen und bereits das Gleichnis vom barmherzigen Samariter kennen. Zudem wurde in der letzten Doppelstunde besprochen, was ein Gleichnis ist und die Schüler haben anhand von Bibelstellen verschiedene Bilder, die als Vergleich für Gott stehen, gesucht und die Erfahrung mit Gott, die der Schreiber darstellt, herausgefunden.

Im Leistungsstand gibt es trotz geringer Berührungen mit Religion im Alltag der Schüler Unterschiede im Vorwissen. Diese werden vor allem daran liegen, dass die Schüler aus unterschiedlichen Grundschulen kommen und teilweise den Religionsunterricht in der Grundschule gar nicht besucht haben. Das spiegelt sich selbstverständlich nicht nur im Vorwissen wider, sondern auch in unterschiedlichen Erfahrungen, welche die Schüler mitbringen, unter anderem auch mit dem Religionsunterricht an sich.

Die Atmosphäre während des Rituals ist teilweise noch nicht so, wie ich sie für wünschenswert halte. Das Singen ist ab und zu etwas zäh, einige Schüler können sich noch nicht darauf einlassen und versuchen, das Singen zu stören. Wenn jedoch ein Schüler ein Lied einbringt, kann dies in der Regel konzentriert erarbeitet werden. Die Herz-Runde klappt schon recht gut, hier öffnen sich die Schüler und können kurz sagen, was sie am Morgen beschäftigt, was ihnen auf dem Herzen liegt. Hier ist eine positive Entwicklung zu beobachten.

1.4 Meine fachdidaktische Positionierung

Ich sehe den Religionsunterricht als besonderes Fach, welches den Schülern die Möglichkeit bieten soll, mit dem christlichen Glauben in Berührung zu kommen. Für den allgemeinen Erziehungs- und Bildungsauftrag leistet der Religionsunterricht durch die Förderung der religiösen Bildung „einen eigenständigen und unverzichtbaren Beitrag“.[4] Die Möglichkeit der religiösen Sozialisation oder  dem Erleben religiöser Grunderfahrungen, wie das Angenommen-Werden und die gegenseitige Wertschätzung, entzieht sich vielen Kindern und Jugendlichen aufgrund der Erfahrungen in ihrem familiären Umfeld. Ein wichtiger Teil des Religionsunterrichts ist für mich hierbei auch das Ritual zu Beginn und zum Ende der Stunde. Es kann den Schüler einen Zugang zur Religion, zu einem eigenen Glauben ermöglichen und fördert die Kommunikation über aktuelle Befindlichkeiten der Schüler, die gegebenenfalls im Unterricht zu berücksichtigen sind. Tendenziell sind mir Lieder und Bibelverse zum Auswendiglernen auch sehr wichtig, um den Schülern kleine Hilfen mit auf den Lebensweg zu geben, an welche sie sich vielleicht einmal zurückerinnern. Das Singen gestaltet sich mit dieser Religionsgruppe etwas schwerer, da eben der Jungen-Anteil sehr hoch ist. Mittlerweile haben sie sich aber damit arrangiert, dass das Singen dazugehört. Das Repertoire beschränkt sich dabei auf einige wenige und recht einfache Lieder. Diese haben jedoch teilweise die Schüler selbst miteingebracht.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Bezug zur Lebenswirklichkeit mit den Problemen, Emotionen und Bedürfnissen der Schüler. „Der evangelische Religionsunterricht nimmt Kinder und Jugendliche mit ihren Lebensfragen, Sorgen, Ängsten, Erwartungen und Hoffnungen ernst.“[5] Zudem bietet er eine Unterbrechung im Schulalltag, der leider auch in Klasse 5 schon stark von Leistungsdruck geprägt ist. Im Religionsunterricht darf Zeit sein, um über Persönliches zu sprechen. Mir ist es wichtig, wie es der Bildungsplan fordert,  „Glaube als Einstellung, Haltung und Lebenspraxis“[6] anzubieten und den Schülern mit ihren Lebens- und Glaubensfragen beratend zur Seite zu stehen.

Dies schließt für mich auch ein, dass ich in bestimmten Phasen während des Religionsunterrichts, z.B. während der Gruppenarbeit, mich einzelnen Schülern annehme, die entweder störend auffallen oder mich um Hilfe bitten, mit ihnen gemeinsam Probleme bespreche und versuche, Handlungsmöglichkeiten bzw. ggfs. Konsequenzen zu besprechen. Nur so ist es für mich als Fachlehrerin möglich, einen Einblick in die Situation der Schüler zu bekommen. Hierfür sind die meisten Schüler sehr offen und nehmen diese Gesprächsmöglichkeit auch gerne an.

