Seit der Jahrtausendwende hält das Internet stetig wachsenden Einzug in unser aller Dasein. Dabei wurden durch das Internet viele Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens tiefgreifend modifiziert und revolutioniert. Nun, da das Vertrauen in die neue Technik gestiegen ist, wagen es die Wirtschaftsakteure (finanz-)wirtschaftliche Transaktionen wie den Kauf von hochwertigen Wirtschaftsgütern (bspw. Küchen und Autos) oder Online-Banking über das neue Medium abzuwickeln.
Eine der jüngsten Entwicklungen im Bereich von finanzwirtschaftlichen Transaktionen ist die Anschubfinanzierung (Early Stage Financing) von Projekten, Produkten und Unternehmen über das Internet in Form von vielen kleinen monetären Beitragen, genannt Crowdfunding.
Die Funktionsweise, die Anreizmechanismen und die ökonomischen Implikationen dieses neuen Marktes sollen in dieser Seminararbeit erörtert und erarbeitet werden. Besonderes Augenmerk liegt auf den Marktunvollkommenheiten, deren Lösungsmechanismen sowie den Risiken, welche der attraktiven Reduktion von Transaktionskosten gegenüber stehen.
Weiterhin soll anhand empirischer Ergebnisse überprüft werden, ob Crowdfunding eine Erweiterung oder eine Substitution zu anderen Finanzierungen darstellt und ein Ausblick auf Crowd-Equity gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung in die Thematik des Crowdfundings
2. Grundlagen des Crowdfundings
2.1 Definition des Marktes
2.2 Die Akteure und deren Vorgehensweise
2.3 Makroökonomische Potentiale des Crowdfunding
3. Ökonomische Analyse des Verhaltens der Crowdfunding-Akteure
3.1 Motive und Anreize zur Teilnahme an Crowdfunding-Aktionen
3.2 Risiken des Crowdfundings
4. Unvollkommenheiten im Markt für Crowdfunding und deren Lösungbarkeit
4.1 Due Diligence des Crowdfundings – Die Freerider Problematik
4.2 Gründe für den Zusammenbruch des Marktes für Crowdfunding
4.3 Lösung der Informationsasymmetrie durch Signaling
4.4 Lösung der Koordinationsproblematik durch das „Alles oder Nichts“–Prinzip
5. Empirische Befunde anhand der Plattform SellaBand
5.1 Funktionsweise der Plattform
5.2 Daten und Modellentwurf
5.3 Resultate
6. Konklusion und Ausblick
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Funktionsweise, Anreizmechanismen und ökonomischen Implikationen von Crowdfunding-Märkten. Ziel ist es, Marktunvollkommenheiten und deren Lösungsmechanismen zu analysieren sowie empirisch zu überprüfen, ob Crowdfunding als neue Finanzierungsform eine Erweiterung oder Substitution zu bestehenden Modellen darstellt.
- Grundlagen des Crowdfundings und Marktdefinition
- Ökonomische Analyse von Akteursmotiven und Risiken
- Marktunvollkommenheiten und Lösungsmechanismen (Due Diligence, Signaling, „Alles oder Nichts“-Prinzip)
- Empirische Fallstudie anhand der Plattform SellaBand
- Zukünftige Entwicklung des Crowd-Equity
Auszug aus dem Buch
3.1 Motive und Anreize zur Teilnahme an Crowdfunding-Aktionen
Ein mögliches Motiv weshalb sich Initiatoren für Crowdfunding als Finanzierungsform entscheiden ist, dass Ihnen dadurch geringere Kapitalkosten entstehen (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013). Dies wird damit begründet, dass aufgrund der nicht mehr vorhandenen Beschränkung auf lokale Kapitalgeber die Möglichkeit bestehe, jene Investoren zu finden, welche die größte Zahlungsbereitschaft für den Erhalt der Gegenleistung haben. Inwiefern regionale Restriktionen durch Crowdfunding tatsächlich aufgehoben werden wird in Abschnitt 5.3 erläutert. Ebenso ist anzunehmen, dass es den Initiatoren durch Crowdfunding ermöglicht wird einen Teil des Zinses auf das eingesetzte Kapital durch Teilhabe der Investoren an dem Projekt zu ersetzen (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013). Sollte es durch Crowdfunding tatsächlich zu einer Verschärfung des Wettbewerbs für Early-Stage-Financing kommen, könnten durch Substitutionseffekte auch bei anderen Finanzierungsformen die Zinsen sinken. Im Falle des Crowd-Pre-Selling findet eine Preisdiskriminierung zweiten Grades statt, denn der Vorverkaufspreis liegt regelmäßig über dem Markteinführungspreis (Belleflamme, Lambert und Schwienbacher, 2011). Die dabei abschöpfbare Konsumentenrente nimmt mit der Höhe des Kapitalziels ab.
