Krankheit oder Mord? Die Todesursache Marc Aurels


Hausarbeit, 2009

14 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist über den Tod Marc Aurels bekannt?

3 Welche Theorien gibt es über die Todesursache Marc Aurels?
3.1 Krankheit als Todesursache
3.2 Mord als Todesursache

4 Schlussbetrachtung

5 Literatur- und Quellenverzeichnis
5.1 Literaturverzeichnis
5.2 Quellenverzeichnis

1 Einleitung

Wie ist der römische Kaiser und Philosoph Marc Aurel ums Leben gekommen? Wurde er Opfer der Antoninischen Pest oder verstarb er nach einer langjährigen Krankheit? Ist er ermordet worden? Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem aktuellen Forschungsstand bezüglich der Todesursache Marc Aurels. Er verstarb am 17. März 180 n. Chr., nach neuestem Forschungsstand wahrscheinlich in Bononia nahe Sirmium, der heutigen Stadt Sremska Mitrovica in Serbien.1

Auch heute, ca. 1830 Jahre nach seinem Tod, beschäftigt sich die Wissenschaft immer noch mit der Frage, wie dieser große Kaiser ums Leben kam. Über sein Ableben gibt es in der Forschung verschiedene Thesen.

Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich mit einem Überblick der unterschiedlichen Forschungstheorien zur Todesursache Marc Aurels. Im zweiten Teil der Arbeit werden die beiden wahrscheinlichsten Theorien der Todesursache, Krankheit und Mord, intensiver betrachtet. Im Schlussteil der Arbeit erfolgt eine resümierende Betrachtung der möglichen Todesursachen des Kaisers.

Als Grundlage dieser Arbeit dienen sowohl Quellen als auch aktuelle Literatur.

Als antike Quellen wurden für diese Hausarbeit insbesondere die „Historia Augusta“ und das Werk „Römische Geschichte“ von Cassius Dio verwendet. Als wichtigste Werke aus der heutigen Forschungsliteratur dienen für diese Hausarbeit die beiden Werke „Mark Aurel. Kaiser und Philosoph“ von Anthony Birley und „Marc Aurel. Der Philosph auf dem Caesarenthron“ von Ute Schall.

Den neusten Forschungsstand zu diesem Thema stellt beispielsweise das Werk „Marc Aurel. Gestalten der Antike“ von Jörg Fündling aus dem Jahr 2008 dar.

2 Was ist über den Tod Marc Aurels bekannt?

In der Fachliteratur gibt es zu den Todesursachen und zu dem Ort des Todes Marc Aurels unterschiedliche Theorien.2

Es steht fest, dass man als Todesdatum Marc Aurels den 17. März 180 n. Chr. annehmen kann.3 Zur genauen Todesursache gibt es folgende Theorien. Als eine mögliche Todesursache wird angenommen, dass er nach siebentägiger Krankheit, mit 59. Jahren, im 20. Jahr seiner Herrschaft, starb.4 Auffällig ist, dass schon in der Antike Uneinigkeit über den genauen Ort seines Todes zwischen den römischen Geschichtsschreibern Aurelius Victor und Tertullian herrschte. Während Aurelius Victor behauptet Marc Aurel sei „zu Vindobona“5, dem heutigen Wien verstorben, nennt Tertullian „Bononia bei Sirmium“6 als Sterbeort.

Jörg Fündling stuft nach einer neueren Deutung der verschiedenen Manuskripte der spätantiken Epimatoren Bononia bei Sirmium durch das damalige Kriegsgeschehen als den wahrscheinlicheren Ort des Todes ein.7

Anthony R. Birley hingegen zieht Vindobona als Todesort Marc Aurels vor. Ihm zur Folge wusste Aurelius Victor […] obgleich er viel später schrieb, über die pannonische Geographie wahrscheinlich besser Bescheid als Tertullian und interessierte sich wohl auch eher dafür.8

Nach der Theorie Herbert Bannerts gibt ausschließlich Marc Aurels Zeitgenosse Tertullian mit seiner Angabe „Marc Aurel sei apud Sirmium“9 verstorben, den wahrheitsgemäßen Ort des Todes wieder.10 Bannert zur Folge sind die Angaben Tertullians als präzise und verlässlich anzusehen.11 Ausgrabungen in Bononia und Sirmium konnten laut Herbert Bannert diese Theorie und die Angaben in den spätantiken Quellen zum Ort des Todes bislang allerdings nicht bestätigen oder widerlegen.12

