Zensur in der Sowjetischen Besatzungszone


Hausarbeit, 2010
19 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 RAHMENBEDINGUNGEN
2.1 Die Situation am Ende des II. Weltkriegs
2.1.1 Konferenz von Jalta und Potsdamer Abkommen
2.1.2 Reparationszahlungen an die Sowjetunion
2.2 Institutionen in der SBZ
2.2.1 Die Sowjetische Militäradministration
2.2.1.1 Die Verwaltung für Information
2.2.1.2 Die Abteilung für Volksbildung der SMAD
2.2.2 Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung und der Kulturelle Beirat

3 ZENSUR
3.1 Zensur im Buchwesen
3.1.1 Vorzensur
3.1.2 Nachzensur
3.2 Zensur von Periodika
3.2.1 Vorzensur
3.2.2 Nachzensur

4 ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

Der Zweite Weltkrieg war fast vorüber, als Deutschland 1945 in vier Besatzungszonen unterteilt und den Siegermächten USA, Großbritannien, Frankreich und der Sowjetunion unterstellt wurde. Das Ziel der vier Mächte war es, die Deutschen neu zu erziehen, vom Nazismus und Militarismus zu befreien und die Demokratie in die Deutschen Landen wieder einkehren zu lassen. Das Auseinanderdriften der Interessen zwischen den westlichen Besatzern und der Sowjetunion sorgte jedoch zur Abschottung der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und zur konträren politischen wie wirtschaftlichen Entwicklung in diesem Gebiet. Die SBZ sollte nach planwirtschaftlichen, sozialistischen Aspekte neu aufgebaut, die sowjetische Ideologie in den deutschen Köpfen verankert werden. Die Zensur im gesamten kulturellen Leben der SBZ spielte dabei eine entscheidende Rolle, konnte man mit ihrer Hilfe die Auseinandersetzung mit unerwünschten Themen unterbinden, die Publikation von als ideologisch wertvoll erachteten Werken fördern und kritische Stimmen unterdrücken.

Wie jedoch schaffte man es, in einem Land, das bereits die letzten 12 Jahre unter strengster Zensur durch das Naziregime leben musste, legitim eine Zensur durchzusetzen? Welche Maßnahmen und welche Institutionen wurden ins Leben gerufen, um das Zensursystem am Laufen zu halten? Wie wurde mit Kritik umgegangen, die unvermeidlich war? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist das Ziel dieser Hausarbeit.

Zu Beginn möchte ich die Rahmenbedingungen klären, die Grundlage waren für die Errichtung des weit über die Besatzungszeit hinausreichenden Zensurapparates, beginnend mit den vier Siegermächten und der Konferenz von Jalta und dem Potsdamer Abkommen hin zu den Institutionen, die zum Zwecke der lückenlosen Kontrolle des Verlags- und Pressewesens in der SBZ eingerichtet wurden. Folgend werde ich die Vor- und Nachzensur sowohl im Buchwesen als auch bezüglich der Presse erörtern und abschließend meine Ergebnisse in einem Fazit zusammenfassen.

2 Rahmenbedingungen

2.1 Die Situation am Ende des II. Weltkriegs

2.1.1 Konferenz von Jalta und Potsdamer Abkommen

Anfang Februar 1945 trafen sich die „Großen Drei“, Churchill, Roosevelt und Stalin in Jalta auf der Krim zu einer alliierten Kriegskonferenz. Ziel dieses Treffens war die Planung des Vorgehens in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges sowie der Handhabe Deutschlands nach Kriegsende.1

Vom 17. Juli bis 2. August 1945 trafen sich die Siegermächte, USA, Großbritannien, Sowjetunion erneut, diesmal unter Beteiligung von Frankreich, um im „Potsdamer Abkommen“ die in Jalta gefassten Beschlüsse und Vereinbarungen endgültig zu verabschieden. Inhalte dieses Abkommens waren unter anderem das Vorgehen bezüglich der Besatzung Deutschlands durch die vier Mächte mit dem Ziel der Demokratisierung, Entmilitarisierung und Entnazifizierung sowie die Höhe und die Art der Reparationsleistungen, die Deutschland zu zahlen hatte.2