Als zweites Motiv der Initiatoren kann angeführt werden, dass dadurch mehr Informationen in Form von Feedback durch die Investoren bereitgestellt wird als durch traditionelle Finanzierungsformen (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013). Durch diese von der Crowd eingebrachten Informationen ist es möglich das Produkt so zu modifizieren, dass es für einen größeren Interessentenkreis eine potentielle Kaufoption darstellt. Daraus folgt, dass durch die größere Informationsbasis eines durch Crowdfunding finanzierten Projekts dessen Erfolgsaussichten steigen und dadurch künftige Kapitalkosten des Projekts sinken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung in die Thematik des Crowdfundings: Die Einleitung führt in das Konzept Crowdfunding als neue Form der Online-Finanzierung ein und formuliert das Ziel der Arbeit, Anreizmechanismen und Marktrisiken zu untersuchen.
2. Grundlagen des Crowdfundings: Dieses Kapitel definiert den Markt für Crowdfunding, identifiziert die beteiligten Akteure und beleuchtet die makroökonomischen Potenziale der Finanzierungsmethode.
3. Ökonomische Analyse des Verhaltens der Crowdfunding-Akteure: Hier werden die Motive der Initiatoren und Investoren analysiert sowie die spezifischen Risiken, wie der Totalverlust des Kapitals oder die Offenlegung von Geschäftsideen, erörtert.
4. Unvollkommenheiten im Markt für Crowdfunding und deren Lösungbarkeit: Das Kapitel behandelt Marktversagen wie das Kaltstart-Problem und adverse Selektion und stellt Lösungsansätze durch Due Diligence, Signaling und das „Alles oder Nichts“-Prinzip vor.
5. Empirische Befunde anhand der Plattform SellaBand: Eine empirische Untersuchung mittels Paneldaten der Plattform SellaBand belegt, dass Crowdfunding geografische Distanzen überbrücken kann und Initiatoren in Regionen ohne traditionelle Finanzierung unterstützt.
6. Konklusion und Ausblick: Die Arbeit fasst zusammen, dass Crowdfunding einen wichtigen Beitrag zur Start-up-Finanzierung leistet, und diskutiert Herausforderungen für die Zukunft, insbesondere im Bereich Crowd-Equity.
Schlüsselwörter
Crowdfunding, Finanzierung, Crowdsourcing, Informationsasymmetrie, Due Diligence, Marktversagen, Signaling, Alles oder Nichts-Prinzip, SellaBand, Investoren, Initiatoren, Kapitalkosten, Crowd-Equity, Risikoanalyse, Marktunvollkommenheiten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ökonomischen Grundlagen, Mechanismen und Risiken von Crowdfunding als innovative Finanzierungsmethode für Projekte und Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Akteursmotive, die Überwindung von Marktunvollkommenheiten durch Signaling-Methoden und die empirische Untersuchung von Investitionsverhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu erörtern, ob Crowdfunding Ineffizienzen aufweist, wie diese durch Mechanismen wie das „Alles oder Nichts“-Prinzip gelöst werden können und ob es eine echte Alternative zu traditionellen Finanzierungen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische ökonomische Analyse sowie eine empirische Untersuchung anhand von Daten der Plattform SellaBand.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Anreizen der Akteure, den Risiken (wie Betrug oder Inkompetenz), der Funktionsweise der Due Diligence und den Möglichkeiten zur Verringerung von Informationsasymmetrien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Crowdfunding, Informationsasymmetrie, Signaling, Due Diligence und das Alles oder Nichts-Prinzip.
Warum ist die „Due Diligence“ im Crowdfunding problematisch?
Da Crowdfunding meist auf sehr vielen kleinen Investitionsbeiträgen basiert, sinkt der Anreiz für den Einzelnen, hohen Zeit- und Kostenaufwand für eine gründliche Prüfung (Due Diligence) zu betreiben.
Welche Rolle spielt das „Alles oder Nichts“-Prinzip?
Es fungiert als Schutzmechanismus für Investoren, indem Kapital erst bei Erreichen des Zielbetrags ausgeschüttet wird, was vor Verlusten in unterfinanzierten Projekten bewahrt.
- Quote paper
- Frederik Wulf (Author), 2014, Crowdfunding. Funktionsweise, Anreizmechanismen und ökonomische Implikationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/271354