2 Analyse der Sache: Exegese zu Lukas 15,11-32

2.1 Lukas 15,11-32

[11]Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne. [12]Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie. [13]Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen. [14]Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land und er fing an zu darben [15]und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten. [16]Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm. [17]Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger! [18]Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir. [19]Ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner! [20]Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn. [21]Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich dein Sohn heiße. [22]Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße [23]und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's; lasst uns essen und fröhlich sein! [24]Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

2.2 Hintergrundinformationen

2.2.1 Politische Situation

Zur Zeit Jesu befand sich das Land Israel unter römischer Besatzung. Es gab verschiedene Gruppierungen im Volk, wie beispielsweise die Pharisäer, die Qumram-Leute, die Schriftgelehrten und die Zeloten.[7] Die Schriftgelehrten sind ein eigener Berufsstand, der sich mit dem Studium, der Auslegung und der Lehre der Gesetze befasste. Die meisten Schriftgelehrten zu neutestamentlicher Zeit gehörten zur Volksgruppe der Pharisäer.[8] Pharisäer bedeutet „die Abgesonderten“[9], da sich diese Personengruppe von jeglichen fremden, hellenistischen und rationalistischen Einflüssen distanzierte und peinlich genau auf die Gesetzeserfüllung achtete.

2.2.2 Vater

Nach Rienecker hat das Wort Vater seinen Ursprung in der Schöpfermacht Gottes. Gott ruft das ins Leben, was nicht vorhanden ist. Wenn Gott als Vater bezeichnet wird, ist dies Ausdruck der Fürsorge Gottes für die Seinen. Gottes Vater-Sein drückt sich durch die Liebe zu den Menschen aus.[10]

2.2.3 Sohn

Ein Sohn ist zunächst einmal der männliche Nachkomme eines Elternpaares. Das hebräische Wort „ben“ steht jedoch in seiner Bedeutung nicht nur für Sohn, sondern wird auch für Enkel, Urenkel oder Angehörige einer Gruppe verwendet. Seit der Zeit des Neuen Testaments wird zudem derjenige als Sohn bzw. Sohn Gottes bezeichnet, der zum Glauben an Gott gefunden hat. Im Gesetz des Volkes Israel sind die Rechte und Pflichten der Söhne klar verankert. So ist es beispielsweise selbstverständlich, dass sich der Sohn dem Vater unterordnet. Zudem spielt das Verhalten eines Sohnes eine wichtige Rolle für die Ehre bzw. Schande der Eltern oder sogar für den Erhalt bzw. Zerfall einer Familie. Wenn eine Familie mehrere Söhne hatte, galt das Recht des Erstgeborenen, der eine Sonderstellung gegenüber seinen Brüdern einnahm. Bei mehreren Brüdern war ein geordnetes Zusammenleben von essentieller Bedeutung, da sich Verletzungen und Verstöße gegen die gegebene Ordnung stärker auswirkten, weil man sich im Elternhaus eigentlich nicht aus dem Weg gehen konnte.

In heutiger Zeit ist die Botschaft des Evangeliums, dass alle Christen Gottes Söhne bzw. Kinder genannt werden, wie es im Buch Galater steht: „Denn ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.“[11]

[...]


[1] Aufgrund der besseren Lesbarkeit beschränke ich mich auf die maskuline Form (Schüler bzw. Lehrer). Diese
schließt jedoch inhaltlich die feminine Form (Schülerin bzw. Lehrerin) mit ein.

[2] Vgl.(Seminar Nürtingen, 2011). o.S.

[3] Vgl. ebd.

[4] (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2010). S. 14f.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Vgl.(Laubi, 1988). S. 14

[8] Vgl.(Evangelischen Kirchen, 1985)S. 35f.

[9] (Rienecker & Maier, Lexikon zur Bibel., 2004)S. 1068.

[10] Vgl. ebd. S. 1446.

[11] Die Bibel nach Martin Luther: Galater 3, 26.

Ende der Leseprobe aus 37 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde "Das Gleichnis vom verlorenen Sohn" (Religion Klasse 5)
Untertitel
Unterrichtsentwurf zum 2. Staatsexamen "Gleichnisse und ihre Bedeutung für uns"
Hochschule
Staatliches Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (GWHS) Nürtingen
Veranstaltung
Lehrprobe 2. Staatsexamen im Fach Religion
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
37
Katalognummer
V271236
ISBN (eBook)
9783656640455
ISBN (Buch)
9783656640448
Dateigröße
1722 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Prüfungsentwurf zum 2. Staatsexamen für das Lehramt an Grund-, Haupt- und Werkrealschulen. Unterricht konzipiert für 2 Schulstunden.
Schlagworte
Gleichnisse, verlorener Sohn, Unterrichtsentwurf, Religion Klasse 5, Staatsexamen
Arbeit zitieren
Tanja Steiner (Autor), 2012, Unterrichtsstunde "Das Gleichnis vom verlorenen Sohn" (Religion Klasse 5), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271236

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