Zu den letzten Amtshandlungen Kaiser Marc Aurels gehörte die Führung des zweiten Markomannenkrieges. Mit seinem Sohn Commodus befand er sich seit dem 3. August 178 n. Chr. im Feldzug gegen diesen Volksstamm und sein Ziel war vermutlich „die Errichtung zweier neuen Provinzen jenseits der Donau.“13

Nach Angaben der Historia Augusta ging es mit Marc Aurel während des Markomannenkrieges folgendermaßen zu Ende:

Als er krank geworden war, berief er seinen Sohn zu sich und bat ihn vor allem, die Durchführung des Krieges nicht zu versäumen, damit er nicht als Vaterlandsverräter dastehe. Die Antwort seines Sohnes, er wünsche vor allem seine Gesundheit zu erhalten, ließ er gelten, bat ihn aber, noch ein paar Tage auszuharren und nicht auf der Stelle abzureisen. Hernach nahm er in dem Wunsch zu sterben weder Speise noch Trank zu sich und verschlimmerte so die Krankheit. Am sechsten Tage ließ er seine Freunde rufen; lächelnd über die irdischen Dinge, den Tod aber verachtend, sagte er zu seinen Freunden: “Was beweint ihr mich, statt vielmehr an die Pest und an das Massensterben zu denken?“ Und als sie sich zurückziehen wollten, sagte er mit einem Seufzer: “Wenn ihr mir nunmehr den Abschied gebt, so sage ich euch Lebewohl, der ich euch vorausgehe.“ Gefragt, wem er den Sohn anempfehle, antwortete er: “Euch, so er es verdient, und den unsterblichen Göttern.“ Die Kunde von seiner Erkrankung betrübte die Truppen gar sehr, weil sie ihn ganz besonders liebten. Am siebten Tage wurde es schlimmer mit ihm, und er ließ nur den Sohn vor, den er aber gleich wieder fortschickte, um ihn vor Ansteckung zu bewahren. Nach des Sohnes Weggang verhüllte er sein Haupt, als gedächte er zu schlafen; aber im Verlauf der Nacht hauchte er seinen Geist aus. Es heißt, er habe, da er des Sohnes Entwicklung voraussah, wie sie nach seinem, des Vaters, Tod eingetreten ist, dessen Tod gewünscht, damit dieser nicht, nach seinen eigenen Worten, einem Nero, Caligula und Domitian gleiche.14

Cassius Dio hat eine andere, kürzere Version des Ablebens von Marc Aurel. Danach soll er Commodus kurz vor seinem Tod dem Schutz der Soldaten empfohlen haben. Dem Tribunen, der ihm nach dem Losungswort fragte, antwortete er: „Wende dich zur aufgehenden Sonne, die meine geht schon unter!“15 Es ist allerdings zu vermuten, dass es sich bei dieser Aussage Marc Aurels weniger um eine tatsächliche Anspielung des Kaisers, sondern eher um eine aus der Feder von Cassius Dio handelt. Die Trauerfeier und die Verbrennung des Kaisers fanden nach Angaben von Herbert Bannert in Sirmium statt.16 „Nur Marcus´Asche kehrte nach Rom zurück.“17 In Nachahmung der Traianssäule wurde nach seinem Tod die nach ihm benannte, Marc- Aurel-Säule mit Darstellungen aus den Markommanenkriegen errichtet.18

Commodus schloss „entgegen des ausdrücklichen, letzten Willens Marc Aurels im Sterbebett, […] sofort nach dessen Tod mit den Markomannen, Quaden und Jazygen einen unnötigen und für Rom ungünstigen Frieden [...] .“19