2.1.2 Reparationszahlungen an die Sowjetunion

Die Sowjetunion begann unmittelbar nach Kriegsende noch vor dem Industriebeschränkungsplan vom März 1946 mit der Demontage und dem Abtransport von Fabrikanlagen, Eisenbahngleisen und Transporteinrichtungen. Der Industriebeschränkungs- plan sollte den Umfang der Zahlungen bestimmen und legte gleichzeitig eine Begrenzung fest, um eine Grundversorgung der Deutschen dennoch zu gewährleisten. Die Sowjetunion betrieb den Abbau jedoch exzessiv weit über das festgelegte Maß hinaus. Von Demontagen betroffen waren auch die für die Presse und das Buchwesen notwendigen Maschinen und Apparaturen, auch Ressourcen wie Bodenschätze und Wälder wurden als Entschädigungs- leistung in Zahlung genommen.3 Bis 1949 und darüber hinaus herrschte dadurch in der SBZ ein Mangel an vielen Industriegütern, so auch an Papier und Druckerpressen.

2.2 Institutionen in der SBZ

2.2.1 Die Sowjetische Militäradministration

Mit dem Befehl Nr. 1 vom 9. Juni 1945 wurde die Sowjetische Militäradministration (SMAD) als Organ der Sowjetregierung in Deutschland eingerichtet. Dieser Befehl gab ihr die „Kontrolle über die Erfüllung der Deutschland durch die bedingungslose Kapitulation auferlegten Bedingungen und […] Verwaltung der sowjetischen Besatzungszone in Deutschland“4 zur Aufgabe. Zum Obersten Chef wurde Marschall G. K. Shukow ernannt, sein erster Stellvertreter wurde Armeegeneral W. D. Sokolowksi.5 Die SMAD war die höchste Rechtssetzungs-, Kontroll- und Verwaltungsinstanz im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands.

Sie gliederte sich auf in vier fachliche Hauptorganisationen: die Abteilung für Volksbildung, die Verwaltung für Propaganda (später: für Information), die Zentrale Industrieverwaltung und die Verwaltung für innere Angelegenheiten.6 Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich mich nur mit den ersten beiden genannten Verwaltungen auseinandersetzen, da sie für die Buch- und Verlagspolitik entscheidend waren.

Desweiteren wurden auf der Grundlage des Befehls des Obersten Chefs der SMAD Nr. 5 vom 9. Juli 1945 fünf Länder- bzw. Provinzverwaltungen gebildet, jeweils nominell einem regionalen Truppenchef unterstellt, die formal den Status von SMAD-Verwaltungen erhielten. Die eigentlichen Aufgaben der Besatzungsadministration unterlagen jedoch der Leitung der jeweils beigeordneten Stellvertreter für die Zivilangelegenheiten, auch als Chefs der SMA bezeichnet.7

2.2.1.1 Die Verwaltung für Information

Die Ende Oktober 1945 gebildete Propagandaverwaltung war das Kernstück der SMAD. Über 150 Offiziere wurden mit der Umstrukturierung des gesamten gesellschaftlichen sowie kulturellen Lebens in der sowjetischen Besatzungszone betraut, hatten desweiteren zur Aufgabe, die Befehle des Obersten Chefs der SMAD zur erläutern und zu rechtfertigen sowie die immer schärfer werdenden Auseinandersetzungen mit den westlichen Alliierten zu führen.8 Ebenso erhielt sie den Auftrag, den gesamten Bereich von Presse, Publikations- und Verlagswesen zu kontrollieren, besonders durch die Vergabe und den Entzug von Verlagslizenzen und Lizenzen für einzelne Druckerzeugnisse.9 Die Leitungsposition erhielt Oberst Sergej Iwanowitsch Tjulpanow. Im Mai 1947 wurde der Name Propagandaverwaltung in Informationsverwaltung abgeändert, die Aufgaben blieben jedoch dieselben.10

2.2.1.2 Die Abteilung für Volksbildung der SMAD

Die zweite wichtige Abteilung der SMAD war die bereits Anfang Juni 1945 eingerichtete Abteilung für Volksbildung. Bis zu ihrer Auflösung aufgrund des SMAD-Befehls vom 17. November 194911 kamen ihr unter der Leitung von Pjotr Wassiljewitsch Solotuchin im Wesentlichen zwei Aufgaben zu: die Ingangsetzung und Umgestaltung des Schul- und Hochschulbetriebs sowie die Säuberung und Ingangsetzung der öffentlichen Bibliotheken.12 Im Vordergrund bei dieser Arbeit stand die Entnazifizierung und Demokratisierung des gesamten Bildungssystems des sowjetischen Sektors. Desweiteren beschäftigte sich die Abteilung, basierend auf dem Befehl Nr. 17 des Obersten Chefs vom 27.Juli 1945 mit dem Aufbau der Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung.13

2.2.2 Die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung und der Kulturelle Beirat

Als deutsches Pendant zur SMAD-Abteilung für Volksbildung spielte die Deutsche Zentralverwaltung für Volksbildung (DVV) eine entscheidende Rolle für das Zensursystem in der SBZ, wobei die SMAD-Abteilungen Information und Propaganda beide Einfluss übten auf das Wirken der DVV.14 Durch den Befehl Nr. 17 der SMAD vom 27.7.1945 ins Leben gerufen, war es ihre Aufgabe, die Schulen, Kinderheime und - gärten, die Lehrveranstaltungen, die Kunst-, wissenschaftlichen und kulturbildenden Institutionen zu leiten.15 Zum Präsident der DVV wurde Paul Wandel (KPD/SED) ernannt und behielt diesen Posten bis zu ihrer Auflösung am 7. Oktober 1949 durch den Übergang in das Ministerium für Volksbildung. Ihr untergliedert waren vier Abteilungen: die Abteilung Schulwesen, die für Hochschulen und Wissenschaft, eine für Allgemeine Kunst und Literatur sowie eine Abteilung für kulturelle Aufklärung.

Die Abteilung Verlagswesen, der Abteilung für kulturelle Aufklärung untergliedert16, wurde wahrscheinlich schon Ende 1945 gegründet.17 Ihre offizielle Aufgabe war es, „die Vertragslizenzen zu prüfen und im Falle einer Befürwortung an die SMAD zur endgültigen Lizenzerteilung weiterzugeben“.18 Leiter dieser Abteilung wurde Erich Weinert, mit dessen Antritt 1946 vermutlich der Aufbau eines Kulturellen Beirats (KB) begonnen hatte.19 Dieser der Abteilung Verlagswesen angegliederte Beirat sollte offiziell der Beratung von Autoren und Verlegern dienen. In der Leipziger Ausgabe des Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vom 25. August 1947 beschrieb Heinrich Becker die Aufgaben und Eigenschaften des KB wie folgt: Um den Problemen der Verlage „zu begegnen, wurde der „Kulturelle Beirat“ geschaffen, eine Institution, die, wie aus der Bezeichnung klar ersichtlich, eine beratende Funktion ausüben soll.“20 Und weiter schreibt er: „Der Kulturelle Beirat übt keinerlei Zwang, Kontrolle, Beaufsichtigung oder Beeinflussung aus. Enge Zusammenarbeit mit Verlegern, Autoren, Bibliotheken gewährleistet freie Aussprache und freie Entschlüsse.“

[...]


1 Vgl. Benz (2005 I), S. 4f.

2 Vgl. ebd. S. 7f.

3 Vgl. Benz (2005 II), S. 44ff.

4 Befehl Nr. 1 vom 9.Juni 1945 in Tjulpanow (1986), Abb. 5.

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. Foitzik (1990), S. 23.

7 Vgl. ebd. S. 24f.

8 Vgl. Bille (1992), S. 168.

9 Vgl. ebd. S. 169.

10 Vgl. Perkow (2009), S. 245.

11 Vgl. Zarewskaja-Djakina (2009), S. 460.

12 Vgl. Bille (1992), S. 169.

13 Vgl. Zarewskaja-Djakina (2009), S. 455f.

14 Vgl. Welsh (1990), S. 229.

15 Vgl. Dietrich (1994), S. 221.

16 Vgl. Welsh (1990), S. 237.

17 Vgl. Bille (1992), S. 176.

18 Ebd.

19 Vgl. ebd.

20 Becker (1946), S. 4.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Zensur in der Sowjetischen Besatzungszone
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft)
Veranstaltung
Der Buchhandel im Nachkriegsdeutschland 1945-1949
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V271245
ISBN (eBook)
9783656627449
ISBN (Buch)
9783656627401
Dateigröße
719 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zensur, sowjetischen, besatzungszone
Arbeit zitieren
Stephanie Lihs (Autor), 2010, Zensur in der Sowjetischen Besatzungszone, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271245

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