3 Welche Theorien gibt es über die Todesursache Marc Aurels?

Als die beiden wahrscheinlichsten Ursachen für den Tod Kaiser Marc Aurels gelten in der Forschung Krankheit oder Mord. In den Quellen wird mehrfach erwähnt, dass Marc Aurel kurz vor seinem Tod schwer erkrankte. Cassius Dio beispielsweise berichtet, dass er „von der Seuche befallen war.“20 Anthony R. Birley schreibt hierzu: „Anfang März 180 n. Chr., kurz vor Beginn der Feldzugssaison, wurde er schwer krank.“21 Anderen Berichten zur Folge soll er schon seit Langem erkrankt gewesen sein. Marianne Bergmann zur Folge starb Marc Aurel „[…] wahrscheinlich an der Krankheit, die ihn seit Jahren zur Einnahme schmerzstillender Mittel gezwungen hat.“22 Herbert Bannert hingegen berichtet: „Wir wissen aber, dass Marc Aurel jahrelang an einem nicht näher bestimmbaren Brustleiden gelitten hat.“23 Beide Autoren beziehen sich mit ihren Aussagen auf die Aussage Cassius Dio´s wonach Marc Aurel jahrelang an einer „Schwäche in Brust und Magen“24 litt. Wenn den Schriften Cassis Dio´s glauben geschenkt werden darf, war Marc Aurel schon Jahre vor seinem Tode ein „schwächlicher“25 Herrscher. Auch in seinen Selbstbetrachtungen finden sich Hinweise darauf, dass er gesundheitliche Probleme hatte. Dort schreibt er unter anderem von „Blutspeien“ und „Schwindel“.26 Als eine weitere Möglichkeit als Todesursache ist der Tod durch Vergiftung zu nennen. Durch Marc Aurels Leibarzt Galen und Cassius Dio sind zwei voneinander unabhängige Berichte enthalten, die wenig Zweifel daran lassen, dass der Kaiser zumindest „zeitweise den körperlichen Folgen einer regelmäßigen Opiumeinnahme unterworfen war.“27 Galens Darstellung erweckt eher den Eindruck, dass das Opium im Medikament Theriak, welches Marc Aurel zu sich nahm, „nur über kurze Zeit eine körperliche Abhängigkeit des Kaisers und Entzugserscheinungen provoziert habe.“28

[...]


1 Fündling, Jörg: Marc Aurel. Gestalten der Antike, Darmstadt 2008, S. 171.

2 Vgl. Bannert, Herbert: Der Tod des Kaisers Marcus, in: Klein, Richard (Hrsg.): Marc Aurel. Wege der Forschung, Darmstadt 1979, S.459.

3 Vgl. Eck, Werner: Marcus, in: DNP 7, 1999, Sp.873.

4 Vgl. Bannert: Kaiser Marcus, in: Klein: Marc Aurel, S.459.

5 Aurel. Vic., Liber de Caesaribus, 14-15.

6 Tert., Apologetikum, 25.

7 Vgl. Fündling: Marc Aurel, S.171.

8 Vgl. Birley, Anthony R.: Mark Aurel. Kaiser und Philosoph, 2. durchgesehene und erweiterte Auflage, München 1977, S.379.

9 Tert., Apologetikum, 25.

10 Vgl. Bannert: Kaiser Marcus, in: Klein: Marc Aurel, S.466.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Ebd., S.460.

14 HA Aurel. 28.

15 Cass. Dio 71,34.

16 Vgl. Bannert: Kaiser Marcus, in: Klein: Marc Aurel, S.465.

17 Ebd., S.471.

18 Vgl. R. Hanslik, Der kleine Pauly. Lexikon der Antike, 3. Bd., Stuttgart 1975, Sp. 1013, s.u. Marcus 2.

19 Dankwarth, Gerhard: Marc Aurel. Römischer Kaiser und Philosoph, Heere 1997, S.149.

20 Cass. Dio 71,33.

21 Birley: Mark Aurel, S.377.

22 Bergmann, Marianne: Marc Aurel, Bd. 2, Frankfurt am Main 1978, S.6.

23 Bannert: Kaiser Marcus, in: Klein: Marc Aurel, S.459-460.

24 Cass. Dio 71,6.

25 Cass. Dio 71,1.

26 Aurel. 1,17.

27 Schlange-Schöningen, Heinrich: Die römische Gesellschaft bei Galen, Bd. 65, Berlin 2003, S.200.

28 Ebd. S.202.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Krankheit oder Mord? Die Todesursache Marc Aurels
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
2.3
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V271292
ISBN (eBook)
9783656629771
ISBN (Buch)
9783656629764
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krankheit, mord, dietodesursache, marc, aurels
Arbeit zitieren
Manfred Pientka (Autor), 2009, Krankheit oder Mord? Die Todesursache Marc Aurels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271292

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Krankheit oder Mord? Die Todesursache Marc Aurels



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden